Rassistischer Alltag in der BRD: Die einst nichtöffentliche Meinung
„… Die Dokumentation von rassistischen, antisemitischen, LGBTIQ*-feindlichen, und anderen diskriminierenden Vorfällen, die sich in dem Bezirk ereignen, erfasst für 2019 einen Anstieg der Vorfälle um fast 15 Prozent. Erfasst werden Angriffe, Bedrohungen, Propaganda und Sachbeschädigungen, die dem Register gemeldet werden oder in der Polizeistatistik auftauchen. Demnach gab es in Lichtenberg im vergangenen Jahr pro Monat durchschnittlich zwei Angriffe und fast drei Bedrohungen. Als Grund für den Anstieg nennt Michael Mallé von der Fachstelle Lichtblicke, bei der das Register angesiedelt ist, vor allem Neonazi-Aktivitäten im Europa-Wahlkampf sowie eine höhere Meldebereitschaft. »Die meisten Vorfälle sind rassistisch motiviert«, sagte Mallé. So war im Februar vergangenen Jahres etwa ein 14-jähriges Mädchen im Ortsteil Rummelsburg von einem 32-Jährigen rassistisch beleidigt und in die Rippen geboxt worden. Die 14-Jährige wurde von Polizist*innen auf dem Gehweg liegend aufgefunden und musste im Krankenhaus behandelt werden…“ – aus dem Beitrag „Ausgegrenzt und attackiert“ von Marie Frank am 16. Januar 2020 in neues deutschland online
über Entwicklungen in Berlin-Lichtenberg was den alltäglichen Rassismus und die (oftmals damit verbundene) Jagd auf Obdachlose betrifft. Siehe dazu drei weitere Beiträge über rassistischen Alltag auf verschiedensten Ebenen:
- „Diese jungen Hessen erleben täglich Rassismus und Gewalt“ am 16. Januar 2020 bei hessenschau.de
meldet über einzelne persönliche Erfahrungen: „… Ich wurde vergangenes Jahr in einem Frankfurter Supermarkt von einem Mann rassistisch beleidigt und sehr fest geschubst. Damals war ich im siebten Monat schwanger. Er sagte: „Was läufst du hier mit deinem blöden Kopftuch rum?“ Als ich gesagt habe, dass ich schwanger bin, hielt er mir die Faust ins Gesicht und sagte: „Noch schlimmer, noch so einer von euch.“ Die Filialleitung des Supermarkts hat mich nicht ernst genommen und wollte, dass ich nach Hause gehe. Ich habe darauf bestanden, dass die Polizei kommt. Daraufhin saß ich zehn Minuten alleine mit dem Täter in einem Raum. Vor den Beamten hat mich der Täter weiter rassistisch beleidigt...“
- „Araber sprechen kein Chinesisch“ von Henrike Koch am 16. Januar 2020 bei der taz online
zu immer noch verbreiteten Stellenangeboten: „… Bitte keine Araber“ – diese Antwort bekam ein junger Mann Anfang der Woche auf sein Bewerbungsschreiben. Der Absender: ein bekanntes Architekturbüro in Berlin. Der Bewerber veröffentlichte die Mail auf seinem privaten Facebook-Profil – „Das schlimmste Ablehnungsschreiben, das man bekommen kann“, kommentierte er knapp auf Englisch. (…) Das Architekturbüro hat am Mittwoch eine Stellungnahme veröffentlicht, in dem es bedauert, dass es „im vorliegenden Fall zu einem Missverständnis kam, das auf Verkürzung und fehlendem Kontext basiert“. Die Bewerbung sei versehentlich einer laufenden Stellenanzeige für Projekte in China zugeordnet worden, für die es insbesondere „sehr gute chinesische Sprachkenntnisse und Projekterfahrung in China“ Voraussetzung seien. Da der Bewerber die Kriterien für diese Stelle nicht erfüllt habe, sei die Bewerbung mit „verkürztem Kommentar“ an das Sekretariat zurückgeschickt worden. „Aus unserer Sicht ist das vorgeschoben, wir finden das nicht glaubwürdig“, sagt ein Sprecher des Antidiskriminierungsnetzwerk des Türkischen Bundes in Berlin-Brandenburg (ADNB). Das Netzwerk bietet Beratung und Unterstützung für Menschen an, die diskriminiert wurden oder den Eindruck haben, diskriminiert worden zu sein. Dem in diesem Fall Betroffenen würde man raten, zu klagen. „Das ist ein gutes, sehr konkretes Beweismittel. Es ist sehr selten, dass man eine Diskriminierung schriftlich hat,“ meint Nilgün Çakan, eine Mitarbeiterin des ADNB…“
- „Macht und Missbrauch“ von Peter Weissenburger am 17. Januar 2020 in der taz online
über Ereignisse bei der Deutschen Welle: „… Zweitens ist da der Fall eines Teamleiters in der Sportredaktion, der durch rassistische und antisemitische Aussagen und durch Mobbing aufgefallen war. Dieser Fall wird im Guardian hervorgehoben, obwohl man ihn als abgeschlossen betrachten könnte. Denn aus Gesprächen mit Mitarbeiter*innen wird klar, dass der Mann seit Anfang 2018 nicht mehr beim Sender arbeitet. Aus einer internen Beschwerdemail von November 2017 an die damalige Chefredakteurin Ines Pohl wird aber auch klar, dass der Fall zuvor ein Jahr lang verschleppt und Hinweise nicht mit der nötigen Entschlossenheit verfolgt wurden…“