Kurswechsel bei der IG Metall: CDU-Mitglied Arenz folgt auf Kapitalismusgegner Urban
„… Seit dem 6. November 2007 hatte der linke Soziologe Hans-Jürgen Urban dem fünfköpfigen Führungsgremium angehört. Er trat am Dienstag in den Ruhestand. Urban kämpfte für die Überwindung des kapitalistischen Wirtschaftssystems. Neu in den Vorstand gewählt wurde am Dienstag ein Gewerkschafter, dessen politisches Profil gegensätzlich ist. André Arenz gehört dem Bundesvorstand der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA) an, ist also CDU-Mitglied. (…) Arenz soll im Geschäftsführenden Vorstand künftig für die Betriebspolitik und das Aufgabengebiet der Digitalisierung zuständig sein (…) Wer künftig die Sozialpolitik verantwortet, den bisherigen Bereich von Hans-Jürgen Urban, ist unklar…“ Artikel von Claus-Jürgen Göpfert vom 30.06.2026in der FR online
und mehr dazu, nicht nur die IGM selbst:
- Wechsel im IG Metall-Vorstand: Hans-Jürgen Urban verlässt Gewerkschaftsspitze, André Arenz kommt +++ Christiane Benner: „Wir bleiben mit einem guten Team für die Zukunft gerüstet“
„Die IG Metall stellt ihren Vorstand neu auf: Hans-Jürgen Urban (64) legt sein Amt als geschäftsführendes Vorstandsmitglied zum 30. Juni nieder. Neu gewählt hat der Beirat der Gewerkschaft am Dienstag André Arenz (49). Der Beirat ist das höchste Gremium der IG Metall zwischen den Gewerkschaftstagen.
André Arenz wird im Vorstand unter anderem den Bereich Betriebspolitik übernehmen. Christiane Benner (58), Erste Vorsitzende der IG Metall, sagte: „Mit einem engagierten und breit aufgestellten Team kämpfen wir weiter für einen positiven wirtschaftlichen Wandel, gute Arbeitsbedingungen und einen sicheren Sozialstaat.“
Möglich wurde die Verjüngung des Vorstands durch Hans-Jürgen Urban: „In den politisch turbulenten Zeiten war mir ein geordneter, ruhiger Übergang für die IG Metall wichtig. Ich werde in wenigen Tagen 65 Jahre alt und die Rente erst ab 67 habe ich nie akzeptiert“, sagte das scheidende Vorstandsmitglied. Benner dankte Urban für sein langjähriges Engagement für die IG Metall: „Mit klarem sozialpolitischen Kompass und großem Engagement für die Interessen der Beschäftigten hat Hans-Jürgen Urban fast zwei Jahrzehnte unsere Arbeit geprägt. Mit ihm haben wir Erfolge errungen wie die Rente nach 45 Beitragsjahren, echte Parität in der Krankenkasse oder bei der Anerkennung psychischer Gefahren in der Arbeitswelt.“
Mit Blick auf das neue geschäftsführende Vorstandsmitglied sagte Gewerkschaftschefin Benner: „Mit André Arenz gewinnen wir einen erfahrenen Praktiker von unserer Basis. Er kennt die Herausforderungen gerade in kleineren und mittleren Betrieben aus erster Hand und bringt große Erfahrung im Umgang mit der industriellen Transformation mit. Ich freue mich auf die Zusammenarbeit.“ André Arenz war bislang Geschäftsführer der IG Metall in Olpe.“ Pressemitteilung vom 30. Juni 2026
- Kabinettsumbildung in der IG Metall
„… Bei der Besetzung der Spitzenpositionen spielt nicht allein die persönliche Eignung, sondern auch der jeweilige Rückhalt in den sieben regionalen Bezirken der IG Metall eine wichtige Rolle. Für André Arenz sprach, dass er offensichtlich die Wunschbesetzung des Bezirks NRW war, der ein gewichtiges Wort bei der Neubesetzung beanspruchte. Zugleich hat der Wechsel unübersehbar eine politische Note. Mit Urban geht der weit über seine Gewerkschaft hinaus bekannte und profilierteste Kapitalismuskritiker der IG Metall. Als Sozialpolitiker war er ein vehementer Verfechter des staatlichen Rentensystems und wortmächtiger Gegner jeder Form von »Aktienrenten«. Nicht zuletzt seiner Intervention war es zu verdanken, dass entsprechende Vorschläge aus dem Bezirk Baden-Württemberg vom Gewerkschaftstag 2023 mit großer Mehrheit zurückgewiesen wurden. Dass die CDA-Zugehörigkeit von Arenz bei der Nachfolgeregelung keine Rolle gespielt haben soll, ist schwer zu glauben. Ein Signal ist sie in jedem Fall…“ Beitrag der express-Gewerkschaftsredaktion im . express – Zeitung für sozialistische Betriebs- und Gewerkschaftsarbeit 6/2026

Siehe von 2019: Machtfrage Transformation. Hans-Jürgen Urban vom IG-Metall-Vorstand analysiert anstehende Umbrüche und plädiert für eine »eingreifende Politik«