Kongress Armut und Gesundheit 2026: „Gesundheit ist politisch! Was ist uns Chancengerechtigkeit als Gesellschaft wert?“

Kongress Armut und Gesundheit 2026: "Gesundheit ist politisch! Was ist uns Chancengerechtigkeit als Gesellschaft wert?"Am 16. und 17. März 2026 fand der Kongress Armut und Gesundheit statt. Insgesamt nahmen ca. 1.300 Engagierte aus Wissenschaft, Praxis, Politik und Zivilgesellschaft an den Diskussionen teil. In über 100 Veranstaltungen wurde über die Verbesserung gesundheitlicher Chancen in Deutschland diskutiert. Der Kongress Armut und Gesundheit schafft seit 1995 ein kontinuierliches Problembewusstsein für gesundheitliche Ungleichheit in Deutschland. Einmal im Jahr kommen hier Akteur*innen aus Wissenschaft, Gesundheitswesen, Politik, Praxis und Selbsthilfe zusammen. Dabei problematisieren wir die gesellschaftlichen Strukturen und diskutieren Veränderungspotenziale. Aktuelle Forschungsergebnisse werden ebenso vorgestellt und vertieft wie neue Strategien, Lösungsansätze und Erfahrungen aus der Praxis. Mit dem Engagement aller Akteur*innen und Teilnehmenden des Kongresses erfährt eine heterogene Gruppe von Menschen eine Lobby, die oftmals wenig Unterstützung erhält.“ Die Kongress-Seite von Gesundheit Berlin-Brandenburg e.V. externer Link und nun Berichte darüber:

  • Kongress »Gesundheit und Armut«: »Bewerben hält fit«. Auch wenn es zuwenig Jobs gibt und der Erfolg ausbleibt New
    „… Es ist bekannt, vieles bereits seit Jahrzehnten. Erwerbslosen geht es gesundheitlich schlechter als denen, die Arbeit haben. Mit längerer Erwerbslosigkeit geht Armut einher. Arme sterben früher, Männer im Schnitt 7,2 Jahre und Frauen 4,3 Jahre eher als Wohlhabende. Wer will, kann auch das wissen: Seit der Nachkriegszeit gab es – bis auf zwei kurze Episoden in den 1960er Jahren – durchgängig mehr Arbeitssuchende als Stellenausschreibungen. Da ist es naheliegend, dass sich inzwischen eine ganze Riege an Wissenschaftlern mit dem Thema Gesundheit und Gesundheitsförderung von Erwerbslosen beschäftigt. Die Ergebnisse aber sind zum Teil grotesk. Auf dem diesjährigen Public-Health-Kongress »Armut und Gesundheit« in Berlin, der seit 1995 unter anderem von dem Verein »Gesundheit Berlin-Brandenburg« ausgerichtet und vom Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit gefördert wird, wurden ein paar vorgestellt.
    Der Psychologe Karsten Paul aus Linz fragte: Hat die Stellensuche Einfluss auf Depression? Das Ergebnis seiner Untersuchungen: Wer intensiv sucht, läuft später weniger Gefahr, depressiv zu werden. Ein paar Zuhörer sahen sich offenbar bestätigt und im Bewerben einen Therapieansatz; in Vorstellungsgesprächen ein Training. Ausbleibender Erfolg könne als Ansporn und Motivation betrachtet werden. Sie selbst habe nach einer Reihe an Misserfolgen schließlich einen Master gemacht, gab eine Frau aus dem Publikum zum besten. Doch was im Einzelfall funktionieren mag, ist für viele unrealistisch. Unter anderem, weil Studierende in der Regel keinen Anspruch auf Bürgergeld bzw. Grundsicherung haben. Hinzu kommt: Was die Wissenschaft als positives Feedback kennt – nämlich eins, das auf die Aufgabe fokussiert und nicht auf den Menschen –, kommt in der Realität von Langzeiterwerbslosen nicht vor. Viele werden nicht mehr zu Vorstellungsgesprächen eingeladen, auf ihre Bewerbungen bekommen sie entweder gar keine Rückmeldung oder nur eine ganz kurze. Und die Unternehmen bestätigten das auf Nachfrage, erklärte Oksana Götze vom Jobcenter in Dresden im Gespräch mit jW: Je länger ohne Job, um so geringer die Wahrscheinlichkeit einer Reaktion. Insofern hält Götze die nun beschlossene Sanktionsverschärfung in der Grundsicherung für kontraproduktiv. Sie werde nur den Druck weiter erhöhen. Dass Erwerbslose die Jobsuche aufgeben, selbst niedrigschwellige Angebote nicht wahrnehmen, habe viele Gründe. Zum Beispiel staatliche Kürzungen. In Dresden sollen bis 2029/30 bis zu 33 Kindergärten geschlossen werden. Eine junge Erzieherin, die gerade ihre Ausbildung abgeschlossen hat, verkraftet das, sagte Götze. Eine Langzeiterwerbslose, der nach einer Umschulung gesagt werde, es seien gerade keine Stellen offen, stecke das nicht so ohne weiteres weg…“
    Artikel von Susanne Knütter in der jungen Welt vom 24. März 2026 externer Link

  • Kongress in Berlin „Armut und Gesundheit sind eng miteinander verknüpft“
    Die materielle Situation von Menschen hat Auswirkungen auf ihren Gesundheitszustand. In Berlin wird auf einem Kongress darüber diskutiert, wie mehr Gerechtigkeit hergestellt werden kann…“ Beitrag von Andre Kartschall vom 16.03.2026 auf tagesschau.de externer Link
  • #KongressAuG2026
Kurzlink: https://www.labournet.de/?p=234625
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