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medico-Spendenaufruf: Clínica para todos – eine Klinik für alle im mexikanischen Regenwald

medico-Spendenaufruf: Clínica para todos - eine Klinik für alle im mexikanischen Regenwald„Gesundheit ist ein Menschenrecht – das für viele nicht gilt. Im mexikanischen Bundesstaat Chiapas werden indigene Gemeinden systematisch von der medizinischen Versorgung ausgeschlossen. Auch deshalb rebelliert dort seit 1994 die zapatistische Bewegung. Seither kämpfen sie für ein gutes Leben, Würde und Gerechtigkeit. Nun haben die zapatistischen Gemeinden mitten im Regenwald mit dem Bau einer eigenen Klinik begonnen: Gynäkologie, Labor, zahnärztliche Versorgung – selbstverwaltet und offen für alle. Mit Unterstützung solidarischer Initiativen, auch von medico international, verteidigen sie das Recht auf Gesundheit dort, wo der Staat versagt. Während uns angesichts der Lage der Welt vielerorts Ohnmacht und Lähmung begegnen, birgt die zapatistische Autonomie mehr als abstrakte Hoffnung. Unterstütze die gesundheitliche Selbstbestimmung in Chiapas.“ medico-Spendenaufruf vom August 2026 externer Link – siehe mehr Informationen:

  • Interview: Eine Klinik für alle – Eine andere Art der Daseinsvorsorge in Mexiko
    medico-Interview von Philipp Gerber vom 13. August 2026 in amerika21 externer Link mit dem Arzt Joel Heredia über Erfolge und Zukunft des zapatistischen Gesundheitssystems. Joel Heredia Cuevas: „Die indigenen Gemeinden von Chiapas hatten schon vor dem Aufstand [1994] erste Erfahrungen mit kommunitärer Basisgesundheit gemacht. In der Bewegung der Zapatistas trafen verschiedene lateinamerikanische Praktiken aufeinander, wie die „Educación popular“ (Bildungsarbeit von unten) von Paulo Freire, das Konzept der kollektiven Gesundheit im „Kritischen Denken Lateinamerikas“ sowie der Befreiungstheologie. Die Synergie dieser Erfahrungen ermöglichte es den Indigenen, sich ausgehend von ihrer eigenen Kultur, der traditionellen Medizin und der Beziehung zur Natur neu zu konstituieren. Dies gilt auch für das „Zapatistische Autonome Gesundheitssystem“, das von den kleinsten Ortschaften aus aufgebaut wird. Leute aus den Gemeinden werden als Gesundheitspromotor:innen ausgebildet und leisten ihren Dienst in inzwischen 300 kommunalen Gesundheitshäusern, in denen eine primäre Gesundheitsversorgung angeboten wird. Die Promotor:innen werden in einigen Fällen von medizinischem Personal, das ein Sozialjahr nach dem Studium absolviert, unterstützt. Dafür haben wir die NGO „Salud y Desarrollo Comunitario“ (Gesundheit und gemeinschaftliche Entwicklung, Sadec) gegründet, mit der wir diese jungen Fachkräfte begleiten und sie für die Arbeit in den indigenen Gemeinden sensibilisieren. Die zweite Stufe der Gesundheitsversorgung umfasst 40 autonome Regionalkliniken mit den Schwerpunkten Allgemeinmedizin, Zahnpflege und reproduktive Gesundheit. Hier werden an Wochenenden auch kleinere Operationen von solidarischen Ärzt:innen durchgeführt. Gleichzeitig gibt es eine enge Zusammenarbeit mit traditionellen Hebammen und Heiler:innen. (…)
    [E]ines der Merkmale des zapatistischen Gesundheitssystems ist, dass es ein Gefühl der Zugehörigkeit und Identität vermittelt, da es von der Bevölkerung für die Bevölkerung entwickelt wurde und direkt auf die alltägliche schlechte Behandlung und die Diskriminierung in staatlichen Institutionen reagiert. Es ist ein partizipatives Modell, das lokal verankert ist und das gegebenenfalls auf die vom medizinischen Personal erbrachten Leistungen reagieren kann. Die lokale Bevölkerung ist direkt eingebunden. Sie wählt ihre Vertreter:innen im Gesundheitssystem, sowohl die Promotor:innen als auch die Mitglieder der Gesundheitskomitees. Letztere ernennen Vertreter:innen für die regionale Gesundheitskoordination. Die Gemeindeversammlungen überwachen die Leistung dieser Amtsträger:innen, die alle ohne Entlohnung arbeiten. Zusammen mit dem Bildungssystem, der Lebensmittelproduktion und der Verwaltung gehört die Gesundheit zu den Säulen der zapatistischen Autonomie. Zurzeit ist die Gesundheitsversorgung der sichtbarste Ansatz, wie die internationale Kampagne für eine Klinik im Regenwald zeigt. Mit ihrem neuen politischen Vorschlag des „El Común“ (Gemeinsamen) schaffen sie es, auch Gemeinden in den Bau einer neuen Klinik einzubeziehen, die nicht Teil der Bewegung sind. (…)
    Wichtig ist auch zu betonen, dass die autonome Gesundheitsversorgung der ganzen Bevölkerung offensteht, unabhängig von politischen Orientierungen. (…)
    Die rassistische Diskriminierung der indigenen Bevölkerung ist in den öffentlichen Krankenhäusern an der Tagesordnung, da viele nicht genügend Spanisch sprechen. In den ersten Jahren nach dem zapatistischen Aufstand haben wir auch erlebt, dass aus zapatistischen Gemeinden stammende Patient:innen in den Krankenhäusern massiv eingeschüchtert wurden. (…)
    In den ersten Jahren der Autonomie haben die Zapatistas die Gesundheit sehr im Sinne der westlichen Vorstellung verstanden und wollten mit einer eigenen Versorgungsstruktur diesem Beispiel nahekommen. Je besser sie jedoch die Grenzen dieses Modells verstanden, desto mehr Gewicht gaben sie der traditionellen Medizin. Noch 2007 war im zapatistischen Modell bloß von Promotor:innen die Rede. Wenige Jahre später wurden die Hebammen, die Heiler:innen und die Kräuterfrauen einbezogen. Die Zapatistas sprechen von der „wahren Gesundheit“, die nicht nur die Behandlung von Krankheiten, sondern auch die Lebensbedingungen wie Arbeit, Wohnung, Territorium umfasst. Die Zapatistas brechen so mit dem hegemonialen medizinischen Modell und erlangen die Entscheidungsmacht über den Körper zurück, der zentraler Bestandteil des Territoriums ist. Mit eigenen Akteur:innen und einer Vielzahl von Therapien (Schulmedizin, traditionelle Kräutermedizin, Homöopathie, Akupunktur) bauten sie ein Versorgungsmodell auf, das einen doppelten Effekt erzeugt: Einerseits die Verbesserung der individuellen Gesundheit, was eine höhere Lebensqualität bedeutet, andererseits die Gesundheit der Gemeinschaft, in der gesunde Menschen die Verteidigung ihres Territoriums besser angehen können.“
Kurzlink: https://www.labournet.de/?p=237202
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