Betriebsratswahlen 2026 vom 1. März bis 31. Mai – werfen bereits braune Schatten voraus
Dossier
„Von März bis Mai 2026 finden die nächsten Betriebsratswahlen statt. Während in kleineren Betrieben sich die Frage stellt, ob es überhaupt Kandidat:innen gibt, stellt sich in Großbetrieben die Frage, wieviel Listen antreten und wie hoch die Wahlbeteiligung ist. Nur noch 37% der Beschäftigten in Betriebe mit fünf und mehr Mitgliedern haben einen Betriebsrat. (…) Die Entpolitisierung der Gewerkschaften und ihre Anpassung an das kapitalistische Profit- und Konkurrenzsystem haben dazu geführt, dass sich die meisten Betriebsräte als Co-Manager betrachten. In der Krise führte das dazu, dass sie bereit sind, erkämpfte Errungenschaften über Betriebsvereinbarungen – meist völlig undemokratisch ohne Diskussion und Zustimmung der Belegschaft – zu opfern. (…) Die Gefahr besteht, dass sich der Unmut in der Belegschaft bei VW über die von IGM und Betriebsräten mitgetragene Arbeitsplatzvernichtung mit zusätzlichem Lohnverzicht teilweise in Stimmen für das „Zentrum Automobil“ bei den Betriebsratswahlen 2026 ausdrückt…“ Umfangreiche Analyse vom 27. August 2025 bei der Vernetzung für kämpferische Gewerkschaften
(„Betriebsratswahlen 2026: Harte Zeiten brauchen kämpferische Betriebsräte“) und mehr zum Thema (Zentrum gibt es extra):
- IG Metall Berlin-Brandenburg-Sachsen sieht sich (bisher) mit 80 Prozent der Mandate als klare Gewinnerin der Betriebsratswahlen im Osten
- IG Metall gewinnt Betriebsratswahlen im Osten klar
„Die IG Metall hat sich bei den Betriebsratswahlen im Osten unangefochten als stärkste Kraft durchgesetzt. Fast 80 Prozent der bisher vergebenen 1000 Mandate in 120 Betrieben in ihrem Organisationsbereich gingen in Berlin, Brandenburg und Sachsen an die IG Metall.
Jan Otto, IG Metall-Bezirksleiter Berlin-Brandenburg-Sachsen, sagte heute in einem Pressegespräch: „Einen Monat vor Ende der Betriebsratswahlen fällt unsere Zwischenbilanz eindeutig positiv aus. Gerade in schwierigen Zeiten wissen die Beschäftigten sehr genau, wem sie vertrauen können und wer ihre Interessen am besten vertritt. Die Kolleginnen und Kollegen in den Betrieben haben Spaltern und rückwärtsgewandten Kräften eine klare Absage erteilt.
Die hohe Wahlbeteiligung zeigt, wie gut die Demokratie in den Betrieben funktioniert. Selbstverständlich haben dabei auch alternative oder eindeutig rechte Listen an einigen Orten Stimmen geholt. Das ist bedauerlich, aber keine Katastrophe. Anders als von manchen erwartet und herbeigeredet, haben diese Listen es nicht aus ihrer Nische herausgeschafft.“…“ Pressemitteilung vom 28.04.2026 des IG Metall-Bezirks Berlin-Brandenburg-Sachsen
- IG Metall bleibt bei Betriebsratswahlen im Osten dominant
„Gewerkschaft gewinnt in Belegschaftsvertretungen 80 Prozent der Mandate. Befürchteter Rechtsruck blieb aus – trotz großen Unmuts über Bundesregierung (…) Nach Angaben der Gewerkschaft wurden bisher Belegschaftsvertretungen in 120 Betrieben mit rund 50 000 Beschäftigten gewählt. Von den dabei vergebenen 877 Mandaten entfielen 760 auf Kandidierende der IG Metall. Das entspricht einem Anteil von 77 Prozent. Bei der Wahl vor vier Jahren waren es 76 Prozent. Ein Viertel der neuen Betriebsratsmitglieder sind Frauen. Damit sind diese in den Gremien stärker vertreten als in den Belegschaften, in denen ihr Anteil 18 Prozent beträgt. Bis Ende Mai stehen noch Wahlen in Betrieben mit 200 000 Mitarbeitern an, bei denen weitere 3600 Mandate zu vergeben sind.
Vor allem für etliche der großen Automobilwerke konnte das deutliche Ergebnis für die IG Metall in dieser Form nicht unbedingt erwartet werden. So sei für VW in Zwickau »ein Rechtsruck proklamiert« worden, sagte Otto. Von einem solchen »Umsturz« könne aber tatsächlich »keine Rede« sein. Die Liste der IG Metall gewann 29 der 35 Mandate. Eine ähnliche Dominanz zeige sich auch in anderen Autowerken, etwa bei BMW in Leipzig, bei Mercedes-Benz in Ludwigsfelde und Berlin oder bei Porsche in Leipzig. In allen Werken seien über 80 Prozent der Betriebsratsmitglieder in der IG Metall organisiert.
Eine Ausnahme stellt das Werk von Tesla im brandenburgischen Grünheide dar. Dort hatte die Liste der IG Metall die angestrebte Mehrheit im Betriebsrat verfehlt. Es siegte die managementnahe Liste Giga United. (…)
Im Gegensatz zu Tesla fielen die Ergebnisse in namhaften Betrieben anderer Branchen überdeutlich aus. Im Stahlwerk von Arcelor Mittal in Eisenhüttenstadt und beim Schienenfahrzeugbauer Alstom in Hennigsdorf gewann die IG Metall jeweils alle Mandate, im Schmiedewerk im sächsischen Gröditz 12 von 13 und beim Automobilzulieferer ZF Getriebe in Brandenburg 13 von 15 Sitze. Otto zeigte sich zuversichtlich, dass sich an dieser »Tendenz« auch bei den Wahlen, die bis Ende Mai folgen, nichts ändern werde.
Die übrigen Mandate gingen jeweils an alternative Listen, wobei Otto betonte, dass nicht alle von diesen einen rechten Hintergrund haben. In manchen Fällen seien Bewerber unzufrieden mit ihrer Platzierung auf der Liste der IG Metall gewesen und hätten einen eigenständigen Antritt vorgezogen. Auch dezidiert linke Listen etwa aus dem Umfeld der MLPD seien angetreten. Rechtsextreme versuchten mittels der Gruppierung Zentrum Automobil (ZA) in die Gremien vorzudringen, die aber ihre Ziele deutlich verfehlte. Bei VW in Zwickau etwa gewann ein Bündnis freier Betriebsräte (BfB), unter dessen Dach auch ZA antrat, statt der angestrebten Mehrheit nur gut elf Prozent, was für vier Sitze reichte…“ Artikel von Hendrik Lasch vom 28.04.2026 in ND online
- Betriebsräte: Keine Protestwahl
„Bei den Betriebsratswahlen in Ostdeutschland ist der befürchtete Rechtsruck ausgeblieben, obwohl der Unmut in den Betrieben groß ist…“ Kommentar von Hendrik Lasch vom 28.04.2026 in ND online
- Siehe auch das Dossier zu den Betriebsratswahlen
der IG Metall Bezirk Berlin-Brandenburg-Sachsen - Zu den BR-Wahlen bei Tesla siehe das Dossier: Tesla und Elon Musk in der brandenburgischen Provinz: Viel Aufregung um eine Mobilität für die gehobene Mittelschicht
- IG Metall gewinnt Betriebsratswahlen im Osten klar
- Im Betrieb Kommunist, nach Feierabend AfD? Warum Arbeiter im Betrieb links und an der Wahlurne rechts wählen
„Im Betrieb sind sie Kommunisten, nach Feierabend wählen sie CDU.“ Dieses Zitat geht höchstwahrscheinlich auf den antifaschistischen Widerstandskämpfer und Gewerkschafter Willi Bleicher zurück. Er spielte damit auf ein Phänomen an, das die Arbeiterschaft der Autoindustrie schon damals prägte: Im Betrieb verstanden sich die Beschäftigten als Teil einer kämpfenden Klasse, an der Wahlurne stimmten sie konservativ. Man muss den Satz heute aktualisieren. Denn was damals die CDU war, ist heute die AfD. (…) Der langjährige wissenschaftliche Leiter der zentralen tarifpolitischen Dokumentationsstelle der DGB-Gewerkschaften, Reinhard Bispinck, hat kürzlich Daten der letzten Landtagswahlen zusammengefasst. In Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg haben Gewerkschaftsmitglieder deutlich häufiger die AfD gewählt als der Durchschnittswähler. (…) Doch wenn dieselben Arbeiter ihren Betriebsrat wählen – also dort, wo es nicht um Berlin, Brüssel oder eine Staatskanzlei geht, sondern um die eigene Firma, das Verhältnis von Kapital zu Arbeit, die Möglichkeit, bei der eigenen Arbeit mitzuentscheiden – dann sieht das Bild völlig anders aus. Bei den diesjährigen Betriebsratswahlen, die noch bis zum 31. Mai stattfinden, sind rechte Listen allenfalls ein Randphänomen. Rechte Einstellungen, die sich bei Parlamentswahlen in Stimmen für die AfD übersetzen, führen im Betrieb offenbar nicht zu rechten Mehrheiten. (…) Die Arbeitssoziologin Nicole Mayer-Ahuja erklärt das gegenüber Über Rechts so: „In jedem Kopf haben ganz unterschiedliche Identitäten Platz.“ (…) Im Betrieb verstehen sich die meisten als Teil der arbeitenden Klasse. Der Interessengegensatz zwischen Kapital und Arbeit ist dort spürbar: Man steht als Belegschaft dem Management gegenüber, wird als abhängig Beschäftigter vom Betriebsrat vertreten, kämpft als Gewerkschaft gemeinsam für Tarifverträge. Politische Fragen, die darüber hinausgehen – Migration, Identität, die großen Kulturkämpfe – spielen im Betrieb meist keine große Rolle. (…) Fanny Staudinger vom gewerkschaftsnahen Verein zur Bewahrung der Demokratie sieht das ähnlich: „Noch können die Gewerkschaften davon profitieren, dass viele im Betrieb ihnen zutrauen, erfolgreich für konkrete, spürbare Verbesserungen kämpfen zu können.“ (…) Die Gleichung, die derzeit noch aufgeht – die IG Metall liefert konkrete Ergebnisse, also wählt man sie, egal was man sonst denkt – funktioniert nur so lange, wie die Gewerkschaft diese Erwartungen auch tatsächlich erfüllen kann. Verliert sie diese Fähigkeit, könnte sich das ändern, was bisher als selbstverständlich galt: dass im Betrieb rechte politische Einstellungen weniger zählen als die konkreten ökonomischen Interessen. Die Hegemonie der DGB-Gewerkschaften in den Betrieben steht noch. Aber sie steht auf einem Fundament, das bröckelt.“ Kommentar von Sebastian Friedrich und Nils Schniederjann vom 27. März 2026 bei Über Rechts
, siehe auch:
- Widersprüchlicher Alltagsverstand: Unter Gewerkschaftern schnitt die Rechte bei den Landtagswahlen überdurchschnittlich ab – bei den Betriebsratswahlen fiel sie durch
„… Die von der Forschungsgruppe Wahlen bereitgestellte Analyse zeigt, dass die Zustimmung von Gewerkschaftsmitgliedern zur AfD mit 22,8 Prozent in Rheinland-Pfalz und 23,9 Prozent in Baden-Württemberg höher ausfällt als im Landesschnitt. Dies liegt nicht zuletzt am Wahlverhalten der gewerkschaftlich organisierten Arbeiter*innen. Sie stimmten in Baden-Württemberg zu 36 Prozent und in Rheinland-Pfalz zu 32,9 Prozent für die AfD. Für eine Reihe von Kommentator*innen liegt daher die Schlussfolgerung nahe: Das männlich-dominierte Industrieproletariat wählt rechts. Schlimm, wenn es so einfach wäre. (…)
Auch die Industriegewerkschaft Bergbau Chemie Energie (IG BCE) zeigt sich zufrieden mit dem bisherigen Verlauf. In den meisten Betrieben sei es gelungen, die Wahlbeteiligung gegenüber der vorangegangenen Wahl 2022 zu steigern, und die DGB-Gewerkschaft errang an den großen Standorten Zustimmungswerte zwischen 65 und über 80 Prozent.
Zwei Arenen
Die Lage ist also weder eindeutig noch gibt es das eine gewerkschaftliche Milieu. Gleichzeitig lässt sich der offenbare Widerspruch immerhin deuten, indem zwei Arenen unterschieden werden: Bei der Landtagswahl entscheiden viele Beschäftigte aufgrund einer allgemeinen politischen Stimmungslage: Zukunftsangst, Entwertungserfahrungen, Misstrauen gegenüber Parteien, Migration als symbolisch aufgeladene und bis weit in die politische Mitte hinein instrumentalisierte Konfliktlinie. (…)
Bei den Betriebsratswahlen wiederum entscheiden dieselben oder ähnliche Beschäftigtengruppen deutlich stärker nach der Frage, wer im Betrieb konkret schützt, verhandelt, organisiert und Ergebnisse liefert. Deshalb stehen hohe AfD-Werte unter Gewerkschaftsmitgliedern und zugleich starke Ergebnisse von IG Metall oder IG BCE nebeneinander. Der Soziologe Klaus Dörre argumentiert seit Jahren, dass die Zustimmung zu autoritärem Populismus in der Arbeitswelt auf einem Dualismus von Abstiegsangst beziehungsweise tatsächlicher materieller Benachteiligung und Anerkennungsdefiziten beruht, die er als Wahrnehmung einer »Entehrung« beschreibt. Die autoritäre Rechte nutze diesen »Problemrohstoff«, um die soziale Frage nationalistisch umzudeuten.
Gewerkschaften verfügen dort, wo sie organisiert sind, über Organisations- und institutionelle Macht; Betriebsräte sind nicht bloß Symbolfiguren, sondern Teil einer realen Interessenvertretung. Das macht einen Unterschied. In Krisenzeiten der Auto-, Chemie- und Pharmaindustrie suchen Beschäftigte nicht nur eine politische Erzählung, sondern auch belastbare Schutzmechanismen. Wo Gewerkschaften diese sichtbar anbieten, bleiben sie für viele die glaubwürdigere Adresse. (…)
Für die gewerkschaftliche und betriebliche Praxis bestätigt der Befund zunächst die eigene Stärke – und legt zugleich ihre strategische Grenze offen. Gewerkschaften sind dort hegemonial, wo sie konkrete Erfahrungen organisieren: in Tarifkonflikten, bei Standortfragen, in der alltäglichen Interessenvertretung. Diese Verankerung bleibt stabil, selbst unter Bedingungen eines politischen Rechtsrucks. Zugleich endet betriebliche Solidarität zuweilen am Werkstor. Kollektive Handlungsfähigkeit übersetzt sich nicht automatisch in politische Orientierung. Wer im Betrieb stark ist, organisiert nicht automatisch außerbetriebliche politische Hegemonie. Ohne politische Deutung bleibt auch erfolgreiche Interessenvertretung gesellschaftlich begrenzt.
Aus gewerkschaftlicher Perspektive und für progressive Politik ergibt sich daraus die Herausforderung, dass nicht primär die »moralische« Abgrenzung nach rechts bedeutsam ist, sondern die politische Bearbeitung jener Erfahrungen, die Dörre beschreibt: materielle Unsicherheit, Kontrollverlust, wahrgenommene Missachtung. Diese Erfahrungen glaubwürdig aufzugreifen und in ein konsistentes politisches Projekt zu übersetzen, wäre die Aufgabe, um an den Alltagsverstand anzuschließen und die entstandene Lücke zwischen betrieblicher Erfahrung und politischer Repräsentation zu schließen. Progressive Politik muss die Erfahrungen der Arbeitswelt vertreten, deuten und organisieren – sonst wird dies von anderen übernommen.“ Artikel von Benjamin-Immanuel Hoff vom 08.04.2026 in ND online
- Betriebsratswahlen: Bislang 80 Prozent für die IG Metall
„Trotz schwieriger Zeiten: Bei den laufenden Betriebsratswahlen gingen bis zum 17. März rund 2300 von 2900 Mandaten an die IG Metall. Rechte Listen spielen keine Rolle. Die Wahlen laufen noch bis zum 30. Mai…“ Meldung der IG Metall vom 19. März 2026
- und unser Dossier: Warum wählen immer mehr ArbeiterInnen in Deutschland die AfD?
- Widersprüchlicher Alltagsverstand: Unter Gewerkschaftern schnitt die Rechte bei den Landtagswahlen überdurchschnittlich ab – bei den Betriebsratswahlen fiel sie durch
- Die Betriebsratswahlen 2026 sind in der Automobilindustrie weitgehend abgeschlossen: Ist der „große Rechtsruck“ wirklich ausgeblieben? Ein Überblick
- Betriebsräte: Kein Rechtsruck in sächsischen Autowerken
„Betriebsräte bei Volkswagen, Porsche und BMW im Freistaat werden weiter von der IG Metall dominiert. Rechte Liste in Zwickau verfehlt Wahlziel
Bei den Wahlen der Betriebsräte in den sächsischen Automobilwerken ist ein befürchteter Rechtsruck ausgeblieben. Sowohl im VW-Werk in Zwickau als auch bei Porsche und BMW in Leipzig bleiben Listen der IG Metall die dominierende Kraft in den Belegschaftsvertretungen. Ehrgeizige Ziele einer von der rechtsextremen Gruppierung »Zentrum Automobil« (ZA) mitgetragenen Initiative, die in Zwickau die Mehrheit im Betriebsrat angestrebt hatte, scheiterten deutlich. (…) Die rechte Gewerkschaft ist seit Längerem in dem Gremium bei VW Zwickau vertreten. Bei der jetzigen Wahl, zu der man unter dem Dach des »Bündnisses freier Betriebsräte« (BfB) antrat, wollte man »die Mehrheit holen«. Die Devise hatte vorab Spitzenkandidat Lars Bochmann ausgegeben, der nicht nur bei VW arbeitet, sondern auch für die AfD im Stadtrat von Aue-Bad Schema sitzt und in der Stadt als Oberbürgermeister kandidiert. Die hochfliegenden Ambitionen scheiterten aber deutlich. Das BfB kam wie bei der Wahl im vergangenen Jahr nur auf gut elf Prozent, was für vier Sitze reichte. Weitere zwei Mandate gingen an »Die andere Liste«, die auf gut sieben Prozent der Stimmen kam…“ Artikel von Hendrik Lasch vom 16.03.2026 in ND online
, siehe auch:
- Faschistische Mehrheitsübernahme ins Wasser gefallen: Die Betriebsratswahlen in der sächsischen Automobilindustrie sind weitgehend abgeschlossen
„Die Ergebnisse sind anders als man sich das bei der faschistischen AfD und ihren betrieblichen Ablegern wie Zentrum, Bündnis freier Betriebsräte (BfB) oder Interessengemeinschaft Beruf und Familie (IBF) erhofft hatte. (…) Bei VW Zwickau kam das BfB gerade einmal auf 11,5% der Stimmen (deutlich unter den Wahlergebnissen der AfD) und muss sich mit vier von 35 Sitzen begnügen. Die IG Metall, die man vom Thron stoßen wollte, erreichte 29 Plätze. „Ein großer Erfolg“, so eine IG-Metallerin aus Zwickau. In Zwickau fand vor zwei Wochen auch der Politische Aschermittwoch der MLPD statt. Ein Schwerpunkt in der gepfefferten Aschermittwochsrede war die Auseinandersetzung mit dem faschistischen Zentrum.
Bei BMW in Leipzig erhielt die IBF (mit dem Faschisten Frank Neufert an der Spitze) nur zwei von 35 Sitzen. „Bei Porsche in Leipzig flog das IBF offenbar komplett aus dem Betriebsrat“, freut sich Jörg Weidemann.
Lediglich im Chemnitzer VW-Werk errangen die Faschisten vier von 17 Plätzen. „Das Werk ist ein reines Motorenwerk und hier konnte die Propaganda von AfD und Co zum Thema Verbrenner offenbar einige beeinflussen…“ Korrespondenz aus Sachsen vom 14.03.2026 auf rf-news.de
- Faschistische Mehrheitsübernahme ins Wasser gefallen: Die Betriebsratswahlen in der sächsischen Automobilindustrie sind weitgehend abgeschlossen
- IG Metall gewinnt Betriebsratswahlen bei Porsche und BMW in Leipzig: Rund 13.000 Beschäftigte haben ihren Betriebsrat gewählt
„Bei den Betriebsratswahlen in den Werken von Porsche und BMW in Leipzig sind die IG Metall-Listen mit großer Mehrheit gewählt worden. Rund 13.000 wahlberechtige Beschäftigte haben dort in dieser Woche ihre Betriebsratsgremien für die kommenden vier Jahre gewählt.
Bei Porsche erzielte die Liste „Gemeinsam erfolgreich – Team IG Metall“ am 11. März 66,3 Prozent der gültigen Stimmen und erreichte 21 von 31 Betriebsratsmandaten. Die Wahlbeteiligung konnte gegenüber der Wahl 2022 um 21,6 Prozent auf 64 Prozent gesteigert werden. (…)
Bei BMW wurde vom 9. bis 13. März gewählt. Die Liste „Team IG Metall BMW Leipzig“ erreichte auch dort die Mehrheit. 19 von 35 Mandaten gingen an die offizielle Gewerkschaftsliste. Die Wahlbeteiligung lag bei 69 Prozent und damit 7,3 Prozentpunkte über dem Ergebnis von 2022…“ Pressemitteilung vom 13.03.2026 der IG Metall Leipzig
- Siehe auch das Dossier zu den Betriebsratswahlen
der IG Metall Bezirk Berlin-Brandenburg-Sachsen - Mercedes
- Wahlen bei Mercedes im Südwesten
„Stuttgart-Untertürkheim: Die IG Metall gab am Dienstag das vorläufige Ergebnis der Betriebsratswahl im Mercedes-Werk in Untertürkheim bekannt. Mit 31 von 43 Mandaten erhielt die Liste der IG Metall 72 Prozent der Sitze im Betriebsrat. Die Liste Zentrum erhält neun Mandate, die Liste UAG ’78/Die Unabhängigen zwei Mandate und die CGM – Christliche Gewerkschaft Metall ein Mandat. Die Wahlbeteiligung von 68 Prozent nannte die IG Metall in ihrer Pressemitteilung einen Rekord und ein starkes Signal der Belegschaft für die Arbeit des Betriebsrats und der IG Metall am Standort. Die rechte Liste Zentrum hat seit der letzten Wahl 2022 zwei Mandate hinzugewonnen. Zentrum, das sich selbst »alternative Gewerkschaft« nennt und 2009 als »Zentrum Automobil« begann, hat seine Wurzeln im Mercedes-Werk Untertürkheim.
Im Sindelfinger Mercedes-Werk haben sich 61,4 Prozent von 35.460 wahlberechtigten Beschäftigten an der diesjährigen Betriebsratswahl beteiligt. Die Liste der IG Metall hat mit 80,39 Prozent der Stimmen 48 der 57 Mandate erhalten. Zentrum erhält nach dem vorläufigen Endergebnis 6,1 Prozent und damit drei Sitze im Betriebsrat…“ Meldung in der jungen Welt vom 12.03.2026
- Mercedes Stuttgart-Untertürkheim Betriebsratswahl: 31 Mandate für IG Metall, 9 für „Zentrum“
„Das Ergebnis der Betriebsratswahlen im Mercedes-Benz Stammwerk Stuttgart-Untertürkheim, die vom 5. – 9. März stattfanden, sorgt nicht nur im Betrieb für große Aufmerksamkeit und Diskussionen.
Der Rekord bei der Wahlbeteiligung mit 68 Prozent zeigt die Politisierung und Polarisierung unter den Arbeitern und Angestellten. Das Wichtigste war: Die IG Metall-Liste konnte ihre führende Rolle mit rund 70 Prozent der Stimmen und damit 31 von insgesamt 43 Mandaten verteidigen. Sie verlor aber gegenüber der letzten Wahl 2022, wo sie noch 75,4 Prozent und 36 von 45 Mandate erhalten hatte. Die meisten Metallerinnen und Metaller, sowie antifaschistisch eingestellten Menschen beunruhigt oder entsetzt, dass zugleich die Liste „Zentrum“, die der Faschist Björn Höcke als „Vorfeld der AfD“ in den Betrieben bezeichnet, 2304 Stimmen erhielt. Das sind rund 20 Prozent der Wähler. So konnte „Zentrum“ seine Mandate von sieben auf neun erhöhen.
Dabei muss man aber wissen, dass diese faschistische Betriebsorganisation seit 2009 im Werk existiert und sich mit Duldung von Daimler/Mercedes ausbreiten konnte. Eine Rolle spielt auch, dass das (Verbrenner-)Motorenwerk mitten im Strudel der Strukturkrise der E-Mobilität steht. (…)
Neonazi Oliver Hilburger, Kopf von „Zentrum“, scheiterte aber mit seinem großkotzigen Anspruch, dass das „Zentrum“ zum „Game Changer“ wird; also die Mehrheitsverhältnisse im Betriebsrat und Belegschaft umdrehen könnte. Er hatte geglaubt, dass das Wahlergebnis von 38 Prozent unter den Industriearbeitern, die nach Infratest die AfD gewählt haben, auch bei der Wahl von „Zentrum“ durchschlagen. Damit unterschätzte er aber das gewerkschaftliche Bewusstsein und die Organisiertheit der Arbeiter in der IG Metall – auch von AfD-Wählern. Hilburger verkannte auch den Aufschwung der antifaschistischen Arbeit der Metaller. Dafür hatten Bildungsmaßnahmen, sowie Diskussionen in den gewerkschaftlichen Versammlungen gesorgt. Das hat im Vertrauenskörper dazu geführt, dass mehr Kolleginnen und Kollegen verstehen, dass die Haltung „keine schlafende Hunde zu wecken“ gescheitert ist, wie die Ausbreitung des Einflusses von „Zentrum“ zeigt. Eine Konsequenz war, dass auf der Betriebsversammlung am 2. März über 20 Redner der IG Metall die Politik von „Zentrum“ angegriffen und sich mit deren arbeiterfeindlichen und menschenverachtenden Politik und Weltanschauung auseinandergesetzt haben…“ Meldung vom 13.03.2026 auf rf-news.de
- Mercedes-Benz in Sindelfingen: So lief die Betriebsratswahl – ein Betriebsrat sitzt jetzt für die AfD im Landtag
„Die Ergebnisse der Betriebsratswahlen, die letzte Woche bei Mercedes in Sindelfingen stattgefunden haben, stehen fest: Die IG Metall liegt vorn, dahinter das AfD-nahe Zentrum…“ Artikel von Martin Dudenhöffer vom 08.03.2026 in stuttgarter-zeitung.de
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- Wahlen bei Mercedes im Südwesten
- Volkswagen
- Betriebsratswahl bei Volkswagen: IG Metall mit Verlusten
„Der Betriebsrat beim Volkswagen-Konzern gilt als einer der mächtigsten der Welt. Im Stammwerk in Wolfsburg und allen anderen Standorten hat die klar favorisierte IG Metall teils deutlich an Zustimmung verloren, liegt aber jeweils vorne.
In Wolfsburg bekam die IG Metall 74,8 Prozent der abgegebenen Stimmen. Dahinter lag die „Die Andere Liste“ mit 14,1 Prozent. Die Christliche Gewerkschaft Metall (CGM) kam auf 5,3 Prozent. Bei der vergangenen Wahl hatte IG Metall mit Spitzenkandidatin Daniela Cavallo, die seit 2021 Vorsitzende des Gesamtbetriebsrats der Volkswagen AG ist, in Wolfsburg rund 85 Prozent der Stimmen geholt. Die IG Metall kommt im neu gewählten Betriebsrat auf 52 Sitze, bisher waren es 66. Allerdings ist das Gremium auch um fünf Sitze kleiner als zuletzt. „Die Andere Liste“ konnte ihre Mandate von vier auf zehn mehr als verdoppelt. Allein am Stammsitz in Wolfsburg waren rund 61.000 Beschäftigte zur Betriebsratswahl aufgerufen. Die Wahlbeteiligung lag bei 59,1 Prozent.
Verein „Zentrum“ erstmals in einem VW-Betriebsrat
In Braunschweig ziehen erstmals zwei Kandidaten des AfD-nahen Vereins „Zentrum“ in den Betriebsrat ein. Sie errangen 6,5 Prozent der angegebenen Stimmen. Die Liste der IG Metall blieb mit 78,5 Prozent stärkste Kraft am Standort, verlor gegenüber der letzten Wahl aber deutlich an Zustimmung. Vor vier Jahren kam die IG Metall auf über 93 Prozent. Sie verliert damit fünf Sitze und kommt jetzt auf 28 der insgesamt 35 Betriebsratsmandate. Die Wahlbeteiligung lag bei 63 Prozent.
Verluste für die IG Metall auch in Emden, Hannover und Salzgitter
In Hannover holte die IG-Metall-Liste nach Angaben des Gesamtbetriebsrats 82 Prozent von 7.820 abgegebenen Stimmen und 33 Sitze, drei weniger als 2022. In Osnabrück erhielt die IG Metall mehr als 92 Prozent (1.527 abgegebene Stimmen). Auch in Emden lag die IG Metall mit 85,1 Prozent vorne und errang damit 31 Sitze. Auf jeweils zwei Sitze kamen die Gemeinschaft Ehrlicher Metaller (GEM) und die CGM. Die Wahlbeteiligung lag bei 67,9 Prozent. In Salzgitter bekam die IG Metall mit 83,6 Prozent, rund sechs Prozent weniger als vor vier Jahren. Für die CGM stimmten 16,4 Prozent. Die Wahlbeteiligung lag hier bei 55,4 Prozent…“ Meldung vom 13.03.2026 in NDR
- Betriebsratswahl Volkswagen Sachsen Zwickau: Über 80 Prozent der Stimmen für Team IG Metall
„Ein starkes Signal in herausfordernden Zeiten: Bei der Betriebsratswahl im Volkswagen Werk Zwickau, bei der erstmals drei Listen antraten, entfielen 81,15 Prozent der abgegebenen Stimmen auf die Liste der IG Metall. Damit stellt die IG Metall künftig 29 der 35 Mandate. Die Gesamtzahl der Mandate war aufgrund gesunkener Beschäftigtenzahlen von 37 auf 35 reduziert worden. Die Wahlbeteiligung lag mit 73% Prozent über dem Niveau der Betriebsratswahl 2025…“ Pressemitteilung vom 13.03.2026 der IG Metall Zwickau
- Siehe zu Hintergründen das Dossier: Die rechte Betriebsrats-Kampagne am Beispiel VW in Zwickau
- Untertürkheim warnt: Rechter Einfluss in Betriebsräten nimmt zu
„Noch ist es zu früh, ein endgültiges Fazit zu ziehen. Die bundesweit alle vier Jahre stattfindenden Betriebsratswahlen laufen noch bis Ende Mai. Die bisher feststehenden Ergebnisse müssen aus antifaschistischer Perspektive jedoch beunruhigen. Demnach verlieren die Gewerkschaften weiter in einigen Mitbestimmungsgremien weiter an Einfluss, vor allem in der Automobilindustrie. Zugewinne verzeichnen rechte Gruppierungen wie etwa Zentrum (ehemals Zentrum Automobil) (…) Mit Spannung wird das Ergebnis im VW-Werk in Zwickau erwartet. Dort tritt das Bündnis freie Betriebsräte (BfB) mit 24 Kandidat*innen an. Im VW-Motorenwerk in Chemnitz gewann BfB 4 von 17 Mandaten – 24 Prozent.
Natürlich muss man die endgültigen Ergebnisse abwarten und deren Ursachen in Ruhe analysieren. Gewerkschaften, die vor der Wahl beschwichtigten, müssen spätestens jetzt aber erkennen, dass sie einen Kampf an drei Fronten führen: gegen das Kapital, gegen dessen Handlanger in der Politik und gegen faschistische Bestrebungen in den Betrieben. Der Weckruf der jüngsten Wahlergebnisse geht aber an alle, es wäre ein Fehler, die Gewerkschaften mit den Entwicklungen alleine zu lassen. Mit sinkenden Mitgliederzahlen lässt sich der betriebliche Kampf gegen rechts kaum gewinnen.“ Kommentar von Christian Lelek vom 12.03.2026 in ND online
- Betriebsratswahl bei Volkswagen: IG Metall mit Verlusten
- Was AfD-nahe Betriebsräte in deutschen Firmen vorhaben
„Der große Rechtsruck bei den Betriebsratswahlen bei VW ist ausgeblieben. Dennoch stellten sich an fast allen VW-Standorten AfD-nahe Gruppierungen zur Wahl. Bekommt die IG Metall Konkurrenz von rechts? (…) Auch an anderen Standorten wie dem Audi-Werk in Ingolstadt oder dem Mercedes-Werk in Stuttgart-Untertürkheim sind AfD-nahe Organisationen wie eben das „Bündnis freie Betriebsräte“ (BfB) oder „Zentrum“ aktiv. „Zentrum“ schaffte es beispielsweise bei der VW-Betriebsratswahl in Braunschweig ihre beiden Kandidaten ins Gremium zu bekommen. (…)
Soziologe Klaus Dörre ist sich sicher: „Die AfD verfolgt eine Doppelstrategie, um in Deutschland mehrheitsfähig zu werden und zu regieren. Dazu muss sie eine Brandmauer kippen, die in den Betrieben existiert.“ Bisher hätte sich der hohe Anteil an Arbeiterstimmen, die die AfD bekommt, nicht in den Betrieben niedergeschlagen. Zur Erinnerung: Bei den letzten Bundestagswahlen haben 38 Prozent der Arbeiter die AfD gewählt. „Bei den Betriebsratswahlen hat das aber zunächst keine große Rolle gespielt“, sagt Dörre. Nun nutze die AfD Vereine wie das „Zentrum“, das sich selbst Gewerkschaft nenne, aber weder Koalitionsrecht hat noch tariffähig sei, „um demokratische Gewerkschaften von außen zu delegitimieren“, so der Experte. Dazu zähle etwa die Behauptung, dass die Klimaplanwirtschaft zur wirtschaftlichen Misere in Deutschland entscheidend beigetragen habe. „Auf der anderen Seite gehört zur Doppelstrategie, diejenigen zu mobilisieren, die in den Belegschaften und teilweise auch in den Betriebsräten heimlich ihr Kreuz bei der AfD machen“, sagt Dörre. Man wolle aus dem Betrieb heraus die demokratischen Gewerkschaften diskreditieren als politische Tendenzvereine, die den Anspruch, alle Arbeitenden zu vertreten, nicht erheben dürften. (…) „Wenn die AfD in einem Betriebsrat die Mehrheit der Sitze erringt, wäre das außerordentlich gefährlich, weil es dazu führen kann, dass diese Rechtsradikalen einen Auftrieb bekommen“, sagt er. Das „Zentrum“ etwa hat Wurzeln in der militanten, neofaschistischen Szene. Ihr Sprecher bezeichnet das zwar als „Jugendsünde“, aber im Mercedes-Werk in Rastatt gab es auch einen offen bekennenden Neonazi als Listenführer. (…)
Das könne auch auf Umwegen passieren. „Oft treten die Vereinsmitglieder etwa vom Zentrum oder, wie in Zwickau und Chemnitz, vom Bündnis freier Betriebsräte gar nicht sehr lautstark im Betrieb auf, aber sie nutzen permanent Rechtsmittel, um Sand ins Getriebe zu streuen und fechten etwa Betriebsratswahlen an“, beobachtet der Experte. (…) „Sie möchte das Prinzip der Einheitsgewerkschaft infrage stellen und die DGB-Gewerkschaften zu politischen Tendenzbetrieben erklären.“ Im Thüringer Landtag lade die AfD zu einer aktuellen Stunde zur Auto- und Zulieferindustrie beispielsweise bereits das „Zentrum“ ein, die dann den DGB-Experten gleichgestellt seien. „Damit will sie dafür sorgen, dass eines Tages das Zentrum oder entsprechende Vereine tariffähig werden“, erklärt Dörre. Dabei würden diese Vereine in der Regel eine sehr management- und unternehmensfreundliche Politik machen. „Da wird es sehr schwierig, eine Interessenvertretung für die Beschäftigten im Konflikt gegebenenfalls auch mit den Unternehmen durchzusetzen.“
Noch stehen die Ergebnisse aller Betriebsratswahlen nicht fest. Schon jetzt ist für Dörre aber klar: „Nach den Betriebsratswahlen muss eine offene Gesamtbilanz gezogen werden. Dann braucht es eine neue Strategiedebatte in den demokratischen Gewerkschaften. Daran müssen sich auch die demokratischen Parteien beteiligen.“ Zumindest bei VW blieb der Rechtsruck erst einmal aus. Dennoch zogen einige Vertreter von „Zentrum“ und „Bündnis Freier Betriebsräte“ in die Gremien ein. (…)
„Gewerkschaften, die ohnmächtig gemacht werden und Kompromisse akzeptieren müssen, die von Teilen der Belegschaften als Niederlage empfunden werden, schaffen das Terrain, wo die radikale Rechte reinstoßen kann.“ Zudem sei es wichtig, mehr über die 62 Prozent der Arbeiter zu reden, die bei der letzten Bundestagswahl eben nicht die AfD gewählt haben.“ Eine Analyse von Marie Illner vom 16.03.2026 auf web.de
- Sorge bei Betriebsratswahlen: Wie stark werden die Rechten?
„… Das Zentrum selbst nennt keine Mitgliederzahlen und «mit Stolz» fünf Betriebe, in denen Listen offen unter ihrem Namen antreten: Drei Mercedes-Werke in Rastatt, Untertürkheim und Sindelfingen sowie erstmals bei Audi in Ingolstadt und VW in Braunschweig. Darüber hinaus werde man aber «deutschlandweit und in allen Branchen» Kandidaten haben, kündigt der Verein an.
Vor allem im Gesundheitsbereich gelten Zentrums-Positionen als anschlussfähig, weswegen die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi durchaus alarmiert ist. Mit Selbstauskunftserklärungen will sie verhindern, dass auf ihren Listen AfD-Funktionäre und Menschen mit rechtsextremen Positionen als «U-Boote» in die Betriebsräte gewählt werden…“ dpa-Meldung vom 2. März 2026 in der Zeit online
- Betriebsratswahlen in der Metallindustrie – ausländische Kollegen wählt nicht Eure Schlächter!
„Rechte Listen und „gelbe“ managementfreundliche Wahllisten versuchen bei den diesjährigen Betriebsratswahlen nicht zuletzt unter ausländischen Kolleg:innen zu punkten. Dabei setzen sie auch geschickt an Unmut bei den Kolleg:innen an, wenn Betriebsräte der IG METALL zu sehr auf Zusammenarbeit mit den Kapitalvertretern gesetzt haben und sich für faule Kompromisse über den Tisch ziehen lassen…“ Beitrag von Peter Vlatten vom 2. März 2026 bei gewerkschaftliche-linke-berlin.de
- Betriebsräte: Kein Rechtsruck in sächsischen Autowerken
- Mitbestimmung wobei? Einbindung in die Unternehmensinteressen statt Arbeitskampf. Eine Kritik an der Institution Betriebsrat anlässlich der Betriebsratswahlen 2026
„Von März bis Mai finden wieder Betriebsratswahlen statt und die IG-Metall-Spitze hat mit ihrer Jahrespressekonferenz bereits ein Stück weit den Wahlkampf eröffnet: Kampf für »Arbeit und Aufschwung«. Anders ausgedrückt: ein Kampf für den Standort Deutschland. Währenddessen tritt der Verdi-Vorsitzende Frank Werneke auf seiner Jahrespressekonferenz »für Stabilität und Zuversicht« ein. So zeigen sich die führenden Gewerkschaftsvertreter als echte Arbeiterpolitiker, die von ihren Kollegen aus der Politik schon bei den Parolen kaum zu unterscheiden sind!.
Betriebsratsarbeit ist neben Tarifverhandlungen ein Schwerpunkt der Gewerkschaften und erfordert von diesen einigen Aufwand, denn für die meisten Beschäftigten sind solche Wahlen nicht das brennendste Problem. Also muss dafür heftig geworben werden, wobei diesmal die Verdi-Tarifrunde mit der Vorbereitung auf die Betriebsratswahl zusammenfällt. Bei der IG Metall gibt’s einen Videowahlaufruf mit Parolen wie »Für Demokratie und Mitbestimmung«. Was das den Kollegen bringen soll, ist erst gar nicht Thema. In den Augen der Interessenvertreter sind das einfach Werte, für die jeder zu sein hat. Genauso bleibt es im Dunkeln, warum man das »Team IG Metall« starkmachen soll, das für die »Arbeit der Zukunft« eintritt. Von der weiß doch eigentlich jeder, dass es da viele Arbeiten gar nicht mehr geben wird.
Das alles kann eine DGB-Führung nicht erschüttern. Ihr Ausgangspunkt ist die Abhängigkeit ihrer Mitglieder vom Erfolg der Unternehmen. Nur wenn diese sich von der Beschäftigung von Dienstkräften einen Zuwachs ihres Vermögens versprechen, findet bezahlte Arbeit statt. Die Abhängigkeit von den Kalkulationen des Kapitals, ein Ausgeliefertsein, stellt für DGB-Gewerkschaften keinen Mangel dar, darin sehen sie vielmehr ihren Auftrag, sich um den Erfolg der deutschen Wirtschaft zu sorgen. Dass dies regelmäßig Opfer bei ihren Mitgliedern erfordert, bringt die Gewerkschaftsspitze nicht von ihrem Anliegen ab.
Betriebsräte sind dafür der passende Ort. Im IG-Metall-Video bleibt daher auch kein Problem unangesprochen, das die Lohnarbeit den Menschen bereitet: ob es der Lohn ist, der kaum bis zum Monatsende reicht und den Urlaub fraglich werden lässt, die Vereinbarkeit von Arbeit und Familie oder die Hetze durch die langen Arbeits- und Wegezeiten usw. Das alles sind für DGBler keine Gründe gegen abhängige Beschäftigung, sondern eine einzige Herausforderung, diese Probleme gemeinsam anzugehen…“ Artikel von Suitbert Cechura in der jungen Welt vom 26.02.2026
- Die AfD gibt sich arbeiternah, aber gewerkschaftsfeindlich
„Anfang März beginnen bundesweit die Betriebsratswahlen. Fast 40 Prozent aller Beschäftigten in Deutschland werden in den kommenden Wochen ihre Vertretung im Betrieb wählen. Für die AfD ist das interessant: Betriebsräte bilden einen direkten Draht zu Arbeiterinnen und Arbeitern. Um an sie heranzukommen, arbeitet die Partei inzwischen offen mit der rechten Pseudogewerkschaft Zentrum zusammen. Vor wenigen Jahren galten die wegen Verbindungen ins Neonazi-Milieu selbst der AfD noch als zu radikal. Das hat sich geändert: Heute stehen Alice Weidel und Markus Frohnmaier gern mit Zentrum-Funktionären dem Werkstor von Mercedes-Benz und geben sich arbeiternah. Die Inszenierung verdeckt einen Befund, den Michael Barthel in einer Studie für das Hugo Sinzheimer Institut für Arbeits- und Sozialrecht dokumentiert hat. Der Sozialwissenschaftler hat programmatische Texte, Bundestagsreden, Pressemitteilungen und Anträge der AfD systematisch ausgewertet. Sein Ergebnis: Die Partei bekennt sich zwar formal zur Tarifautonomie und zur Mitbestimmung, handelt aber konkret gegen beides. Im Bundestag nutzte die AfD ihr Bekenntnis zur Tarifautonomie vor allem, um gegen Mindestlohnerhöhungen und die Allgemeinverbindlichkeit von Tarifverträgen zu argumentieren: Beides verstoße gegen die Tarifautonomie, die man den Tarifpartnern allein überlassen müsse. Das Tariftreuegesetz der Bundesregierung, das öffentliche Aufträge an tarifgebundene Unternehmen koppeln soll, lehnte die Fraktion als einzige im Bundestag grundsätzlich ab. Bei der Anhörung im Ausschuss lud sie ausgerechnet Zentrum als Sachverständigen ein. (…)
Der eher neoliberale Flügel der Partei betrachtet Gewerkschaften als Marktverzerrung, als bürokratisches Hindernis im internationalen Wettbewerb. Jede Stärkung der Tarifbindung ist aus dieser Perspektive eine Einschränkung unternehmerischer Freiheit – und ein Nachteil auf den Weltmärkten. Die eher völkisch geprägten Vertreter kommen über einen anderen Weg zum selben Ergebnis. Gewerkschaften, die für Partikularinteressen streiken, stehen aus seiner Sicht dem nationalen Zusammenhalt im Weg. In diesem Weltbild sollen Arbeiter nicht gegen Unternehmer kämpfen, sondern gemeinsam mit ihnen die Wettbewerbsfähigkeit der Nation sichern. Man kann das eine nationalistisch verstandene Sozialpartnerschaft nennen: Klassenkampf von oben unter der Flagge des Gemeinwohls. Diese Konvergenz aus neoliberaler Deregulierung und völkischem Korporatismus macht die AfD-Position so gefährlich, weil sie aus zwei ideologischen Richtungen gleichzeitig auf denselben Punkt zielt. Dass Beatrix von Storch ver.di einmal als „offizielle Verbrecherorganisation” bezeichnete, passt dazu: Es ist die rhetorische Spitze einer systematischen Feindschaft. Auch wenn sich Alice Weidel also im Wahlkampf vor das Werkstor stellt, um Arbeiterinnen und Arbeiter von ihrem rechten Projekt zu überzeugen, sollte sich davon niemand einlullen lassen. Die AfD will nicht nur, dass die Beschäftigten am Ende des Monats weniger in der Tasche haben. Sie bekämpft mit den Gewerkschaften auch den wichtigsten Hebel, den sie haben, um daran etwas zu ändern.“ Artikel von Maurice Höfgen, Nils Schniederjann, und Sebastian Friedrich vom 18. Februar 2026 bei Geld für die Welt
- Siehe zum Thema auch das Dossier: Warum wählen immer mehr ArbeiterInnen in Deutschland die AfD? und insbesondere das Dossier: „Zentrum Automobil e.V.“ – eine neofaschistische Betriebsgruppe (nicht nur) bei Daimler (nicht nur in Stuttgart) – darin aktuell: Wenn AfD-Chefin Alice Weidel und die rechte Pseudogewerkschaft Zentrum bei Mercedes in Untertürkheim Flugblätter verteilen
- Kampagne: Stellung beziehen bei den Betriebsratswahlen zu Rassismus, Sexismus, Diskriminierung und Union Busting
Kampagne „Demokratie stärken – Zukunft gestalten – Zusammenhalt fördern“ zu Betriebsrats- & Personalratswahlen 2026 von DenkKlima e.V.
mit Videoclips
zu Rassismus, Sexismus, Diskriminierung und Union Busting und weiterem Material.
Der Verein Denkklima e.V. setzt sich u.a. für demokratische und antirassistische Prozesse direkt am Arbeitsplatz ein. Ziel ist es, gewerkschaftlich aktive Beschäftigte sowie Betriebs- und Personalräte in ihrer Arbeit zu unterstützen und zu stärken. Ein aktueller Schwerpunkt liegt auf den Betriebsrats- und Personalratswahlen. Vor dem Hintergrund eines zunehmenden Auftretens rechter Akteure in Betrieben und Belegschaften versteht Denkklima diese Wahlen als wichtigen Moment, um demokratische, solidarische und antirassistische Positionen sichtbar zu machen. Nach den Wahlen begleitet Denkklima neu gewählte Betriebs- und Personalräte dabei, ihre Arbeit aufzunehmen und demokratisch orientierte, gewerkschaftliche Strukturen im Betrieb zu stabilisieren. Unterstützt werden dabei ausdrücklich auch kritische gewerkschaftliche Initiativen. Die Kampagne wird unterstützt von Stiftung Menschwürde und Arbeitswelt - Das gewerkschaftliche Selbstverständnis stärken. Stefan Dietl über die faschistische Offensive in den Betrieben
„… Nicht zuletzt die Wahlerfolge der AfD unter Lohnabhängigen – gerade unter Gewerkschafter:innen – zeigen, wie groß das Potenzial für nationalistische und rassistische Propaganda in den Betrieben ist, das bisher von Zentrum und Co. noch nicht abgerufen werden konnte.
Rechtes Denken in den eigenen Reihen
In der gewerkschaftlichen Debatte um die Bedrohung, die von rechten Listen und dem Aufbau faschistischer betrieblicher Strukturen ausgeht, findet oftmals nur wenig Beachtung, dass die tatsächliche Gefahr nicht von außen über die Gewerkschaften hereinbricht. Die meisten Betriebs- und Personalräte mit Sympathien für die AfD oder gar einem AfD-Parteibuch werden auch bei den anstehenden Wahlen nicht über rechte Listen gewählt werden, sondern kandidieren auf den Listen der DGB-Gewerkschaften. (…) es ist für jeden klar erkennbar, dass der von AfD, Zentrum und Co. propagierte völkische Nationalismus unserem gewerkschaftlichen Organisationsprinzip diametral entgegensteht. Die Vorstellung einer eingebildeten, ethnisch begründeten Volksgemeinschaft und die Ausgrenzung aufgrund von Herkunft oder Hautfarbe sind mit der Idee der gemeinsamen gewerkschaftlichen Organisierung aller Lohnabhängigen unvereinbar...“ Artikel von Stefan Dietl
in express – Zeitung für sozialistische Betriebs- und Gewerkschaftsarbeit 01/2026 - Rechte Gewerkschaften: »Der Hauptfeind ist die IG Metall«. Neue Studie untersucht extrem rechte Betriebsarbeit am Beispiel der »alternativen Gewerkschaft« Zentrum
„… Bezüglich der Ausrichtung des rechten Vereins kommt Weber im Gespräch mit dem »nd« zu einer eindeutigen Feststellung: »Zentrum hat keine adäquaten Antworten auf komplexe Fragen der Transformation.« Der Klimawandel und die daraus notwendigen Folgen für die Automobilindustrie würden vom Zentrum geleugnet, so Weber. Dafür haben die Rechten eine einfache Erklärung, wer Schuld an Fehlentwicklungen sei. »Der Hauptfeind in der Kommunikation von Zentrum ist die IG Metall. Nicht die Unternehmensführung oder im Widerspruch zwischen Interessen des Kapitals und Interessen der Lohnabhängigen entstehende Konfliktlinien werden thematisiert«, erklärt Weber. Die verfeindete Gewerkschaft werde »praktisch für alles verantwortlich gemacht: für Stellenabbau, Verlagerungen ins Ausland, quasi alles, was passiert, wird mit dieser Schablone erklärt.«. Zentrum hält der IG Metall im Grunde vor, ebenfalls die Ziele der Arbeitgeber zu verfolgen: Was den Unternehmensführungen die Globalisierung ist, sei der Gewerkschaft der Internationalismus. Wegen dieser vermeintlichen ideologischen Überschneidung seien beide Seiten für die Verlagerung von Arbeitsplätzen ins Ausland. »Die IG Metall wird als abgehoben dargestellt. Eine Behauptung etwa ist, dass die IG Metall in Besprechungszimmern sitze, während Zentrum bei den Kollegen am Band sei«, erläutert die Wissenschaftlerin und verweist gleichzeitig darauf, dass Zentrum zwar Nähe inszenieren könne, aber keine großen betrieblichen Erfolge reklamieren kann. Die IG Metall hingegen konnte kürzlich einen zusätzlichen freien Tag für ihre bei Mercedes beschäftigten Mitglieder erstreiten.
Für die Studie hat Daphne Weber etwa 20 Kampagnenvideos, zehn Betriebs- und Kampagnenzeitungen, fünf Flugblätter und Rundmails, 70 Telegram-Posts, 100 Instagram-Posts, 40 Tiktok-Videos und 14 Pressemitteilungen von Zentrum ausgewertet. »Interessant ist die Bildsprache: In Videos kombiniert Zentrum Symbole der IG Metall mit Symbolen anderer Bewegungen, die für eine offene Gesellschaft stehen, etwa Regenbogenfahnen.«
Im Vergleich zwischen den Kampagnen zu den Betriebsratswahlen 2018 und 2022 beobachtet Weber Unterschiede: »2018 konnte man die extrem rechten Bezüge sehr klar erkennen, das Layout erinnerte an die Identitären, es gab Texte zum Beispiel von Björn Höcke und eine antisemitische Elitenkritik. 2022 hat man ein neutraleres Layout gewählt und versucht, neue Zielgruppen zu erschließen.« Aktuell scheint sich das wieder geändert zu haben. Zu den Betriebsratswahlen 2026 finden sich bisher nur wenige Inhalte auf den Kanälen von Zentrum. Auf Youtube findet sich als aktuellster Inhalt ein Gespräch mit dem baden-württembergischen AfD-Bundestagsabgeordneten Hans-Jürgen Goßner. Zur letzten Mitgliederversammlung verweist Zentrum auf einen Bericht des »Compact«-Magazins. Die extrem rechten Bezüge werden von Zentrum also nicht verschleiert…“ Artikel von Sebastian Weiermann vom 14.01.2026 in ND online
über:
- Gewerkschaftliche Kampagnen von rechts
„Narrative, Netzwerke und Kommunikation von Zentrum (Automobil) im Kontext der Betriebsratswahlen 2018 und 2022. Mit einer Einschätzung der AfD-Bundestagswahlkampagne 2024/2025
Die „alternative Gewerkschaft“ Zentrum ist ein auf Betriebe ausgerichtetes Projekt mit Verbindungen zur extremen Rechten, insbesondere zur AfD und rechtsextremen Netzwerken. Es richtet sich gezielt gegen die DGB-Gewerkschaften. Im Kern der Kommunikation steht die strategische Inszenierung von Nähe zu Arbeiter:innen in Opposition zur IG Metall, während strukturelle Fragen und Transformationsdynamik des Automobilsektors ignoriert werden. Der Blick auf die Kampagnenstrategien zeigt die gezielte Medien- und Öffentlichkeitsarbeit, die strategisch auf emotionale Ansprache, Wiederholung und schleichende Normalisierung rechtsextremen Gedankenguts im Betrieb setzt. Die Studie analysiert die Kampagnen zur Betriebsratswahl 2018 und 2022 sowie die Bundestagswahlkampagne der AfD 2024/25 im Hinblick auf arbeits-, sozial- und gewerkschaftspolitische Themen…“ HBS-Meldung
zur Studie von Daphne Weber
(2026)
- Gewerkschaftliche Kampagnen von rechts
- Arbeiterpartei AfD? Das wäre für Beschäftigte fatal
„Die AfD und ihre Unterstützer wollen mehr Einfluss in Betrieben. Doch die Partei vertritt nicht die Interessen von Arbeiterinnen und Arbeitern.
Die AfD kann in diesen Tagen vor Selbstbewusstsein kaum laufen. In den bundesweiten Umfragen ist sie auf Augenhöhe mit der Union, in zwei Bundesländern, in denen 2026 gewählt wird, derzeit mit Abstand stärkste Kraft. Aber die Partei will mehr – mitreden nicht nur in den Parlamenten, sondern an allen Orten, wo Gesellschaft gestaltet wird. In Vereinen, an Gerichten und, wie der Blick auf die Betriebsratswahlen im Frühjahr zeigt: auch in den Betrieben.
Gemessen am Programm taugt die Partei zwar nicht als Vertreterin der Arbeiterschaft, das erkennt man etwa am AfD-Steuerkonzept, von dem vor allem Spitzenverdiener profitieren würden. Sowohl die AfD als auch der Verein „Zentrum“, der ihr als selbst ernannte Gewerkschaft nahesteht, wollen außerdem den Austritt Deutschlands aus der EU. Der Schaden, den das für die deutsche Wirtschaft und damit auch die Beschäftigten verursachen würde, ist kaum zu überschätzen.
Die AfD nutzt berechtigte Sorgen vor dem Abstieg
Dass die Partei trotzdem Anklang findet bei vielen Arbeiterinnen und Arbeitern, liegt unter anderem daran, dass sie sich von anderen nicht mehr vertreten fühlen. (…)
Wer nicht will, dass die AfD und ihre Leute künftig in den Betrieben den Ton angeben, muss deshalb selbst aktiv werden.“ Kommentar von Theresa Martus, Korrespondentin Bundespolitik, vom 02.01.2026 in der WAZ online
(!) und auch: - Arbeiter laufen nach rechts: So groß ist die Gefahr für Gewerkschaften
„Angst vor Arbeitsplatzverlust treibt Beschäftigte in die Hände von Radikalen. Vor den Betriebsratswahlen wächst Sorge vor Unterwanderung.
Es gibt eine Statistik, die derzeit in den großen deutschen Gewerkschaften für Unruhe sorgt. 38 Prozent der Menschen, die bei der Bundestagswahl im Februar AfD gewählt haben, bezeichnen sich selbst als Arbeiterinnen oder Arbeiter. (…)
AfD zieht Arbeiter an: „Alternative Gewerkschaft“ nimmt Einfluss auf Betriebsräte
So oder so. Man kann die Statistiken aus Sicht von Verdi, IG Metall und Gewerkschaftsbund, aus Sicht der Linken und von SPD nicht mehr schönreden. Die AfD gewinnt an Zustimmung, massiv auch in der Gruppe der Arbeiterschaft. Arbeiter wählen links – dieser Leitspruch bekommt Risse. (…)
„Die Stimmung in der Gesellschaft ist in den vergangenen Jahren nach rechts gekippt. Das spüren wir auch in den Betrieben“, sagt Jenny Jungehülsing von Verdi im Gespräch mit unserer Redaktion. Sie ist Gewerkschaftssekretärin im Bereich Politik und Planung.
Mehrere Studien belegen mittlerweile, dass die Angst vor Arbeitsplatzverlust und Wohlstandsverlust Menschen in die Hände von radikalen Rechten treibt
. Dabei kann die Angst sogar stärker treiben als die tatsächliche wirtschaftliche Bedrohung. (…)
Betriebsratswahlen im Frühjahr: Ein Kampf hinter den Kulissen
Im Frühjahr sind deutschlandweit Betriebsratswahlen. Und hinter den Kulissen ist ein Kampf entbrannt, von dem manche sagen, dass in den Unternehmen und Betrieben ein Stück weit auch über die Zukunft der Demokratie in Deutschland entschieden wird. Aber wie gefährlich ist der Aufschwung der Rechtsaußen in den Betrieben? Tatsächlich sind die Zahlen bescheiden. „Zentrum“ habe rund 150 Betriebs- oder Personalräte „direkt organisiert“ sowie „noch einige Dutzend in Kooperation“, teilt die Gewerkschaft mit. Was „Kooperation“ genau heißt, sagt sie nicht. (…)
„Zentrum“ inszeniert sich als Underdog – gegen die „Alt-Gewerkschaften“
„Zentrum“ will trotzdem Gewerkschaft genannt werden. Aber klar wird: Die Bilanz der Gruppe ist überschaubar. „Versuche von AfD-Funktionären, rechte gewerkschaftliche Strukturen in den Betrieben aufzubauen, sind bisher kläglich gescheitert“, sagt Jungehülsing von Verdi. Und auch der Politikwissenschaftler Wolfgang Schroeder vom Zentrum für Zivilgesellschaftsforschung in Berlin bilanziert zu „Zentrum“: „Um ehrlich zu sein: Der Verein dümpelt seit Jahren auf einem Niveau herum, auf dem er kaum Mitgliederzuwachs hat und nur eine minimale Anzahl an Betriebsratsmitgliedern stellt.“
Und so macht „Zentrum“ aus der Not eine Tugend, inszeniert sich als Underdog. Gegen die „Alt-Gewerkschaften“, wie es in neurechten Kreisen heißt. So wie sich die AfD gegen die „Alt-Parteien“ in Stellung bringt. „Wer sich im Rahmen von Gesetz und Verfassung betätigt, darf nicht politisch ausgegrenzt oder praktisch behindert werden“, sagt der AfD-Bundestagsabgeordnete Hans-Jürgen Goßner auf Nachfrage unserer Redaktion. Auch er ist „Zentrum“-Mitglied. Wo „Zentrum“ gewählt werde, sei das ein Signal aus der Belegschaft, „dass es Bedarf an Alternativen“ gebe. Ein strategisches Ziel von „Zentrum“ ist deshalb auch: das Wachsen. Und „soziale Mächtigkeit“ gewinnen, wie es heißt. Ein Faktor, um als Gewerkschaft tarifrechtlich anerkannt zu werden. (…)
Unterwandern Mitglieder der AfD die Gewerkschaften nach und nach? Dafür brauchen sie nicht unbedingt eine eigene Organisation, sondern können einfach bei Verdi, beim DGB, der IG Metall, der GEW mitmachen, Einfluss ausüben – und am Ende auch Gehälter verhandeln. AfD-Mann Goßner sagt, er wolle „höhere Nettolöhne, Entlastung von Arbeit, bezahlbare Energie und den Schutz industrieller Wertschöpfung erreichen“, statt „Beschäftigte über immer neue Abgaben zu schröpfen“…“ Artikel von Christian Unger vom 02.01.2026 in der WAZ online
- Siehe auch das Dossier: Warum wählen immer mehr ArbeiterInnen in Deutschland die AfD?
- »Bald sind wieder Betriebsratswahlen!« – »Wir haben andere Sorgen…!«
„Neunmal habe ich Betriebsratswahlen während meiner Arbeitszeit bei Opel in Bochum selber miterlebt, für uns als oppositionelle Betriebsgruppe GoG immer ein aufregendes Erlebnis. Den Kommentar vieler Kolleg:innen habe ich noch im Ohr: »Jetzt geht Euer Gerangel um die Posten wieder los − wir haben andere Sorgen…« Derzeit diskutieren gewerkschaftlich Aktive in den Großbetrieben wieder aufgeregt über die ab März anlaufenden BR-Wahlen. (…) Welche praktische Bedeutung hätte solch eine Orientierung für die BR-Wahlen, wo dann doch Kolleg:innen gewonnen werden müssten, die nicht versprechen, »bessere Vertreter« sein zu wollen, sondern die versprechen, mit den Kolleg:innen zusammen zu kämpfen, Druck auf der Straße zu machen und das Klassenbewusstsein voranbringen zu wollen? (…) Die Alternative konkret zu diskutieren, hieße dann zum Beispiel bei der Forderung nach der 30-Stunden-Woche, dass es nicht um die Rettung von Lohnarbeitsplätzen geht, sondern darum, angesichts massiv gesteigerter globaler Produktivität, globaler Blödsinnsproduktion und der möglichen Planbarkeit von Produktion und Verteilung die Arbeitszeitverkürzung als tolle Chance für ein besseres Leben für alle in die Debatte zu bringen – und somit Wut auf die unmenschlichen Verhältnisse zu lenken, die noch dazu dumm sind…“ Artikel von Wolfgang Schaumberg
in express – Zeitung für sozialistische Betriebs- und Gewerkschaftsarbeit Ausgabe 12/2025 - Die Mehrheit in den Betrieben wiedererlangen. Probleme gewerkschaftlicher Strategien gegen die extreme Rechte
„… Es gibt nicht wenige Betriebe, in denen die Zustimmung zur AfD in der (organisierten) Belegschaft höher ist, als man auf Basis der Wahlerfolge der Partei befürchten mag. Gleichzeitig gilt für Unternehmen ab einer gewissen Größe, dass niemals die ganze Belegschaft blau-braun ist – auch wenn die Zusammenarbeit mit dem jeweiligen Betriebs- oder Personalrat solche Mythen begünstigen mag. Für die betriebliche Arbeit von Haupt- und Ehrenamtlichen heißt das einmal mehr, dass man seinen Betrieb kennen muss. Anstatt sich ausschließlich darauf zu konzentrieren, das unheilige Zweckbündnis im Betrieb zu pflegen, um den Betrieb nicht zu verlieren, sollte nach jenen Kolleg:innen Ausschau gehalten werden, die politisch anders ticken. Die gibt es – und sobald Vertrauen geschaffen wurde, melden sie sich teilweise sogar selbst, weil auch sie frustriert sind, jeden Tag Mist ertragen zu müssen. (…) Die Probleme mit der extremen Rechten in den Betrieben werden inzwischen offen diskutiert und es mehren sich die guten Ideen. Strategien wie bei der Kampagne »Wir fahren zusammen« liefern erste Erfahrungen mit einer neuen Politisierung der betrieblichen Arbeit – sowohl im Hinblick auf Fallstricke als auch auf Erfolge. Die politische Resignation ist bislang nur ein regionales Phänomen und gilt auch dort längst nicht für alle Gewerkschafter:innen.“ Artikel von Alexander Maschke
in express – Zeitung für sozialistische Betriebs- und Gewerkschaftsarbeit Ausgabe 12/2025
- Wir empfehlen aus dem express 12/2025 aber auch zum Thema: Torsten Bewernitz: »Mythos Einheitsgewerkschaft« – Ihre Grenzen im Kampf gegen Faschismus

- Wir empfehlen aus dem express 12/2025 aber auch zum Thema: Torsten Bewernitz: »Mythos Einheitsgewerkschaft« – Ihre Grenzen im Kampf gegen Faschismus
- Brandmauern gegen blaue Elefanten? Die Betriebsratswahlen unter dem Druck der Rechten
„… Nüchtern betrachtet basiert die gewerkschaftliche Handlungsfähigkeit schon seit einiger Zeit auf der (stillen) Unterstützung von zur AfD neigenden Kolleg:innen.
Die Lage spitzt sich zu. Vor den Betriebsratswahlen 2026 stehen die DGB-Gewerkschaften vor einem grundlegenden Dilemma: Die Kandidat:innen der DGB-Gewerkschaften werden nicht umhinkommen, ihr Mandat durch die Zustimmung von AfD-Wähler:innen zu erringen. (…) Bereits ein einzelner organisierter Rechter kann ausreichen, um den Nichtangriffspakt zu beenden. Das zeigt sich hervorragend am Fall von VW in Zwickau. (…) Es ist davon auszugehen, dass rechte Listen vor allem in größeren Betrieben eingereicht werden. In kleineren Betrieben werden Rechte, falls es keine Personenwahl gibt, wohl eher auf DGB-Listen auftauchen. Das gilt es bei der Listenaufstellung zu berücksichtigen. (…) Die Freistellung für die Betriebs- oder Personalratsarbeit ist für nicht wenige Menschen attraktiver als die Arbeit am Band oder in der Nachtschicht mit Patient:innen. Politische Motive spielen jedoch immer häufiger eine Rolle, so dass die Zahl von Listen mit rechten Kandidat:innen von 2018 bis 2022 anstieg. (…) Es wird eine große Zahl rechter Funktionär:innen auf DGB-Listen und bei Personenwahlen geben, besonders in kleineren Betrieben – schaut etwas genauer hin und besprecht das in Euren Gremien!…“ Aus dem Artikel von Jan Rottenbach
in express – Zeitung für sozialistische Betriebs- und Gewerkschaftsarbeit – Ausgabe 11/2025 - Betriebsratswahlen 2026: Harte Zeiten brauchen harte Betriebsräte
„Die Betriebsratswahlen von März bis Mai 2026 finden vor dem Hintergrund der Abwälzung der Kosten der kapitalistischen Krise auf die Arbeitenden statt. Statt Gegenwehr machen Gewerkschaften und Betriebsräte große Zugeständnisse an die Unternehmer. Das hat zu Unzufriedenheit, Unmut und Verunsicherung in den Belegschaften geführt. Eine der Folgen davon ist, dass bei Betriebsratswahlen die offiziellen Listen der Gewerkschaften Konkurrenz von anderen Listen bekommen. Im Gegensatz zu den 70er bis 90er Jahren des letzten Jahrhunderts sind diese Listen aber in der Regel keine Listen von kämpferischen Kolleginnen, sondern es kommt zu einer unpolitischen Zersplitterung im Gewerkschaftslager. So sind bei den vorgezogenen Betriebsratswahlen Anfang Juli 2025 bei Porsche 12 Listen angetreten. Davon sind nun sieben Listen im neuen Betriebsrat vertreten. Die offizielle IGM-Liste hat zwei Sitze verloren und kam nur noch auf 17 von 41 Mandaten. Es ist zu befürchten, dass die rechtsextreme AfD-nahe Organisation „Zentrum Automobil“ den Unmut in den Autofabriken über die Politik der IGM und ihrer Betriebsräte ausnutzt. Das zeigt die dringende Notwendigkeit, Gewerkschaften wieder in Kampforganisationen zu verwandeln. Statt Standortpolitik braucht es betriebs- und branchenübergreifende Solidarität und gemeinsamen bundesweiten und internationalen Kampf zur Verteidigung der gemeinsamen Interessen und sozialen, tariflichen und betrieblichen Errungenschaften der abhängig Beschäftigten. Dabei muss auch die Verfügungsgewalt der Unternehmer über die Fabriken in Frage gestellt werden. In Mitgliederversammlungen und Vertrauensleutesitzungen sollten Diskussionen darüber stattfinden, wie die Co-Management-Politik von Gewerkschaft und Betriebsräten beendet werden kann und Gewerkschafts- und Betriebsratsarbeit im Interesse der Kolleginnen und Kollegen aufgebaut werden kann. Auf der Grundlage dieser Diskussion sollten KandidatInnen für die Betriebsratswahl demokratisch und mit einem klaren kämpferischen Programm zu den Betriebsratswahlen antreten. Wenn bei Listenaufstellung kämpferische und aktive Kolleginnen ausmanövriert werden, sollten sie sich zusammenschließen und notfalls mit einem alternativen Programm eine eigene Liste aufstellen…“ Flyer vom Metallertreff Stuttgart vom Oktober 2025

- Faschistischer Spaltpilz: Wie die AfD die Betriebsratswahl 2026 nutzen will – und was man dagegen tun kann
„Laut bürgerlichen Umfragen wählten 38 Prozent der Arbeiter bei der Bundestagswahl die AfD. Mit der faschistischen Betriebsorganisation „Zentrum“ versucht sie zurzeit, in den Betrieben den organisierten Einfluss erheblich auszubauen.
„Zentrum“ fährt die Kampagne „Werde Betriebsrat!“. Sie machen Infostände, Veranstaltungen und Online-Formate in den AfD-Strukturen und mobilisieren die dortigen Mitglieder, für die Betriebs- und Personalratswahl zu kandidieren, die bundesweit zwischen März und Mai 2026 stattfinden. „Zentrum“ coacht mögliche Kandidaten für Flugblatt-Aktionen vor dem Betrieb und für die Regularien und Taktiken zur Betriebsratswahl. Aktivitäten dazu sind aus mindestens elf Bundesländern bekannt, darunter bei den Monopolen Audi, BMW, Mercedes, VW, Chemieindustrie in NRW und in Krankenhäusern.
Dagegen muss die höchste betriebliche und gewerkschaftliche Wachsamkeit gerichtet werden. Sie werden nicht unbedingt unter „Zentrum“ antreten, sondern auch unter anderen Namen oder als Einzelpersonen. Hier wird der Spaltpilz in die Arbeiterklasse gelegt. In den meisten Betrieben kann man per Persönlichkeitswahl die Kollegen in den Betriebsrat wählen, die die Belegschaft am besten vertreten. Durch die Faschisten drohen plötzliche Listenwahlen. Die Gewerkschaften und Betriebsräte diskutieren, durchaus kontrovers, was die gemeinsamen Interessen der Arbeiterklasse sind. „Zentrum“ ruft dagegen zur Opposition, also zur Spaltung unter den Arbeitenden, auf, erklärt die Gewerkschaften zum Hauptproblem und nimmt die Konzernführungen aus dem Visier…“ Beitrag vom 07.10.2025 in den Rote-Fahne-News
- Betriebsrat als Gegeninstitution zur Gewerkschaft: Betriebsratswahlen 2026 – Eine Feierstunde der Sozialpartnerschaft wirft ihren Schatten voraus
„Die anstehenden Betriebsratswahlen finden zwar erst im März bis Mai des nächsten Jahres statt, doch dafür laufen bereits jetzt die Vorbereitungen. Schliesslich sind diese Wahlen keine Selbstverständlichkeit.
Damit sie in den Betrieben durchgeführt werden, muss vielerorts erst einmal geworben werden; Kandidaten müssen gefunden und geschult und Listen aufgestellt werden. Betriebsratsarbeit ist neben den Tarifverhandlungen ein Schwerpunkt der Gewerkschaften und erfordern von diesen einigen Aufwand, denn für die meisten Arbeitnehmer sind die Betriebsratswahlen nicht das brennendste Problem. Die Belegschaften sind es ja, die zunächst einmal eine solche Wahl beantragen müssen. Und das ist keine Selbstverständlichkeit. So wird aktuell gemeldet
, „seit Jahren würden immer weniger Beschäftigte, vor allem in der Privatwirtschaft, durch einen Betriebsrat vertreten. 2024 gab es zwar einen geringfügigen Anstieg um einen Punkt auf 37 Prozent der Beschäftigten in Betrieben mit fünf und mehr Mitarbeitern. Doch in der langjährigen Tendenz sinkt die Praktizierung der betrieblichen Mitbestimmung kontinuierlich.“.
Also muss für die Betriebsratswahlen kräftig geworben werden
: „Nicht jeder Kollegin und jedem Kollegen ist klar, von welcher Bedeutung eine hohe Wahlbeteiligung und ein gut aufgestellter Betriebsrat sind. Deshalb ist es wichtig, sich bereits frühzeitig Gedanken zu machen und rechtzeitig die ‚Werbetrommel‘ zu rühren. In diesem Webseminar stellen wir euch ungewöhnliche Tipps und praktische Konzepte für eine überzeugende Öffentlichkeitsarbeit vor. Ihr lernt, wie ihr die Arbeit und die Erfolge des Betriebsrats nach aussen wirksam kommunizieren könnt, entdeckt neue Möglichkeiten, um Kandidat*innen für das Betriebsratsamt zu gewinnen und die Belegschaft zahlreich zur Stimmabgabe zu motivieren.“
Wenn es notwendig ist, extra die Werbetrommel zu rühren, sprechen die Erfolge der Betriebsratsarbeit offenbar nicht für sich. Und Werbung für den Betriebsrat ist alles andere als eine Aufklärung darüber, was ein Betriebsrat ist, wofür er staatlicherseits eingerichtet wurde. Was der Betriebsrat ist, was seine Aufgaben sind, wirft als Erstes ein bezeichnendes Bild auf diejenigen, die den Betriebsrat als ihr ureigenes Betätigungsfeld sehen, und auf die Stellung zu ihren Wählern. (…)
Angesichts der anstehenden Wahlen wird von kritischen Gewerkschaftlern vor rechten Gruppen gewarnt, die sich ja mittlerweile in vielen Betrieben als Alternative zu den DGB-Gewerkschaften bemerkbar machen
: „Dabei bedient sich die AfD eines altbekannten Konzepts: der Betriebsgemeinschaft – jener nationalistischen Sozialutopie, mit der die NSDAP ab 1928 versuchte über ihre Nationalsozialistische Betriebszellenorganisation die Werkstore der Weimarer Republik zu stürmen.“
Für die Betriebsgemeinschaft müssen die AfD-nahen Gruppen gar nicht gross werben, betreiben dieses Geschäft doch bereits die Betriebsräte der DGB-Gewerkschaften, die sich für das Überleben „ihres“ Betriebes stark machen, etwa mit Arbeitssicherungsverträgen, die Massenentlassungen einschliessen. Erinnert sei an die Bilder von Arbeitern bei Opel in Bochum mit T-Shirts der IG-Metall und dem Aufdruck „Wir sind Opel“. Wer also in der Orientierung auf das Wohl des Unternehmens mit Recht eine Schwächung der Gewerkschaften sieht, sollte mit seiner Kritik nicht erst beim AfD-Einfluss ansetzen.
Kritik an der Institution Betriebsrat heisst übrigens nicht, dass eine Beteiligung an Betriebsratswahlen unsinnig ist. Sie kann eine Gelegenheit sein, eine gewerkschaftskritische Position im Betrieb bekannt zu machen, die nicht auf Betriebsräte, sondern auf die Organisation von Betriebsgruppen setzt, die die Verbindung zu Kollegen in anderen Betrieben suchen. Auch eine noch so gute gewerkschaftliche Arbeit kann allerdings die Mängel der Lohnarbeit nicht überwinden – ihre Abhängigkeit vom Gang des Geschäfts mit all der Unsicherheit von Entlassungen, dem ständigen Gesundheitsverschleiss und der problematischen Work-Life-Balance (seit Kanzler Merz ja eher ein Unwort). Dazu braucht es eine Arbeiterorganisation, die den Rahmen der Lohnarbeit sprengt.“ Sehr umfangreicher Artikel von Suitbert Cechura vom 21. Juni 2025 in untergrund-blättle.ch
Aus den Gewerkschaften:
- Jetzt für die Betriebsratswahl 2026 kandidieren
„Betriebsräte haben besondere Rechte, mit denen sie ihre Kolleginnen und Kollegen schützen. Sie machen Arbeitsplätze sicherer, besser und gesünder. Ohne Interessenvertretung enden Demokratie und Rechtsstaat oft am Werkstor. Die nächsten Betriebsratswahlen stehen bevor – stärke das „Team IG Metall“…“ Kampagnenbeginn der IG Metall vom 12. August 2025
- DGB-Betriebsratswahlkampagne: Betriebsrät*innen gesucht
„Der DGB begleitet die anstehenden Betriebsratswahlen mit einer Öffentlichkeitskampagne. Ziel der Kampagne ist es, die wichtige Arbeit von Betriebsrät*innen, auch in Zusammenarbeit mit den Gewerkschaften, aufzuzeigen. Hierzu werden Betriebsratsmitglieder aus dem Organisationsbereich der IG BAU gesucht, deren praktische Erfahrungen dargestellt werden sollen…“ Beitrag der IG BAU vom 12.06.2025
Siehe auch:
- Dokumentation der 12. Konferenz „BR im Visier“ vom 11. Oktober 2025
mit dem Schwerpunkt BR-Wahlen 2026 (siehe zum Hintergrund [11.10.2025 in Mannheim] 12. Bundeskonferenz „Betriebsräte im Visier – Bossing, Mobbing & Co.“ unter dem Motto „Arbeitsunrecht stoppen!“)
Grundinfos im LabourNet:
- Dossier: AfD & Co: Nach den Köpfen nun auch in Betriebe und Betriebsräte?!
- Dossier: Die rechte Betriebsrats-Kampagne am Beispiel VW in Zwickau
- Dossier: „Zentrum Automobil e.V.“ – eine neofaschistische Betriebsgruppe (nicht nur) bei Daimler (nicht nur in Stuttgart)
- Siehe zuletzt das Dossier: Betriebsratswahl 2022
Siehe dazu auch im LabourNet(Archiv)
- Rassismusfreie Zone? Gewerkschaften zwischen Antirassismuskampagnen und Standortsicherung
Artikel von Mag Wompel
– S. 64-72 des Buches „WiderstandsBewegungen. Antirassismus zwischen Alltag und Aktion“. Das von der Gruppe Interface herausgegebene Buch erschien Ende Juni 2005 bei Assoziation A