Internationale Vergleiche zeigen ungenutzte Spielräume für höhere Renten
„… Monat für Monat stellen rund 60.000 Kolleginnen und Kollegen der deutschen Rentenversicherung sicher, dass 21 Millionen Rentnerinnen und Rentner ihre Leistungen ausbezahlt bekommen und ihre Beiträge an die Kranken- und Pflegeversicherung eingezahlt werden. Die Zahlungen erfolgen aus den Beitragseinnahmen des laufenden Monats sowie einem Zuschuss aus der Bundeskasse. Innerhalb eines Jahres wird so knapp ein Zehntel des Bruttoinlandsproduktes (BIP) ausgezahlt. Und dies seit 50 Jahren. (…) Seit mehr als 40 Jahren erklären namhafte Journalisten, dieses System sei bankrott…“ Artikel von Rolf Schmachtenberg vom 19. Dezember 2025 im Makroskop-Magazin
und mehr daraus:
- Weiter aus dem Artikel von Rolf Schmachtenberg vom 19. Dezember 2025 im Makroskop-Magazin
: „… Politikerinnen und Politiker werden danach gemessen, ob sie endlich zu „mutigen Reformen“ bereit seien. Dabei steht „mutige Reform“ für Kürzungen. Denn für sie ist es eine ausgemachte Sache, dass die künftigen Renten niedriger ausfallen müssen, als es nach den aktuellen gesetzlichen Regelungen der Fall wäre. (…) Es kann nur dem allgemeinen Zeitgeist geschuldet sein, dass Fachleute den Bundeszuschuss fälschlicherweise als Defizit bezeichnen, wachsende Nominalgrößen als Indikator verwenden und es übersehen, dass in ihren eigenen Graphiken die Bundeszuschüsse seit 25 Jahren stabil bei 25 Prozent der Ausgaben liegen. (…) Die Bürgerinnen und Bürger, die den Eindruck haben, die Renten in Deutschland seien nicht sonderlich hoch, können sich dagegen auf internationale Daten stützen. Regelmäßig veröffentlicht die OECD einen internationalen Vergleich der staatlichen Rentensysteme. Pensions at a glance heißt der Bericht, der jetzt wieder Ende November erschienen ist. (…) Deutschland weist im Vergleich zu den anderen OECD-Staaten eine unterdurchschnittliche Leistungshöhe auf (…) Allerdings lässt sich gegen den OECD-Vergleich einwenden, dass er nicht berücksichtigt, welchen Anteil ein Staat an der Wirtschaftskraft seines Landes für Rentenausgaben aufwendet. (…) Doch auch unter Einbeziehung der Beamtenpensionen, die fast zwei Prozent des BIP ausmachen, liegen die Ausgaben Deutschlands für die Altersvorsorge mit 11,5 Prozent des BIP unter dem Durchschnittswert der Europäischen Union von 12,3 Prozent (…) Doch auch dieser Vergleich hinkt. Er berücksichtigt nicht, dass sich der Anteil der Menschen im Rentenalter von Land zu Land sehr unterscheiden kann (…) Um die Leistungsfähigkeit der nationalen Alterssicherungssysteme miteinander vergleichen zu können, ist es hilfreich einen Index zu bilden, bei dem die eingesetzten Mittel (in Prozent des BIP) in ein Verhältnis zum Anteil der älteren Bevölkerung (in Prozent der Gesamtbevölkerung) gesetzt wird. (…) Der Befund der OECD wird bestätigt. Das finanzielle Volumen, das Deutschland für Renten einsetzt, ist unterdurchschnittlich. Mit der Ausnahme von Irland sind alle Mitgliedstaaten mit einem niedrigeren Indexwert als Deutschland erst seit 2004 der EU beigetreten, Unter den sechs Gründungsstaaten der Europäischen Gemeinschaft (Deutschland, Frankreich, Italien, die Niederlande, Belgien, Luxemburg) trägt Deutschland die rote Laterne. Offenbar sind all diese Volkswirtschaften und auch Spanien, das zuletzt mit hohen Wachstumsraten auffiel, in der Lage, Alterssicherungssysteme mit höheren Leistungen zu finanzieren. Es besteht offenkundig in Deutschlands Volkswirtschaft Raum für Leistungsverbesserungen, wie sie sich die Bevölkerung wünscht. (…) Es würde mich sehr freuen, bald einmal einen Journalisten zu hören oder zu sehen, der Politikern die Frage stellt, auf welche Weise man die finanziellen Spielräume der Volkswirtschaft am besten nutzen könnte, um das deutsche Rentensystem zu verbessern.“
Siehe auch das Dossier Kampagne und Petition: „Renten wie in Österreich! Jetzt!“