Rechter Mordversuch an FAU Gewerkschafter in Stuttgart
„Ein Gewerkschafter der FAU Stuttgart wurde im April in Stuttgart Nord von Rechtsextremen mit einem Messer lebensgefährlich verletzt. Das war kein Einzelfall und es war nicht „nur” ein Angriff auf einen Einzelnen. Gemeint waren wir alle: Alle, die nicht in das Weltbild der Faschisten passen. Rechte Gewalt wird sichtbarer und selbstbewusster – auch hier in Stuttgart. Dem stellen wir uns gemeinsam entgegen. Wir lassen niemanden allein. Kommt zur Demo! 18.07. 17 Uhr vor dem Museum am Löwentor…“ Aufruf der FAU Stuttgartz vom 29. Juni 2026
, mehr Infos und nun der Prozess:
- Prozessbeginn gegen Naziangriff in Stuttgart am 7. Oktober mit Solidaritätskundgebung
- „Scheiß Antifa, wir bringen Dich um“ – Opfer sagt bei Prozessauftakt aus: Mordversuch aus rechtsextremer Gesinnung?
„Schon vor Prozessbeginn war klar: Das wird kein normaler Fall. Vor dem Stuttgarter Landgericht protestierten am Mittwoch Mitglieder der linken Gewerkschaft FAU – drinnen wurde der Prozess gegen zwei junge Männer wegen versuchten Mordes eröffnet. Die Generalstaatsanwaltschaft geht von einem rechtsextremen Motiv aus. Sie wirft den Beschuldigten vor, im April einen zur Tatzeit 44-Jährigen aus politischen Motiven angegriffen zu haben: Seine Antifa-Gesinnung habe sie gestört. Das Opfer tritt als Nebenkläger auf. Der 22-Jährige habe mit einem Schraubenschlüssel zugeschlagen, der 19-Jährige mit einem Messer zugestochen, so der Vorwurf. Dabei hätten sie geschrien „Antifa-Schwein, wir bringen dich um!“ Ein Lungenfllügel des Opfers kollabierte. Er musste notoperiert werden. Er gehört der Freien Arbeiter Union (FAU) an, die dem linken Spektrum zuzuordnen ist. Der Verfassungsschutz beobachtet sie wegen ihrer linksextremen Haltung. Am ersten Prozesstag war das Opfer als Zeuge geladen. (…) Am Tattag sei er eigentlich müde gewesen nach einer langen Arbeitswoche bei der Müllabfuhr. Aber weil die Tochter eine Freundin zum Übernachten da hatte, zog er für die Kinder nochmal los, um deren Wunsch nach Knabbersachen zu erfüllen. Auf dem Heimweg seien die Angreifer hinter einer Mülltonne hervor- und auf ihn zugesprungen: „Sie haben mir aufgelauert.“ (…) Er habe zuerst nur den Schraubenschlüssel gesehen, mit dem der 22-Jährige bewaffnet war. Diesen Mann habe er gekannt, dieser habe ihn schön öfter angepöbelt wegen seiner antifaschistischen Gesinnung. Die Angreifer beschrieb er als „typisch rechtsextrem“, mit Bomberjacke und Stiefeln. Der Mann mit dem Messer sei als erster auf ihn losgegangen. „Scheiß Antifa, wir bringen Dich um!“, hätten sie geschrien. Als er verletzt zurückwich, sei der Mann mit dem Messer ihm noch gefolgt und habe geschrien: „Du bist tot!“ Als die Männer von ihm abließen, habe er gemerkt, wie seine Kräfte schwanden. Es sei ihm noch gelungen, einen Notruf abzusetzen. An die Ankunft des Rettungswagens erinnere er sich noch. Dann an nichts mehr – erst wieder ans Aufwachen am nächsten Morgen auf der Intensivstation…“ Beitrag von Christine Bilger vom 7. Oktober 2026 beim SWR
- Vor Prozess gegen Naziangriff: Solidaritätskundgebung der FAU Stuttgart am 7.10
„… Nun beginnt die Verhandlung wegen mutmaßlichem Mordversuch am Mittwoch, 07.10.2026 ab 09:00 vor dem Landesgericht in Stuttgart, Olgastraße 2.
Ein Angriff auf eine*n von uns ist ein Angriff auf uns alle. Das war immer die Antwort der Arbeiter*innenbewegung, das ist sie heute und die wird sie auch bleiben. Die FAU Stuttgart ruft an diesem Tag ab 09:00 vor dem Gericht zu einer Solidaritätskundgebung für ihr angegriffenes Mitglied auf.“ Aufruf vom 3. Oktober 2026 der FAU Stuttgart
- „Scheiß Antifa, wir bringen Dich um“ – Opfer sagt bei Prozessauftakt aus: Mordversuch aus rechtsextremer Gesinnung?
- Neonazis attackieren Gewerkschafter: Was folgt aus dem Angriff auf die FAU in Stuttgart?
„Nach einem Mordversuch durch Neonazis an einem Kollegen muss sich die Gewerkschaft breiter vernetzen, sagt Anni Reede (…)
Körperlich hat er sich sehr schnell erholt. Seine Absicht ist es, jetzt aktiv zu sein und nach draußen zu gehen. Allerdings möchte er, bis es zur Gerichtsverhandlung kommt, nicht direkt in der Öffentlichkeit stehen. Ihm war es auch sehr wichtig, so eine Demonstration mit einem möglichst breiten Bündnis aus unterschiedlichen Organisationen auf die Beine zu stellen. Der Angriff auf ihn, bei dem er mehrfach in die Lunge gestochen wurde und den er nur dank einer Notoperation überlebt hat, hatte sich in seiner Wohngegend ereignet. Dort haben wir deshalb auch mit Auftakt-, Zwischen- und Abschlusskundgebung die Bewohner über den Angriff auf unseren Kollegen informiert. Vorab hatten wir weitflächig Briefkästen mit Flyern bestückt. Während die Demo durch Stuttgart-Nord zog, fasste die Moderation per Lautsprecher zusammen, was im April passiert war…“ Interview von Marc Bebenroth in der jungen Welt vom 24.07.2026
- „Schulter an Schulter gegen rechte Gewalt“: Dieser Angriff war kein Einzelfall und keine zufällige Gewalttat – über 200 Menschen protestieren in Stuttgart
„Vergangenen Samstag demonstrierten Mitglieder der Basisgewerkschaft Freie Arbeiter*innen Union (FAU) zusammen mit dem Bündnis Stuttgart gegen Rechts
mit über 200 Menschen gegen rechte Gewalt in Stuttgart-Nord. Es gab einen ernsten Anlass für diese Demonstration: Im April 2026 wurde unser Kollege, ein Gewerkschafter der FAU, hier in Stuttgart-Nord von Rechtsextremen mit einem Springmesser angegriffen und durch mehrere Stiche in den Brustkorb lebensgefährlich verletzt. Er schaffte es, den Notruf abzusetzen und überlebte Dank einer Notoperation. Redebeiträge lieferten die FAU Stuttgart, die Migrantifa
, ein zweiter Überlebender rechter Gewalt, das Kulturzentrum Prisma
und das Antifaschistische Aktionsbündnis Stuttgart
. Sie alle machten trotz ihrer unterschiedlichen Schwerpunkte klar: Rechte Gewalt ist eine reale Bedrohung für alle Menschen, die nicht in das Weltbild der Faschisten passen. Dieser Angriff war kein Einzelfall und keine zufällige Gewalttat. (…)
Die beiden, die zugestochen haben, sind 19 und 21 Jahre alt. Solche Leute fallen nicht vom Himmel. Sie wachsen mitten aus dieser Gesellschaft heraus. Aus einer Ellenbogengesellschaft, die uns jeden Tag beibringt, dass jeder sich selbst der Nächste ist. Die Abstiegsangst produziert wie am Fließband. Und wo Angst ist und keine Solidarität, da fangen Menschen an, nach unten zu treten statt nach oben zu kämpfen. Genau da fischen die Faschisten. Sie nehmen die Wut über echte Zustände – und lenken sie auf die Falschen: auf queere Menschen, auf migrantische Menschen, auf jüdische Menschen, auf alle, die beweisen, dass die Welt eben mehr ist als Volk, Scholle und Stammbaum – dass man auch ganz anders leben kann, und zwar gut. Wenn heute wieder offener gehetzt wird, in Parlamenten, in Talkshows, in den Kommentarspalten – dann werden da die Sätze vorformuliert, die nachts auf der Straße mit dem Messer zu Ende geschrieben werden. Wer das Klima sät, braucht sich über die Taten nicht zu wundern…“ Bericht vom 20. Juli 2026 der FAU Stuttgart
(„„Schulter an Schulter gegen rechte Gewalt““) - Angriff mit Springmesser in Stuttgart: Staatsschutz ermittelt: Tat soll rechtsextremen Hintergrund gehabt haben
„Ende April war ein 44-Jähriger in Stuttgart angegriffen und schwer verletzt worden. Die Staatsanwaltschaft geht inzwischen von einer politisch motivierten Tat aus.
Nach einem lebensgefährlichen Angriff auf einen 44 Jahre alten Mann in Stuttgart im April ermittelt nun der Staatsschutz. Wie die Generalstaatsanwaltschaft und die Polizei am Mittwoch mitteilten, gehört mindestens einer der beiden mutmaßlichen Täter der rechtsextremen Szene an.
Tatverdächtige sollen bewusst und gewollt auf Opfer eingestochen haben
Nach den bislang vorliegenden Erkenntnissen sollen die beiden jungen Männer ihr Opfer bei der Tat ausdrücklich als angebliches Mitglied der Antifa angesprochen haben. Die Staatsanwaltschaft vermute ein politisches, mutmaßlich rechtsextremes Motiv hinter der Tat. Die 19 und 21 Jahre alten Beschuldigten sitzen laut Staatsanwaltschaft weiter in Untersuchungshaft. Die Polizei ermittelt wegen versuchten Totschlags in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung. Die Männer sollen am Abend des 24. April im Bereich der Mönchhaldenstraße in Stuttgart-Nord bewusst und gewollt in die Brust des Opfers eingestochen haben. Bei der Tatwaffe handelte es sich laut Staatsanwaltschaft um ein Springmesser. Der 44-Jährige überlebte nur knapp.
Staatsschutz ermittelt
Ob er tatsächlich der linken Szene zuzuordnen ist, ist nach Worten eines Sprechers der Generalstaatsanwaltschaft noch unklar. „Er wurde von den beiden Beschuldigten jedenfalls als linksdenkend ausgemacht“, sagte er.“ Meldung vom 20.5.2026 im SWR
und dort Verweise auf weitere Beiträge