[Nein, er wechselt nicht die Seiten] VW-Betriebsratschef Osterloh wird Personalchef bei Traton

Dossier

IG Metall bei Volkswagen: „Ein Team – Eine Familie“Dass er das Zeug zum Manager hat, davon war der Gesamtbetriebsratschef bei Volkswagen, Bernd Osterloh, in der ihm eigenen großspurigen Art schon immer überzeugt. Er verkörpert wie kein anderer die Verwandlung der Gewerkschaften und ihrer Betriebsräte in bezahlte Agenten des Kapitals. Nun wird Osterloh Manager bei der LKW- und Bus-Tochter von VW – und Einkommensmillionär. Seine Aufgabe bei Traton besteht darin, ein rigoroses Sparprogramm gegen die Arbeiter durchzusetzen. Er tritt seinen neuen Posten bereits zum 1. Mai an. Nicht wenige Medien titelten, Osterloh wechsle die Seiten. Das stimmt nicht. Er hat schon immer die Interessen des Konzerns gegen die Belegschaft vertreten. (…) Osterloh gelobte damals, seine Arbeit als Gesamtbetriebsratschef in einem Unternehmen, das heute 670.000 Arbeiter beschäftigt, absolut transparent zu gestalten. Damit meinte er nicht die geheimen Absprachen mit dem VW-Vorstand hinter dem Rücken der Belegschaft, die Osterloh genauso wie sein Vorgänger traf. (…) Jetzt haben Osterloh und sein Betriebsrat die Corona-Pandemie genutzt, um weitere Angriffe durchzusetzen und die Umstellung auf die Elektromobilität zu forcieren. Erneut fallen 25.000 Arbeitsplätze weg, um die notwendigen Milliarden-Investitionen zu finanzieren. Osterloh verstand es stets auch, seine Position an der Spitze des Betriebsrats zu nutzen, um „seine Leute“ in wichtige Positionen zu hieven. So hat er seine bisherige Vertreterin im Konzern- und Gesamtbetriebsrat, Daniela Cavallo, selbst als Nachfolgerin inthronisiert. Sie soll ihm im Betriebsrat und Aufsichtsrat nachfolgen…“ Artikel von Dietmar Gaisenkersting vom 24.4.2021 bei wsws.org externer Link – siehe weitere und einige Verweise auf Herrn Osterloh im LabourNet:

  • [Porträt] Bernd Osterloh: König von Wolfsburg New
    Betriebsräte haben bei VW besonders viel zu sagen. Das geht auf die britische Besatzung in der Nachkriegszeit zurück: Die Briten wollten aus dem Nazi-Konzern einen »demokratisch kontrollierten Industriebetrieb« machen. Doch bekanntlich hat die in deutschen Industriekonzernen institutionalisierte Mitbestimmung nicht gerade zum Aufbau autonomer Proletariermacht geführt. Betriebsräte neigen zur engen Zusammenarbeit mit dem Management, oft haben sie die Maxime verinnerlicht, dass die Gewinne erst einmal sprudeln müssen, damit es den Beschäftigten gutgehen kann. Bei VW kamen sich Arbeitnehmervertreter und Konzernleitung besonders nahe gekommen. 2005 kam heraus, dass Betriebsräte mit Geldzahlungen, Luxusreisen und Prostituierten bestochen worden waren. Der damalige Personalvorstand Peter Hartz musste zurücktreten und wurde später wegen Untreue verurteilt. Als Folge des Skandals stieg Bernd Osterloh zum Betriebsratsvorsitzenden von VW auf. Seitdem gilt er als »König von Wolfsburg« und als mächtigster Arbeitnehmervertreter Deutschlands. Immer wieder legte er sich öffentlich mit VW-Manager Herbert Diess an. Ein Klassenkämpfer war er aber nicht gerade. (…) Osterloh sah sich gerne als Quasi-Konzernlenker, der mindestens so qualifiziert sei wie die Manager. Zeitweilig verdiente er als Betriebsrat so viel Geld, dass die Staatsanwaltschaft Niedersachsen 2019 wegen Veruntreuung von Unternehmensvermögen Ermittlungen aufnahm. (…) Endlich ist er ein richtiger Manager. Und diesmal wird nicht einmal die Staatsanwaltschaft ermitteln. Denn die zwei Millionen Euro Jahresgehalt, die er von jetzt an kassiert, sind für einen Konzernvorstand völlig normal.Artikel von Johannes Simon in der jungle World vom 29.04.2021 externer Link
  • Gewerkschafter hält die Hand auf: Genosse der Bosse
    Zwei Millionen Euro Jahresgehalt: VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh wechselt ins Management von Lkw-Sparte Traton. Erste Aufgabe: Arbeiter entlassen (…) Im Sommer vergangenen Jahres hatte Osterloh noch angekündigt, erneut die Liste der IG Metall zur bevorstehenden Betriebsratswahl anführen zu wollen. Seit dem unrühmlichen Abgang seines Vorgängers Klaus Volkert im Jahr 2005, der vom Konzern mit Geldzahlungen und Gefälligkeitsreisen auf Kooperationskurs gehalten wurde, stand Osterloh dem Gremium vor und war in dieser Funktion auch Mitglied im Aufsichtsrat des Konzerns. (…) Osterlohs Erbe war nicht einfach, seine Zeit als Vorsitzender war durch den Skandal um seinen Vorgänger Volkert, durch den Abgasbetrug, die Übernahmeschlacht durch Porsche und den Kampf um den Erhalt des VW-Gesetzes geprägt. Er schrieb in einem Brief an die Belegschaft, dass die von ihm gewünschte rechtzeitige, geordnete und nachhaltige Staffelübergabe jetzt umgesetzt werde, mit Blick auf die Betriebsrats- und Aufsichtsratswahlen im kommenden Jahr. Bei Osterlohs Schritt spielte offensichtlich eine Rolle, dass die Unternehmensseite ihm das Angebot gemacht hat, bei Traton Vorstandsmitglied für den Bereich Personal zu werden. Ein Posten, der mit etwa zwei Millionen Euro pro Jahr vergütet wird. Bisher wurde die Funktion Personal von anderen Vorstandsmitgliedern »mitbetreut«, seit einem Jahr war sie vakant. Osterloh begründete seinen Wechsel ins Management: »Traton spielt eine Schlüsselrolle in der Strategie des Volkswagen-Konzerns für die kommenden Jahre. Ich gehe dort demnächst in die operative Personalverantwortung für weltweit fast 100.000 Beschäftigte.« Er wolle noch einmal »unternehmerisch gestalten und in den nächsten Jahren mit meiner Arbeit dazu beitragen, dass die Lkw-Sparte ihren Weg zu einem ›Global Champion‹ in der Nutzfahrzeugbranche erfolgreich meistert.« (…)Insbesondere am österreichischen Standort weht dem neuen Personalvorstand ein heftiger Wind entgegen (siehe jW vom 10. April externer Link): Dort fand am 26. März eine Betriebsversammlung statt, bei der die 2.200köpfige Belegschaft sich mit zwei Dritteln gegen den Verkauf an den ehemaligen Magna-Chef Siegfried Wolf und die Verschlechterungen der Arbeitsbedingungen ausgesprochen hat. Wolf wollte mit seiner WSA Beteiligungs-GmbH ein Drittel des Personals abbauen und dem Rest der Belegschaft den Lohn um ein Sechstel kürzen. Der bisherige Betriebsratsvorsitzende Erich Schwarz wurde am Tag der Abstimmung vom Management mit einem Betretungsverbot belegt: »Das telefonisch ausgesprochene Betretungsverbot ist ein unwürdiges Schauspiel. Erich Schwarz hat als Betriebsrat jahrzehntelang um den Standort gekämpft, sich für die Beschäftigten und für den Erhalt des Werkes eingesetzt«, sagte Rainer Wimmer, Bundesvorsitzender der Gewerkschaft Pro-Ge. Nach der Abstimmung der Belegschaft hat MAN angekündigt, die Schließungspläne weiter zu verfolgen – eine erste Bewährungsprobe für den neuen Personalvorstand.“ Artikel von Stephan Krull in der jungen Welt vom 26.04.2021 externer Link
  • Mächtige Frau in Wolfsburg: Daniela Cavallo wird die neue VW-Betriebsratschefin. Damit ist sie eine der mächtigsten Personen im Riesenreich von Volkswagen
    „… Die Tochter eines italienischen Gastarbeiters werde auch das Mandat des noch amtierenden Betriebsratschefs Bernd Osterloh im Aufsichtsrat und in dessen engerem Führungszirkel, dem Präsidium von Volkswagen, übernehmen. Hintergrund ist, dass der langjährige Betriebsratschef Osterloh auf die Unternehmensseite wechselt und Personalvorstand bei der Volkswagen-Nutzfahrzeugtochter Traton wird – nach 16 Jahren im Amt übergibt der 64-Jährige seinen Posten an seine bisherige Stellvertreterin Cavallo. Cavallo, die erst seit Anfang 2019 Osterlohs Stellvertreterin ist, wird damit Chefin der wohl mächtigsten Arbeitnehmervertretung der Welt. Die gelernte Bürokauffrau und studierte Betriebswirtin ist bereits seit 2002 Betriebsrätin, zunächst in der Auto 5000 GmbH, in der damals vor allem Arbeitslose und von Arbeitslosigkeit bedrohte Personen zu Bedingungen unterhalb des Haustarifs (5.000 DM brutto) beschäftigt wurden. (…) Der Wechsel gilt nicht nur als das Ende einer Ära, in der der Betriebsratschef Osterloh als „Co-Manager“ wichtige Fäden in dem Konzern mit weltweit rund 660.000 Mitarbeitern in den Händen hielt. Damit könnten sich auch die Machtverhältnisse zugunsten des Managements verschieben, meinen Branchenexperten. (…) Mehr als 90 Prozent der VWler sind bei der IG Metall organisiert. Es lohnt sich: Das zeigt sich nicht nur am ungewöhnlich üppigen Haustarif, sondern auch daran, dass Arbeitnehmervertreter ohne Probleme auf höchste Chefposten im Konzern wechseln. So wurde 2019 Gunnar Kilian, enger Vertrauter von Osterloh, Personalchef von VW. (…) Die Konzernspitze von Volkswagen würdigte Osterlohs langjährigen Einsatz für den Konzern. Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch erklärte: „Er hat wichtige strategische Schritte zur Weiterentwicklung des Konzerns und bei der Transformation mitgetragen und mit vorangetrieben.“ Die Familien Porsche und Piech, die über die Holding Porsche SE die Mehrheit an Volkswagen halten, erklärten, man sei nicht immer einer Meinung gewesen. Es stehe aber außer Frage, dass Osterloh aufgrund seines unternehmerischen Geschicks und seiner hohen fachlichen Kompetenz für die Vorstandsposition bei Traton qualifiziert sei. „Wir erwarten deshalb von ihm, dass er einen entscheidenden Beitrag bei der laufenden Restrukturierung im Traton-Konzern leisten wird.“ Artikel von Kai Schöneberg vom 23. April 2021 in der taz online externer Link
  • Siehe unser Dossier von 2019: Justiz prüft VW-Betriebsratsbezüge: Erhielt der oberste Arbeitnehmervertreter zu viel Geld? und – nur z.B. von 2014: Weltgipfel der Mitbestimmung: Verschworene VW-Betriebsgemeinschaft forciert Sparprogramm oder von 2013: Macht der Betriebsräte: Wer sind die neben Osterloh? sowie vom 2016: Abgaswerte & Scheinwerkverträge – VW und das System von Manipulationen im Co-Management
Kurzlink: https://www.labournet.de/?p=189308
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