In Hamburg vom Fahrrad gerissen: Vor dem Virus grassierender Polizeigewalt schützt kein Abstand

Stoppt Polizeigewalt„Vom Fahrrad gerissen“ von Sarah Zaheer am 07. Mai 2020 in der taz online externer Link berichtet unter anderem: „… John H. ist in Eimsbüttel auf dem Weg zu Patient*innen als er von Zivilfahndern mit Gewalt vom Fahrrad gezerrt und in Handschellen gelegt wird. Der 31-Jährige mit ghanaischen Wurzeln, der seit 2017 in der Pflege tätig ist, wurde fälschlicherweise für einen Drogendealer gehalten. „Es fiel mir nicht leicht dieses Erlebnis zu teilen“, schreibt der Betroffene auf Instagram. Er wolle aber zeigen, „wie Schwarze Menschen hier in Deutschland“ behandelt werden. Das Posting, in dem er schildert, was sich an dem 18. April zwischen ihm und der Polizei abspielte, wurde tausendfach in sozialen Netzwerken verbreitet. In den Kommentaren zum Beitrag häufen sich Solidaritätsbekundungen. Darin beschreibt John H., wie er auf dem Fahrrad „nichts Böses ahnend“ zu mehreren Patient*innen gefahren sei. Während der Fahrt hätten ihn drei Männer in Zivil „gewaltvoll“ vom Fahrrad gerissen und ihn auf dem Boden fixiert. „Ich dachte ich werde überfallen“, schreibt er. Erst als er den Männern geschildert habe, dass er sich im Dienst befinde und ihnen Informationen über seine Patient*innen zeigte, hätten sich diese als Polizisten offenbart. Die Beamten hätten ihm mitgeteilt, dass sein Verhalten „verdächtig“ gewesen sei, da in einigen der Häuser Drogen verkauft worden wären. Auf die Frage, weshalb sie ihn direkt gewaltvoll vom Fahrrad runterholten, statt ihn anzuhalten, habe er eine „lapidare Entschuldigung“ bekommen…“ Siehe dazu:

  • Verfahren gegen Polizisten eingestellt: Szenetypische Hautfarbe? New
    „… Das Verfahren gegen drei Hamburger Polizeibeamte, die den Schwarzen Altenpfleger John H. in Eimsbüttel vom Fahrrad rissen, ist nach mehr als einem Jahr eingestellt worden. John H. hatte Anzeige wegen Körperverletzung im Amt gegen die Beamten erstattet. Er war am 18. April 2020 auf seinem E-Bike von Patient:in zu Patient:in gefahren, die er als mobiler Pfleger täglich betreut, als er in das Visier der Zivilfahnder geriet. Sie sagten, sie hätten einen Tipp erhalten, dass H. mit Drogen handle. Sie zogen ihn zu dritt an der Bushaltestelle Veilchenweg vom Fahrrad, fixierten ihn am Boden und durchsuchten seine Taschen. Dabei wurden Johns Fahrrad, seine Uhr und sein Handy beschädigt. Er selbst trug neben ein paar Kratzern vor allem psychische Schäden davon. John H. teilte seine Erfahrung auf Instagram. In den vielen Reaktionen darauf wurde der Polizei Rassismus und unverhältnismäßige Gewaltanwendung vorgeworfen. Auch H. ist sich nach wie vor sicher, dass sich dieser Eingriff nur deshalb wie beschrieben abgespielt hat, weil er Schwarz ist. Doch „mangels hinreichenden Tatverdachts“ ist das Verfahren gegen die Beamten nun eingestellt worden, bestätigt die Staatsanwaltschaft. Da jedoch noch die Möglichkeit einer Beschwerde an die Generalstaatsanwaltschaft bestehe, gebe die Staatsanwaltschaft auf Anfrage der taz keine weiteren Auskünfte zur Begründung. (…) John H.s Anwältin Petra Dervishaj liegt die Einstellungsverfügung allerdings vor. Darin stehe, dass die Staatsanwaltschaft durch sein Verhalten einen Anfangsverdacht für den Handel mit Drogen als gesetzt sehe, da er sich „szenetypisch“ verhalten habe: H. fuhr zu mehreren Wohnungen und telefonierte zwischendurch mit seinem Chef. Im mobilen Pflegedienst besucht er manchmal bis zu 25 Patient:innen am Tag…“ Artikel von Sarah Zaheer vom 13. Juni 2021 in der taz online externer Link
  • Siehe auch unser Dossier: Wer kontrolliert die Polizei, die uns bei den diversen Ausgangssperren kontrollieren soll?
Kurzlink: https://www.labournet.de/?p=172212
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