Warum wir über institutionellen Rassismus sprechen müssen

Pro Asyl: Rassismus führt zum Verlust Ihres MitgefühlsFragt man die Bundesregierung und die deutsche Polizei, gibt es in Deutschland keinen institutionellen Rassismus. Kein Mensch wird wegen seiner angenommenen oder tatsächlichen Herkunft oder wegen seines Aussehens von Vertretern des Staates diskriminiert. Dabei werten zahlreiche Menschenrechtsgremien wie die „Europäische Kommission gegen Rassismus und Intoleranz (ECRI)“ oder der „UN-Ausschuss gegen Rassismus (CERD)“ das wiederholte Versagen der deutschen Behörden, bei Straftaten rassistische Tathintergründe zu erkennen sowie zu untersuchen, als Indiz für die Existenz von institutionellem Rassismus innerhalb der deutschen Sicherheitsbehörden…Gastbeitrag von Alexander Bosch, Amnesty International, im Antifaschistischen Infoblatt vom 30. Oktober 2016 externer Link. Aus dem Text:

  • … Vertreter_innen von Bundesregierung und Polizei negieren das Problem mit der Begründung, es gäbe keine offizielle Definition des Begriffs „institutioneller Rassismus“. Anderseits verschanzen sie sich auch hinter der Behauptung, mit dem Begriff würden alle Mitarbeiter_innen der Sicherheitsbehörden als Rassist_innen diffamiert. Doch das ist falsch. Der Begriff bezeichnet das kollektive Versagen einer Institution, Menschen aufgrund angenommener oder tatsächlicher Kriterien wie „Hautfarbe“, kulturellem Hintergrund oder ethnischer Herkunft angemessen und professionell zu behandeln. Institutioneller Rassismus kann in Abläufen, Einstellungen und Verhaltensweisen sichtbar werden, die durch unbewusste Vorurteile, Nichtwissen, Gedankenlosigkeit und rassistische Stereotype zu Diskriminierung führen und Menschen benachteiligen. Wenn offen rassistische Einstellungen unter den Mitarbeiter_innen einer Organisation vorkommen, wird auch dies als institutioneller Rassismus verstanden. Doch dieser kommt auch dort vor, wo die Mitarbeiter_innen keine bewussten rassistischen Einstellungen haben. (…) Leider gibt es eine deutliche Tendenz der Verharmlosung und Leugnung rassistischer Realität in Deutschland, die das Sprechen über Rassismus in Deutschland so schwierig macht. Weil im postnationalsozialistischen Deutschland nicht sein konnte, was nicht sein durfte, werden allenfalls massive Formen rassistischer Vorkommnisse, wie körperliche Übergriffe, die mit offen rassistischen Beleidigungen einhergehen, als rassistisch motiviert verstanden. Die Folge: Die deutschen Behörden redu­zieren das Phänomen des Rassismus oft fälschlicherweise im Kontext des Extremismusansatzes auf eine rechte Ideologie sowie das bewusste Handeln von Einzeltäter_innen oder rechten Strukturen…
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