Zunehmende Übergriffe erfordern u.a. Rückzugsräume für das Zugpersonal

Dossier

Mach meinen Kumpel nicht an!„Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) fordert, bei Neufahrzeugen und Umbauten von Bestandsfahrzeugen zusätzliche Rückzugsräume für das Zug- und Sicherheitspersonal vorzusehen. Im Positionspapier „Mindestens vier Quadratmeter für unsere Sicherheit!“ externer Link begründet die GDL die Notwendigkeit solcher Rückzugsmöglichkeiten und definiert die Anforderungen an die entsprechenden Räumlichkeiten. (…) Im Zuge der zunehmenden Verrohung der Gesellschaft leidet das Zugbegleitpersonal ohnehin seit Jahren unter einem massiven Anstieg verbaler Übergriffe und körperlicher Attacken. (…) Die Sicherheitsräume sind ein wichtiger Baustein im umfangreichen Forderungspaket der GDL zum Bereich Sicherheit, Gewalt und belastende Ereignisse…“ Pressemitteilung der GDL  vom 3. Januar 2022 externer Link und dazu:

  • Schweigeminute am 4. Februar um 15 Uhr für den Zugbegleiter Serkan C., nach Angriff bei Ticketkontrolle in einem Regionalexpress verstorben New
    • Bei Kaiserslautern: Zugbegleiter nach Angriff in Regionalexpress gestorben
      Ein Zugbegleiter ist nach einem Angriff in einem Regionalexpress gestorben. Er war bei Kaiserslautern von einem Fahrgast bei einer Ticketkontrolle angegriffen worden. Gegen den Tatverdächtigen wurde Haftbefehl erlassen.
      Seit Montagabend hatten Ärzte nach einem Angriff um das Leben eines Zugbegleiters gekämpft. Jetzt ist er tot. Wie die Staatsanwaltschaft Zweibrücken mitteilt, wurde der 36-jährige Zugbegleiter durch Faustschläge gegen den Kopf schwer verletzt. Am frühen Dienstagmorgen sei er im Krankenhaus gestorben. Die Leiche des Mannes soll jetzt obduziert werden. Tatverdächtig ist ein Fahrgast. Er soll keinen Wohnsitz in Deutschland haben. Polizei und Staatsanwaltschaft ermitteln wegen versuchten Totschlags. Deswegen wurde gegen den 26 Jahre alten mutmaßlichen Täter Haftbefehl erlassen. Zum genauen Tathergang oder zu einer möglichen Tatwaffe machen die Ermittler bisher keine Angaben
      . (…) Offenbar hatte der 36-jährige Zugbegleiter einen Reisenden nach seiner Fahrkarte gefragt. Der hatte aber keinen gültigen Fahrschein. Deshalb sollte der 26-jährige Mann den Zug verlassen. Daraufhin hatte er den Zugbegleiter plötzlich attackiert…“ Beitrag von Sarah Korz vom 04.02.2026 auf tagesschau.de externer Link und dazu:
    • Zugbegleiter nach Angriff durch Fahrgast gestorben – EVG ruft zu Schweigeminute um 15 Uhr auf
      Der in einem Regionalexpress lebensgefährlich verletzte Zugbegleiter Serkan C. ist tot. Unser 36-jährige Kollege war am Montagabend bei einer Ticketkontrolle von einem Fahrgast attackiert worden. Der EVG-Vorsitzende Martin Burkert dazu: „Wir sind erschüttert und trauern um unseren Kollegen Serkan C., der seinen schweren Verletzungen erlegen ist. Wir rufen heute alle Eisenbahnerinnen und Eisenbahner sowie die Fahrgäste zu einer Schweigeminute um 15 Uhr auf. Heute steht die Eisenbahnerfamilie still. Und ab morgen erhöhen wir nochmal den Druck. Dieser brutale Überfall muss jetzt ein Umdenken einleiten. Wir erwarten, dass die Politik jetzt sofort Maßnahmen für mehr Sicherheit ergreift. So ein Fall darf sich niemals wiederholen.““ EVG-Pressemitteilung vom 04. Februar 2026 externer Link
    • Angriff auf Zugbegleiter: Mario Reiß: Unsere Gedanken sind bei unserem verstorbenen Kollegen und seiner Familie
      Mit großer Bestürzung und tiefer Betroffenheit haben wir vom Tod des Zugbegleiters Serkan C. erfahren, der am Montag im Dienst bei einer Kontrolle durch einen fahrscheinlosen Mitfahrer lebensgefährlich verletzt wurde und nun an den Folgen dieses Angriffs verstorben ist.
      Unsere Gedanken sind bei seiner Familie, seinen Freunden und seinen Kollegen. Wir sprechen den Angehörigen unser tief empfundenes Mitgefühl und unsere aufrichtige Anteilnahme aus. Was geschehen ist, erschüttert uns zutiefst.
      Zugbegleiter sorgen jeden Tag dafür, dass Bahnverkehr sicher, geordnet und zuverlässig abläuft. Sie sind Ansprechpartner, Helfer, Vermittler, und leider zunehmend auch Zielscheibe von Aggression und Gewalt. Wer Menschen angreift, die im Dienst für die Allgemeinheit stehen, greift das Fundament eines funktionierenden öffentlichen Verkehrs an. Und wer dies in dieser Form zunehmend geschehen lässt, ohne die notwendigen Konsequenzen einzuleiten, macht sich an den immer schlimmer werdenden Zuständen mitschuldig.
      Seit Jahren weisen wir darauf hin, dass die Übergriffe auf Zugpersonal zunehmen. Kolleginnen und Kollegen berichten von wachsender Respektlosigkeit, Drohungen und körperlicher Gewalt. Viele Situationen eskalieren schneller und heftiger als früher. Dennoch erleben wir in der politischen Debatte häufig Relativierungen, statistische Schönrechnungen oder Maßnahmen, die vor allem auf dem Papier gut aussehen. Dieser Fall zeigt in brutalster Form: Es geht nicht um Einzelfälle. Es geht um reale Gefährdung unserer Kollegen und der Fahrgäste. Es geht um Menschenleben
      …“ GDL-Pressemitteilung vom 04. Februar 2026 externer Link
    • Bundesweite Schweigeminute heute um 15.00 Uhr
      Mit einer bundesweiten Schweigeminute gedenken wir bei der Bahn heute um 15.00 Uhr dem gewaltsamen Tod unseres Kollegen Serkan C. Wir rufen alle Kolleginnen und Kollegen, alle Eisenbahnerinnen und Eisenbahner und alle Fahrgäste auf, sich daran zu beteiligen. Wir sind tieftraurig, bewegt und erschüttert. Unsere Gedanken sind bei seiner Familie und seinen Freunden. Für DB-Mitarbeitende gilt: Passende Durchsagen, ein Innehalten oder Schweigen, alles ist grundsätzlich möglich. Der Bahnbetrieb geht aus Sicherheitsgründen jedoch regulär weiter…“ Bahn-Meldung vom 4.2.26 externer Link

      • dort auch das Statement von DB-Chefin Evelyn Palla zum gewaltsamen Tod von Kundenbetreuer Serkan C.: „Der tragische Tod macht mich fassungslos und traurig. Mein tiefes Mitgefühl gilt den Angehörigen von Serkan C., seinen Freunden und seinen Kolleginnen und Kollegen. Wir alle bei der Deutsche Bahn verurteilen aufs Schärfste diesen schrecklichen Gewaltexzess und den völlig sinnlosen Tod des Kollegen. Wir alle müssen uns die Frage stellen, warum kommt es immer wieder zu solchen Gewaltausbrüchen? Wir, die Politik, die Gesellschaft, müssen Antworten geben. Heute ist ein schwarzer Tag für alle Eisenbahnerinnen und Eisenbahner im Land. Wir bei der Bahn trauern.“ 
    • Über die sozialen (Hinter)Gründe darf nicht geschwiegen werden, auch nicht über Bagatellstrafen für Arme…
  • Nach 3.150 Übergriffen in 2023 führt Deutsche Bahn Bodycams im Regionalverkehr ein: „sehr deeskalierend“?
    Die Deutsche Bahn will Mitarbeitende im Regionalverkehr ab sofort mit Bodycams ausstatten. Die tragbaren Kameras hätten sich in einer Testphase bewährt und wirkten „sehr deeskalierend“. Was das genau heißt, kann die Bahn aber nicht sagen.
    Im vergangenen Jahr kam es laut Deutscher Bahn AG externer Link rund 3.150 Mal zu Übergriffen auf Mitarbeitende des Unternehmens. Knapp zwei Drittel der Angriffe richteten sich demnach gegen das Zugpersonal im Regionalverkehr. Insgesamt bewegen sich die Zahlen auf dem Niveau des Vorjahres. Um die rund 5.000 Mitarbeitenden im Regionalverkehr besser zu schützen, will die Bahn diese auf Wunsch fortan mit Bodycams ausstatten. Der Einsatz soll zunächst „sukzessive und auf freiwilliger Basis bundesweit auf ausgewählten Strecken“ erfolgen, so eine Bahn-Sprecherin gegenüber netzpolitik.org. Erste Pflichtschulungen für den Einsatz und Umgang mit der Bodycam seien bereits für die kommenden Wochen geplant.
    Tests „in größerem Rahmen“
    Der Entscheidung seien „in größerem Rahmen“ Tests in Baden-Württemberg, Bayern und in den Regionen Nordost (Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern) vorausgegangen. Dabei hätten sich die Geräte „im Einsatz bei Sicherheitskräften und Zugbegleitern sehr gut bewährt“, so die Bahn-Sprecherin. „Sie haben eine deutlich präventive Wirkung, einen deeskalierenden Effekt und liefern den Strafverfolgungsbehörden notwendiges Beweismaterial.“ Mitarbeitende, die bis heute und damit über die Testphase hinaus eine Bodycam tragen, hätten seither keinen körperlichen Übergriff erfahren. Auch verbale Attacken seien stark rückläufig. „Die Bodycam hilft also, Aggressionen einzudämmen“, so die Bahn.
    Wir haben bei dem Unternehmen nachgefragt, auf welcher Zahlengrundlage es zu dem Schluss kommt. Auch wollten wir wissen, welche Gründe es dafür sieht, dass der Anstieg an Angriffen im vergangenen Jahr abgebremst werden konnte. Beide Fragen hat uns die Bahn nicht beantwortet.
    Nur Bild, kein Ton
    Die Bodycams zeichnen ausschließlich Bild und keinen Ton auf. Außerdem würden die Mitarbeitenden die Geräte „nur in eskalierenden Situationen und nach deutlicher Ansage“ aktivieren, so die Bahn. Die Mitarbeitenden tragen die Bodycams auf der Brust. Bei einer Aufzeichnung zeigen die Geräte die Videos dann live auf einem Monitor an. Vor Gericht sind die Bildaufzeichnungen, etwa bei verbalen Beleidigungen, nur eingeschränkt nutzbar. (…)
    Wann und wie viele Bodycams bei DB Regio in diesem Jahr voraussichtlich zum Einsatz kommen werden, konnte die Bahn auf Anfrage von netzpolitik.org nicht sagen. Fest steht aber, dass die Bahn im Regional- und S-Bahn-Verkehr inzwischen mehr als 50.000 Videokameras externer Link einsetzt, die „für eindeutiges Beweismaterial“ sorgen sollen. An den bundesweit 800 Bahnhöfen will die Bahn bis Ende des Jahres insgesamt rund 11.000 Kameras installiert haben, zehn Prozent mehr als im vergangenen Jahr. Private Regional-Bahnen warten ab, BVG in Berlin rüstet ebenfalls auf
    …“ Beitrag von Daniel Leisegang vom 27.03.2024 in Netzpolitik externer Link („Deutsche Bahn: Bodycam als Zugbegleiter“)
  • Gewalttätige Angriffe auf Bahn-Personal deutlich gestiegen – neue Maßnahmen sollen hier nun Abhilfe schaffen
    „Die Deutsche Bahn hat seit Jahren mit dem Problem von Gewalt gegen die eigenen Mitarbeiter zu kämpfen. Seit 2012 sind die Vorfälle jedes Jahr mehr geworden. Im vergangenen Jahr wurden 3.138 Übergriffe auf das Bahn-Personal verzeichnet, ein Anstieg um 20 Prozent im Vergleich zu 2021, wie der Konzern jetzt mitgeteilt hat. 79 Prozent der Übergriffe wurden als einfache Körperverletzungen wie Rempeln, Schläge und Anspucken bezeichnet, bei rund 15 Prozent handelte es sich um versuchte Angriffe. Eher die Ausnahme, aber immerhin noch sechs Prozent, machen schwere Körperverletzungen gegen das Personal aus. Als einer der Hauptgründe für die Übergriffe nannte die Deutsche Bahn die Durchsetzung der Corona-Schutzmaßnahmen, so seien 30 Prozent auf die Durchsetzung der Maskenpflicht zurückzuführen. Aber auch die vollen Züge durch das 9-Euro-Ticket in den Sommermonaten sowie die Wiederaufnahme vieler Veranstaltungen, wie Fußballspiele, sorgten in den Zügen der Bahn für Auseinandersetzungen. (…) Um ihr Personal in Zukunft besser vor derartigen Übergriffen zu schützen, plant die Bahn derzeit eine Reihe von Schutzmaßnahmen. „Jede Form von Gewalt gegen unsere Mitarbeitenden ist inakzeptabel und verurteilen wir zutiefst. Wir werden die Angriffe weiter konsequent bekämpfen: mit besserer technischer Ausstattung, verbesserter Ausbildung und der konsequenten Anzeige jedes einzelnen Falls“, betont Hans-Hilmar Rischke, Leiter der DB-Konzernsicherheit. Zu den Maßnahmen gehören unter anderem das Tragen von Bodycams. Seit Februar wird dies bereits von Kundenbetreuerinnen der Schwarzwaldbahn getestet. Erste Ergebnisse machen deutlich, dass sich sowohl das Zugpersonal als auch die Reisenden damit sicherer fühlen. Auch sollen in Zukunft das Sicherheitspersonal sowie die Anzahl der Videokameras aufgestockt werden. Die Bahn setzt zusätzlich auf eine bessere Ausbildung der Mitarbeiter. Neben den regelmäßigen Deeskalationstrainings sollen die Schulungen durch aktuelle Konfliktschwerpunkte angepasst und ausgeweitet werden.“ Beitrag von Corinna Flemming vom 6. März 2023 bei logistik-watchblog.de externer Link, siehe dazu:

    • GDL: Studie zu Gewalt gegen Beschäftigte Verkehrsbereich besonders betroffen – Gesetzgeber und Arbeitgeber in der Pflicht!
      „Am 30. Januar 2023 wurde eine Studie des „Deutschen Forschungsinstituts für öffentliche Verwaltung“ (FÖV) zum Ausmaß der Gewalt gegen Beschäftigte im Verkehrsbereich veröffentlicht. Diese wurde unter anderem durch unseren Dachverband dbb beamtenbund und tarifunion in Anlehnung an eine vom Bundesinnenministerium initiierte Studie zum Ausmaß von Gewalt gegen Beschäftigte des öffentlichen Dienstes in Auftrag gegeben. Die GDL hat sich mit ihrem bundesweiten Arbeitskreis „Sicherheit im und am Zug“ aktiv daran beteiligt und konnte viele Erfahrungen und Erkenntnisse aus unseren eigenen Umfragen „Mit Sicherheit“ aus den Jahren 2016 und 2019 einbringen. Die Ergebnisse bestätigen jetzt unsere bisherigen Erkenntnisse und stellen zusammen mit der dabei erfolgten umfassenden Literaturstudie eine, wenn nicht sogar die wichtigste, Grundlage für jeden dar, der sich mit der Thematik Gewalt im Verkehrsbereich beschäftigt…“ Beitrag aus dem GDL Magazin VORAUS vom März 2023 externer Link
Kurzlink: https://www.labournet.de/?p=196600
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