Nicht so harmlos wie es scheint

Die 2008 einsetzende Krise hat zu einer enormen Verunsicherung des ökonomischen Bewusstseins geführt. Davon zeugt nicht nur Pikettys Buch, sondern auch ein neuer »Internationaler studentischer Aufruf für eine Plurale Ökonomik«. (…) Denn ist die gegenwärtige Situation tatsächlich wesentlich dadurch geprägt, dass »die Reichen« in den vergangenen Jahren immer reicher geworden sind? Ist diese These vor Piketty so unbekannt gewesen, dass nun alle enorm neugierig sind, die Begründung hierfür zu erfahren? Selbstverständlich nicht. Es geht um etwas anderes: Das Krisengeschehen der vergangenen Jahre hat klargestellt, dass die Wahrheit von Pikettys These an eine Bedingung geknüpft ist, die sich nicht mehr so leicht einstellt wie früher…“ Artikel von Justin Monday in der Jungle World vom 12. Juni 2014 externer Link

  • Aus dem Text: „… Für eine solche massenpsychologische Interpretation der Hypes sprechen diverse andere Phänomene, von denen eines der »Internationale studentische Aufruf für eine Plurale Ökonomik« ist. Für das Gerücht, es handele sich hierbei um eine progressive Initiative, genügt offenbar bereits, dass Studierende das Wort ergriffen haben – als liege ein neues ’68 in der Luft. Auch Piketty hat unterschrieben. Dem Gerücht zum Trotz quillt aber aus jeder Zeile des Aufrufs ein Bedürfnis nach Autorität. Sich selbst beschreiben die Aufrufenden so: »Mit Vorlesungen zu Themen, welche nicht im Lehrplan vorgesehen sind, können wir wöchentlich Hörsäle füllen. Wir haben Lesekreise, Workshops und Konferenzen organisiert, haben die gegenwärtigen Lehrpläne analysiert und alternative Programme entwickelt.« Schön für sie. Anstatt aber damit herauszurücken, was sie herausgefunden haben, damit beurteilt werden kann, in welche Richtung sie vom Lehrplan abweichen wollen, fordern sie an erster Stelle die »vermehrte Einstellung von Lehrenden und Forschenden, die theoretische und methodische Vielfalt in die Studiengänge der Ökonomik tragen«. Vermutlich wollen die Aufrufenden den nachfolgenden Studis die Seelenqualen ersparen, die sie selbst hatten, als sie sich fragten, ob die Aneignung von nicht prüfungsrelevantem Wissen nicht unerhört aufmüpfig ist. Die Übernahme ­einer Professur ist dafür sicher kein zu hoher Preis…“
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