Migra-Streik am 26. August in Magdeburg: Migrantische Gewerbetreibende setzen Zeichen gegen Rassismus und Ausgrenzung
„Am Mittwoch, den 26. August 2026, wollen migrantische Gewerbetreibende in Magdeburg mit einer gemeinsamen Aktion ein sichtbares Zeichen gegen Rassismus, Ausgrenzung und für eine demokratische Gesellschaft setzen. Im Rahmen des Migra-Streiks schließen teilnehmende Gewerbetreibende und Geschäftsinhaber*innen ihre Betriebe freiwillig von 10:00 bis 15:00 Uhr. „Wir schließen heute unsere Türen, damit sich morgen nicht die Türen zu einer freien und demokratischen Gesellschaft schließen.“ Hintergrund der Aktion sind Erfahrungen mit Rassismus und gesellschaftlicher Ausgrenzung sowie politische Debatten, in denen die Zugehörigkeit von Menschen aufgrund ihrer Herkunft oder Migrationsgeschichte zunehmend infrage gestellt wird. Auch Forderungen nach massenhaften Abschiebungen und der Verdrängung von Menschen mit Migrationsgeschichte aus unserer Gesellschaft lösen bei vielen Menschen mit Flucht- und Migrationsgeschichte Angst und Verunsicherung aus…“ Pressemitteilung vom 17. August 2026
und weitere Infos beim Flüchtlingsrat Sachsen-Anhalt auch zur Kundgebung um 13 Uhr vor dem Landtag Sachsen-Anhalt – siehe mehr dazu:
- Migra-(Warn)Streik gelungen: Magdeburg am 26. August zwischen „Geisterstimmung“ und „kulinarischer Katastrophe“ – dabei hatten noch gar nicht alle Geschäfte geschlossen…
- Aktion gegen Ausgrenzung: Migranten in Magdeburg schließen ihre Geschäfte
„In Magdeburg haben Gewerbetreibende mit Migrationsgeschichte ihre Geschäfte am Mittwoch für einige Stunden geschlossen. Der „Migra-Streik“ war eine Reaktion auf die hohen Umfragewerte für die AfD vor der Landtagswahl. Auch andere Läden haben sich angeschlossen. (…) Rund 150 Geschäfte unter anderem rund um den Hasselbachplatz im Zentrum hatten angekündigt, sich an der Aktion von 10 bis 15 Uhr zu beteiligen, darunter Gastronomie, Barbershops und Kioske. Tatsächlich blieben dort viele Geschäfte geschlossen. Plakate an den Türen machten auf den „Migra-Streik“ aufmerksam. Einige Geschäfte hatten jedoch trotz der Aktion geöffnet.
Die Schließungen waren auch für viele Passanten spürbar. Einige zeigten sich überrascht und sagten, sie hätten von der Aktion im Vorfeld nichts mitbekommen. Wer in der Mittagspause etwas essen wollte, stand teils vor verschlossenen Türen. Eine Passantin sprach von „Geisterstimmung“, ein anderer Befragter von „kulinarischer Katastrophe“. (…)
An dem Protest beteiligten sich auch deutsche Gewerbetreibende, etwa das Café Mosaik. Betreiberin Maria Oss sagte MDR SACHSEN-ANHALT, der Laden zeige sich damit solidarisch und mache sich für die Vielfalt in Magdeburg stark.
Flüchtlingsrat hält Aktion für gelungen
Saeeid Saeeid vom Flüchtlingsrat zeigte sich nach der Aktion zufrieden. Man habe aus unterschiedlichen Städten in Sachsen-Anhalt und anderen Bundesländern Nachrichten erhalten, in denen Interesse am Mitmachen an der Aktion gezeigt wurde. „Diese Solidarität haben wir noch nie in diesem Maße erlebt“, so Saeeid…“ MDR-Bericht vom 27.08.2026
mit einigen Fotos und Links zu vielen wesensverwandten Beiträgen - Land ohne Läden als Warnung gegen die AfD
„Beim „Migrantischen Streik“ bleiben laut Veranstalter etwa 160 Läden in Magdeburg geschlossen. So soll auf die Gefahr durch die AfD aufmerksam gemacht werden.
Am Mittwochvormittag sieht es vor dem Bingöl-Grill in Magdeburg anders aus, als an einem normalen Wochentag. Der Laden ist zu, die Lichter aus und kein Personal im Laden. Statt Kunden, die auf ihr Essen warten, ist vor der Tür eine Menschengruppe im erregten Gespräch über die politische Lage in Deutschland. Journalist*innen und Kamerateams sind unterwegs, führen Interviews und filmen durch die Fensterscheiben geschlossener Geschäfte und Restaurants. Samet beobachtet das Geschehen zufrieden. (…) Gemeinsam mit laut Veranstalter bis zu 160 weiteren Gewerbetreibenden in Magdeburg und darüber hinaus hat sich Samet an diesem Tag gegen Profite entschieden: „Geld kommt schnell wieder, aber wenn die Demokratie einmal weg ist, dann kommt sie nicht so schnell wieder“, erklärt er seine Entscheidung. (…)
So klar wie für Yasar und Samet war die Entscheidung zum Streik aber offenbar nicht für alle. Im Gespräch erklärt Samet, dass sie bei manchen Gewerbebetreibenden einiges an Überzeugungsarbeit leisten mussten. Viele würden unterschätzen, was unter einer faschistischen Partei, wie der AfD passieren könnte. Sie gingen davon aus, dass sie nicht betroffen sein werden von den Plänen der AfD. Durch Gespräche hätten sie schlussendlich aber viele überzeugen können, mitzustreiken.
Laut dem Flüchtlingsrat Sachsen-Anhalt ging die Solidarität am Mittwoch weit über Magdeburg hinaus. Einige seien dafür aus kleinen Städten und Dörfern, wie Wolmirsleben oder Burg in ganz Sachsen-Anhalt angereist, um sich Plakate zu holen und zu solidarisieren. Manchen hätten sie zwar davon abgeraten an dem Streik teilzunehmen, da sie als einzelne Geschäfte in den Orten zu offen rechter Gewalt ausgesetzt sein könnten. Insgesamt sei der heutige Tag jedoch ein großes Zeichen der Solidarität, des Zusammenhalts und auch des gemeinsamen Kämpfens für eine offene Gesellschaft. Auch viele deutsche Geschäfte seien in Solidarität nicht geöffnet.
Um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen, treffen sich die Streikenden nachmittags am Landtag Sachsen-Anhalts zur Demo. Einer der Redner auf der Bühne sagt: „Die Gewerbebetreibenden, die hier heute streiken leisten unheimlich viel für die Gesellschaft, aber eine menschenwürdige Behandlung sollte nicht daran hängen.“ Die Menschenwürde müsse „immer und überall gelten, unabhängig von Religion, Herkunft, Aufenthaltsstatus oder vermeintlichen Nutzen für die Gesellschaft.“…“ Bericht von Timo Krügener vom 26.8.2026 in der taz online
- Siehe ein Video der Kundgebung am 26.08.2026 im Bericht von ZDFheute

- „Migra-Streik“: Mit geschlossenen Läden gegen die AfD
„Kurz vor der Landtagswahl schließen 100 Unternehmer mit Migrationsgeschichte zeitweise ihre Geschäfte in Magdeburg. Sie wollen zeigen, wie wichtig sie für die Wirtschaft sind. Es geht aber noch um etwas anderes, sagt Saaeid Saaeid vom Flüchtlingsrat.“ Interview von Sarah Zerback vom 26. August 2026 im Dlf

- Aktion gegen Ausgrenzung: Migranten in Magdeburg schließen ihre Geschäfte
- Migrantischer Streik in Magdeburg: „Die Entschlossenheit in der Community ist groß“
„Am Mittwoch sollen 120 Gewerbe in der Hauptstadt von Sachsen-Anhalt geschlossen bleiben. Warum und wie erklärt Saaeid Saaeid vom Flüchtlingsrat.
[taz: Herr Saaeid, warum streiken Sie am Mittwoch?]
Saaeid Saaeid: Wir streiken, um vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt ein klares Zeichen gegen Rassismus und Ausgrenzung zu setzen. Forderungen nach massenhaften Abschiebungen verunsichern viele Menschen mit Flucht- und Migrationsgeschichte. Viele haben riesige Angst, dass ihnen das Bleiberecht aberkannt werden könnte, dass sie ihre Rechte verlieren, dass sie physisch nicht mehr sicher sind.
[taz: Wieso haben Sie sich für das Mittel des Streiks entschieden?]
Saaeid: Weil Streik ein demokratisches Mittel mit direkten Auswirkungen ist. Das merken die Menschen in ihrem Alltag sofort, zum Beispiel beim Einkaufen, wenn ein Geschäft geschlossen ist. Alle, ob Nachbar*innen, Kolleg*innen oder Kund*innen, werden es mitbekommen, wenn migrantische Menschen in Magdeburg einen Tag lang ihre Arbeit ruhen lassen. Bis jetzt haben 120 Gewerbe zugesagt, sich zu beteiligen – von Gastronomie bis Einzelhandel. Zehn Prozent davon sind übrigens Deutsche, die aus Solidarität mitmachen. (…)
[taz: Bekommt ihr Unterstützung von Gewerkschaften?]
Saaeid: Ja, Verdi und DGB haben Interesse signalisiert und wir gehen davon aus, dass sie sich beteiligen, zum Beispiel mit einem Redebeitrag bei unserer Kundgebung. (…)
Saaeid: Ich kann nicht für alle sprechen, aber die Entschlossenheit ist groß. Wir erleben gerade, wie sich Migrant*innen gegenseitig motivieren: Wenn ein Geschäft plant zu schließen und der Nachbar nicht mitzieht, dann wird dem von der Community sehr nahegelegt, doch mitzumachen. Jetzt müssen alle zusammenhalten. Und wir stehen an der Seite aller Menschen, die den Mut haben, in diesen schwierigen Zeiten durch einen Streik ein starkes Zeichen zu setzen. (…)
Saaeid: Ja, wir stehen unter enormem Druck. Es gibt viele rechte Medien, die gegen uns hetzen. Wir bekommen unfassbar viele Hasskommentare, Bedrohungsmails, sogar Anrufe. Da heißt es, dass wir nach der Wahl unsere Arbeit verlieren werden oder dass wir in unsere Heimatländer zurückgehen sollen. Rechte Medien haben angekündigt, zu unserer Kundgebung zu kommen, um die Menschen einzuschüchtern. Und aus verbalen können schnell physische Angriffe werden. Das haben wir ja nach dem Anschlag auf den Magdeburger Weihnachtsmarkt erlebt. Aber wir lassen uns nicht unterkriegen, sondern stehen solidarisch zusammen.“ Interview von Lotte Laloire vom 26.8.2026 in der taz online
– Saaeid Saaeid ist Mitglied des Flüchtlingsrats Sachsen-Anhalt und Mitglied des Beirats für Integration und Migration - Migrationspolitik: Zeit für einen Generalstreik
„Ohne Zugewanderte würde in Deutschland vieles nicht funktionieren. Das sollten sie das Land spüren lassen, meint unser Kolumnist. (…) Bevor die vielen Einzelnen Sachsen-Anhalt oder gar Deutschland verlassen, sollte nicht einfach die multikulturelle Gesellschaft beschworen werden. Es geht um Demokratie, es geht um Fakten. Es braucht einen Wirklichkeitsschock. Die Migrant*innen und alle, die von Drohung und Gewalt betroffen sind, sollten in den Streik treten. Ein Generalstreik ist an der Zeit: Die Arbeit sollte für eine Stunde, einen Nachmittag oder einen Tag ruhen, die Geschäfte sollten geschlossen bleiben, die Busse nicht fahren, in den Krankenhäusern und Arztpraxen Notdienste eingerichtet werden, die Gemüsegeschäfte an der Ecke einmal zu sein. Das Land muss spüren, dass so mit den Zuwanderern nicht umgegangen, so nicht über sie gesprochen werden kann.“ Kommentar von Alex Demirović vom 24.08.2026 in nd online
- Sachsen-Anhalt: Migranten streiken gegen absolute AfD-Mehrheit
„Aus Sorge vor der Politik der AfD wollen migrantische Gewerbetreibende in Sachsen-Anhalt am 26. August ihre Geschäfte schließen. Zahlreiche weitere gesellschaftliche Bündnisse formieren sich vor der Wahl in Sachsen-Anhalt gegen eine mögliche AfD-Alleinregierung.
Menschen mit Migrationsgeschichte in Sachsen-Anhalt fühlen sich bedroht von der Politik der AfD im Land. Mit Blick auf die Landtagswahl am 6. September rufen Migrantenverbände für den 26. August zum „Streik gegen Rassismus und Ausgrenzung“ und zu einer Kundgebung vor dem Landtag in Magdeburg auf, wie der Flüchtlingsrat Sachsen-Anhalt am Montag in Magdeburg mitteilte. Die Partei schüre „Rassismus, indem sie Migrantinnen und Migranten, Geflüchtete und Menschen unterschiedlicher Herkunft für sämtliche gesellschaftlichen Probleme verantwortlich macht“, heißt es in dem Streikaufruf. Damit werde Angst geschürt.
Migrantische Gewerbetreibende in Magdeburg und anderen Städten planten deshalb an jenem Tag freiwillige Betriebsschließungen von 10 bis 15 Uhr. „Wir schließen heute unsere Türen, damit sich morgen nicht die Türen zu einer freien und demokratischen Gesellschaft schließen“, hieß es. Man wolle in einer Gesellschaft leben, „in der Herkunft nicht darüber entscheidet, wer dazugehört“. Menschenwürde, Gleichberechtigung und gesellschaftliche Zugehörigkeit seien nicht verhandelbar…“ Meldung vom 18.08.2026 im Migazin
auch über weitere Bündnisse vor den Wahlen - #einTagOhneUns #migraStreik
- Siehe auch:
- Zusammen gegen Rassismus! Aufruf zur Demonstration 29. August 2026, 13 Uhr in Magdeburg
„Am 29.08. wollen wir zusammen mit euch für Solidarität statt Ausgrenzung demonstrieren! In Sachsen-Anhalt wird am 6. September ein neuer Landtag gewählt. Für viele von uns geht es dabei um die Frage, ob wir hier auch morgen noch sicher und selbstbestimmt leben können. Die Wahl stellt für Viele eine immense Bedrohung dar – für Menschen mit Migrationsgeschichte, Geflüchtete, Schwarze Menschen und People of Color, Jüd*innen, queere Menschen, Menschen mit Behinderungen und all diejenigen, die im rechten Weltbild keinen Platz haben. Sie bedeutet Angst vor Ausgrenzung, eine Zunahme rechter Gewalt und eine Politik, die unser aller Grundrechte beschneidet. Wir sind Nachbar*innen, Kolleg*innen am Arbeitsplatz, Mitschüler*innen und Freund*innen! Der Rechtsruck hat längst begonnen. Er beginnt, wenn Menschen gegeneinander ausgespielt werden…“ Demoaufruf beim Antirassistischen Netzwerk Sachsen-Anhalt
(mehrsprachig) - DEMOKRATIEFESTIVAL am 05.09.2026 in Magdeburg
Aufruf beim Bündnis https://sachsenanhalt-weltoffen.de/
- Zusammen gegen Rassismus! Aufruf zur Demonstration 29. August 2026, 13 Uhr in Magdeburg