Betriebsratswahlen 2026 vom 1. März bis 31. Mai – werfen bereits braune Schatten voraus
Dossier
„Von März bis Mai 2026 finden die nächsten Betriebsratswahlen statt. Während in kleineren Betrieben sich die Frage stellt, ob es überhaupt Kandidat:innen gibt, stellt sich in Großbetrieben die Frage, wieviel Listen antreten und wie hoch die Wahlbeteiligung ist. Nur noch 37% der Beschäftigten in Betriebe mit fünf und mehr Mitgliedern haben einen Betriebsrat. (…) Die Entpolitisierung der Gewerkschaften und ihre Anpassung an das kapitalistische Profit- und Konkurrenzsystem haben dazu geführt, dass sich die meisten Betriebsräte als Co-Manager betrachten. In der Krise führte das dazu, dass sie bereit sind, erkämpfte Errungenschaften über Betriebsvereinbarungen – meist völlig undemokratisch ohne Diskussion und Zustimmung der Belegschaft – zu opfern. (…) Die Gefahr besteht, dass sich der Unmut in der Belegschaft bei VW über die von IGM und Betriebsräten mitgetragene Arbeitsplatzvernichtung mit zusätzlichem Lohnverzicht teilweise in Stimmen für das „Zentrum Automobil“ bei den Betriebsratswahlen 2026 ausdrückt…“ Umfangreiche Analyse vom 27. August 2025 bei der Vernetzung für kämpferische Gewerkschaften
(„Betriebsratswahlen 2026: Harte Zeiten brauchen kämpferische Betriebsräte“) und mehr zum Thema:
- Kampagne: Stellung beziehen bei den Betriebsratswahlen zu Rassismus, Sexismus, Diskriminierung und Union Busting
Kampagne „Demokratie stärken – Zukunft gestalten – Zusammenhalt fördern“ zu Betriebsrats- & Personalratswahlen 2026 von DenkKlima e.V.
mit Videoclips
zu Rassismus, Sexismus, Diskriminierung und Union Busting und weiterem Material.
Der Verein Denkklima e.V. setzt sich u.a. für demokratische und antirassistische Prozesse direkt am Arbeitsplatz ein. Ziel ist es, gewerkschaftlich aktive Beschäftigte sowie Betriebs- und Personalräte in ihrer Arbeit zu unterstützen und zu stärken. Ein aktueller Schwerpunkt liegt auf den Betriebsrats- und Personalratswahlen. Vor dem Hintergrund eines zunehmenden Auftretens rechter Akteure in Betrieben und Belegschaften versteht Denkklima diese Wahlen als wichtigen Moment, um demokratische, solidarische und antirassistische Positionen sichtbar zu machen. Nach den Wahlen begleitet Denkklima neu gewählte Betriebs- und Personalräte dabei, ihre Arbeit aufzunehmen und demokratisch orientierte, gewerkschaftliche Strukturen im Betrieb zu stabilisieren. Unterstützt werden dabei ausdrücklich auch kritische gewerkschaftliche Initiativen. Die Kampagne wird unterstützt von Stiftung Menschwürde und Arbeitswelt - Das gewerkschaftliche Selbstverständnis stärken. Stefan Dietl über die faschistische Offensive in den Betrieben
„… Nicht zuletzt die Wahlerfolge der AfD unter Lohnabhängigen – gerade unter Gewerkschafter:innen – zeigen, wie groß das Potenzial für nationalistische und rassistische Propaganda in den Betrieben ist, das bisher von Zentrum und Co. noch nicht abgerufen werden konnte.
Rechtes Denken in den eigenen Reihen
In der gewerkschaftlichen Debatte um die Bedrohung, die von rechten Listen und dem Aufbau faschistischer betrieblicher Strukturen ausgeht, findet oftmals nur wenig Beachtung, dass die tatsächliche Gefahr nicht von außen über die Gewerkschaften hereinbricht. Die meisten Betriebs- und Personalräte mit Sympathien für die AfD oder gar einem AfD-Parteibuch werden auch bei den anstehenden Wahlen nicht über rechte Listen gewählt werden, sondern kandidieren auf den Listen der DGB-Gewerkschaften. (…) es ist für jeden klar erkennbar, dass der von AfD, Zentrum und Co. propagierte völkische Nationalismus unserem gewerkschaftlichen Organisationsprinzip diametral entgegensteht. Die Vorstellung einer eingebildeten, ethnisch begründeten Volksgemeinschaft und die Ausgrenzung aufgrund von Herkunft oder Hautfarbe sind mit der Idee der gemeinsamen gewerkschaftlichen Organisierung aller Lohnabhängigen unvereinbar...“ Artikel von Stefan Dietl
in express – Zeitung für sozialistische Betriebs- und Gewerkschaftsarbeit 01/2026 - Rechte Gewerkschaften: »Der Hauptfeind ist die IG Metall«. Neue Studie untersucht extrem rechte Betriebsarbeit am Beispiel der »alternativen Gewerkschaft« Zentrum
„… Bezüglich der Ausrichtung des rechten Vereins kommt Weber im Gespräch mit dem »nd« zu einer eindeutigen Feststellung: »Zentrum hat keine adäquaten Antworten auf komplexe Fragen der Transformation.« Der Klimawandel und die daraus notwendigen Folgen für die Automobilindustrie würden vom Zentrum geleugnet, so Weber. Dafür haben die Rechten eine einfache Erklärung, wer Schuld an Fehlentwicklungen sei. »Der Hauptfeind in der Kommunikation von Zentrum ist die IG Metall. Nicht die Unternehmensführung oder im Widerspruch zwischen Interessen des Kapitals und Interessen der Lohnabhängigen entstehende Konfliktlinien werden thematisiert«, erklärt Weber. Die verfeindete Gewerkschaft werde »praktisch für alles verantwortlich gemacht: für Stellenabbau, Verlagerungen ins Ausland, quasi alles, was passiert, wird mit dieser Schablone erklärt.«. Zentrum hält der IG Metall im Grunde vor, ebenfalls die Ziele der Arbeitgeber zu verfolgen: Was den Unternehmensführungen die Globalisierung ist, sei der Gewerkschaft der Internationalismus. Wegen dieser vermeintlichen ideologischen Überschneidung seien beide Seiten für die Verlagerung von Arbeitsplätzen ins Ausland. »Die IG Metall wird als abgehoben dargestellt. Eine Behauptung etwa ist, dass die IG Metall in Besprechungszimmern sitze, während Zentrum bei den Kollegen am Band sei«, erläutert die Wissenschaftlerin und verweist gleichzeitig darauf, dass Zentrum zwar Nähe inszenieren könne, aber keine großen betrieblichen Erfolge reklamieren kann. Die IG Metall hingegen konnte kürzlich einen zusätzlichen freien Tag für ihre bei Mercedes beschäftigten Mitglieder erstreiten.
Für die Studie hat Daphne Weber etwa 20 Kampagnenvideos, zehn Betriebs- und Kampagnenzeitungen, fünf Flugblätter und Rundmails, 70 Telegram-Posts, 100 Instagram-Posts, 40 Tiktok-Videos und 14 Pressemitteilungen von Zentrum ausgewertet. »Interessant ist die Bildsprache: In Videos kombiniert Zentrum Symbole der IG Metall mit Symbolen anderer Bewegungen, die für eine offene Gesellschaft stehen, etwa Regenbogenfahnen.«
Im Vergleich zwischen den Kampagnen zu den Betriebsratswahlen 2018 und 2022 beobachtet Weber Unterschiede: »2018 konnte man die extrem rechten Bezüge sehr klar erkennen, das Layout erinnerte an die Identitären, es gab Texte zum Beispiel von Björn Höcke und eine antisemitische Elitenkritik. 2022 hat man ein neutraleres Layout gewählt und versucht, neue Zielgruppen zu erschließen.« Aktuell scheint sich das wieder geändert zu haben. Zu den Betriebsratswahlen 2026 finden sich bisher nur wenige Inhalte auf den Kanälen von Zentrum. Auf Youtube findet sich als aktuellster Inhalt ein Gespräch mit dem baden-württembergischen AfD-Bundestagsabgeordneten Hans-Jürgen Goßner. Zur letzten Mitgliederversammlung verweist Zentrum auf einen Bericht des »Compact«-Magazins. Die extrem rechten Bezüge werden von Zentrum also nicht verschleiert…“ Artikel von Sebastian Weiermann vom 14.01.2026 in ND online
über:
- Gewerkschaftliche Kampagnen von rechts
„Narrative, Netzwerke und Kommunikation von Zentrum (Automobil) im Kontext der Betriebsratswahlen 2018 und 2022. Mit einer Einschätzung der AfD-Bundestagswahlkampagne 2024/2025
Die „alternative Gewerkschaft“ Zentrum ist ein auf Betriebe ausgerichtetes Projekt mit Verbindungen zur extremen Rechten, insbesondere zur AfD und rechtsextremen Netzwerken. Es richtet sich gezielt gegen die DGB-Gewerkschaften. Im Kern der Kommunikation steht die strategische Inszenierung von Nähe zu Arbeiter:innen in Opposition zur IG Metall, während strukturelle Fragen und Transformationsdynamik des Automobilsektors ignoriert werden. Der Blick auf die Kampagnenstrategien zeigt die gezielte Medien- und Öffentlichkeitsarbeit, die strategisch auf emotionale Ansprache, Wiederholung und schleichende Normalisierung rechtsextremen Gedankenguts im Betrieb setzt. Die Studie analysiert die Kampagnen zur Betriebsratswahl 2018 und 2022 sowie die Bundestagswahlkampagne der AfD 2024/25 im Hinblick auf arbeits-, sozial- und gewerkschaftspolitische Themen…“ HBS-Meldung
zur Studie von Daphne Weber
(2026)
- Gewerkschaftliche Kampagnen von rechts
- Arbeiterpartei AfD? Das wäre für Beschäftigte fatal
„Die AfD und ihre Unterstützer wollen mehr Einfluss in Betrieben. Doch die Partei vertritt nicht die Interessen von Arbeiterinnen und Arbeitern.
Die AfD kann in diesen Tagen vor Selbstbewusstsein kaum laufen. In den bundesweiten Umfragen ist sie auf Augenhöhe mit der Union, in zwei Bundesländern, in denen 2026 gewählt wird, derzeit mit Abstand stärkste Kraft. Aber die Partei will mehr – mitreden nicht nur in den Parlamenten, sondern an allen Orten, wo Gesellschaft gestaltet wird. In Vereinen, an Gerichten und, wie der Blick auf die Betriebsratswahlen im Frühjahr zeigt: auch in den Betrieben.
Gemessen am Programm taugt die Partei zwar nicht als Vertreterin der Arbeiterschaft, das erkennt man etwa am AfD-Steuerkonzept, von dem vor allem Spitzenverdiener profitieren würden. Sowohl die AfD als auch der Verein „Zentrum“, der ihr als selbst ernannte Gewerkschaft nahesteht, wollen außerdem den Austritt Deutschlands aus der EU. Der Schaden, den das für die deutsche Wirtschaft und damit auch die Beschäftigten verursachen würde, ist kaum zu überschätzen.
Die AfD nutzt berechtigte Sorgen vor dem Abstieg
Dass die Partei trotzdem Anklang findet bei vielen Arbeiterinnen und Arbeitern, liegt unter anderem daran, dass sie sich von anderen nicht mehr vertreten fühlen. (…)
Wer nicht will, dass die AfD und ihre Leute künftig in den Betrieben den Ton angeben, muss deshalb selbst aktiv werden.“ Kommentar von Theresa Martus, Korrespondentin Bundespolitik, vom 02.01.2026 in der WAZ online
(!) und auch: - Arbeiter laufen nach rechts: So groß ist die Gefahr für Gewerkschaften
„Angst vor Arbeitsplatzverlust treibt Beschäftigte in die Hände von Radikalen. Vor den Betriebsratswahlen wächst Sorge vor Unterwanderung.
Es gibt eine Statistik, die derzeit in den großen deutschen Gewerkschaften für Unruhe sorgt. 38 Prozent der Menschen, die bei der Bundestagswahl im Februar AfD gewählt haben, bezeichnen sich selbst als Arbeiterinnen oder Arbeiter. (…)
AfD zieht Arbeiter an: „Alternative Gewerkschaft“ nimmt Einfluss auf Betriebsräte
So oder so. Man kann die Statistiken aus Sicht von Verdi, IG Metall und Gewerkschaftsbund, aus Sicht der Linken und von SPD nicht mehr schönreden. Die AfD gewinnt an Zustimmung, massiv auch in der Gruppe der Arbeiterschaft. Arbeiter wählen links – dieser Leitspruch bekommt Risse. (…)
„Die Stimmung in der Gesellschaft ist in den vergangenen Jahren nach rechts gekippt. Das spüren wir auch in den Betrieben“, sagt Jenny Jungehülsing von Verdi im Gespräch mit unserer Redaktion. Sie ist Gewerkschaftssekretärin im Bereich Politik und Planung.
Mehrere Studien belegen mittlerweile, dass die Angst vor Arbeitsplatzverlust und Wohlstandsverlust Menschen in die Hände von radikalen Rechten treibt
. Dabei kann die Angst sogar stärker treiben als die tatsächliche wirtschaftliche Bedrohung. (…)
Betriebsratswahlen im Frühjahr: Ein Kampf hinter den Kulissen
Im Frühjahr sind deutschlandweit Betriebsratswahlen. Und hinter den Kulissen ist ein Kampf entbrannt, von dem manche sagen, dass in den Unternehmen und Betrieben ein Stück weit auch über die Zukunft der Demokratie in Deutschland entschieden wird. Aber wie gefährlich ist der Aufschwung der Rechtsaußen in den Betrieben? Tatsächlich sind die Zahlen bescheiden. „Zentrum“ habe rund 150 Betriebs- oder Personalräte „direkt organisiert“ sowie „noch einige Dutzend in Kooperation“, teilt die Gewerkschaft mit. Was „Kooperation“ genau heißt, sagt sie nicht. (…)
„Zentrum“ inszeniert sich als Underdog – gegen die „Alt-Gewerkschaften“
„Zentrum“ will trotzdem Gewerkschaft genannt werden. Aber klar wird: Die Bilanz der Gruppe ist überschaubar. „Versuche von AfD-Funktionären, rechte gewerkschaftliche Strukturen in den Betrieben aufzubauen, sind bisher kläglich gescheitert“, sagt Jungehülsing von Verdi. Und auch der Politikwissenschaftler Wolfgang Schroeder vom Zentrum für Zivilgesellschaftsforschung in Berlin bilanziert zu „Zentrum“: „Um ehrlich zu sein: Der Verein dümpelt seit Jahren auf einem Niveau herum, auf dem er kaum Mitgliederzuwachs hat und nur eine minimale Anzahl an Betriebsratsmitgliedern stellt.“
Und so macht „Zentrum“ aus der Not eine Tugend, inszeniert sich als Underdog. Gegen die „Alt-Gewerkschaften“, wie es in neurechten Kreisen heißt. So wie sich die AfD gegen die „Alt-Parteien“ in Stellung bringt. „Wer sich im Rahmen von Gesetz und Verfassung betätigt, darf nicht politisch ausgegrenzt oder praktisch behindert werden“, sagt der AfD-Bundestagsabgeordnete Hans-Jürgen Goßner auf Nachfrage unserer Redaktion. Auch er ist „Zentrum“-Mitglied. Wo „Zentrum“ gewählt werde, sei das ein Signal aus der Belegschaft, „dass es Bedarf an Alternativen“ gebe. Ein strategisches Ziel von „Zentrum“ ist deshalb auch: das Wachsen. Und „soziale Mächtigkeit“ gewinnen, wie es heißt. Ein Faktor, um als Gewerkschaft tarifrechtlich anerkannt zu werden. (…)
Unterwandern Mitglieder der AfD die Gewerkschaften nach und nach? Dafür brauchen sie nicht unbedingt eine eigene Organisation, sondern können einfach bei Verdi, beim DGB, der IG Metall, der GEW mitmachen, Einfluss ausüben – und am Ende auch Gehälter verhandeln. AfD-Mann Goßner sagt, er wolle „höhere Nettolöhne, Entlastung von Arbeit, bezahlbare Energie und den Schutz industrieller Wertschöpfung erreichen“, statt „Beschäftigte über immer neue Abgaben zu schröpfen“…“ Artikel von Christian Unger vom 02.01.2026 in der WAZ online
- Siehe auch das Dossier: Warum wählen immer mehr ArbeiterInnen in Deutschland die AfD?
- »Bald sind wieder Betriebsratswahlen!« – »Wir haben andere Sorgen…!«
„Neunmal habe ich Betriebsratswahlen während meiner Arbeitszeit bei Opel in Bochum selber miterlebt, für uns als oppositionelle Betriebsgruppe GoG immer ein aufregendes Erlebnis. Den Kommentar vieler Kolleg:innen habe ich noch im Ohr: »Jetzt geht Euer Gerangel um die Posten wieder los − wir haben andere Sorgen…« Derzeit diskutieren gewerkschaftlich Aktive in den Großbetrieben wieder aufgeregt über die ab März anlaufenden BR-Wahlen. (…) Welche praktische Bedeutung hätte solch eine Orientierung für die BR-Wahlen, wo dann doch Kolleg:innen gewonnen werden müssten, die nicht versprechen, »bessere Vertreter« sein zu wollen, sondern die versprechen, mit den Kolleg:innen zusammen zu kämpfen, Druck auf der Straße zu machen und das Klassenbewusstsein voranbringen zu wollen? (…) Die Alternative konkret zu diskutieren, hieße dann zum Beispiel bei der Forderung nach der 30-Stunden-Woche, dass es nicht um die Rettung von Lohnarbeitsplätzen geht, sondern darum, angesichts massiv gesteigerter globaler Produktivität, globaler Blödsinnsproduktion und der möglichen Planbarkeit von Produktion und Verteilung die Arbeitszeitverkürzung als tolle Chance für ein besseres Leben für alle in die Debatte zu bringen – und somit Wut auf die unmenschlichen Verhältnisse zu lenken, die noch dazu dumm sind…“ Artikel von Wolfgang Schaumberg
in express – Zeitung für sozialistische Betriebs- und Gewerkschaftsarbeit Ausgabe 12/2025 - Die Mehrheit in den Betrieben wiedererlangen. Probleme gewerkschaftlicher Strategien gegen die extreme Rechte
„… Es gibt nicht wenige Betriebe, in denen die Zustimmung zur AfD in der (organisierten) Belegschaft höher ist, als man auf Basis der Wahlerfolge der Partei befürchten mag. Gleichzeitig gilt für Unternehmen ab einer gewissen Größe, dass niemals die ganze Belegschaft blau-braun ist – auch wenn die Zusammenarbeit mit dem jeweiligen Betriebs- oder Personalrat solche Mythen begünstigen mag. Für die betriebliche Arbeit von Haupt- und Ehrenamtlichen heißt das einmal mehr, dass man seinen Betrieb kennen muss. Anstatt sich ausschließlich darauf zu konzentrieren, das unheilige Zweckbündnis im Betrieb zu pflegen, um den Betrieb nicht zu verlieren, sollte nach jenen Kolleg:innen Ausschau gehalten werden, die politisch anders ticken. Die gibt es – und sobald Vertrauen geschaffen wurde, melden sie sich teilweise sogar selbst, weil auch sie frustriert sind, jeden Tag Mist ertragen zu müssen. (…) Die Probleme mit der extremen Rechten in den Betrieben werden inzwischen offen diskutiert und es mehren sich die guten Ideen. Strategien wie bei der Kampagne »Wir fahren zusammen« liefern erste Erfahrungen mit einer neuen Politisierung der betrieblichen Arbeit – sowohl im Hinblick auf Fallstricke als auch auf Erfolge. Die politische Resignation ist bislang nur ein regionales Phänomen und gilt auch dort längst nicht für alle Gewerkschafter:innen.“ Artikel von Alexander Maschke
in express – Zeitung für sozialistische Betriebs- und Gewerkschaftsarbeit Ausgabe 12/2025
- Wir empfehlen aus dem express 12/2025 aber auch zum Thema: Torsten Bewernitz: »Mythos Einheitsgewerkschaft« – Ihre Grenzen im Kampf gegen Faschismus

- Wir empfehlen aus dem express 12/2025 aber auch zum Thema: Torsten Bewernitz: »Mythos Einheitsgewerkschaft« – Ihre Grenzen im Kampf gegen Faschismus
- Brandmauern gegen blaue Elefanten? Die Betriebsratswahlen unter dem Druck der Rechten
„… Nüchtern betrachtet basiert die gewerkschaftliche Handlungsfähigkeit schon seit einiger Zeit auf der (stillen) Unterstützung von zur AfD neigenden Kolleg:innen.
Die Lage spitzt sich zu. Vor den Betriebsratswahlen 2026 stehen die DGB-Gewerkschaften vor einem grundlegenden Dilemma: Die Kandidat:innen der DGB-Gewerkschaften werden nicht umhinkommen, ihr Mandat durch die Zustimmung von AfD-Wähler:innen zu erringen. (…) Bereits ein einzelner organisierter Rechter kann ausreichen, um den Nichtangriffspakt zu beenden. Das zeigt sich hervorragend am Fall von VW in Zwickau. (…) Es ist davon auszugehen, dass rechte Listen vor allem in größeren Betrieben eingereicht werden. In kleineren Betrieben werden Rechte, falls es keine Personenwahl gibt, wohl eher auf DGB-Listen auftauchen. Das gilt es bei der Listenaufstellung zu berücksichtigen. (…) Die Freistellung für die Betriebs- oder Personalratsarbeit ist für nicht wenige Menschen attraktiver als die Arbeit am Band oder in der Nachtschicht mit Patient:innen. Politische Motive spielen jedoch immer häufiger eine Rolle, so dass die Zahl von Listen mit rechten Kandidat:innen von 2018 bis 2022 anstieg. (…) Es wird eine große Zahl rechter Funktionär:innen auf DGB-Listen und bei Personenwahlen geben, besonders in kleineren Betrieben – schaut etwas genauer hin und besprecht das in Euren Gremien!…“ Aus dem Artikel von Jan Rottenbach
in express – Zeitung für sozialistische Betriebs- und Gewerkschaftsarbeit – Ausgabe 11/2025 - Betriebsratswahlen 2026: Harte Zeiten brauchen harte Betriebsräte
„Die Betriebsratswahlen von März bis Mai 2026 finden vor dem Hintergrund der Abwälzung der Kosten der kapitalistischen Krise auf die Arbeitenden statt. Statt Gegenwehr machen Gewerkschaften und Betriebsräte große Zugeständnisse an die Unternehmer. Das hat zu Unzufriedenheit, Unmut und Verunsicherung in den Belegschaften geführt. Eine der Folgen davon ist, dass bei Betriebsratswahlen die offiziellen Listen der Gewerkschaften Konkurrenz von anderen Listen bekommen. Im Gegensatz zu den 70er bis 90er Jahren des letzten Jahrhunderts sind diese Listen aber in der Regel keine Listen von kämpferischen Kolleginnen, sondern es kommt zu einer unpolitischen Zersplitterung im Gewerkschaftslager. So sind bei den vorgezogenen Betriebsratswahlen Anfang Juli 2025 bei Porsche 12 Listen angetreten. Davon sind nun sieben Listen im neuen Betriebsrat vertreten. Die offizielle IGM-Liste hat zwei Sitze verloren und kam nur noch auf 17 von 41 Mandaten. Es ist zu befürchten, dass die rechtsextreme AfD-nahe Organisation „Zentrum Automobil“ den Unmut in den Autofabriken über die Politik der IGM und ihrer Betriebsräte ausnutzt. Das zeigt die dringende Notwendigkeit, Gewerkschaften wieder in Kampforganisationen zu verwandeln. Statt Standortpolitik braucht es betriebs- und branchenübergreifende Solidarität und gemeinsamen bundesweiten und internationalen Kampf zur Verteidigung der gemeinsamen Interessen und sozialen, tariflichen und betrieblichen Errungenschaften der abhängig Beschäftigten. Dabei muss auch die Verfügungsgewalt der Unternehmer über die Fabriken in Frage gestellt werden. In Mitgliederversammlungen und Vertrauensleutesitzungen sollten Diskussionen darüber stattfinden, wie die Co-Management-Politik von Gewerkschaft und Betriebsräten beendet werden kann und Gewerkschafts- und Betriebsratsarbeit im Interesse der Kolleginnen und Kollegen aufgebaut werden kann. Auf der Grundlage dieser Diskussion sollten KandidatInnen für die Betriebsratswahl demokratisch und mit einem klaren kämpferischen Programm zu den Betriebsratswahlen antreten. Wenn bei Listenaufstellung kämpferische und aktive Kolleginnen ausmanövriert werden, sollten sie sich zusammenschließen und notfalls mit einem alternativen Programm eine eigene Liste aufstellen…“ Flyer vom Metallertreff Stuttgart vom Oktober 2025

- Faschistischer Spaltpilz: Wie die AfD die Betriebsratswahl 2026 nutzen will – und was man dagegen tun kann
„Laut bürgerlichen Umfragen wählten 38 Prozent der Arbeiter bei der Bundestagswahl die AfD. Mit der faschistischen Betriebsorganisation „Zentrum“ versucht sie zurzeit, in den Betrieben den organisierten Einfluss erheblich auszubauen.
„Zentrum“ fährt die Kampagne „Werde Betriebsrat!“. Sie machen Infostände, Veranstaltungen und Online-Formate in den AfD-Strukturen und mobilisieren die dortigen Mitglieder, für die Betriebs- und Personalratswahl zu kandidieren, die bundesweit zwischen März und Mai 2026 stattfinden. „Zentrum“ coacht mögliche Kandidaten für Flugblatt-Aktionen vor dem Betrieb und für die Regularien und Taktiken zur Betriebsratswahl. Aktivitäten dazu sind aus mindestens elf Bundesländern bekannt, darunter bei den Monopolen Audi, BMW, Mercedes, VW, Chemieindustrie in NRW und in Krankenhäusern.
Dagegen muss die höchste betriebliche und gewerkschaftliche Wachsamkeit gerichtet werden. Sie werden nicht unbedingt unter „Zentrum“ antreten, sondern auch unter anderen Namen oder als Einzelpersonen. Hier wird der Spaltpilz in die Arbeiterklasse gelegt. In den meisten Betrieben kann man per Persönlichkeitswahl die Kollegen in den Betriebsrat wählen, die die Belegschaft am besten vertreten. Durch die Faschisten drohen plötzliche Listenwahlen. Die Gewerkschaften und Betriebsräte diskutieren, durchaus kontrovers, was die gemeinsamen Interessen der Arbeiterklasse sind. „Zentrum“ ruft dagegen zur Opposition, also zur Spaltung unter den Arbeitenden, auf, erklärt die Gewerkschaften zum Hauptproblem und nimmt die Konzernführungen aus dem Visier…“ Beitrag vom 07.10.2025 in den Rote-Fahne-News
- Betriebsrat als Gegeninstitution zur Gewerkschaft: Betriebsratswahlen 2026 – Eine Feierstunde der Sozialpartnerschaft wirft ihren Schatten voraus
„Die anstehenden Betriebsratswahlen finden zwar erst im März bis Mai des nächsten Jahres statt, doch dafür laufen bereits jetzt die Vorbereitungen. Schliesslich sind diese Wahlen keine Selbstverständlichkeit.
Damit sie in den Betrieben durchgeführt werden, muss vielerorts erst einmal geworben werden; Kandidaten müssen gefunden und geschult und Listen aufgestellt werden. Betriebsratsarbeit ist neben den Tarifverhandlungen ein Schwerpunkt der Gewerkschaften und erfordern von diesen einigen Aufwand, denn für die meisten Arbeitnehmer sind die Betriebsratswahlen nicht das brennendste Problem. Die Belegschaften sind es ja, die zunächst einmal eine solche Wahl beantragen müssen. Und das ist keine Selbstverständlichkeit. So wird aktuell gemeldet
, „seit Jahren würden immer weniger Beschäftigte, vor allem in der Privatwirtschaft, durch einen Betriebsrat vertreten. 2024 gab es zwar einen geringfügigen Anstieg um einen Punkt auf 37 Prozent der Beschäftigten in Betrieben mit fünf und mehr Mitarbeitern. Doch in der langjährigen Tendenz sinkt die Praktizierung der betrieblichen Mitbestimmung kontinuierlich.“.
Also muss für die Betriebsratswahlen kräftig geworben werden
: „Nicht jeder Kollegin und jedem Kollegen ist klar, von welcher Bedeutung eine hohe Wahlbeteiligung und ein gut aufgestellter Betriebsrat sind. Deshalb ist es wichtig, sich bereits frühzeitig Gedanken zu machen und rechtzeitig die ‚Werbetrommel‘ zu rühren. In diesem Webseminar stellen wir euch ungewöhnliche Tipps und praktische Konzepte für eine überzeugende Öffentlichkeitsarbeit vor. Ihr lernt, wie ihr die Arbeit und die Erfolge des Betriebsrats nach aussen wirksam kommunizieren könnt, entdeckt neue Möglichkeiten, um Kandidat*innen für das Betriebsratsamt zu gewinnen und die Belegschaft zahlreich zur Stimmabgabe zu motivieren.“
Wenn es notwendig ist, extra die Werbetrommel zu rühren, sprechen die Erfolge der Betriebsratsarbeit offenbar nicht für sich. Und Werbung für den Betriebsrat ist alles andere als eine Aufklärung darüber, was ein Betriebsrat ist, wofür er staatlicherseits eingerichtet wurde. Was der Betriebsrat ist, was seine Aufgaben sind, wirft als Erstes ein bezeichnendes Bild auf diejenigen, die den Betriebsrat als ihr ureigenes Betätigungsfeld sehen, und auf die Stellung zu ihren Wählern. (…)
Angesichts der anstehenden Wahlen wird von kritischen Gewerkschaftlern vor rechten Gruppen gewarnt, die sich ja mittlerweile in vielen Betrieben als Alternative zu den DGB-Gewerkschaften bemerkbar machen
: „Dabei bedient sich die AfD eines altbekannten Konzepts: der Betriebsgemeinschaft – jener nationalistischen Sozialutopie, mit der die NSDAP ab 1928 versuchte über ihre Nationalsozialistische Betriebszellenorganisation die Werkstore der Weimarer Republik zu stürmen.“
Für die Betriebsgemeinschaft müssen die AfD-nahen Gruppen gar nicht gross werben, betreiben dieses Geschäft doch bereits die Betriebsräte der DGB-Gewerkschaften, die sich für das Überleben „ihres“ Betriebes stark machen, etwa mit Arbeitssicherungsverträgen, die Massenentlassungen einschliessen. Erinnert sei an die Bilder von Arbeitern bei Opel in Bochum mit T-Shirts der IG-Metall und dem Aufdruck „Wir sind Opel“. Wer also in der Orientierung auf das Wohl des Unternehmens mit Recht eine Schwächung der Gewerkschaften sieht, sollte mit seiner Kritik nicht erst beim AfD-Einfluss ansetzen.
Kritik an der Institution Betriebsrat heisst übrigens nicht, dass eine Beteiligung an Betriebsratswahlen unsinnig ist. Sie kann eine Gelegenheit sein, eine gewerkschaftskritische Position im Betrieb bekannt zu machen, die nicht auf Betriebsräte, sondern auf die Organisation von Betriebsgruppen setzt, die die Verbindung zu Kollegen in anderen Betrieben suchen. Auch eine noch so gute gewerkschaftliche Arbeit kann allerdings die Mängel der Lohnarbeit nicht überwinden – ihre Abhängigkeit vom Gang des Geschäfts mit all der Unsicherheit von Entlassungen, dem ständigen Gesundheitsverschleiss und der problematischen Work-Life-Balance (seit Kanzler Merz ja eher ein Unwort). Dazu braucht es eine Arbeiterorganisation, die den Rahmen der Lohnarbeit sprengt.“ Sehr umfangreicher Artikel von Suitbert Cechura vom 21. Juni 2025 in untergrund-blättle.ch
Aus den Gewerkschaften:
- Jetzt für die Betriebsratswahl 2026 kandidieren
„Betriebsräte haben besondere Rechte, mit denen sie ihre Kolleginnen und Kollegen schützen. Sie machen Arbeitsplätze sicherer, besser und gesünder. Ohne Interessenvertretung enden Demokratie und Rechtsstaat oft am Werkstor. Die nächsten Betriebsratswahlen stehen bevor – stärke das „Team IG Metall“…“ Kampagnenbeginn der IG Metall vom 12. August 2025
- DGB-Betriebsratswahlkampagne: Betriebsrät*innen gesucht
„Der DGB begleitet die anstehenden Betriebsratswahlen mit einer Öffentlichkeitskampagne. Ziel der Kampagne ist es, die wichtige Arbeit von Betriebsrät*innen, auch in Zusammenarbeit mit den Gewerkschaften, aufzuzeigen. Hierzu werden Betriebsratsmitglieder aus dem Organisationsbereich der IG BAU gesucht, deren praktische Erfahrungen dargestellt werden sollen…“ Beitrag der IG BAU vom 12.06.2025
Siehe auch:
- Dokumentation der 12. Konferenz „BR im Visier“ vom 11. Oktober 2025
mit dem Schwerpunkt BR-Wahlen 2026 (siehe zum Hintergrund [11.10.2025 in Mannheim] 12. Bundeskonferenz „Betriebsräte im Visier – Bossing, Mobbing & Co.“ unter dem Motto „Arbeitsunrecht stoppen!“)
Grundinfos im LabourNet:
- Dossier: AfD & Co: Nach den Köpfen nun auch in Betriebe und Betriebsräte?!
- Dossier: Die rechte Betriebsrats-Kampagne am Beispiel VW in Zwickau
- Dossier: „Zentrum Automobil e.V.“ – eine neofaschistische Betriebsgruppe (nicht nur) bei Daimler (nicht nur in Stuttgart)
- Siehe zuletzt das Dossier: Betriebsratswahl 2022
Siehe dazu auch im LabourNet(Archiv)
- Rassismusfreie Zone? Gewerkschaften zwischen Antirassismuskampagnen und Standortsicherung
Artikel von Mag Wompel
– S. 64-72 des Buches „WiderstandsBewegungen. Antirassismus zwischen Alltag und Aktion“. Das von der Gruppe Interface herausgegebene Buch erschien Ende Juni 2005 bei Assoziation A