- Bündnis Umfairteilen und Aktionen
- Die Occupy-Bewegung und Aktionstage
- Gewerkschaftliche Mobilisierung in der Krise
- Initiativen der Linken gegen den Kapitalismus und dessen Krisen
- Interventionen gegen die neoliberale EU
- Klimastreiks und -kämpfe
- Mobilisierungsdebatte: Wie kämpfen (gegen Kapitalismus)?
- Proteste gegen das Bahnprojekt Stuttgart 21
Wie wir leben müssen. Hartz IV und die Linke in Zeiten der Selbstoptimierung.
„Zu den theoretischen Deutungsmustern des Sozialen, die sich in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts soweit etabliert hatten, dass sie auch von weiten Teilen der Linken rezipiert wurden, gehört das poststrukturalistische Schema, wonach historisch wie systematisch mit der Entfaltung der Moderne eine Souveränitätsgesellschaft in eine Disziplinargesellschaft übergeht und sich dann schließlich mit der Postmoderne sukzessive die Disziplinargesellschaft zur Kontrollgesellschaft verwandelt. Dieser Transformationsprozess kann, wenn man dem Deutungsmuster einmal folgt, gerade für das soziale Verhältnis von Staat und Individuum heute als abgeschlossen betrachtet werden. Seinen machtvollen, für einen Teil der Bevölkerung spürbar brutalen Ausdruck findet das in den mit dem Namen Peter Hartz verbundenen Regulationsmaßnahmen, insbesondere dem Arbeitslosengeld II beziehungsweise Hartz IV…“ Artikel von Gregor Katzenberg in der Jungle World vom 11. Dezember 2014 ![]()
- Aus dem Text: „… Die Ideale der Selbstverwirklichung wurden vom Siebziger-Jahre-Partykeller-Hedonismus endgültig entkoppelt, die Zeiten, in der das prosperierende Kleinbürgertum rauschende Feste feierte, waren vorbei; in den neunziger Jahren gaben jetzt ausgerechnet Linke, als Poplinke, die kulturellen Muster vor, nach denen sich jeder ein bisschen Lifestyle gönnen durfte. Damit war die Individualisierung endgültig in der Linken angekommen, das »linke« Individuum demokratisch integriert, wurden Klassensolidarität und konkrete Utopie als nicht mehr zeitgemäß verabschiedet. Fundamental änderte sich somit das Theorie-Praxis-Verhältnis: »Links-sein« ist fortan keine Haltung mehr, die bestimmt, ob man im emphatischen Sinne »Genosse« ist oder nicht, sondern eine »theoretische« Meinung, die mitnichten etwas mit der je persönlichen Alltagspraxis zu tun zu haben braucht; dass das Private das Politische sei und umgekehrt, gilt ab jetzt nur noch in Bezug auf die symbolische Ordnung des jeweiligen Privatismus und dient dem Schutz der Befindlichkeit, die zugleich zur »politischen Waffe« verdreht wird. Ohnehin ist auch das, was im weitesten Sinne »links« heißt, im Potpourri der Meinungen nivelliert. Die Kontrollgesellschaft lässt es auch gar nicht mehr zu, als Subjekt zu agieren, geschweige denn als revolutionäres Subjekt. In Zeiten von Hartz IV heißt das: Wer als Linker vorstellig werden muss, um ALG II zu bekommen, macht das eben nicht als politisches Subjekt, als Kommunist, als Teil einer emanzipatorischen Bewegung etc., sondern schlechterdings wie alle in der Warteschlange: als Kunde, wie es im Jargon heißt…“