Stress und psychische Belastungen

Deutschland ist niedergeschlagen: Vom Jahr 2000 bis 2013 sind Fehlzeiten aufgrund von Depressionen um fast 70 Prozent gestiegen. Der Anteil der Erwerbspersonen (dazu gehören sozialversicherungspflichtig Beschäftigte und ALG I-Empfänger), die Antidepressiva verschrieben bekamen, hat im gleichen Zeitraum um ein Drittel auf sechs Prozent zugenommen. Das geht aus dem Depressionsatlas Deutschland hervor, den die Techniker Krankenkasse (TK) heute in Berlin vorgestellt hat…” Pressemitteilung der Techniker Krankenkasse vom 28. Januar 2015 externer Link, siehe dazu: (weiterlesen »)

In den ersten vier Monaten 2014 gehen die Krankenstände nach den monatlichen Erhebungen im Vergleich zu den Vorjahren zurück. Dies liegt im Wesentlichen an der ausgebliebenen Grippewelle im Frühjahr 2014. Bei Betriebskrankenkassen pflichtversicherte Beschäftigte waren im vorigen Jahr im Durchschnitt 17,6 Tage krankgeschrieben. Dies entspricht einem Krankenstand von 4,8 Prozent. Im Verlauf von nur sieben Jahren stiegen die krankheitsbedingten Fehlzeiten um rund fünf Krankentage (12,4 Tage im Jahr 2006) an. Dies beruht vor allem auf der Zunahme langfristiger und chronischer Erkrankungen…” BKK Pressemitteilung vom 09.12.2014 externer Link

KaroshiIn der steigenden Zahl von Burnout-Diagnosen manifestiert sich ein subjektives Leiden an einer Sozialordnung, die von hypertrophen Wettbewerben und ökonomischen Wachstumszwängen geprägt ist. Besonders vulnerabel sind Berufstätige dadurch, dass der hohe Einsatz, der von ihnen verlangt wird, vielfach auf den Wunsch trifft, Arbeit als bedeutenden Teil der eigenen Selbstverwirklichung betrachten zu können. Das soziale Leid der Erschöpfung hat inzwischen ein solches Ausmaß erreicht, dass die Kritik am Wachstumsregime zur Veränderung des kapitalistischen Geistes unter dem Vorzeichen der Nachhaltigkeit beitragen könnte…” Aufsatz von Sighard Neckel und Greta Wagner in WSI-Mitteilungen 7/2014 externer Link

Dossier„früher war ich müde, heute kaputt!“

„Der DGB-Index Gute Arbeit zeigt: Fast zwei Drittel aller Beschäftigten müssen immer mehr in der gleichen Zeit leisten. Mehr als die Hälfte arbeitet gehetzt, knapp jeder Vierte muss sogar permanent für den Chef erreichbar sein. „Überstunden und Schichtarbeit sollten gesetzlich auf das wirklich Notwendige beschränkt werden“, fordert dagegen DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach. Eine Anti-Stress-Verordnung könne den Arbeitssschutz bei psychischen Belastungen stärken…“ Beitrag von Annelie Buntenbach beim DGB vom 06.08.2014 externer Link. Siehe dazu die Hintergründe:

  • “Eine Anti-Stress-Verordnung ist mein Ziel”
    Die Dauererreichbarkeit im Beruf führt immer öfter zu psychischen Erkrankungen. Bundesarbeitsministerin Nahles will deshalb 2015 erste Kriterien für eine “Anti-Stress-Verordnung” vorlegen. Diese gesetzlich umzusetzen sei eine Herausforderung, so Nahles in einem Zeitungsinterview…” Interview mit Andrea Nahles von Rena Lehmann und Eva Quadbeck in der Rheinischen Post externer Link , dokumentiert am 26. August 2014 bei der Bundesregierung
  • „früher war ich müde, heute kaputt!“
    Arbeit ist das halbe Leben, heißt es, doch diese Hälfte wird immer größer und immer anstrengender. Stress, Hetze, Überstunden, Termin- und Leistungsdruck sind heute üblich. Immer häufiger führt das Arbeitsleben zu Depression und Frühverrentung. Höchste Zeit also für ein Anti-Stress-Gesetz. Arbeitsministerin Andrea Nahles allerdings will lieber nichts überstürzen. CDU-Vize Michael Fuchs findet das gar eine „dekadente“ Idee. Fuchs ist gegen ein Gesetz, das den Feierabend der Arbeitnehmer vor dem Zugriff ihres Chefs schützt. „Solch realitätsferne Ideen können sich nur dekadente Gesellschaften leisten”, sagte der stellvertretende Vorsitzende der Unionsfraktion. Das Wörterbuch der deutschen Sprache definiert Dekadenz als „kulturellen Verfall, der sich in einer übertriebenen Verfeinerung des Geistes und der Sinne äußert“. Sind die deutschen Beschäftigten alle zu Weicheiern geworden?...” Kommentar von und bei Michael Schlecht externer Link , MdB, wirtschaftspolitischer Sprecher Fraktion DIE LINKE vom 26. August 2014 – wir meiden normalerweise Parteipolitisches, aber hier lohnt die Ausnahme (weiterlesen »)

„Wer unter dem Hochstapler-Syndrom leidet, macht Glück oder Zufall für seine Erfolge verantwortlich, nicht das eigene Können. Psychologin Birgit Spinath über Selbstzweifel, die ständige Angst, ertappt zu werden – und den Umgang mit Betroffenen. Birgit Spinath ist Professorin für Pädagogische Psychologie an der Universität Heidelberg und forscht dort unter anderem zu Lernmotivation und Leistungsverhalten. Sie ist Expertin für das sogenannte Hochstapler-Syndrom: Betroffene leiden unter massiven Selbstzweifeln und schreiben Erfolg in Beruf und Studium nicht den eigenen Fähigkeiten zu, sondern Glück, Zufall oder netten Prüfern. Eine Ursache des Syndroms liegt der Expertin zufolge auch in unserer modernen Leistungsgesellschaft, in der der ständige Vergleich mit anderen zählt. Wer selbst unter Hochstapler-Gedanken leidet, dem rät Spinath, Hilfe von einem Therapeuten in Anspruch zu nehmen. Denn das Syndrom kann einen gefährlichen Kreislauf in Gang setzen…“ Artikel von Karin Janker in der Süddeutschen Zeitung vom 08.08.2014 externer Link

Wenn Anerkennung fehlt, entstehen Unzufriedenheit und innerer Druck: Studentinnen, Arbeitslose und Alleinerziehende leiden einer DAK-Studie zufolge am stärksten unter chronischem Stress. Die Untersuchung zeigt auch, wen am wenigsten Sorgen plagen…” Artikel in der Süddeutschen online vom 17. Juni 2014 externer Link – vom Druck der Arbeitsagenturen und JobCenter ist darin leider keine Rede… Siehe dazu: Alleinerziehende gestresster als Abteilungsleiter. DAK-Pressemitteilung vom 17.6.2014 samt Studie externer Link

In der mehrteiligen BDP-Kampagne „Gesunde Arbeit“ erscheinen monatlich speziell für Führungskräfte und Personalverantwortliche Broschüren mit Informationen und Tipps zum Themenfeld „Betriebliches Gesundheitsmanagement“.  Die Broschüren „Gesunde Arbeit“ werden vom Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen e.V. (BDP) herausgegeben und sind kostenlos abrufbar.  Siehe Übersicht, Download bzw. Bestellung beim BDP externer Link

Die Beschäftigtenbefragung der IG Metall hat ergeben: Flexibilität geht für die Menschen in Ordnung. Wenn sie dafür etwas zurückbekommen. Bei BMW haben Betriebsrat und IG Metall die Ansprüche von Unternehmen und Beschäftigten hinsichtlich des mobilen Arbeitens jetzt unter einen Hut gebracht…” IG Metall-Meldung vom 17.02.2014 externer Link. Siehe dazu: (weiterlesen »)

IG Metall und DGB wollen Beschäftigte besser vor Mails und SMS nach Feierabend schützen. Laut DGB-Index Gute Arbeit sind mehr als die Hälfte der ArbeitnehmerInnen auch in der Freizeit erreichbar. Die Fehlzeiten aufgrund psychischer Erkrankungen hätten in der Folge massiv zugenommen, erklärte DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach…” DGB-Meldung vom 20.02.2014 externer Link

Viele stehen in Job und Privatleben ständig unter Strom. Forscher wissen längst: Dieser Zeitdruck macht uns zu schlechteren Menschen. Wie konnte es soweit kommen?...” Artikel von Daniel Rettig in der Zeit online vom 20. Februar 2014 externer Link

Harald Schmidt ist ja nicht nur Entertainer, er ist auch bekennender Hypochonder und Schirmherr der Stiftung Deutsche Depressionshilfe. Als solcher hat er kürzlich den öffentlichen Wirbel um Burnout kritisiert. Das sei inzwischen ein Besserverdiener-Syndrom, so Schmidt. Für Greta Wagner ist Burnout ein Ehrenmal: “Manager schmücken sich mit Burnout, sie zeigen, wie sehr sie sich eingesetzt haben und wie viel sie geleistet haben, sodass Burnout so eine Art Verwundeten-Abzeichen darstellt.” Die Frankfurter Soziologin hat mit ihrem Kollegen Sighard Neckel einen Sammelband herausgegeben: “Leistung und Erschöpfung – Burnout in der Wettbewerbsgesellschaft“…” Besprechung von Klaus Walter in der taz vom 11.11.2013 externer Link

Das Thema liegt vielen Menschen auf der Seele. Auf der Buchmesse veranstaltete der Bund-Verlag hierzu eine Expertenrunde. Dabei waren Dr. Hans-Jürgen Urban, Geschäftsführendes Vorstandsmitglied der IG Metall, und Alexander Heider, Arbeiterkammer Wien. Das Video der Expertenrunde beim Bund-Verlag externer Link

Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) hat die neuesten Zahlen, Daten und Fakten zu Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit vorgelegt. Der diesjährige Schwerpunkt der jährlich erscheinenden Broschüre “Arbeitswelt im Wandel” externer Link Ausgabe 2013 greift das Thema “Psychische Belastung in der Arbeitswelt” auf. Siehe dazu Grafiken zu den statistischen Daten über “Psychische Belastung in der Arbeitswelt” aus Arbeitswelt im Wandel – Zahlen, Daten, Fakten (Ausgabe 2013) auf einer Sonderseite der BAuA externer Link

Wer trägt die Kosten, wenn das Wirtschaftssystem krank macht? In seinem Essay “Kapitalistischer Realismus” fordert der britische Wissenschaftler Mark Fisher: Die Gewerkschaften müssen die politische Dimension von Burnout und Depression erkennen…” Artikel von Philipp Rhensius in Spiegel online vom 16.10.2013 externer Link

Siehe auch im LabourNet Germany

Siehe im www

Ganz besonders interessant im LabourNet Archiv (1997-2012)

Ausgebrannt. Betriebsräte als Lotsen für Burnout-Betroffene