[IAQ-Studie] Erwerbslose ohne Lobby? Warum ihre Interessenvertretung so schwer zu organisieren ist

Dreißig Jahre Erwerbslosenprotest 1982 – 2012„… Arbeits- und Erwerbslose haben eine schwache Lobby und genießen wenig öffentliche und politische Unterstützung. Der aktuelle Report aus dem Institut für Arbeit und Qualifikation der Universität Duisburg-Essen untersucht die vielfältigen Herausforderungen, vor denen Interessenvertretungen für Erwerbslose stehen. (…) Auf Basis von Interviews mit Betroffenenorganisationen, Wohlfahrtverbänden und Gewerkschaften analysieren sie die Ursachen der Organisationsprobleme. Die zentralen Ergebnisse: Selbstorganisierte Erwerbsloseninitiativen haben kaum finanzielle Mittel, um ihre Interessen politisch zu vertreten. Sie bekommen zwar öffentliche Förderung, diese ist jedoch häufig an zeitraubende Sozialrechtsberatungen gebunden. Innerhalb der Wohlfahrtsverbände und Gewerkschaften wiederum konkurrieren die Anliegen der Erwerbslosen mit den Interessen anderer Gruppen. Häufige Wechsel unter den Mitgliedern, Überalterung und Interessenkonflikte erschweren es zudem, Erwerbslose zu mobilisieren und dauerhaft zu organisieren. Erschwerend kommt die negative öffentliche Meinung über Arbeitslose hinzu…“ IAQ Pressemitteilung vom 17.08.2026 externer Link zur Studie der Universität Duisburg-Essen – siehe mehr daraus/dazu:

  • Weiter aus der IAQ Pressemitteilung vom 17.08.2026 externer Link: „… „Ihre fortwährende Stigmatisierung in öffentlichen Debatten führt dazu, dass sich viele Betroffene zurückziehen, statt sich zu organisieren und zu solidarisieren. Dies erschwert es den Organisationen, eine Gegenposition zu gängigen Narrativen öffentlich sichtbar zu machen“, so IAQ-Arbeitsmarktforscher Fabian Beckmann. In der Studie berichteten Organisationsvertreter*innen, dass viele Arbeitslose sich nicht gesehen und politisch repräsentiert fühlen.
    Infolge dessen sind sie empfänglich für rechtspopulistische Parteien: Die Alternative für Deutschland (AfD) erhielt bei der Bundestagswahl 2025 mit einem Stimmenanteil von 34 % unter Arbeitslosen deutlich mehr Rückhalt als im Bevölkerungsdurchschnitt (21 %). „Indem die AfD den Konflikt zwischen Arm und Reich zu einem Konflikt zwischen Deutschen und Zugewanderten macht, bietet sie eine Interessenvertretung „von rechts“ an“, erklärt Beckmann.
    Hoffnung macht den Wissenschaftlern, dass Erwerbslosenorganisationen verschiedene juristische Instrumente wie Klagen und Rechtsberatung mit Erfolg einsetzen. Außerdem könne die Mobilisierung über soziale Medien die öffentliche Wahrnehmung erweitern. „Jungen Organisationen wie „Sanktionsfreiexterner Link gelingt es immer wieder, durch persönliche Geschichten und gezielte Kampagnen Nachrichtenwert zu generieren“, so Florian Spohr.““
  • Fabian Beckmann, Florian Spohr, 2026: Desorganisierte Erwerbslose: Mobilisierungsprobleme, Vertretungslücken und politische Konfliktverlagerung. Duisburg: Inst. Arbeit und Qualifikation. 19-seitiger IAQ-Report 2026 / 08 externer Link
  • Die Interviews wurden im Rahmen des Projektes „Zwischen Fragmentierung und Marginalisierung: Die Repräsentation schwacher Interessen am Beispiel von Erwerbslosenexterner Link (RESCHI) durchgeführt.
Kurzlink: https://www.labournet.de/?p=237240
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