„Combat 18“-Verbot: Kein Lehrstück
Dossier
„… Das Verbot von Combat 18, so richtig es ist, kommt Jahre zu spät. Bereits 2018 berichtete die FR über interne Dokumente der Gruppe. Schon damals war klar, dass diese radikal und gut organisiert war – und dass ihre Kader in Tschechien an Schusswaffen übten. Doch die Behörden blieben dabei, dass Combat 18 für ein Verbot zu lose strukturiert sei. (…) Es brauchte offenbar den Mord an Walter Lübcke und die Nähe des Hauptverdächtigen Stephan E. zu den Köpfen des Netzwerkes, um ein Umdenken im Innenministerium anzustoßen. Einige mutmaßen schon, die Behörden könnten über ihre umstrittenen V-Leuten so eng mit der Gruppe verstrickt gewesen sein, dass es schlicht als zu riskant erschien, sie zu zerschlagen…“ – aus dem Kommentar „Combat 18: Ein zu spätes Verbot“ von Hanning Voigts am 23. Januar 2020 in der FR online
, worin zu den erwähnten Mutmaßungen nichts weiter ausgeführt wird – aber wenn etwa in NRW gerade mal eine – in Zahlen: 1 – Wohnung durchsucht wird, dann führt das nicht zur Abnahme eben dieser Mutmaßungen… Siehe dazu mehr zum seit langem bekannten Netzwerk:
- Neonazis bleiben straffrei . Gericht: Weiterbetrieb von »Combat 18« ist nicht bewiesen
„Die Zermürbungsstrategie der Verteidigung ist aufgegangen: Nach 24 äußerst zähen Verhandlungstagen ist der Prozess um die Weiterführung der verbotenen Neonazi-Organisation »Combat 18 Deutschland« eingestellt worden. Als Auflage müssen die vier Angeklagten jeweils 500 Euro an ein gemeinnütziges Kinder- und Jugendhilfswerk zahlen. Das teilte das Landgericht Dortmund am Mittwoch mit. Seit mehr als sieben Monaten wurde verhandelt, auf der Anklagebank saßen gewaltbereite Neonazis von gewisser Prominenz: Stanley Röske (49) gehörte nach der Jahrtausendwende in Kassel zum Umfeld von Stephan Ernst, dem späteren Mörder des CDU-Politikers Walter Lübcke. Der braune Tiktoker Robin Schmiemann (41) saß acht Jahre im Gefängnis, weil er bei einem Supermarkt-Überfall einen Mann niedergeschossen hatte. Aus der Haft führte er mit der NSU-Terroristin Beate Zschäpe einen innigen Briefwechsel. Gregor Alexander M. (45), Versandhändler für Rechtsrock und Szenekleidung, musste wegen einer Racheaktion gegen einen angeblichen »Verräter« hinter Gitter. Keven L. (45) war Landtagskandidat der mittlerweile aufgelösten Kleinstpartei Die Rechte in Baden-Württemberg. Die Anklage legte den vier Männern zur Last, als Rädelsführer die Neonazi-Truppe Combat 18 Deutschland weiterbetrieben zu haben, die 2020 wegen ihrer »Wesensverwandtschaft mit dem Nationalsozialismus« und ihrer Gewaltbereitschaft verboten worden war. (…) Von Beginn an setzte die Verteidigung darauf, das Verfahren zu verschleppen und die Anklage lächerlich zu machen. Vernehmungen der Ermittler*innen wurden mutwillig in die Länge gezogen. (…) Verbunden war diese Strategie mit einem vergifteten Angebot: Ob man nicht, um allen Beteiligten wertvolle Zeit zu sparen, über eine Verfahrenseinstellung sprechen sollte? Die Vertreter*innen der Anklage wiesen das anfangs noch kühl zurück. Doch am Ende stimmten sie der Einstellung gegen Geldauflage zu. Was die Entscheidung für die Verfahren heißt, die noch gegen 15 weitere mutmaßliche Combat-18-Mitglieder anhängig sind, bleibt abzuwarten.“ Artikel von Joachim F. Tornau vom 18. Februar 2026 in Neues Deutschland online
- „Besuch bei Rassekriegern“ von René Heilig am 23. Januar 2020 in neues deutschland online
unter anderem zur Wohnungsdurchsuchung in Castrop Rauxel: „… Dabei klopfte sie auch an die Tür von Robin S. in Castrop-Rauxel. Den kennt die als Terroristin des Nationalsozialistischen Untergrundes (NSU) verurteilte Zschäpe recht gut. Die beiden schickten sich Briefe aus und in den Knast. »Grüß Dich, Maulwurf!«, schrieb sie und er schmachtete zurück: »Nachti, Bea!« Rührend. Und so harmlos. Doch das täuscht. Robin S. ist eine »Hausnummer« bei der rechtsterroristischen Combat-18-Truppe. Mit anderen gehörte er einer Schlägertruppe um die Rechtsrockband »Oixodie« an und wurde zu einer achtjährigen Haftstrafe verurteilt, weil er 2007 bei einem Supermarktüberfall in Dortmund auf einen tunesischstämmigen Kunden geschossen und ihn schwer verletzt hatte. S. ist auch bekannt mit einem gewissen Stanley R., der bei der Donnerstagsrazzia festgenommen wurde. Er war Anführer der »Oidoxie Streetfighting Crew«, stammt aus Kassel, organisierte dort den »Sturm 18«. Das hessische LKA glaubt, dass R. als Europa-Chef von C18 auch die entsprechenden Konten führt. Vor ein paar Jahren wurde er nach Schießübungen in Tschechien in Bayern wegen der Einfuhr illegaler Munition verhaftet. Auch R. tauchte bei Recherchen zum NSU-Netzwerk auf. Er traf sich mit den Kumpanen von Beate Zschäpe, Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos, die mindestens zehn Morde, drei Bombenanschläge sowie mehrere Überfälle auf dem Gewissen haben. S. und R. sind typische C18-Kämpfer...“
- „Combat 18“- Verbot: Neue Details zu Schlüsselfigur Stanley R.“ von Rebecca Röhrich am 23. Januar 2020 ebenfalls in der FR online
zu Zusammenhängen mit dem Lübcke-Mord unter anderem: „… Nach dem Verbot der Neonazi-Gruppe „Combat 18“ durch Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) wurden auch Wohnungen in Osthessen durchsucht. Näheres konnte das Innenministerium in Wiesbaden hierzu bisher nicht sagen. Stanley R., eine Schlüsselfigur der Gruppe „Combat 18“, wurde in Thüringen festgenommen. Er galt vor Jahren als Kopf der rechtsextremen Szene in Nordhessen. Wie die antifaschistische Recherche-Plattform „Exif“ mitteilt, soll sich R. von 2001 bis etwa 2019 im Raum Kassel aufgehalten haben und in der VW-Kantine in Baunatal gearbeitet haben. Laut Informationen der Polizei soll Stanley R. bei der heutigen Razzia nicht festgenommen worden sein. Offenbar haben sich R. und der mutmaßliche Mörder des Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke (CDU) gekannt, wie hessenschau.de berichtet...“
- „Das Label „Combat 18““ am 08. September 2015 im Antifa-Infoblatt
unterstrich bereits damals zur innerdeutschen Dimension des Terror-Netzwerkes: „… 1997 planten einige Neonazis aus Königswusterhausen, Oranienburg, Limbach-Oberfrohna und dem Sauerland die Herausgabe einer deutschen C 18-Untergrundzeitung. Doch im selben Jahr erreichten die Konflikte des englischen C18 auch Deutschland und spalteten die C18-Unterstützer-Szene. Etwa seit der Jahrtausendwende gab es einige Gruppen und Personen in Deutschland, die sich selbst als „Combat 18“ verstanden, szeneintern als „Combat 18“ wahrgenommen wurden oder „Combat 18“-Propaganda verbreiteten. Es war vor allem auch die RechtsRock-Führungsfigur und Verfassungsschutz-Spitzel Carsten Szczepanski (Brandenburg), der „Combat 18“ in der deutschen Neonazi-Szene bekannt machte. Szczepanski nutze zeitweilig ein C18-Postfach in England für den Vertrieb seiner Zeitschrift „United Skins“. Britische „Combat 18“-Aktivisten besuchten Ende der 1990er Jahre den fränkischen Raum in Deutschland. Ihre hauptsächlichen Ansprechpartner dort waren der RechtsRock-Musiker und B&H-Funktionär Bernd P. („Pernod“) im Bamberger Raum und Matthias G. in Schwabach. Der Kreis um „Blood & Honour Franken“ und die RechtsRock Band „Hate Society“ von Bernd P. galten seitdem als „Combat 18“-Exponenten in Deutschland. Der führende Neonazi-Funktionär Thorsten H. (Northeim/Frettenrode) wurde zeitweilig szene-intern ebenfalls als „Combat 18“ Kontakt angesehen, da er über gute Verbindungen zu dem englischen C18- Funktionär William Browning verfügt haben soll. Auch der schwedische B&H-Aussteiger Kim Fredriksson nahm Thorsten H. als deutsche Kontaktperson aus dem B&H/C18-Milieu wahr…“
Siehe auch:
- Die Nazi-Morde (nicht nur) in der neuen BRD: Anstatt eines Kommentares zum Verbot von Combat 18
- Und zu „Combat 18“ viele Beiträge im Dossier: Nach dem Mord an Regierungspräsidenten in Kassel: Rechte geifern und predigen Hass