Freiwilligendienste für alle? Vom Ehrenamt zur Prekarisierung der Freiwilligen Arbeit

express, Zeitung für sozialistische Betriebs- und GewerkschaftsarbeitSeit Beginn der Industrialisierung wird in Zeiten von zunehmender Armut, hoher Erwerbslosigkeit und prekärer Erwerbsarbeitsverhältnisse an die wohlhabenden BürgerInnen appelliert, dort zu helfen, wo die Not am größten ist. Die Appelle haben sich bis heute kaum geändert, doch die Zielgruppe der »Freiwilligen« ist größer geworden. Mit dem Einsatz des Rotstiftes vor allem im Sozial-, Gesundheits- und Kulturbereich wird heute nicht alleine an das Engagement der BürgerInnen appelliert, »ehrenamtlich«, d.h. in der Regel unbezahlt und neben ihrer Erwerbsarbeit, für das Gemeinwesen tätig zu werden. Die Appelle richten sich vielmehr mit immer neuen Programmen an immer neue Zielgruppen und schließlich an die Erwerbslosen und Armen selbst. Die historische Entwicklung des »Ehrenamts« hin zur aktuellen Bedeutung der »Freiwilligenarbeit« wird in diesem Beitrag nachgezeichnet…“ Artikel von Gisela Notz, erschienen in express, Zeitung für sozialistische Betriebs- und Gewerkschaftsarbeit, 11/2015  und dazu:

  • DRK-Forderung nach einer besseren Finanzierung der Freiwilligendienste: Das Taschengeld muss weg New
    Für die Politik sind Freiwilligendienste ein Glücksgriff: In Bereichen, die sie selbst kaputt sparen, schuften junge Menschen fast unbezahlt. Eine Begründung dafür geht vielen leicht von der Zunge – um die Demokratie zu retten, solle man sich gegenseitig unter die Arme greifen. Erst am Dienstag hat Bildungsministerin Karin Prien (CDU) verkündet, mit einem neuen Gesetz die Dienste stärken zu wollen. Die Menschen sollten sich mehr für das Land engagieren. Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) hat nun reagiert und eine bessere Finanzierung gefordert. Das Absolvieren scheitere häufig »am zu geringen Taschengeld«. Die Kritik des DRK ist zwar richtig, doch die Forderung müsste konkreter sein – und tiefer greifen.
    Das »Taschengeld« sollte nicht höher ausfallen, sondern wegfallen. Schon vor der Einführung der Bundesfreiwilligendienste 2011 warnten Gewerkschaften davor, dass sich der Niedriglohnsektor ausweiten würde. Das »Taschengeld« des Bundesfreiwilligendiensts liegt nach letztem Stand bei maximal 664 Euro monatlich. Daraus ergibt sich ein lächerlicher Stundenlohn. Stattdessen sollten die Freiwilligen das volle Gehalt ihrer Kolleg*innen erhalten. Wer Arbeit leistet, muss diese bezahlt bekommen – so einfach ist es. Gleichzeitig wäre es echte Anerkennung, kein Lippenbekenntnis. Die Dienste zahlen sollte der Staat. Und damit in Gesundheit, Bildung und Umweltschutz investieren, also Bereiche, in denen viele ihren Frewilligendienst leisten. Frau Prien: Sie sollten sich endlich mehr für die Menschen engagieren.“ Kommentar von Ruta Dreyer vom 18.02.2026 in ND online externer Link
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