Union Busting bei Thoughtworks: Die US-amerikanische IT-Consulting-Firma will in Berlin drei der sieben Betriebsratsmitglieder kündigen

Union Busting bei Thoughtworks: Die US-amerikanische IT-Consulting-Firma will in Berlin drei der sieben Betriebsratsmitglieder kündigen - Aufruf zur KundgebungSeit Januar hat Thoughtworks Deutschland, ein weltweit tätiges Softwareberatungsunternehmen, die Kündigung der Betriebsratsmitglieder Olesya, Mohamed und Charlotte beantragt. Drei Kündigungen in drei Monaten. Mohamed ist seit April ohne Bezahlung suspendiert. Die Kündigungsgründe sind unterschiedlich: DSGVO, Äußerungen zur Rüstungsindustrie und zu Kriegsverbrechen der USA, Solidarität mit Palästina in einem anderen Fall. Der rote Faden ist die Vergeltung gegen Tech-Mitarbeiter, die sich an ihrem Arbeitsplatz organisieren. Am 27. Mai findet vor dem Berliner Arbeitsgericht die erste Verhandlung im Fall von Olesya statt. Diese Fälle werden entscheiden, ob Unternehmen in Deutschland Betriebsratsmitglieder entlassen dürfen, weil sie ihre Meinung sagen. Kommt vorbei. Teilt den Beitrag auf Instagram. Bringt ein Schild mit. Steht Olesya, Mohamed und Charlotte bei.“ engl. Aufruf der Berlin Tech Worker auf Telegram externer Link zur Kundgebung am 27. Mai 2026 vor dem Berliner Arbeitsgericht – siehe 2 Berichte mit Hintergründen:

  • Tech-Unternehmen geht gegen Betriebsrat vor: Der globale IT-Konzern Thoughtworks will zwei Betriebsratsmitgliedern für das Ausspähen von Daten kündigen. Der Betriebsrat selbst stellt sich quer.
    „… Zwei Beschäftigten, die zugleich auch Mitglieder des insgesamt siebenköpfigen Berliner Betriebsrats sind, will das global operierende Unternehmen nun aber kündigen – gegen den Widerstand des Betriebsratsgremiums selbst. Im Fall von einer der beiden Betroffenen fand am Mittwoch ein erster Termin vor dem Berliner Arbeitsgericht statt.
    Thoughtworks wirft beiden Mitarbeiter*innen vor, eine Sicherheitslücke im internen IT-System bewusst ausgenutzt und etliche Male auf vertrauliche Arbeitsbereiche anderer Arbeitnehmer*innen zugegriffen zu haben. Vor Gericht sprach der Anwalt des Unternehmens von Verstößen schwerwiegender Natur gegen die arbeitsvertraglichen Pflichten und Datenschutzbestimmungen, die eine außerordentliche Kündigung rechtfertigen würden. Die Betriebsratsmitglieder hätten so außerhalb der Geschäftszeiten unter anderem Daten der Personalverantwortlichen und der Juristin für Arbeitsrecht ausgespäht. Möglicherweise seien die Verstöße auch strafrechtlicher Natur, sagte der Anwalt. (…)
    Der Betriebsrat des Berliner Thoughtworks-Standorts hat die Zustimmung zu den Kündigungen in beiden Fällen ausdrücklich verweigert. In dem kleinen Verhandlungszimmer am Berliner Arbeitsgericht bekräftigen daher sowohl das Betriebsratsmitglied, das Thoughtworks gerne loswerden will, als auch die Betriebsratsvorsitzende die Unschuld der Mitarbeiterin. (…)
    Der vermittelnde Richter versuchte am Mittwoch nur kurz eine Einigung zwischen den Parteien herbeizuführen. Schnell war klar, dass das Gericht entscheiden muss. Ein Termin hierfür wurde für 2027 zur etwa gleichen Jahreszeit in Aussicht gestellt. »Selbst wenn hier eine Pflichtverletzung vorliegt, werden wir uns anschauen, ob die eine Kündigung rechtfertigt«, schloss der Richter.
    Sie würde gerne weiterhin für Thoughtworks arbeiten, sagte das betroffene Betriebsratsmitglied am Rande der Verhandlung zu »nd«. Sie sei seit 2021 im Unternehmen und seit 2023 im Betriebsrat. »Ich war immer eine der Aktivsten im Betriebsrat, und es war sichtbar, dass ich versucht habe, mich mit meinen Kolleg*innen gewerkschaftlich zu organisieren.«
    Die Mitarbeiterin, für die am Mittwoch verhandelt wurde, kann bis auf Weiteres bei Thoughtworks arbeiten. Sie gilt als nicht gekündigt. Ihr Kollege, dem die gleichen Verstöße vorgeworfen werden, ist allerdings von der Arbeit freigestellt worden. Ihm wird zusätzlich vorgeworfen, sich in einem internen Chat unangemessen über die Zusammenarbeit mit US-Veteranen geäußert zu haben. Dort soll er zwei Links zu Wikipedia-Artikeln über Kriegsverbrechen des US-Militärs geteilt haben. Nach eigener Aussage ist der Mitarbeiter aufgrund dieses Vorfalls inzwischen für den Großteil seiner Arbeit freigestellt. Bezahlt werde er nur noch für ein paar Betriebsratsstunden…“ Artikel von Christian Lelek vom 27.05.2026 in ND online externer Link
  • Union Busting bei Thoughtworks: Frontalangriff auf den Betriebsrat. Eine US-amerikanische IT-Consulting-Firma will in Berlin drei Betriebsräten kündigen
    „Ein Betriebsratsmitglied zu kündigen, ist in Deutschland aus guten Gründen keine leichte Sache. Die US-amerikanische IT-Consultant-Firma Thoughtworks versucht es dennoch. Gleich gegenüber drei ihrer Betriebsräte hat das Unternehmen in ihrer Berliner Niederlassung eine außerordentliche Kündigung ausgesprochen. Dass auch Thoughtworks kein leichtes Spiel haben wird, zeigte sich am Mittwochvormittag am Landesarbeitsgericht. Aufgrund des besonderen Schutzes benötigt die Kündigung eines Betriebsrates die Zustimmung des gesamten Gremiums. Da dieser ablehnte, versucht das Unternehmen die Zustimmung vor dem Arbeitsgericht zu erzwingen. Zu der Güteverhandlung einer Betriebsrätin rief dieses Mal die Tech-Workers-Coalition zum Protest auf. Mit Erfolg – der kleine Sitzungssaal war restlos gefüllt. Kolleg:innen, die gegen die Kündigungen protestieren, stehen vor der Tür. „Hände weg von unserem Betriebsrat“, steht auf einem Schild, „Wir lassen uns nicht einschüchtern“, auf einem anderen. „Es ist eindeutig, bei diesen Kündigungen geht es nicht um Fehlverhalten, sondern darum, uns zum Schweigen zu bringen“, sagt ein Mitarbeiter des Unternehmens, der aus Angst vor arbeitsrechtlichen Konsequenzen lieber anonym bleiben will, „Es ist Union Busting und Behinderung von Betriebsratsarbeit.“ (…) Von Anfang an war klar: Zu einer außergerichtlichen Einigung, die ein Gütetermin ermöglichen soll, kommt es nicht. „Mir fehlt da die Fantasie“, sagt auch der Richter. Eine Hauptverhandlung gibt es wahrscheinlich erst im nächsten Jahr. Die Unterstützer:innen geben sich kampfbereit. „Wir werden jeden einzelnen Fall vor Gericht anfechten, und wir werden gewinnen“, kündigt ein Redner auf der Kundgebung an.“ Artikel von Jonas Wahmkow vom 27. Mai 2026 in der taz online externer Link
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