WSI-Arbeitskampfbilanz 2025: Zahl der Arbeitskämpfe im zweiten Jahr in Folge rückläufig – Gewerkschaften müssen häufig für Tarifbindung streiken

streik_statt_abschluss„Die Anzahl der Arbeitskämpfe und der dabei ausgefallenen Arbeitstage hat sich im Jahr 2025 im Vergleich zu den beiden Vorjahren weiter verringert, parallel zur Normalisierung der Verbraucherpreise. Im langfristigen Mittel lag die Zahl der von Streiks begleiteten Konflikte jedoch weiterhin auf relativ hohem Niveau. Dies hat mehrere Gründe: So waren die massiven Kaufkraftverluste der Vorjahre auch 2025 noch nicht in allen Branchen vollständig ausgeglichen. Außerdem führten Beschäftigte und ihre Gewerkschaften viele Arbeitskämpfe, um der seit Jahren sinkenden Tarifbindung durch Arbeitgeber, die aus Tarifverträgen aussteigen, etwas entgegenzusetzen. Das zeigt die neue Arbeitskampfbilanz des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung. Im internationalen Vergleich wird in Deutschland weiterhin relativ wenig gestreikt…“ Pressemitteilung der Hans-Böckler-Stiftung vom 2. Juli 2026 externer Link und mehr daraus:

  • Weiter aus der Pressemitteilung der Hans-Böckler-Stiftung vom 2. Juli 2026 externer Link: „… Im vergangenen Jahr zählte das WSI 261 Arbeitskämpfe. Das waren 25 weniger als 2024, so die Studienautoren Thilo Janssen und Dr. Heiner Dribbusch. An Streiks teilgenommen haben 2025 nach ihren Berechnungen 552.000 Personen, 360.000 weniger als 2024. Ein Grund dafür ist, dass in der Metall- und Elektroindustrie 2025 im Gegensatz zum Vorjahr keine Tarifverhandlungen und damit auch keine flächendeckenden Arbeitsniederlegungen stattfanden; Warnstreiks in dieser Branche mit ihren 3,7 Mio. Beschäftigten beeinflussen die Statistik der Streikenden stets erheblich. Auch die Zahl der arbeitskampfbedingt ausgefallenen Arbeitstage lag 2025 mit 645.000 deutlich unter dem Vorjahreswert von rund 912.000 und etwas unter dem Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre (…). Tendenziell deuten die Ergebnisse auch auf eine geänderte Arbeitskampfführung der Gewerkschaften hin: Einzelne, kurze Arbeitsniederlegungen überwiegen, unbefristete Flächenstreiks sind dagegen seltene Ausnahmen geworden. (…) Erstmals hat das WSI für 2025 auch die Arbeitskampfziele der Gewerkschaften quantitativ ausgewertet. In mehr als jedem vierten Arbeitskampf rangen die Beschäftigten um die (erstmalige) Tarifbindung ihres Unternehmens, dabei überwiegen Streiks um Haustarifverträge. „Gewerkschaften müssen somit einen erheblichen Teil ihrer Ressourcen dafür aufwenden, der Tarifflucht der Unternehmen und damit einem weiteren Absinken der Tarifbindung entgegenzuwirken“, schreiben die Wissenschaftler. In rund der Hälfte der Arbeitskämpfe ging es ausschließlich um ein höheres Entgelt, in weiteren rund 15 Prozent um Konstellationen aus Entgelt- und Arbeitszeitregelungen. Auffällig ist die Branchenverteilung bei Transformationskonflikten: Bei acht Prozent der Arbeitskämpfe waren Unternehmens-Umstrukturierungen Ausgangspunkt. 14 dieser 20 Konflikte entfielen auf die IG Metall. (…) In der internationalen Streikstatistik, bei der das WSI wie international üblich die arbeitskampfbedingten Ausfalltage pro 1.000 Beschäftigte im Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre miteinander vergleicht, liegt Deutschland weiterhin im Mittelfeld…“ Pressemitteilung der Hans-Böckler-Stiftung vom 2. Juli 2026 externer Link
  • zur 20-seitigen WSI-Arbeitskampfbilanz 2025 externer Link

Siehe:

Kurzlink: https://www.labournet.de/?p=236407
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