Forschungsprojekt „Arbeitsrechte in prekären Lebenslagen“: Warum gehen von Arbeitsrechtsverletzungen Betroffene nur selten vor Gericht?
Dossier
„Mein Name ist Nikolai Huke, ich leite an der Universität Hamburg das Forschungsprojekt „Arbeitsrechte in prekären Lebenslagen“. Das Projekt wird von der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung finanziert. Im Projekt möchte ich herausfinden, wodurch es Menschen in Deutschland schwer gemacht wird, ihre Rechte als Beschäftigte einzufordern. Außerdem interessiert mich, welche Probleme Menschen im Alltag und bei der Arbeit haben und wo ihre Rechte als Beschäftigte verletzt werden. Ich möchte damit erreichen, dass Menschen in Deutschland entsprechenden Problemen mehr Aufmerksamkeit schenken. Das Forschungsprojekt wird in Kooperation mit den Beratungsstellen Faire Mobilität und Faire Integration durchgeführt…“ Siehe weitere Informationen und Kontaktangaben zum u.E. unterstützenswerten Projekt und nun die Ergebnisse:
- Interviewpartner:innen gesucht: Erfolgreiche Mobilisierung von Arbeitsrechten vor Gericht
„… wir suchen derzeit für eine ergänzende Interviewstudie zur erfolgreichen Rechtsmobilisierung bei Arbeitsrechtverletzungen Beschäftigte, die bereit wären mit uns ein Interview über ihre Erfahrungen bei der rechtlichen Geltendmachung von Ansprüchen zu führen. Verwantwortlich für die Durchführung der Studie sind Sarah Tews und Christoph Wolter.
Explizit suchen wir Personen, die aufgrund erlebter Rechtsverletzungen in der Arbeit bis vor ein Gericht gezogen sind. Inhaltlich geht es darum zu verstehen, welche Faktoren dazu führen, dass Recht mobilisiert wird bzw. welche Faktoren diese Mobilisierung hindern. Ziel ist es, zu verstehen, welche Maßnahmen es benötigt, damit mehr Betroffene fähig sind, ihre Rechte zu mobilisieren. Für die Interviews gibt es eine Aufwandsentschädigung von 50 Euro. Die Interviews können online oder vor Ort geführt werden. Bei Bedarf organisieren wir gerne eine Übersetzung…“ Aufruf von Nikolai Huke, Leiter des Projekts „Arbeitsrechte in prekären Lebenslagen“ (gefördert durch die Hans-Böckler-Stiftung) an der Universität Hamburg – siehe den Kontakt weiter unten - [Rassismus in der Arbeitswelt] Warum gehen Betroffene nur selten vor Gericht? Fachtag „Arbeitsrechtsverletzungen in Deutschland“ am 4. April 2025 in Hamburg
- Fachtag „Arbeitsrechtsverletzungen in Deutschland“
Am 4. April 2025 lädt Dr. Nikolai Huke Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Beratungsstellen, Behörden, Gewerkschaften, Berufsschulen wie auch Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber und Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter herzlich zu einem Fachtag an der Universität Hamburg ein
. Die Veranstaltung findet in der Edmund-Siemers-Allee 1 im Flügelbau West, Raum 221 von 11 bis 17 Uhr statt. Studierende, Forschende und andere Interessierte sind ebenfalls herzlich willkommen. - Forschung zu Arbeitsrechtsverletzungen: Warum gehen Betroffene nur selten vor Gericht?
„Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in prekären Lebenslagen müssen häufig mehr arbeiten als vereinbart oder gesetzlich zulässig, bekommen nicht ihren vollen Lohn ausgezahlt oder müssen gesundheitsgefährdende Tätigkeiten ausführen. Dr. Nikolai Huke von der Universität Hamburg erforscht, warum sie so selten rechtliche Schritte dagegen einleiten und was ihnen dabei helfen könnte. Am 4. April lädt er zu einem thematischen Fachtag ein…“ Interview von Christina Krätzig vom 24. März 2025 bei der Uni Hamburg
mit Nikolai Huke
- Fachtag „Arbeitsrechtsverletzungen in Deutschland“
- Institutionelle Hürden auf dem Weg zu mehr Gerechtigkeit: Warum setzen wenige prekäre migrantische Beschäftigte ihre Arbeitsrechte durch?
„Im Mai 2021 beschloss die Brandenburger Landesregierung eine Neustrukturierung mit vier statt bisher sechs Arbeitsgerichtsbezirken mit dauerhaften Standorten lediglich in Brandenburg an der Havel, Neuruppin, Frankfurt (Oder) und Cottbus. Zur Begründung verwies das Justizministerium auf ein gesunkenes Klageaufkommen in den letzten Jahren und Jahrzehnten. Diese Reform geschah entgegen aller Kritik von Richter:innen und Justizbeschäftigten und trotz der Bemühungen von ver.di durch eine online-Petition das Vorhaben zu verhindern. (…) Medial vielfach thematisierte Rechtsverletzungen von saisonalen und prekären Beschäftigten in Brandenburg, etwa von Erntehelfer:innen in der Spargel- oder Erdbeersaison oder von Lagerhelfer:innen und Paketzusteller:innen bei großen Logistikunternehmen, weisen auf fortbestehende und sogar wachsende Herausforderungen in der Durchsetzung von Arbeitnehmer:innenrechten hin. Die Ansiedlung von großen Logistikzentren und Teslas »Gigafactory« in Brandenburg geht mit einer Zunahme von Beschäftigungsverhältnissen einher, die vermehrte Arbeitsrechtsverletzungen befürchten lässt…“ Artikel von Mouna Maaroufi und Maria Seidel in express – Zeitung für sozialistische Betriebs- und Gewerkschaftsarbeit 6/2022. Siehe weitere Artikel zum Projekt:- Justyna Oblacewicz (Faire Mobilität): Verführung zum Rechtsbruch – https://nihuke.wordpress.com/wp-content/uploads/2025/04/24-12_huke_verfuehrung-zum-rechtsbruch_.pdf
- Christoph Cramer (cuba Münster): „Tu schön artig das, was ich von dir verlange – oder du musst zurück in dein Herkunftsland“ – https://www.express-afp.info/wp-content/uploads/25-01_huke_tu-schoen-artig.pdf
- Šejla Vojić (Faire Mobilität Stuttgart): „Die Beschäftigten gehen bei Konflikten häufig leer aus“ − https://www.express-afp.info/wp-content/uploads/25-0203_huke_aipl-3_die-beschaeftigten-gehen.pdf
- Katarzyna Laszuk (Faire Mobilität Erfurt): „Die Leute werden im Stich gelassen“ – https://www.express-afp.info/wp-content/uploads/25-04_huke_die-leute-werden-im-stich-gelassen.pdf
- Margarete Brugger (mira – Mit Recht bei der Arbeit!, Standort Karlsruhe): „Solange keine Arbeitsbescheinigung vorliegt, wird kein Arbeitslosengeld berechnet“ – https://nihuke.wordpress.com/wp-content/uploads/2025/05/25-05_huke_arbeitsrech-5_solange-keine-arbeitsbescheinigung.pdf
- Magdalena Morgenroth, Aldona Kucharczuk und Viktoria Brandt (Servicestelle Arbeitnehmerfreizügigkeit – Arbeit und Leben DGB/VHS e.V. ): „Man darf nicht krank werden, Schwangerschaft ist auch nicht gut“ – https://nihuke.wordpress.com/wp-content/uploads/2025/06/25-06_huke_man-darf-nicht-krank-werden.pdf
- Monika Górka (ver.di-Gewerkschaftssekretärin im Fachbereich Handel in Sachsen-Anhalt): „Die Arbeitgeber schikanieren Streikende mit allen Mitteln“ – https://nihuke.wordpress.com/wp-content/uploads/2025/07/25-07_huke_aipl_die-arbeitgeber-schikanieren-streikende.pdf
Grundinfos:
- Siehe zum Projekt auch die Videoserie der Vorträge zu Rassismus in der Arbeitswelt
:
- Peter Birke: SOFI-Forschungen über Rassismus in der Arbeitswelt

- Daniel Bendix: Erfahrungen von Studierenden of Color aus dem globalen Süden im Niedriglohnsektor in Deutschland

- Nikolai Huke: Rassismus als verdecktes Strukturprinzip der Arbeitswelt

- Katrin Menke: Zwischen Rückzug, Anpassung und Widerstand. Umgangsweisen geflüchteter Frauen mit Rassismus im Arbeitsmarkt

- Peter Birke: SOFI-Forschungen über Rassismus in der Arbeitswelt
- Informationen zum Interview
Für das Interview erhalten Sie eine Aufwandsentschädigung in Höhe von 50€.
Ich gehe sorgfältig mit Ihren Erzählungen um: Ich zeichne das Gespräch auf, weil man sich so viel nicht auf einmal merken kann. Die Aufnahme wird abgetippt. Die Abschrift wird nicht veröffentlicht und ist nur projektintern für die Auswertung zugänglich. Personen-, Orts- oder Straßennamen werden anonymisiert. Ausschnitte aus dem Interview werden nur zitiert, sofern ein Rückschluss auf die Person ausgeschlossen ist.
Ausgehend von den Erfahrungen, über die in den Interviews berichtet wird, erarbeite ich einen Bericht mit politischen Handlungsempfehlungen. Darüber hinaus schreibe ich wissenschaftliche Artikel und eventuell ein Buch. Wenn Sie möchten, können Auszüge aus dem Interview mit Ihnen auch auf einem Blog oder in einer (z.B. gewerkschaftlichen) Zeitung veröffentlicht werden. Die Auszüge senden ich Ihnen gegebenenfalls vorab zu, damit Sie sie noch einmal überprüfen können.Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie bereit wären, mir über Ihre Erfahrungen zu berichten: nikolai.huke@uni-hamburg.de.