Lebensbedingungen

Feuer im Londoner Hochhaus 14.6.2017 - die MiterInnen hatten gewarntVom Leiter der Untersuchung, Sir Martin Moore-Bick, erwarten die Zuschauer Antworten. Der distinguiert aussehende ältere Herr ist höflich, anscheinend des voll des guten Willens. Eine spätere juristische Verfolgung von eventuell Schuldigen sei nicht ausgeschlossen, behauptet er. Aber nein, kein Vertreter der Opfer dürfe dem Untersuchungsteam angehören, das aus fünf weißen Männern besteht. Hier ist die Vielfalt der Londoner Bevölkerung nur unter den überlebenden Opfern präsent. Nein, Moore-Bick wolle keine Fragen beantworten, weder aus dem Zuschauerraum noch von dem berühmten Menschenrechtsanwalt Michael Mansfield. Die da oben hören nicht zu, behauptet vor BBC-Kameras ihr Notar Jehangir Mahmood. Nach der Brandkatastrophe ein katastrophaler Untersuchungsauftakt“ – aus dem Bericht „Untersuchung zum Hochhausbrand“ von Ian King am 16. September 2017 in neues deutschland externer Link, worin der Gegensatz des Saales der Sitzung und der BesucherInnen zum Leitthema gemacht wird – als Vergleich zum Billig-Wohnturm im Luxusviertel. Siehe dazu zwei weitere aktuelle Beiträge – auch darüber, warum es diesen Ausschuss gar nicht braucht: (weiterlesen »)

Feuer im Londoner Hochhaus 14.6.2017 - die MiterInnen hatten gewarntUnd dies ist in Hinblick auf all die in den letzten Jahren (auf Kosten der Mieter) durchgeführten Lockerungen der Bauvorschriften bezeichnend. Seit Blair war es die erklärte Politik der Regierungen die Vorschriften zu lockern, um so die „Unternehmerinitiative“ zu fördern. Seit dem Localism Act von 2011, der von Eric Pickles eingeführt wurde, wurde die Kontrolle durch die Kommunalverwaltung faktisch über Bord geworfen. Mehr als 2400 Regelungen wurden aufgehoben Mit dem „Red Tape Challenge“ wurden unter dem Vorwand des „Bürokratieabbaus“ mehr als 2400 Vorschriften aufgehoben, um Bauherren von Häusern um schätzungsweise 100 Millionen britische Pfund zu entlasten.Für Sozialwohnungen bedeutete es nichts anderes als ein Mangel an Kontrolle von Raumstandards bis hin zu fehlenden Vorkehrungen für den Fall von Feuer“ – aus dem Beitrag „Der Brand im „Grenfell Tower“: Eine vorhersehbare Tragödie!“ am 26. Juli 2017 bei der GIS externer Link, worin nicht nur ausführlich die „Vorgeschichte“ des Feuers zusammengefasst wird, sondern auch auf die Perspektiven verwiesen, die vor allem MieterInnen haben, die um ihre Rechte kämpfen wollen. Siehe dazu drei weitere aktuelle Beiträge, die sich mit verschiedenen Aspekten der Katastrophe und ihrer Nachwirkungen und Bedeutung befassen: (weiterlesen »)

Feuer im Londoner Hochhaus 14.6.2017 - die MiterInnen hatten gewarntWie nervös die konservative britische Regierung durch die Proteste wegen des Massensterbens aufgrund ihrer Wohnungsbaupolitik geworden ist, hat sich in den letzten Tagen deutlich gezeigt: Jetzt sollten in aller Hektik fünf weitere ähnlich gefährdete Ergebnisse dieser Politik – also: Hochhäuser – geräumt werden, um sie sanieren zu können. Knall auf Fall: Was nur weiteren Widerstand provoziert hat, der sich nun auch gegen den rechten Ex-Bürgermeister von London richtet – und da helfen alle Manöver nicht, auch nicht der Versuch der Regierungspresse, die Ursache des Brandes in „grünen Maßnahmen“ (wegen des Klimaschutzes, so versucht die Polit- und Baumafia in die Gegenoffensive zu kommen) zu verorten – zu durchsichtig die faktenlose Argumentation der professionellen FakerInnen. Boris Johnson, der frühere Bürgermeister steht auch deswegen inzwischen besonders in der Kritik, weil die FBU und viele ihrer Aktivisten – also gewerkschaftlich aktive Feuerwehrleute, die letzten „öffentlichen Menschen“ in London, die noch Sympathie genießen – in der Öffentlichkeit massiv die besondere Kahlschlagpolitik dieses Austeritätsfanatikers kritisiert haben, was gegenwärtig besonders schlecht ankommt. Siehe dazu drei Beiträge, darunter die Kritik eines Feuerwehr-Gewerkschaftsaktivisten und einen Artikel über den besonderen Beitrag des Ex-Bürgermeisters zur Katastrophe: (weiterlesen »)

Feuer im Londoner Hochhaus 14.6.2017 - die MiterInnen hatten gewarntTausende von Briten leben in brandgefährdeten Hochhäusern und müssen mindestens zeitweilig ausquartiert werden. Zu diesem Schluss kommen Tests, die in den letzten Tagen im Gefolge der Brandkatastrophe von Kensington an zahlreichen Gebäuden durchgeführt wurden. Wie Premierministerin Theresa May am Donnerstag dem Unterhaus berichtete, ist die Verkleidung an mindestens 600 der insgesamt weit mehr als 4000 Hochhäuser im Land feuergefährlich. „Wir werden den Menschen nicht zumuten, in unsicheren Wohnungen zu leben“, versicherte die Regierungschefin. Der ausgebrannte Grenfell-Tower steht als düsteres Mahnmal weit sichtbar im Westen Londons. 79 Tote wurden seit dem Brand vergangene Woche aus dem 24-stöckigen Haus geborgen, mindestens ein Dutzend Schwerverletzte liegen noch immer in Krankenhäusern“ – aus dem Beitrag „Hunderte Hochhäuser sind brandgefährdet“ von Sebastian Borger am 22. Juni 2017 in der FR Online externer Link, worin auch noch zu einem Video zum Thema verlinkt wird. Siehe dazu zwei weitere aktuelle Beiträge und ein Statement von Mietaktivisten: (weiterlesen »)

Feuer im Londoner Hochhaus 14.6.2017 - die MiterInnen hatten gewarntTausende Menschen haben bei Protesten in London ihrer Wut über die Brandkatastrophe Luft gemacht. Hunderte Demonstranten versammelten sich am späten Freitagnachmittag vor dem Rathaus im Bezirk Kensington und Chelsea und forderten Antworten von den Behörden im Zusammenhang mit der Brandkatastrophe.Dutzende trommelten gegen die Scheiben und verlangten Einlass. Einige schafften es, in das Rathaus einzudringen, wo sich ihnen Polizisten und Sicherheitskräfte entgegenstellten. Viele geben nach dem Unglück auch den Behörden eine Mitschuld. Die Organisatoren des Protests in Kensington bemühten sich, die Menschen zu beruhigen. Bei dem Brand des Sozialbaus Grenfell Tower waren in der Nacht zum Mittwoch mindestens 30 Menschen ums Leben gekommen. Es wird noch eine höhere Zahl an Todesopfern erwartet. Berichten zufolge lebten zwischen 400 und 600 Menschen in dem 24 Stockwerke hohen Sozialbau“ – aus dem Beitrag „Wut in London“ am 16. Juni 2017 in der FR Online externer Link, dessen Nachricht über die Zahl der Todesopfer längst überholt ist, der aber dennoch einen Eindruck gibt von der Stimmung der Menschen nach dieser angekündigten Katastrophe. Seitdem eine gewisse Frau Thatcher 1980 ein Baugesetz erlassen hat, das „Eigentum fördern“ (und den sozialen Wohnungsbau abschaffen, keine bundesdeutsche Besonderheit) sollte, ist die Wohnsituation immer schwieriger geworden – und seit den massiven Kürzungen etwa bei der Feuerwehr auch die Sicherheit. Siehe dazu in der Materialsammlung vier weitere aktuelle Beiträge über die dramatischen bisherigen Ergebnisse und die heftige Empörung gegen die kapitalistischen Praktiken der Wohnungswirtschaft und ihrer Regierungen, sowie zwei Hintergrundbeiträge zur Wohnungsbaupolitik seit 1980 und eine frühe Kritik der Feuerwehr-Gewerkschaft: (weiterlesen »)

Feuer im Londoner Hochhaus 14.6.2017 - die MiterInnen hatten gewarntEine Initiative hatte Monate zuvor vergeblich vor der Gefahr einer Feuerfalle im 24-stöckigen Gebäude gewarnt. Kritik gibt es an der Außenfassadenverkleidung. Die Hochhäuser in London, die der Leser der Wochenendbeilage der Financial Times mit dem Titel “How to spend it” (etwa: “Wie ich mein Geld am besten ausgebe”) zu sehen bekommt, sind Prestigeobjekte, die ein hypermodernes urbanes Leben von seiner besten Seite versprechen für Besteinkommen. Das Feuerinferno, das heute weltweit für die nächsten bitteren Berichte aus London sorgt, brach in einem Hochhaus aus, “das 1974 in einem Arbeiterviertel des Stadtteils North Kensington errichtet worden war” (Spiegel). 6 Tote, 20 Verletzte in einem kritischen Zustand und 74 Menschen, die im Krankenhaus behandelt werden, lautete am Mittwochnachmittag die Zwischenbilanz. Manche Menschen sollen aus Verzweiflung aus dem Haus gesprungen sein“ – so beginnt der Bericht „Mehrere Tote bei Großbrand in Londoner Hochhaus“ von Thomas Pany am 14. Juni 2017 bei telepolis externer Link – einer der ersten, die veröffentlicht wurden – dessen Opferzahlen inzwischen längst überholt sind. In der Stadt, die nicht nur Welthauptstadt der Videoüberwachung, sondern auch der Mietspekulation ist, weswegen sich auch sofort Stimmen erhoben, die einen Zusammenhang mit dem Brand nicht nur vermuteten. Siehe dazu einen weiteren aktuellen Beitrag – und einen Hintergrundbeitrag, in dem die Geschichte der Aktivitäten von Initiativen der MieterInnen und aus der Umgebung des Wohnsilos nachgezeichnet wird, sowie den Link zu einer Aktionsgruppe: (weiterlesen »)

Englische RentnerInnen: Rechnen in PenniesInnerhalb von drei Jahren sind die Zahlen der durch RentnerInnen begangenen „Verbrechen“ in Sheffield um 25% gestiegen. Zwar hat noch niemand eine Kampagne zur ihrer Ausweisung, Auspeitschung oder sonstwas begonnen, aber die sogenannten Experten machen sich Sorgen. Zu Recht, wenn die ganzen Enkel und Enkelinnen zuschauen, denn: 43% aller begangenen Untaten sind – Ladendiebstähle, deren Zahl noch rapider angestiegen ist, als die registrierten angeblichen Vergehen insgesamt. Der Beitrag „Elderly turning to crime“ am 06. September 2016 bei Socialism or your money back externer Link befasst sich vor allem mit dieser Entwicklung in der (einstigen) Industriestadt Sheffield, weil sie dort besonders stark ist – und weil die örtliche Universität eine Studie dazu veröffentlicht hat. Darin wird berichtet, dass im ganzen Land 1,6 Millionen Menschen, die Rente beziehen, unter der offiziellen Armutsgrenze leben müssen, jede und jeder siebte. In der Hoffnung, dass die registrierten Zahlen der Ladendiebstähle nur ein Bruchteil der tatsächlichen sein mögen, verbleibt LabourNet Germany mit einem Ratschlag an RentnerInnen aller Länder – schon klar, oder?… wo wir doch immer für kollektive Lösungen sind…

Cover der lunapark21 - zeitschrift zur kritik der globalen ökonomie - Heft Nr. 34 vom Sommer 2016Ken Loach ist ein Filmemacher, dessen Filme es in seinem Heimatland Großbritannien immer schwer hatten. Zwar ist sein Werk vielfach preisgekrönt, doch im Vereinigten Königreich zeigen nur wenige Kinos seine Filme. Und wenn, dann oft nur für kurze Zeit. Das mag auch mit den von ihm behandelten Themen zu tun haben. So zum Beispiel im Fall seines jüngsten – in Cannes mit der Palme d’Ors ausgezeichneten – Films „I, Daniel Blake.“ In diesem geht es um einen 50-jährigen Bauarbeiter aus Newcastle, der aufgrund einer Herzattacke arbeitsunfähig wird. Der Film zeichnet seine Irrfahrt durch ein soziales Netz nach, das in den vergangenen Jahrzehnten radikal ausgedünnt wurde. Eine Albtraumbürokratie, die Menschen kaputt macht, anstatt ihnen zu helfen. Die Geschichte mag fiktiv sein, doch sie basiert hundertprozentig auf einer Realität, wie sie sich heutzutage für stetig wachsende Bevölkerungsschichten in Großbritannien darstellt. (…) Großbritannien war in gewisser Weise ein Versuchslabor für das, was im restlichen Europa noch geplant ist. Wenn die Lohnabhängigen und Jugendlichen Frankreichs vehement gegen das dort geplante Arbeitsgesetz protestieren und streiken, dann haben sie das Schicksal der britischen Bergleute vor Augen, die für die Durchsetzung des Thatcherismus das größte Hindernis waren, ihn aber – allein gelassen vom britischen Gewerkschaftsbund und den großen Einzelgewerkschaften – schlussendlich nicht verhindern konnten…” Artikel von Christian Bunke (wir danken!) aus der gerade erscheinenden lunapark21 – zeitschrift zur kritik der globalen ökonomie – Heft Nr. 34 vom Sommer 2016 – siehe das Inhaltsverzeichnis in der Datei. Für Bestellung und Bezugsbedingungen siehe die Homepage der lunapark21 externer Link

Grafik zum Brexit von Joachim Römer - wir danken!Beim Brexit geht es vor allem auch um die Kontrolle der Einwanderung, daher will die Regierung jetzt auch gegen die “Medizintouristen” vorgehen…Beitrag von Florian Rötzer bei telepolis vom 09.05.2016 externer Link. Aus dem Text: (weiterlesen »)

Mit Matratzen gegen Stahldornen _ Aktivisten gegen Obdachlosenvertreibung in London, Juli 2015Der Erfindungsreichtum der Londoner Citygestalter ist ganz einfach strukturiert: Obdachlose sollen sich verpissen und nicht beim Shopping in der Innenstadt stören – also Metalldornen plazieren, dann wird sich keiner niederlegen und der Rubel rollt. Weniger reaktionäre Banden hätten sich vielleicht überlegen können, Obdachlosigkeit abzuschaffen – aber für solche Gedanken ist neben Geschäftsideen kein Platz. Der Artikel “Activists are repurposing London’s “anti-homeless” spikes into cozy bedrooms” von Maria Sanchez Diez am 23. Juli 2015 bei Quartz externer Link beschreibt die Maßnahmen – und die Organisierung des Widerstandes gegen diese menschenfeindliche Offensive durch Aktivisten, die die so “gesäuberten” Plätze durch einfache Maßnahmen zu angenehmen Ruhezonen umgestalten. Siehe dazu auch weitere Beiträge – zur Organisierung des Widerstands gegen Obdachlosenhatz und zur Jagd auf Dicke (weiterlesen »)

proteste uk erwerbslose merseySanktionen gegen Erwerbslose, die nicht – oder nicht ganz – so funktionieren, wie es sich Unternehmen und Regierung wünschen sind keineswegs nur in der BRD längst Alltag, sondern in der ganzen EU. Die Regierung Cameron hat den sozialen Terrorkatalog 2012 wesentlich ausgeweitet, die Mindestdauer von Bezugsstreichung von 4 auf 13 Wochen erhöht – und maximal auf bis zu 3 Jahre. (Heißt aus der Sprache der Austeritätler übersetzt „Verhungere doch, du Sau“). Jetzt hat die Gewerkschaft PCS die zum Ergebnis Oktober 2014 der beiden letzten Jahre amtlich veröffentlichten Zahlen zum Anlass einer Stellungnahme „Cost to claimants of benefit sanctions rockets by 3,000%“ dokumentiert am 03. März 2015 bei Union Solidarity International externer Link , worin die Entwicklung einfach nachzuvollziehen ist: (weiterlesen »)

Findus ist eigentlich nicht very british, sondern ein Tochterunternehmen einer nicht eben unbekannten schwiezerischen Pampenherstellungsfirma. Die zuvor von einer französischen Firma zusammengeklebt wurde, von einer holländischen verteilt und die Pferde wurden wohl in Rumänien geschlachtet. Und Pferdefleisch essen ist in England ungefähr so beliebt wie Hundefleisch in Deutschland. “Der Engländer” (vermutlich auch: “Die Engländerin”) mögen also kein Pferdefleisch. Nun gibt es auch viele Dinge, die weltweit Unternehmen prinzipiell nicht mögen (nicht nur widerständige Belegschaften): Wenn ihre Produktionsvorgänge öffentlich werden, beispielsweise. Das betrifft keineswegs nur, aber sehr heftig die Abfütterungsindustrie. Und: Inspektoren mögen sie selbst dann nicht, wenn es Beamte sind und eine irgendwie geartete Betroffenen – Beteiligung nicht vorgesehen ist, was hierbei kaum zum Thema wird. Und wenn dann “gespart werden muss” kann das gut bei Inspektionsbehörden geschehen: Etwa in Großbritannien bei der FSA, der Food Standards Agency – die Mitte der 90er Jahre noch 1700 Inspektoren beschäftigte, heute sind davon 800 übrig geblieben. “Public safety coming second to private profit,” say food industry unionsexterner Link von Pete Murray am 09. Februar 2013 bei den union-news kommentiert die entsprechenden Stellungnahmen der Gewerkschaften Unison und GMB, die beide auf eben diese Kürzungen bei der Aufsicht hinweisen – und auf die alltäglichen Probleme diesseits von Skandalen die in die Medien kommen. Siehe dazu auch: (weiterlesen »)

Sie bevölkern die Gehsteige im Norden Londons: Tagelöhner aus Bulgarien und Rumänien. Mit ihrer Kleidung – dreckige, mit Farbe und Mörtel bespritzte Trainingsanzüge – machen sie auf sich und ihr “Gewerbe” aufmerksam. Arbeiten dürfen sie nur unter strengen Beschränkungen, am äußersten Rand der Bauwirtschaft. Eine Reportage von Sorana Stanescu in der Süddeutschen Zeitung vom 23.01.2013 externer Link