Die Verteidiger der christlichen Familie als Unterdrückungsinstrument gegen Frauen und Kinder versammeln sich bei der italienischen Rechtsregierung – 30 bis 100 Tausend GegendemonstrantInnen auch…

Tausende stellen sich in Verona/Italien am 30.3.2019 dem Weltfamilienkongress entgegenNur ein paar Schritte neben ihr im Foyer des historischen Palazzo della Gran Guardia direkt gegenüber der Arena von Verona steht Maria Chiara Nordio und lobbyiert für die Verteidigung der «natürlichen Familie». Die Enddreissigerin aus dem Veneto hat ein Kinderbuch geschrieben, dessen Heldin – die kleine Carla – als einziges Mädchen in einer Grossstadt noch Vater und Mutter hat und rosa Röckchen tragen darf. Alle anderen Kinder werden in dem Bildband als farblose, undefinierbare Geschöpfe dargestellt, die in komischen Familienverhältnissen aufwachsen und todunglücklich sind. Die Moral von der Geschichte: Mutter und Vater sind das Geheimnis des Glücks. Nordio gehört der fundamentalistischen Bewegung Christus Rex Traditio an, die unter anderem jede Form von Verhütung ablehnt. Die Familie sei bedroht, sagt sie. Und unter Familie versteht sie selbstverständlich verheiratete heterosexuelle Paare mit möglichst vielen Kindern. Ihrer Meinung nach haben andere Beziehungen nichts mit Familie zu tun. Im Laufe des dreitägigen Kongresses in der norditalienischen Stadt sind viele solcher Aussagen zu hören, die aus einem anderem Zeitalter zu stammen scheinen: Die Heilung von Homosexuellen wird hier ebenso propagiert wie lange Haftstrafen für gleichgeschlechtlichen Sex…“ – aus dem Beitrag „Salvini erweist christlichen Fundamentalisten die Ehre“ von Andrea Spalinger am 31. März 2019 in der NZZ online externer Link, worin auch über die massenhaften GegendemonstrantInnen berichtet wird. Und wer jetzt denkt, warum die Aufregung über eine christliche Sektengemeinschaft: Nicht nur, dass sie auf Einladung eben jenes italienischen Ministers kamen, der gerade versucht, Abtreibung zu verbieten – solche Strömungen stehen auch hinter den Regierungen etwa in den USA, erst recht in Brasilien und auch in Ungarn – ein unvollständiger Überblick. Siehe dazu zwei weitere aktuelle Berichte und ein Interview zur Frage, warum der Gewerkschaftsbund CGIL zur Gegendemonstration mobilisierte:

  • „Tausende stellen sich in Verona dem Weltfamilienkongress entgegen“ am 30. März 2019 bei der NZZ externer Link ist eine dpa-Meldung, in der es unter anderem heißt: „In Italien findet derzeit ein internationales Treffen erzkonservativer Christen und rechter Politiker statt. Am Samstag sprach dort die deutsche Adelige Gloria von Thurn und Taxis und auch der italienische Innenminister Salvini tritt auf. Rund 20 000 Gegendemonstrantinnen protestieren in Verona. (…) Zu der Kundgebung hatten feministische Organisationen, Gewerkschaften und linke Gruppierungen aufgerufen. Demonstranten waren aus ganz Italien angereist; an den umliegenden Parkplätzen wurden 140 Busse gezählt. (…) Hinter dem Treffen, das jedes Jahr in einem anderen Land stattfindet, steht ein christlich-fundamentalistisches Netzwerk evangelikaler Prägung aus den USA…
  • „Protest gegen erzkonservatives Treffen“ am 31. März 2019 in der tagesschau externer Link meldet zum Protest gegen diesen Kongress: „”Weltfamilienkongress” nennen ultrakonservative Christen und rechte Politiker ihr Treffen in Verona. Die Veranstaltung ist umstritten und spaltet Italiens Regierung. Der Vatikan distanziert sich, auf den Straßen gibt es Protest. In Verona haben sich ultrakonservative Christen und rechte Politiker zu einem sogenannten Weltfamilienkongress getroffen. Auf den Straßen der norditalienischen Stadt gab es massive Proteste gegen die Konferenz. Nach Angaben örtlicher Medien beteiligten sich 20.000 bis 30.000 Menschen an einem bunten Umzug durch die Innenstadt. Die Organisatoren gingen von nahezu 100.000 Teilnehmern aus. Die Demonstranten sangen die Widerstandshymne “Bella Ciao” und hielten Schilder hoch mit Aufschriften wie “Über unsere Körper und unsere Begierden entscheiden wir selbst”…“