Die AfD filmt, wie sie MigrantInnen in Gelsenkirchen die Straße („freiwillig“) putzen lässt – und sorgt mit den Parallelen zum NS-Regime nicht bei allen für Entsetzen
„“Diese Menschen müssen unsere Stadt verlassen“, ruft Enxhi Seli-Zacharias in die Kamera. Dazu dramatische Musik und Aufnahmen von Müllbergen, Schmierereien und mit Holzlatten verrammelten Schaufenstern. So startet das Video, das die AfD-Landtagsabgeordnete aus Gelsenkirchen kürzlich auf ihrem Instagram-Kanal gepostet hat – und das für Entsetzen in der Stadt sorgt. In dem Video zieht Seli-Zacharias mit rund zehn weiteren AfD-Politikern – darunter der stellvertretende Bürgermeister Norbert Emmerich – und ausgestattet mit Besen und Kehrblech durch den Stadtteil Ückendorf. Lautstark fordert sie Anwohner mit Migrationshintergrund dazu auf, die Straße zu putzen. Betroffen sind vor allem Sinti und Roma. Einige von ihnen kommen der Aufforderung nach und kehren vor ihrer Haustür…“ Beitrag von Andreas Artz und Rainer Kuka vom 05.06.2026 im WDR
(„Entsetzen über Video: AfD lässt Migranten in Gelsenkirchen putzen“) mit Video des Beitrags – siehe mehr daraus:
In dem Beitrag heißt es u.a. weiter: „… Karim Fereidooni, Rassismusforscher an der Ruhr-Universität Bochum, sieht in dem Video eine neue Strategie der AfD: „Bisher war das Teil der Sprache, aber jetzt schreitet man zur Tat und konfrontiert die Menschen da, wo sie wohnen“, sagt er. Fereidooni sieht hier Parallelen zum NS-Regime: „Die öffentliche Demütigung gab es schon mal. Von 1933 bis 1945 wurden etwa Sinti und Roma oder Juden auch gezwungen, vor der Haustür zu kehren und dann wurden sie deportiert. Die Botschaft lautet: ‚Ihr seid nirgendwo sicher.'“ (…)
Aber war das wirklich freiwillig? Der WDR spricht mit mehreren Menschen, die gesehen haben, wie die AfD mit über zehn Personen und mit Kamera, Besen und Kehrblech ausgerüstet nach Ückendorf kam. Einige Anwohner, die aus Angst vor der AfD unerkannt bleiben wollen, berichten, dass die betroffenen Menschen von der Gruppe eingeschüchtert gewesen seien und aus Angst zum Besen gegriffen hätten. (…)
Wir sprechen auch mit der betroffenen Gruppe selbst: den Sinti und Roma. Da viele kaum Deutsch sprechen, hilft eine Übersetzerin bei den Gesprächen. Die meisten wollen aus Angst vor der AfD ebenfalls nicht erkannt werden.
„Ich wollte das nicht machen. Aber die haben gesagt: ‚Du musst putzen'“, erzählt etwa ein Mädchen, das auch in dem AfD-Video auftaucht. Mehrere weitere Menschen bestätigen uns das am Rande eines Gottesdienstes der Sinti und Roma in Ückendorf. Hier treffen wir Adrian Ion. Er hat den AfD-Dreh miterlebt und ist als einziger dazu bereit, offen über die Erlebnisse zu sprechen.
„Sie wollten uns beibringen, wie man sauber macht“, erzählt Ion. Von Freiwilligkeit könne dabei keine Rede sein: „Sie sind zu uns gekommen und haben uns gezwungen, sauber zu machen“, sagt er. Die Sinti-und-Roma-Community habe das verärgert. (…)
Der WDR spricht mit zahlreichen Anwohnern in Ückendorf darüber, wie sie den Zustand ihres Viertels wahrnehmen. Wieder wollen nur wenige offen über ihre Erfahrungen sprechen – die einen aus Angst vor den Migranten, die anderen aus Angst davor, selbst ins Visier der AfD zu geraten. (…) Anwohner Meik Metzelder spricht offen über das Thema. Das Zusammenleben in Ückendorf sei „sehr kompliziert“, er berichtet etwa davon, dass Frauen und Mädchen bedrängt worden seien. Er selbst wähle die AfD und kenne auch das Video von Enxhi-Seli Zacharias. Das sieht er mit gemischten Gefühlen…“