[Petition für Danial Bamdadi] Engagiertem Antifaschisten und IG Metaller droht Verweigerung der Staatsbürgerschaft und Abschiebung in Iran!
Dossier
„Danial Bamdadi ist Gewerkschafter, politisch aktiv seit seiner Jugend, ein Linker. Nun verweigert ihm das Ausländeramt Rems-Murr-Kreis die deutsche Staatsbürgerschaft und unterstellt ihm Extremismus. Wer sich gegen Rechtsextremismus engagiert, kann kein Deutscher werden. So zumindest hört sich an, was der Gewerkschafter Danial Bamdadi momentan erlebt. Vor einigen Jahren haben er und seine Familie die deutsche Staatsbürgerschaft beantragt. Mutter, Vater und Schwester bekamen sie, gegen seine eigene Anerkennung intervenierte der Verfassungsschutz. Schon 2022 bekam Bamdadi die Ablehnung vom Ausländeramt Rems-Murr-Kreis. „Wegen der Gesinnung in meinem Kopf“, sagt er am Telefon. Er reichte Klage dagegen ein. Jetzt kommt es zum Prozess vor dem Verwaltungsgericht Stuttgart, Ende Januar soll die Entscheidung fallen…“ Portrait von Anna Hunger vom 21.01.2026 in der Kontext-Wochenzeitung
(„Staatsbürgerschaft verweigert: Kein guter Deutscher?“) und dazu v.a. eine Petition:
- Gewerkschafter Danial Bamdadi kämpft gegen Rechtsradikalismus in Betrieben – das Verwaltungsgericht folgt dem Verfassungsschutz und versagt die Einbürgerung, wegen „Unterstützung linksextremistischer Bestrebungen“
- Klage eines Iraners auf Einbürgerung wegen Unterstützung linksextremistischer Bestrebungen erfolglos
„Der Einbürgerungsantrag eines iranischen Staatsangehörigen wurde zu Recht abgelehnt. Das hat das Verwaltungsgericht Stuttgart mit den Beteiligten heute bekanntgegebenen Urteil entschieden.
Der 30-jährige Kläger hält sich seit seiner Einreise im Jahr 2012 legal im Bundesgebiet auf. Das Landratsamt Rems-Murr-Kreis hat seinen Einbürgerungsantrag abgelehnt, weil er sich nicht glaubhaft zur freiheitlich demokratischen Grundordnung bekannt habe.
Wesentliche Erwägungen des Verwaltungsgerichts Stuttgart: Die Einbürgerung des Klägers ist ausgeschlossen, weil Anhaltspunkte dafür vorliegen, dass er in der Vergangenheit linksextremistische Bestrebungen verfolgt hat und gegenwärtig solche Bestrebungen noch unterstützt. (…)
Das private und berufliche Engagement des Klägers ist Ausdruck seiner Grundrechte. Es ist jedoch nicht unverhältnismäßig, von einem Einbürgerungsbewerber zu erwarten, bei seinem Engagement auf die Einbindung und Unterstützung gewaltorientierter linksextremistischer Gruppierungen zu verzichten. Der Kläger hat nicht glaubhaft gemacht, sich von dieser Unterstützung abgewandt zu haben.
Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Die Berufung wurde nicht zugelassen. Der Kläger kann aber innerhalb eines Monats einen Antrag auf Zulassung der Berufung zum Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg stellen…“ Pressemitteilung vom 9.2.2026 beim Verwaltungsgericht Stuttgart
zu 4 K 797/24 – Urteil vom 06.02.2026 – siehe die Kommentare: - Skandalurteil gegen IG Metaller: wer Demokratie gegen Rechtsextremismus verteidigt soll sich in Acht nehmen!
„Wir hatten Mitte Januar mit als erste zur Unterstützung einer Petition aufgefrufen und über den Fall berichtet: „Engagiertem Antifaschisten und IG Metaller droht Verweigerung der Staatsbürgerschaft und Abschiebung in Iran!“ Es geht um die Zurückweisung eines weiteren Präzedenzfalls, migrantische Kolleg:innen für ihr antifaschistisches und gewerkschaftliches Engagement gezielt einzuschüchtern und abzustrafen! (…) Das Urteil hat eine Schockwelle ausgelöst. Die unter der „Staatsräson“ eingeschlagene Praxis, palästinasolidarischen Menschen die Einbürgerung zu verweigern, wird jetzt auf alle Ausländer:innen ausgedehnt. Das allgemeine Signal: demokratisches Engagement für Ausländer:innen ist besonders gefährlich und wird bestraft. Diese Rechtssprechung ist selektiv und rassistisch: denn sie trifft besonders Nichtdeutsche. Und sie trifft ganz besonders hart diejenigen Nichtdeutschen, in deren Heimatländern wie im Fall von Danial brutale Diktatoren herrschen. Da das Stuttgarter Gericht sogar die Möglichkeit der Berufung ausgeschlossen hat, will Danial jetzt einen Antrag auf Einspruch beim Verwaltungsgericht Baden-Württemberg stellen. Damit er erfolgeich ist, braucht er dazu unser aller Rückendeckung…“ Beitrag von Peter Vlatten vom 11. Februar 2026 bei gewerkschaftliche-linke-berlin.de
mit der Stellungnahme der IG Metall Baden-Württemberg - Einbürgerung versagt. Gericht: Iranischer Gewerkschafter wäre kein guter Deutscher
„Der iranische Gewerkschafter Danila Bamdadi erhält nicht die deutsche Staatsangehörigkeit. Er sagt: „Ich kämpfe weiter.“
Der iranische Gewerkschafter Danial Bamdadi, der sich seit Jahren hauptberuflich im Verein zur Bewahrung der Demokratie der Gewerkschaft IG Metall mit Rechtsextremismus in der Gesellschaft und in den Betrieben beschäftigt, wäre aus Sicht der Ausländerbehörde des Rems-Murr-Kreises und jetzt auch nach Meinung des Stuttgarter Verwaltungsrichters Christoph Wahlicht kein guter Deutscher. Zwei Wochen nach der denkwürdigen Verhandlung hat die Pressestelle des Gerichts am Montag die Ablehnung der Klage des 30-Jährigen auf Einbürgerung kommuniziert (Az: 4 K 797/24). Begründung: Er soll linksextremistische Gruppierungen „unterstützt“ haben. „Ich mache weiter – jetzt erst recht!“ kündigte er gegenüber dieser Zeitung an. Die Berufung wurde allerdings nicht zugelassen. Bamdadi kann aber innerhalb eines Monats einen generell wenig aussichtsreichen Antrag auf Zulassung der Berufung zum Verwaltungsgerichtshof stellen. Außerdem steht es ihm frei, jederzeit erneut einen Antrag auf Einbürgerung zu stellen.
„Traurig und erschüttert“
Bamdadi sagte, er sei „traurig und erschüttert, dass meine Klage abgelehnt wurde. Was ich jetzt fühle, ist weitaus mehr als Enttäuschung. Ich will ja Deutscher werden und hier eine Familie gründen. Außerdem geht es um meine Existenz.“ Die Entscheidung des Gerichts treffe nicht nur ihn. Es gehe darum, „ob demokratisches Engagement gegen Rechts anerkannt oder bestraft wird“.
Das für den Waiblinger Bamdadi zuständige Landratsamt Rems-Murr-Kreis hatte sich bei seiner Festlegung vornehmlich, vermutlich sogar ausschließlich auf Feststellungen des Landesamts für Verfassungsschutz gestützt. Auch auf offensichtlich falsche, wie das Beispiel einer angeblichen Teilnahme Bamdadis an einer aus dem Ruder gelaufenen Mai-Demo 2023 in der Stuttgarter City zeigte. Tatsächlich war er zu diesem Zeitpunkt Verantwortlicher für eine vom Deutschen Gewerkschaftsbund angemeldeten Veranstaltung in Schorndorf. Bamdadi fragt sich deshalb, wie Behauptungen des Verfassungsschutzes falsch und dennoch glaubwürdig sein könnten. Es seien Fehler passiert, „die gravierende Folgen für mein Leben haben“. (…)
Mit ihm oder seinen Äußerungen vor Gericht habe das Urteil wenig zu tun“, so Bamdadi. Seiner Meinung nach habe er alle Vorwürfe entkräftet. Der Erklärung des Gerichts entnimmt er, „dass mir vorgeworfen wird, dass ich – wie meine Arbeit das vorsieht – Kontakte pflege“. Dass das Gericht ihn mittels Kontaktschuld für gewaltbereiten Linksextremismus mitverantwortlich mache, schockiere ihn zutiefst.“ Artikel von Jörg Nauke vom 09.02.2026 in der stuttgarter-zeitung.de
- Schock für Gewerkschafter: Gericht versagt Antifaschisten Danial Bamdadi die Einbürgerung
„Der Gewerkschafter Danial Bamdadi kämpft gegen Rechtsradikalismus in Betrieben. Doch der Verfassungsschutz nennt ihn linksextrem und blockiert seine Einbürgerung – das Verwaltungsgericht Stuttgart folgt der Geheimdienstbehörde (…)
Bamdadi ist auch deshalb so schockiert, weil er nach der Verhandlung Ende Januar eigentlich ein gutes Gefühl hatte. „Ich konnte in der Verhandlung alle Vorwürfe entkräften.“ So hatte ihm der Verfassungsschutz ursprünglich vorgeworfen, an einer Demonstration am 1. Mai 2023 in Stuttgart teilgenommen zu haben – ein Fehler, wie Bamdadi vor Gericht belegen konnte.
Doch die Entscheidung wirft nicht nur deshalb Fragen auf. Denn die Beweiskette für die behauptete Unterstützung wirkt löchrig. Verwiesen wird unter anderem darauf, dass Bamdadi vor knapp zehn Jahren einem AfD-Stadtratsmitglied ins Gesicht geschlagen habe und 2021 an einer Solidaritätskundgebung für Linksextreme teilgenommen haben soll. Allein über die Frage ließe sich streiten, inwiefern die Teilnahme an einer Kundgebung, zumal vor fünf Jahren, überhaupt ein belastbarer Beleg ist. Das Gericht spricht allerdings selbst nicht von Beweisen, sondern vage von vorliegenden „Anhaltspunkten“. (…)
Die Ausführungen des Gerichts lesen sich wie ein Verfassungsschutzbericht. So werden die Einschätzungen des Inlandsgeheimdienstes zum Teil wörtlich übernommen. „Ich frage mich, wie ein Votum des Verfassungsschutzes so wichtig sein kann, wenn darin erwiesenermaßen falsche Behauptungen auftauchen“, so Bamdadi. (…)
Die Kontaktschuld war bereits bei der Anhörung Ende Januar ein Thema. So ging es etwa um eine Kundgebung gegen rechts, die 2024 in Waiblingen stattgefunden hat. Zu der Kundgebung hatten linke Gruppen und auch Gewerkschaftsverbände aufgerufen. Das Gericht beanstandete zwar nicht Bamdadis Rede selbst, wohl aber dass vor ihm auch eine Vertreterin des örtlichen „Offenen Antifa Treffens“ gesprochen habe. Diese habe sinngemäß gesagt, sie wolle sich Nazis dort in den Weg stellen, wo sie auftauchen. Für das Gericht offenbar eine linksextreme Aussage. Auch darüber ließe sich streiten, aber für Bamdadi wird nun offenbar zum Verhängnis, dass er sich in seinem eigenen Redebeitrag nicht ausdrücklich von Aussagen wie diesen distanziert habe.
Bamdadis Anwalt nennt das Urteil „einen Angriff auf antifaschistische Arbeit der IG Metall“
Auch Bamdadis Anwalt Berthold Fresenius, der ihn gemeinsam mit Herta Däubler-Gmelin vertritt, zeigt sich schockiert. Antifaschismus sei offenbar keine deutsche Tugend, sagt er gegenüber dem Freitag, und ordnet die Entscheidung in das gesamtgesellschaftliche Klima ein. Einem aktiven Gewerkschafter, der gegen rechtsradikale Bestrebungen arbeite, die Einbürgerung zu verweigern – das geschehe in einer Zeit, in der „Brandmauern“ eingerissen werden. (…)
Solidarität kommt von der IG Metall. Am Montagabend stellte sich die IG Metall Baden-Württemberg auf Instagram
hinter Bamdadi. „Wir machen weiter – jetzt erst recht!“, heißt es in dem Posting. Und weiter: „Wir fragen uns, wie ein Votum des Verfassungsschutzes so zentral sein kann, wenn dort nachweislich falsche Behauptungen auftauchen.“ In dem Posting wird auf die breite Solidaritätswelle Bezug genommen: Die vielen Tausend Menschen, die hinter Bamdadi stehen, heißt es, bleiben solidarisch.
Bamdadi will weitermachen, sagt er am Telefon…“ Artikel von Nina Scholz vom 10.02.2026 im Freitag online
- Danial Bamdadi: Staatsbürgerschaft abgelehnt
„Der gebürtige Iraner Danial Bamdadi will die deutsche Staatsbürgerschaft. Das Ausländeramt des Rems-Murr-Kreises hat das abgelehnt – er sei ein Linksextremer. Das Verwaltungsgericht schlägt nun in dieselbe Kerbe. Das ist falsch.
Nach dieser Nachricht drängt sich die Frage auf, wer denn überhaupt ein guter Deutscher ist. Danial Bamdadi, der iranischstämmige Gewerkschafter jedenfalls darf kein Deutscher werden. Vor zwei Wochen hatte der 30-Jährige vor dem Verwaltungsgericht geklagt, weil ihm die Ausländerbehörde des Rems-Murr-Kreises die Einbürgerung verwehrte – er sei ein Linksextremist, sage der Verfassungsschutz, der ihm Kontakte zu Antifas ankreidet. Bamdadi macht beruflich Bündnis- und Bildungsarbeit gegen Rechtsextremismus im Verein zur Bewahrung der Demokratie unter dem Dach der IG Metall. Er organisiert für Gewerkschaften Demonstrationen, ist Netzwerker, geschätzt als Experte und Redner von Politik, ziviligesellschaftlichen Zusammenschlüssen, Arbeitgeberverbänden, von Medien aller Art. Allein die Verweigerung der Staatsmitgliedschaft durch das Ausländeramt war schon ein Skandal. (…)
Da wird einem, der sich gegen den aktuellen massiven Rechtsruck und für Demokratie einsetzt, die Staatsbürgerschaft verweht, weil Antifas bei Anti-Rechts-Bündnissen mitmachen? Das ist übel. Wer genau darf denn in den Augen des Verfassungsschutzes bei zivilgesellschaftlichen Bündnissen mitmachen und an Demonstrationen teilnehmen, ohne, dass es irgendwem irgendwann auf die Füße fällt?...“ Artikel von Anna Hunger vom 11.02.2026 in der KontextWochenzeitung
- Zumeldung abgelehnte Einbürgerung Danial Bamdadi
„ver.di Baden-Württemberg zur gestern vom Verwaltungsgericht Stuttgart abgewiesenen Klage von Danial Bamdadi gegen die Ablehnung seines Einbürgerungsantrages.
Maike Schollenberger, ver.di Landesbezirksleiterin in Baden-Württemberg: „Danial Bamdadi wird von Landkreis, Verfassungsschutz, Innenministerium und jetzt auch dem Verwaltungsgericht zur Last gelegt, seine beruflichen Aufgaben für seinen Arbeitgeber, einen von uns Gewerkschaften getragenen Verein, hundertprozentig engagiert erfüllt zu haben. Deshalb ist das gesamte Verfahren mit der gestrigen Entscheidung und ihrer in Teilen beunruhigenden Begründung auch ein Schlag gegen die Gewerkschaften, zu deren DNA seit dem Krieg der Antifaschismus gehört. Hochgradig irritiert sind wir, dass das Gericht für seine Entscheidung darauf verzichtet hat, den Verfassungsschutz vorzuladen und anzuhören, obwohl im Verfahren belegt werden konnte, dass Teile der Vorwürfe erfunden sind.“
Danial Bamdadi arbeitet für den Verein zur Bewahrung der Demokratie
, in dem auch ver.di Baden-Württemberg unterstützendes Mitglied ist.
Schollenberger: „Millionen Bürgerinnen und Bürger haben Anfang 2024 und 2025 an den großen Demonstrationen gegen Rechts teilgenommen, zu denen auch Gruppierungen aus dem vom Gericht benannten Spektrum mobilisiert hatten. Haben deshalb alle Beteiligten, von etablierten Parteien über zivilgesellschaftliche Organisationen bis zu den Gewerkschaften Kontaktschuld auf sich geladen?
Während in den USA Jagd auf Migrantinnen und Migranten gemacht wird und friedlich Demonstrierende als Terroristinnen bezeichnet werden, sind hier alle gefordert, sich brandgefährlichen Fehlentwicklungen entgegenzustellen. Das gilt auch für Behördenleitungen und Gerichte und ganz besonders für den Verfassungsschutz und das Innenministerium. Wenn der Verfassungsschutz ein Problem mit Antifaschismus hat, dann hat unsere Demokratie ein Problem mit dem Verfassungsschutz.“ Pressemitteilung vom 10.02.2026 von ver.di Baden-Württemberg
- Zitat zum Thema:
„… Dieser Fall gehört in die nächste Instanz
Man mag das aktuelle Urteil bewerten, wie man will – eins ist klar: Falls die Berufung endgültig nicht zugelassen würde, wäre das eine mittlere juristische Katastrophe. Denn dieser Fall schreit nach höchstinstanzlicher Klärung: Die Frage, wie nah ein Demokrat der Antifa kommen darf, ohne sich quasi mit Kontaktschuld zu infizieren, ist grundlegend wichtig.“ Aus dem Artikel von Peter Schwarz vom 10.02.26
in News aus dem Rems-Murr-Kreis auf zvw.de (im Abo): „Wie nah darf man der Antifa kommen? Der konkrete Fall des Danial Bamdadi aus Waiblingen, der kein Deutscher werden darf – und die grundsätzliche Frage dahinter..“
- Klage eines Iraners auf Einbürgerung wegen Unterstützung linksextremistischer Bestrebungen erfolglos
- Einbürgerungsprozess Danial Bamdadi: Schlampige Schlapphüte
„Die Ausländerbehörde im Rems-Murr-Kreis verweigert dem Gewerkschafter Danial Bamdadi die Einbürgerung. Weil der Verfassungsschutz ihn als Linksextremisten führt. Am vergangenen Montag wurde der Fall am Verwaltungsgericht Stuttgart verhandelt und gab einen erschreckenden Einblick in die Arbeit des Geheimdienstes. (…)
Der Verfassungsschutz führt Bamdadi seit 2019 als Linksextremisten, er sei tief verwurzelt in der Szene, sei sogar Führungspersönlichkeit des Offenen Antifaschistischen Treffens Rems-Murr, erläutern die beiden Landratsamtsmänner. Bamdadi bestreitet das. Und selbst der Richter räumt an dieser Stelle ein, es läge beim Verfassungsschutz, Bamdadis Mitgliedschaft und Führungsrolle bei der Gruppierung zu beweisen. „Kein Problem“, sagt einer der Beamten, „es gibt ja ein Vereinsregister“, da werde man jetzt nachschauen. Kleine Bemerkung nebenbei: Wer 2026 immer noch meint, „die Antifa“ sei ein Verein, sollte nicht zuständig sein für so wichtige Fragen wie eine Einbürgerung. (…)
Die Verfassungsschützer haben Bamdadi auch beobachtet, als der selbst einen Gerichtsprozess beobachtete – im dortigen Publikum will das Amt 13 Linksextremisten und Bamdadi ausgemacht haben. Diesen Prozess habe er beobachtet, weil der dort verhandelte Vorfall nach einer Demo in Waiblingen die Waiblinger Bevölkerung sehr beschäftigt habe und er Teil des Waiblinger Demokratiebündnisses sei, erklärt Bamdadi. Außerdem sei Prozessbeobachtung Teil seiner Job-Beschreibung, er beobachte in diesem Sinne auch Prozesse gegen Rechtsextremisten – woraufhin sich alle inklusive des Richters und des Landratsamts wunderten, dass diese Info im Bericht des Verfassungsschutzes ausgespart wurde.
Zweifel am Verfassungsschutz macht sich breit
„Was wäre denn aus Sicht der Behörde das richtige Verhalten?“, fragt Bamdadi in Richtung Landratsamt. „Nicht zu Demos gehen? Nicht zu Prozessen?“ Der Erste Landesbeamte des Rems-Murr-Kreises Peter Zaar fühlt sich angegriffen, moniert, dass Bamdadi ihn „dauernd anschaut“, dabei habe er sich doch nur auf den Verfassungsschutz verlassen und könne auch nichts dafür. Eben das stellt sich an diesem Verhandlungstag als einigermaßen großes Problem dar: Wenn sich eine Behörde blind verlässt auf die Arbeit einer anderen und sich die als schlampig herausstellt. Zumindest Zaar ist anzumerken, wie der Zweifel in die ganze Verfassungsschutz-Kiste einsickert…“ Artikel von Anna Hunger vom 28.01.2026 in der KontextWochenzeitung
- Klage von Danial Bambdani gegen die Ausländerbehörde wurde in erster Verhandlung am Stuttgarter Verwaltungsgericht nicht entschieden
„Danial Bamdadi klagte gegen Ausländerbehörde, die ihm unter Verweis auf Dossier des Verfassungsschutzes die deutsche Staatsbürgerschaft verweigert
Danial Bambdani wird noch ein paar Tage warten müssen, ehe er erfährt, ob er nun Deutscher werden darf oder nicht. Am Montag beendete der Vorsitzende Richter Wahlicht um 16.30 Uhr die Verhandlung in Sachen Bambdani gegen Ausländerbehörde Rems-Murr-Kreis vor dem Stuttgarter Verwaltungsgericht und ließ sich zwei Optionen offen: Entweder er entscheidet innerhalb der nächsten 14 Tage aufgrund der bisher vorliegenden Erkenntnisse. Oder er beschließt, die bis dahin von der beklagten Seite – dem Ausländeramt – namentlich zu benennenden Zeugen des Landeskriminalamts und des Landesverfassungsschutzes (LVS) etwas genauer zu befragen, warum sie den Gewerkschafts-Campaigner Bambdani für einen gefährlichen Linksextremisten halten.
Während der dreieinhalb Stunden am Montag blieb die Ausländerbehörde schlüssige Begründungen schuldig, lieferte dabei aber unfreiwillig Einblicke in die Gedankenwelt und Arbeitsweise von Verfassungsschützern, die mit erstaunlicher Akribie die absurdesten Indizien herbeitragen, um eine Nähe zum Linksextremismus zu konstruieren, die nicht nur der 29-Jährige selbst glaubhaft zerstreute. Dutzende Menschen, die ihn seit Jahren kennen, bezeugen dies ebenfalls. (…)
Wenn nicht alles täuscht, schien auch Richter Wahlicht, der sich sehr geduldig die Ausführungen beider Seiten anhörte, irgendwann den Verdacht zu haben, dass sich die Agenten da verrannt haben könnten. Zumindest ließ er durchblicken, dass »die Teilnahme an Demonstrationen selbstverständlich das Recht jedes Bürgers« sei und auch Behauptungen des Verfassungsschutzes »bewiesen werden müssen«. (…)
Bambdani selbst lässt sich ab Dienstag zusätzlich von der ehemaligen Bundesjustizministerin Herta Däubler Gmelin (SPD) vertreten. Er habe »eigentlich für heute ein Urteil erwartet«, sagte er. Zudem sei er »einigermaßen schockiert darüber, was alles unternommen wird, um gewerkschaftliches Engagement zu delegitimieren«.“ Artikel von Christoph Ruf vom 26.01.2026 in ND online
(„Noch keine Entscheidung zu Einbürgerung von jungem Iraner“) - Zu links für Deutschland? Verfassungsschutz stoppt Einbürgerung von Gewerkschafter Bamdadi – Ende Januar verhandelt das Verwaltungsgericht Stuttgart
„Seine Geschichte lässt sich als Musterbeispiel gelungener Integration erzählen: Trotzdem soll dem Gewerkschafter die deutsche Staatsbürgerschaft verwehrt werden. Sein antirassistisches Engagement gilt beim Verfassungsschutz als linksextrem (…)
Die Ausländerbehörde befasst sich schon lange intensiv mit Danial Bamdadi, weil er bereits vor Jahren einen Antrag auf Einbürgerung gestellt hat. Das Landratsamt teilte gegenüber dem Freitag mit, sich nicht zu laufenden Verfahren äußern zu wollen. Eigentlich klingt sein Fall nach einem, der kaum Fragen aufwirft. Seine beiden Eltern haben die deutsche Staatsbürgerschaft inne. Eine aktuelle Auskunft aus dem Zentralregister des Bundesamts für Justiz enthält keine Eintragung, und auch sonst ist Bamdadis Geschichte eine, die sich leicht als Musterbeispiel gelungener Integration erzählen ließe.
Er wurde 1997 in Teheran geboren und kam mit 14 Jahren im Rahmen einer Familienzusammenführung nach Deutschland. Bamdadi fand sich schnell zurecht, erlangte vier Jahre nach seiner Ankunft das Abitur und nahm direkt ein Studium auf. Abgeschlossen hat er es nicht, weil Bamdadi währenddessen eine Vollzeitstelle als Campaigner antrat: beim von der IG Metall mitinitiierten „Verein zur Bewahrung der Demokratie“, wo er seit mehr als fünf Jahren arbeitet. Doch der Staat sieht in ihm keinen Bewahrer der Demokratie, sondern einen ihrer Gegner.
Für das baden-württembergische Innenministerium hat sich der 28-jährige Bamdadi nicht glaubhaft zur freiheitlichen demokratischen Grundordnung bekannt. So ist es in einem Schreiben des Ministeriums aus dem April 2022 zu lesen. Es stützt sich auf Berichte von Sicherheitsbehörden, wonach Bamdadi in den Jahren 2015 bis 2020 häufiger bei Aktionen der linken Szene aktiv gewesen sein soll. (…)
In der Begründung der Ablehnung seines Antrags auf Einbürgerung heißt es, seine Einlassungen seien nicht glaubhaft; seine Antworten ließen vermuten, sie seien einstudiert. Ihm wird in diesem Zusammenhang zur Last gelegt, er habe sich „gut auf das Gespräch vorbereitet“.
Bamdadi kämpft weiter um seine Einbürgerung. Er will den deutschen Pass auch, weil er die Sicherheit sucht, nicht doch irgendwann in den Iran abgeschoben zu werden – in das Land, aus dem sein Vater fliehen musste, weil er gegen das Mullah-Regime protestiert hatte und ins Visier der Polizei geraten war. Bamdadi selbst sei damals noch „halb Kind, halb Jugendlicher“ gewesen und habe Flugblätter gegen das Regime verteilt, erzählt er heute. Die Revolutionsgarden hätten mehrfach die Wohnung seiner Familie durchsucht. „Im Grunde“, sagt Bamdadi im Gespräch mit dem Freitag, „geht es mir heute um etwas Ähnliches wie damals, als ich noch in Teheran war, auch wenn die Voraussetzungen im Iran völlig andere sind als in Deutschland. Es geht um Demokratie und soziale Teilhabe.“
Die Petition für Danial Bamdadi haben alle Bundesvorstandsmitglieder der IG Metall unterschrieben
Seit sechs Jahren ist er nun gewerkschaftlich aktiv. „Der Kampf um unsere Demokratie findet auch in den Betrieben statt“, sagt Bamdadi. Dort tritt er regelmäßig bei Betriebsversammlungen auf und warnt vor Rechtsradikalen, die gerade auch in der Automobilindustrie in Baden-Württemberg seit Jahren versuchen, Fuß zu fassen und der IG Metall das Wasser abzugraben. Bamdadi sitzt außerdem regelmäßig auf Podien, tauscht sich mit Initiativen, Gewerkschaften, Behörden und Arbeitgebern aus, kam als Experte in diversen Medien zu Wort und war Gast bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) und beim Arbeitgeberverband…“ Artikel von Nina Scholz vom 23.01.2026 im Freitag online
mit vielen Informationen zu den politischen Aktivitäten von Danial Bamdadi - [Petition für Danial Bamdadi] Engagiertem Antifaschisten und IG Metaller droht Verweigerung der Staatsbürgerschaft und Abschiebung in Iran!
„Solidarität mit einem Gewerkschafter, dem wegen seines Engagements gegen Rechtsradikalismus die deutsche Staatsbürgerschaft verweigert wird.
Es geht um die Zurückweisung eines weiteren Präzedenzfalls, migrantische Kolleg:innen für ihr antifschistisches und gewerkschaftliches Engagement gezielt einzuschüchtern und abzustrafen! Ende Januar entscheidet sich, ob Danial Bamdadi deutscher Staatsbürger werden kann oder ob er weiterhin nur unter Vorbehalt in Deutschland leben darf. Das Ausländeramt Rems-Murr-Kreis verweigert ihm derzeit den deutschen Pass und begründet dies mit dem Vorwurf „linksextremistischen“ Engagements. Gegen diese Entscheidung hat Danial Klage eingereicht. Ende Januar wird das Verwaltungsgericht darüber entscheiden.
Was wird Danial vorgeworfen?
Das Ausländeramt sieht Belege für seine „extremistische“ Haltung in seinem Engagement gegen Rechtsradikalismus und wirft ihm etwa vor, sich an Demonstrationen beteiligt zu haben. Dabei geht es unter anderem um seine Beteiligung an Protesten gegen die rechtsradikale AfD.
Warum Danial?
Danial steht für vieles, was die radikale Rechte ablehnt: Er ist Gewerkschafter, Migrant und politisch engagiert. Er setzt sich für demokratische Teilhabe und gegen Rechtsradikalismus ein. Dass ihm nun die Staatsbürgerschaft verweigert werden soll, ist kein isolierter Einzelfall, sondern Ausdruck eines gesellschaftlichen und institutionellen Rechtsrucks, in dem Engagement gegen Rechtsradikalismus zunehmend delegitimiert wird…“ Aufruf von Peter Vlatten vom 19. Januar 2026 beim Forum Gewerkschaftliche Linke Berlin
zur
- Petition auf change.org
: Danial gehört zu uns! - Spendensammlung auf gofundme.com
: Unterstützt Danial – damit er nicht alleine vor Gericht steht!
- Petition auf change.org
Grundinfos:
- https://danialeinervonuns.de/

- Petition auf change.org
: Danial gehört zu uns! - Spendensammlung auf gofundme.com
: Unterstützt Danial – damit er nicht alleine vor Gericht steht! - IG Metall Baden-Württemberg: Danial Bamdadi kämpft um seine Staatsbürgerschaft – und wir kämpfen an seiner Seite

- Dossier: Für sofortigen Abschiebestopp in den Iran und ein Bleiberecht für Iraner*innen