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Skandal um die Firma Westfleisch: Abgezockt, betrogen, gefährdet – Arbeitssklaven (nicht nur) aus Osteuropa
„Der Skandal um die Firma Westfleisch wirft ein Schlaglicht auf die Fleischindustrie: Hunderttausende Osteuropäer arbeiten in Deutschland unter unwürdigen Arbeitsbedingungen. Sie schuften bis zu zwölf Stunden am Tag auf dem Bau oder in Fleischfabriken, leben in kargen Unterkünften, bekommen weniger als den Mindestlohn.“ Beitrag von Manfred Götzke am 23.5.2020 beim Deutschlandfunk
(„Abgezockt, betrogen, gefährdet – Rumänen und Bulgaren in Deutschland“), siehe auch:
- Fachkraft nur auf dem Papier: Westfleisch soll Inder mit falschen Jobzusagen beschäftigt haben – Ermittlungen wegen Lohnbetrug und Menschenhandel
„Wieder ein Skandal in der Fleischindustrie und wieder einmal in Nordrhein-Westfalen. Wie der WDR am Dienstag abend in seinen Sendungen »Aktuelle Stunde« und »Lokalzeit Münsterland« berichtete, soll der Konzern Westfleisch aus Münster in seinem Werk in Hamm vier Arbeiter aus Indien beschäftigt haben, die eine Anwerbeagentur vor Ort gegen eine hohe Gebühr und mit falschen Versprechungen nach Westfalen gelockt hatte. Nur, um bereits nach wenigen Wochen und noch während der Probezeit wieder entlassen zu werden.
Den Betroffenen droht nun die Abschiebung, weil sie nur über ein Visum verfügen, das an eine Arbeitserlaubnis geknüpft ist. In Paragraph 18b des deutschen Aufenthaltsgesetzes steht, dass Fachkräften aus Drittstaaten mit einer akademischen Ausbildung für die Ausübung jeder qualifizierten Beschäftigung eine Aufenthaltserlaubnis erteilt wird, wenn sie einen Arbeitsvertrag vorlegen können. Tätigkeiten als Helfer sind ausdrücklich ausgeschlossen. Das Visum weist sie jedoch als Fleischer aus, die in Deutschland als Fachkraft gelten. Tatsächlich wurden die Inder von Westfleisch aber wohl nur als Aushilfskräfte am Fließband eingesetzt. Für den dafür üblichen Lohn, der um einiges niedriger ist, als der ihnen bei der Anwerbung versprochene. »Wir können nicht zu unseren Familien zurück«, sagt einer von ihnen gegenüber dem WDR. »Wir haben eine Menge bezahlt. 10.000 Euro! Das ist ein Vermögen in Indien.«
Die vier wurden in ihrer Heimat auf ein Inserat der indischen Agentur Ebrado Dreamz aufmerksam. Sie versprach ihnen einen guten Job, einen anständigen Lohn und eine Unterkunft in Deutschland. Die Vermittlungsgebühr betrug zunächst 4.200 Euro. So steht es jedenfalls im Vertrag, der dem WDR vorliegt. In Wirklichkeit hätten sie aber insgesamt 10.000 Euro zahlen müssen, behaupten die vier Inder. Um die Summe aufzubringen, hätten sie das Haus verpfänden müssen.
Ebrado Dreamz arbeitet wohl nicht direkt mit Westfleisch zusammen, sondern offenbar mit einer Agentur in Baden-Württemberg. Von dort aus werden die angeworbenen Arbeitskräfte dann weitervermittelt, in diesem Fall an Westfleisch. Die Agentur biete deutschen Unternehmen »eine wertvolle Lösung für den zunehmenden Fachkräftemangel«, heißt es auf ihrer Homepage. Weil die Fleischindustrie in Deutschland schon seit Jahren kaum noch Arbeitskräfte findet, die den Job machen wollen, lässt sie gezielt im Ausland suchen. Bevorzugt in Osteuropa und Asien.
Die vier Inder erfüllten formal die Bedingungen. Sie haben ein abgeschlossenes Studium, und der Arbeitsvertrag weist sie als qualifizierte Fleischer aus, mithin als Fachkräfte. Nur haben sie bei Westfleisch offensichtlich nie als solche gearbeitet, sondern als einfache Produktionshelfer mit einem deutlich niedrigeren Lohn als ein Fleischer. Acht Stunden am Tag mussten sie mit scharfen Messern Fleisch schneiden. Eine eintönige Arbeit, bei der schon mal die Konzentration nachlässt. »Viele Kollegen hatten Verletzungen an der Hand«, erinnert sich einer der Inder. Die vier waren auch betroffen. Ein Arzt habe sie krankgeschrieben. »Drei Tage später bekamen wir die Kündigung.« (…)
Die Zusammenarbeit mit der Agentur habe Westfleisch gekündigt. Den Vorwurf der Beteiligung an einem Visaverstoß, an Lohnbetrug oder Menschenhandel weist das Unternehmen vehement zurück. Westfleisch will »kurzfristig ein finanzielles Unterstützungspaket für besonders betroffene Mitarbeitende aufsetzen«. Das Arbeitsministerium von NRW wusste übrigens bereits vor einigen Monaten von den Vorwürfen, konnte aber bei einer Prüfung keine Unregelmäßigkeiten feststellen. Inzwischen soll aber der Zoll laut WDR Hinweisen auf Arbeitsausbeutung nachgehen.“ Artikel von Gerrit Hoekman in der jungen Welt vom 23.04.2026
- Monitor-Recherche belegt, wie Arbeitskräfte aus sogenannten Drittstaaten am gelobten Gesetz vorbei durch Vermittlungsagenturen für die Fleischindustrie angelockt werden
- Vorwurf der Ausbeutung: Wie Arbeiter für die Fleischindustrie angelockt werden
„Für die deutsche Fleischindustrie werden zunehmend Arbeitskräfte aus sogenannten Drittstaaten angeworben – gegen hohe Vermittlungsgebühren. Hoch verschuldet leben und arbeiten sie dann unter prekären Bedingungen, wie Monitor-Recherchen zeigen. Es sind meistens junge Männer aus Drittstaaten wie Indien und Vietnam, die nach Deutschland kommen. Der deutsche Lohn lockt die Menschen aus Ländern, in denen sie nur einen Bruchteil verdienen.Doch der Traum von Europa wird für etliche Menschen aus Drittstaaten zur Falle: Sie geraten offenbar in ausbeuterische Verhältnisse und starke Abhängigkeit. Sie kommen mit Visa für Fachkräfte oder Saisonarbeiter und bezahlen für ihren Job in Deutschland vier- bis fünfstellige Summen an Vermittlungsgebühren – Schulden, die sie teils jahrelang in Deutschland abarbeiten müssen.Recherchen des ARD-Politikmagazins Monitor zeigen, wie Vermittlungsagenturen für die deutsche Fleischindustrie ständig billige Arbeitskräfte nach Europa locken – und sogar vor Ort in Asien mitverdienen…“ Recherche von Julius Baumeister und Luc Oeppert WDR, vom 21.04.2026 bei tagesschau.de
zum Beitrag in der Monitor-Sendung vom 21.4.: - Ausbeutung in der Fleischindustrie: „Sie behandeln uns wie Sklaven“
„Die deutsche Fleischindustrie benötigt immer wieder Nachschub an billigen Arbeitskräften – inzwischen kommen die Menschen auch aus Indien, China oder Vietnam. Die Betroffenen zahlen dafür oft tausende Euro an Vermittlungsagenturen, müssen sich für den Traum vom Job in Europa hoch verschulden. Doch die Arbeitsbedingungen hier sind hart, die Bezahlung niedrig und wer krank wird kann den Job verlieren und überschuldet auf der Straße landen. MONITOR-Recherchen zeigen, wie die Armut der Menschen systematisch ausgenutzt wird – mit Hilfe von Grauzonen im deutschen Gesetz.“ Video des MONITOR-Beitrags am 21.04.2026
(ab 24.4.mit vollständigem Beitragstext) und zuvor vorab auf youtube
„Moderne Sklaverei für unser Fleisch?“ - Siehe auch das Dossier: Arbeitsschutzkontrollgesetz: Fallen Werkverträge und Leiharbeit (leider nur) in der Fleischindustrie Corona zum Opfer? (diese Meldung wurde dort dupliziert)
- Wir erinnern an das Dossier: Fleischindustrie – zu Lasten von Menschen und Tieren und Erzeugerpreisen. Dr. Florian Kossen und Prälat Peter Kossen: „Menschen werden verschlissen und entsorgt“
- Vorwurf der Ausbeutung: Wie Arbeiter für die Fleischindustrie angelockt werden
- Westfleisch in der Kritik: Wucher-Gebühren für Arbeiter aus Vietnam?
„Der Fleischkonzern Westfleisch aus Münster steht wegen seiner Personalpolitik in der Kritik. Recherchen der „Zeit“ und des Portals „RUMS“ zeigen: Arbeitskräfte aus Vietnam und Indien mussten offenbar horrende Summen an Vermittler zahlen, um einen Job in Deutschland zu erhalten.
Der Fleischkonzern Westfleisch setzt bei der Personalsuche zunehmend auf Drittstaaten in Asien. Das Unternehmen nutzt dabei das Modell der Kurzzeitbeschäftigung. Damit dürfen sie Menschen aus Ländern wie Vietnam oder Indien für bis zu acht Monate anstellen.
Illegale Gebühren für Arbeitskräfte
Doch die Anwerbung dieser Arbeitskräfte steht nun massiv in der Kritik. In einem dokumentierten Einzelfall soll ein Bewerber aus Vietnam bis zu 13.000 Euro gezahlt haben, um bei Westfleisch arbeiten zu dürfen. Keine Kenntnis über illegale Gebühren…“ Beitrag von Hartmut Vollmari vom 06.02.2026 im WDR
- Legale Ausbeutung: Deutschlands unsichtbare Arbeitssklaven aus Osteuropa
„Hunderttausende Menschen aus Bulgarien, Rumänien und Polen sind nach Deutschland gekommen, um der Armut ihrer Heimatländer zu entfliehen. Das deutsche Arbeitsrecht erlaubt Unternehmen und skrupellosen Netzwerken, sie dennoch auszubeuten.“ ARD-Radiofeature von Charly Kowalczyk vom 26.09.2021
(52 Min.) – siehe dazu eine längere Textfassung beim NDR 