Viel Schrecken und ein Hoffnungsschimmer: Landtagswahlen 2026 in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern sowie Berlin – wie wählten Gewerkschafter:innen?

"... Wer als Erwerbsloser oder Arbeiter die AfD wählt, wählt gegen seine eigenen Interessen!"„… Die AfD etabliert Gerechtigkeitsvorstellungen, die auf den Vorrang von Deutschen in den Leistungssystemen abheben. Wer in die Sozialsysteme »einwandert« oder nicht als leistungsbereit und produktiv wahrgenommen wird, soll perspektivisch von allen Sozialleistungen ausgeschlossen werden. Die Partei kann dabei an produktivistische Vorstellungen von Sozialmoral anknüpfen, die auch außerhalb der AfD vertreten werden und bis in die sozialdemokratische Rhetorik der »hart Arbeitenden« reichen. (…) Die sehr hohen Wahlergebnisse unter den »Arbeiter:innen« erscheinen spektakulär und werden von der AfD als Street Credibility vereinnahmt. Der Blick auf die »Angestellten« zeigt aber, dass das Problem der Landnahme der Rechtsextremen innerhalb der Lohnabhängigen breiter zu diskutieren ist. Neben der Qualifikation (die nicht automatisch mit Einkommenshöhe, sozialer Sicherheit und Stabilität des Jobs korreliert), ist es das Geschlecht, das den Unterschied macht…“ Daten und Interpretationen in 2 Artikeln der AG Wahlbeobachtung  in express – Zeitung für sozialistische Betriebs- und Gewerkschaftsarbeit – Ausgabe 10/2026

Siehe auch:

  • [„Sachsen-Anhalt ist ein Alarmsignal für die Gewerkschaften“] Solidarität muss man erfahren
    „Die AfD gewinnt weit über ihr rechtes Kernmilieu hinaus – besonders unter Arbeiter:innen. Wer darauf nur mit Aufklärung über ihr Programm und Bekenntnissen zur Demokratie antwortet, unterschätzt das Problem. (…) Denn die Rede davon, Arbeiter:innen würden »gegen ihre eigenen Interessen« wählen, setzt voraus, dass aus einer sozialen Lage eindeutig folgt, worin das eigene Interesse besteht. Aber so funktioniert politisches Bewusstsein nicht. (…) Klassenlage produziert kein Klassenbewusstsein. Objektive Interessen sprechen nicht für sich selbst. Sie müssen erkannt, interpretiert und organisiert werden. Genau hier setzt die AfD an. Sie spricht Teile der arbeitenden Klasse gezielt an, artikuliert deren Interessen aber nicht als gemeinsames Klasseninteresse. Sie übersetzt soziale Erfahrungen in Gruppeninteressen, die gegeneinander in Stellung gebracht werden (…) Es reicht nicht, Beschäftigten ihre »richtigen« Interessen zu erklären. Wenn Menschen mehrere, teilweise widersprüchliche Interessen haben, ist die politische Aufgabe nicht pädagogisch, sondern organisierend. Sie besteht darin, unterschiedliche Interessen so miteinander zu verbinden, dass gemeinsame Handlungsfähigkeit entstehen kann. Das ist der Kern von Klassenpolitik…“ Artikel von Jörn Boewe  in express – Zeitung für sozialistische Betriebs- und Gewerkschaftsarbeit – Ausgabe 10/2026
  • im Dossier: Strategien gegen Rechts (in Ostdeutschland): Erlebte Handlungsfähigkeit im Betrieb und (anti)demokratische Einstellungen

Siehe zuletzt: Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz: Mehrheit wählt rechts, Linke bleibt außen vor, Gewerkschaftsmitglieder leider im Trend

Kurzlink: https://www.labournet.de/?p=238211
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