20 Jahre und mehr nach Lübecker Brandanschlag 1996: Die Vergangenheit ist nie vergangen

Dossier

Rassistischer Mord in Lübeck – Tat und Ermittlungsfehler endlich aufklären!… Am 18. Januar 1996 spielten sich in Lübeck in den Morgenstunden grauenhafte Szenen ab. Zehn Menschen sterben in einer brennenden Flüchtlingsunterkunft, 38 werden zum Teil schwer verletzt. Die Menschen verbrennen oder sterben beim Sprung aus dem Fenster. Wenig später werden drei junge deutsche Männer aus Grevesmühlen, die sich in der Nähe aufhielten, festgenommen. Alle drei haben zumindest zeitweise der rechten Szene angehört. Ebenfalls ein deutlicher Ermittlungsansatz: Alle drei hatten durch Feuer versengte Haare und Augenbrauen. Grevesmühlen ist für die rechte Szene kein unbeschriebenes Blatt, dort gibt es aktive Strukturen wie Wehrsportgruppen und Ableger der Hammerskins. (…) Doch was dann geschieht, erinnert an die Struktur des Staatsversagens in Sachen NSU – zum Teil bis in die Details. Die kruden Erklärungen der Tatverdächtigungen werden hingenommen, vermeintliche Alibis tauchen auf: Freilassung. Stattdessen wird nunmehr ein im Haus wohnender Libanese, der beim Brand selbst Verletzungen erlitten hat, verdächtigt. Er soll die Tat angeblich auf dem Weg ins Krankenhaus einem Sanitäter gestanden haben. Und nun geschieht, was sich in Deutschland auch später wiederholt: Strafverfolger und auch Journalisten richten ihren Blick auf das Umfeld der Flüchtlinge…Beitrag von Pro Asyl vom 15. Januar 2016 externer Link. Wir erinnern an und begrüßen neue Initiativen:

  • Tödlicher Brandanschlag am 18. Januar 1996 in Lübeck: Mord verjährt nicht New
    Am 18. Januar 1996 starben bei einem Anschlag auf eine Asylunterkunft in Lübeck zehn Menschen. Dafür verurteilt wurde bis heute niemand.
    Esperança Bunga kann nicht abschließen mit der Nacht vom 18. Januar 1996. Als Kleinkind lebte sie damals mit ihrer Familie in einer Geflüchtetenunterkunft in der Hafenstraße 52 in Lübeck. Dann schlossen Flammen mitten in der Nacht mehr als 50 Menschen ein. In Todesangst versuchte sich Bungas angolanische Mutter Monique Maiamba durch einen Sprung aus dem dritten Stock zu retten, im Arm Bungas siebenjährige Schwester Nsuzana. Beide überlebten den Sturz nicht. Esperança Bunga, ihren Vater und ihre zweite Schwester konnte die Feuerwehr retten. Heute ist Bunga Anfang 30 und sagt: „Seit vielen Jahren fahre ich am Jahrestag nach Lübeck, um zu demonstrieren. Es ist sehr ermüdend, dass unsere Forderungen nach Aufklärung noch immer abgewehrt werden.“ (…)
    Für die Justiz und die Politik in Schleswig-Holstein sind die Ermittlungen abgeschlossen. Die Petition für einen Untersuchungsausschuss, die von der Lübecker Initiative Hafenstraße ’96 auf den Weg gebracht und von gut 10.000 Menschen unterzeichnet wurde, findet im Landtag keine Mehrheit. (…)
    Dieser Einschätzung widerspricht der Rostocker Anwalt und Linke-Politiker Michael Noetzel. Als Obmann seiner Fraktion im Untersuchungsausschuss Rechtsterrorismus des Landtags Mecklenburg-Vorpommern hat er sich mit dem damaligen Vorgehen der Behörden befasst. Bis heute steht nämlich die Frage im Raum, ob vier Rechtsextreme aus Grevesmühlen in Mecklenburg-Vorpommern für den Anschlag verantwortlich sind. Noetzel fordert: „Die vielen Ungereimtheiten, die wir in den Akten gesehen haben, sollten Anlass für den Landtag in Kiel sein, einen Untersuchungsausschuss einzusetzen.“ (…)
    Die Initiative Hafenstraße ’96 startete derweil die Kampagne #zeitzureden auf Social Media und mit Großplakaten in Lübeck. Alle, die etwas zur Tat wüssten, sollten sich melden, fordern sie. Vielleicht gebe es so doch noch die Chance auf neue Ermittlungen. Die Initiative lädt am Jahrestag zu einem Gedenken am Tatort – und zu einer Demonstration. Auch Esperança Bunga will daran teilnehmen, um Aufklärung zu fordern. Endlich Aufklärung
    .“ Artikel von Konrad Litschko und Heike Kleffner vom 18.1.2026 in der taz online externer Link („Tödlicher Brandanschlag in Lübeck: Mord verjährt nicht“) und auch:

    • Lübeck: Demo und Mahnwache zum Brandanschlag in der Hafenstraße
      Am Wochenende gedenken in Lübeck Menschen der Opfer eines Brandanschlags vor 30 Jahren – mit einer Demonstration und einer Mahnwache. Damals war eine Flüchtlingsunterkunft in Brand gesetzt worden.
      In der Nacht zum 18. Januar 1996 brennt eine Unterkunft für Geflüchtete in der Hafenstraße in Lübeck. Am Sonntag jährt sich der Anschlag zum 30. Mal. In Lübeck wird am Wochenende der Opfer gedacht. Am Sonnabend gab es hierzu eine Demonstration in der Innenstadt – der Auftakt war auf dem Markt. Dazu hatte die Initiative Hafenstraße 96 aufgerufen. Sie spricht von 750 Teilnehmerinnen und Teilnehmern, die Polizei von bis zu 650. Am Sonntag gibt es dann um 12 Uhr eine Mahnwache am Mahnmal in der Hafenstraße Ecke Konstinstraße. Gäste seien eingeladen, Blumen niederzulegen. Auf Kerzen werde jedoch verzichtet, heißt es von der Initiative
      …“ Meldung vom 17.01.2026 im NDR externer Link
    • Podcast „Unsere Asche wird weiter brennen“ – Lübeck und der tödlichste Brandanschlag der 1990er-Jahre
      Am 18. Januar 1996 starben sieben Kinder und drei Erwachsene bei einem Brandanschlag auf eine Unterkunft für Geflüchtete in Lübeck. Für die Tat wurde nie jemand verurteilt. Was bedeutet das 30 Jahre später für die Betroffenen und für die Stadt?Podcast von Steffi Wassermann und Erika Harzer am 17. Januar 2026 im Deutschlandfunk externer Link Audio Datei (54:36 Min.)
    • In Gedenken an
      Sylvio Bruno Comlan Amoussou
      Monica Maiamba Bunga
      Nsuzana Bunga
      Françoise Makodila Landu
      Christine Makodila
      Miya Makodila
      Christelle Makodila Nsimba
      Legrand Makodila Mbongo
      Jean-Daniel Makodila Nkosi
      Rabia El Omari
      In der Nacht auf den 18. Januar 1996 starben zehn Menschen, darunter sieben Kinder und Jugendliche, bei einem Brandanschlag in der Lübecker Hafenstraße. 38 weitere Menschen wurden verletzt.
      Der bisher schwerste rassistische Anschlag in der Geschichte der Bundesrepublik wurde nie aufgeklärt.
      Im Verlauf der Ermittlungen wurde eine Spur in die Naziszene von Grevesmühlen aufgegeben, stattdessen ein 20jähriger Hausbewohner zum Hauptverdächtigen erklärt, der den Brand selbst knapp überlebt hatte. Er saß mehrere Monate in Untersuchungshaft und wurde in zwei Verfahren freigesprochen.
      Dem Geständnis eines Grevesmühlener Nazis, der sich und drei andere Männer beschuldigte, glaubte die Polizei nicht. Vermutungen, einer der Männer sei als V-Mann tätig gewesen, konnten nie ausgeräumt werden.
      Die Ermittlungen zur Lübecker Hafenstraße sind einer der zahlreichen Justizskandale im Zusammenhang mit rassistischen Morden in Deutschland. Sie haben die Aufklärung eines zehnfachen Mordes bis heute verunmöglicht
      .“ Thread von analyse & kritik vom 18.1.2026 auf bsky externer Link
  • Kampagne #zeitzureden
    „+++ 30 Jahre unaufgeklärter rassistischer Brandanschlag in Lübeck +++ 10 Menschen starben +++ Gedenkinitiative sagt, das war Mord +++ Zeugenaufruf soll Tat aufklären +++ Kampagnen-Start mit Werbetafeln sucht nach Hinweisen zur Tat +++
    Heute startet die Initiative Hafenstraße’96 die norddeutschlandweite Kampagne #zeitzureden. Ziel der Kampagne ist es, zur Aufklärung des Brandanschlags in der Lübecker Hafenstraße 52 vom 18. Januar 1996 beizutragen – dem bis heute tödlichsten Brandanschlag in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland.
    „Mit der Kampagne #zeitzureden sollen Menschen erreicht werden, die über Wissen zum Brandanschlag oder zu den Tätern verfügen – Wissen, das bei den damaligen Ermittlungen entweder nicht bekannt war oder nicht berücksichtigt wurde.“ sagt die Initiative. (…)
    „Das darf nicht das Ende der Geschichte sein“, erklärt die Initiative Hafenstraße 96.
    Die Initiative ruft dazu auf, Hinweise, Erinnerungen oder Beobachtungen per E-Mail an zeitzureden@hafenstrasse96.org zu senden.
    „Die Hoffnung ist, dass durch neue Hinweise erneut Ermittlungen aufgenommen und der Mord an zehn Menschen doch noch aufgeklärt werden kann“ so eine Sprecherin der Initiative.
    Um auf die Kampagne aufmerksam zu machen, wurden heute an unterschiedlichen Orten in Norddeutschland großflächige Transparente und Plakatwände angebracht
    …“ Pressemitteilung vom 16. Dezember 2025 externer Link
  • [Erinnerungswoche ab 12. Januar 2022] 26 Jahre – Gedenken & Anklagen: Rassistischer Brandanschlag Hafenstraße 1996 in Lübeck
    Vor 26 Jahren wurden bei einem rassistischen Brandanschlag auf die Geflüchtetenunterkunft in der Lübecker Hafenstraße zehn Menschen ermordet, 38 weitere wurden – zum Teil schwer – verletzt. Sehr viele Indizien deuten auf einen rassistischen Hintergrund der Tat, sogar auf konkrete Täter aus der Neonaziszene hin. Dennoch wurden bis auf den heutigen Tag weder Täter zur Verantwortung gezogen noch der Ermittlungsskandal aufgeklärt.
    Die Ereignisse der Nacht vom 18. Januar 1996 sind Teil unserer Geschichte.  Eine Geschichte des Verlustes geliebter Menschen, von Verletzungen, von Angst, Traumatisierung, der Betroffenheit, des Nicht-Glaubenkönnens und des Widersprechens. Eine Geschichte des Gedenkens und des Anklagens.
    Und so klagen wir auch in diesem Jahr an, dass die Täter bis heute nicht zur Rechenschaft gezogen wurden. Unsere Forderung nach der Einrichtung eines parlamentarischen Untersuchungsausschusses, um die Tat und die Ereignisse der Nacht des 18. Januars 1996 neu aufzuarbeiten, zu bewerten und in die Untersuchungen ein rassistisches Tatmotiv einzubeziehen, bleibt weiterhin laut.
    In Zeiten der globalen Krisen, wird es umso wichtiger solidarisch und gemeinsam füreinander einzustehen. (…) In diesem Jahr möchten wir gemeinsam mit euch demonstrieren wir treffen uns am 15. Januar um 14 Uhr auf dem Rathausmarkt. Das Gedenken findet am 18. Januar um 18h am Gedenkort statt.
    Zudem planen wir weitere Formate, die jedoch aufgrund der pandemischen Lage erst im Laufe des Jahres stattfinden sollen, um auf den Brandanschlag und unserer Forderung nach Aufklärung aufmerksam machen sollen.
    Lasst uns gemeinsam ein Zeichen setzen und werdet mit uns aktiv. Nehmt Teil an den Veranstaltungen, unterschreibt die Petition, verteilt unser Infomaterial oder setzt eigene Aktionen in die Tat um…“ Aus dem Aufruf auf der Aktionsseite Hafenstraße’96 externer Link, dort auch alle Termine externer Link
  • 25 Jahre Hafenstraße ’96 – Kommt nach der Erinnerungswoche endlich die Aufarbeitung? Onlinepetition und weitere Forderungen dafür 
    Vor 25 Jahren starben bei einem Brandanschlag auf das Flüchtlingsheim in der Lübecker Hafenstraße 10 Menschen, 38 weitere wurden – zum Teil schwer – verletzt. Sehr viele Indizien deuten auf einen rassistischen Hintergrund der Tat, sogar auf konkrete Täter hin. Dennoch wurden bis auf den heutigen Tag weder Täter zur Verantwortung gezogen noch der Ermittlungsskandal aufgeklärt. Wir fordern Sie auf, sich für die Einrichtung eines parlamentarischen Untersuchungsausschusses einzusetzen, um die Tat und die Ereignisse der Nacht des 18. Januars 1996 neu aufzuarbeiten, zu bewerten und in die Untersuchungen ein rassistisches Tatmotiv einzubeziehen. Mord verjährt nicht!…“ Online-Petition bei Campact externer Link für die Einrichtung eines parlamentarischen Untersuchungsausschusses im Landtag von Schleswig-Holstein: „Rassistischer Mord in Lübeck – Tat und Ermittlungsfehler endlich aufklären!“ und umfangreiche Begründung dazu bei der Initiative Hafenstraße’96 externer Link. Siehe auch einige Beiträge dazu:

    • Mit Blindheit nicht zu erklären. Bei den Ermittlungen nach dem Lübecker Anschlag wurde Offensichtliches ignoriert, sagt Gabriele Heinecke
      „[Diejenigen, die für den Tod von zehn Menschen vor 25 Jahren in Lübeck verantwortlich sind, wurden nie vor Gericht gestellt. Warum war gerade dieser Fall ein besonders einschneidendes Erlebnis in Ihrer langen Tätigkeit als Strafverteidigerin?] Der Brand in der Hafenstraße in Lübeck war in vielerlei Hinsicht erschütternd. Da war der Bewohner, der am 19. Januar 1996 von einer Reise nach Lübeck zurückkehrte und dessen sechsköpfige Familie ausgelöscht war. Seine Frau hatte vor ihrem Tod noch einen Notruf abgesetzt und gerufen, die Nazis kämen ins Haus. Eine Bewohnerin sprang mit ihrer kleinen Tochter aus Angst vor den Flammen in den Tod. Da war der 17-Jährige, der, vom Feuer im Schlaf überrascht, nicht rechtzeitig das Haus verlassen konnte. Und eine Leiche im hölzernen Vorbau des Hauses, der Körper verkohlt und verkocht, mit einem Draht umwunden. Dazu 38 traumatisierte und zum Teil schwer verletzte Menschen. Ein solches apokalyptisches Szenario ist auch in dem juristischen Versuch der Aufarbeitung schwer zu ertragen. (…) Zurückhaltend gesagt war und bin ich ungehalten über die einseitigen und schlampigen Ermittlungen, die stets nur unter dem Gesichtspunkt der Belastung des Hausbewohners Safwan E. geführt worden sind. [Hat der oft gehörte Vorwurf, dass Strafverfolger auf dem rechten Auge blind sind, auch bei dieser Tat seine Berechtigung?] Von Blindheit kann man im Fall der Hafenstraße nicht sprechen. Die Strafverfolgungsbehörden haben die rechtsradikalen Jugendlichen aus Grevesmühlen vor dem Haus angetroffen, sie haben die typischen Brandlegerspuren am Kopf, im Gesicht und an den Händen gesehen. Einer der vier, »Klein Adolf«, hatte die Tat sogar angekündigt. Er und weitere aus der Vierergruppe haben qualifizierte Geständnisse abgelegt. Mit Blindheit ist das nicht zu erklären. (…) Die Haltung der Staatsanwaltschaft, dass der Brand durch einen Bewohner gelegt worden sein müsse, das Konstruieren eines nicht vorhandenen Alibis für die Grevesmühlener Verdächtigen, die hektische Aktivität von LKA und Staatsanwaltschaft, wenn mal wieder einer der vier Verdächtigen ein Geständnis abgelegt hatte, haben gezeigt, dass diese rechten jungen Männer unter dem besonderen Schutz der Strafverfolgungsbehörden gestanden haben. Von »Pannen« würde ich bei der Spurensicherung daher nicht sprechen. Es war eine selektive, ergebnisgeleitete Tatortarbeit gegen Safwan E. So wurde die Anklage unter anderem darauf gestützt, dass Safwan E. anlässlich eines Besuchs seiner Familie in der Justizvollzugsanstalt gesagt habe »Oh Gott, vergib mir«. Die Übersetzung aus dem Arabischen hatte ein Dolmetscher des Bundeskriminalamts vorgenommen. Im Verlauf des Verfahrens konnte aufgeklärt werden, dass das Knarren einer Tür im Hintergrund als Geständnis »übersetzt« worden war. (…) Die Forderung nach einem Untersuchungsausschuss gibt es schon länger. In größerem Rahmen ist sie im Januar 2012 anlässlich einer Veranstaltung mit dem Rechtsextremismusforscher Prof. Dr. Fabian Virchow, dem ehemaligen Lübecker Bürgermeister Michael Bouteiller und mir im Lübecker Rathaus erhoben worden. Die damals verabschiedete Resolution, in der die Einberufung eines Untersuchungsausschusses unter Beachtung der Erkenntnisse über den NSU gefordert wurde, ist leider ohne Konsequenzen geblieben…“ Interview von Dieter Hanisch vom 17.01.2021 im ND online externer Link
    • Brandanschlag in Lübeck 1996: Hoyerswerda, Solingen, Lübeck!
      Am 18. Januar 1996 starben zehn Menschen bei einem Anschlag auf eine Flüchtlingsunterkunft in Lübeck. Bis heute ist er juristisch nicht aufgeklärt. Ein Ort, zwei Versuche, das Geschehen präsent zu halten: Die Straßenecke mit einem Gedenkstein und einer Gedenkplatte an der Ecke Hafenstraße 52/Kon­stinstraße dürfte nicht nur im Winter und zu Coronazeiten trostlos wirken. Hier, am Rande der Lübecker Innenstadt im Hafenindustriegebiet, kommt einfach kaum jemand vorbei. Vor 25 Jahren, am 18. Januar 1996, starben in einer Flüchtlingsunterkunft an dieser Straßenecke zehn Menschen durch einen Brandanschlag. Die beiden Denkmäler stehen für die bis heute politisch nicht abgeschlossene Einordnung wie auch für das Fehlen strafrechtlicher Aufarbeitung des Geschehens. Auf dem 2000 erreichten Gedenkstein wird an den Brandanschlag zwar erinnert, aber erst die 2015 zusätzlich gelegte Gedenkplatte, angestoßen vom Lübecker Flüchtlingsforum, ordnet den Anschlag auch als einen rassistischen ein. Vielleicht ist gerade diese Ambivalenz einer der Gründe, warum der Brandanschlag im bundesweiten öffentlichen Gedächtnis kaum verankert ist…“ Artikel von Andreas Speit vom 18.1.2021 in der taz online externer Link
    • Lübecker Brandanschlag: 10 vertuschte Nazimorde
      Dass die deutsche Justiz rechte Straftäter oft mit Samthandschuhen anfasst, auch gern laufen lässt oder ihre politische Motivation leugnet, ist eine traurige Tatsache. Manchmal verstößt sie dabei Hand in Hand mit der Polizei so massiv gegen alle Grundsätze einer sauberen Ermittlungsarbeit und auch gegen jede Logik, dass man sich als Beobachter nur noch die Haare raufen kann. Ein solcher Fall ist der Brandanschlag auf eine Asylbewerberunterkunft an der Lübecker Hafenstraße in der Nacht zum 18. Januar 1996, der sich an diesem Montag zum 25. Mal jährt – ein trauriger Höhepunkt rechter Gewalt in den 90ern und ein bleibender Justizskandal. Zehn Menschen starben damals in den Flammen, sie kamen aus Zaire, Angola, Togo und dem Libanon. Es gab 39 Verletzte. Die mutmaßlichen Täter, drei Neonazis aus dem mecklenburgischen Städtchen Grevesmühlen in der Nähe von Lübeck, wurden den Ermittler*innen quasi auf dem Silbertablett serviert, aber sie durften es nicht gewesen sein. Stattdessen schob man die Tat einem Hausbewohner in die Schuhe. In der Chronik rechtsterroristischer Anschläge in der BRD gibt es wohl kaum einen anderen Fall, in dem so viel auf die Täterschaft von Neonazis hindeutete – und so wenig getan wurde, um sie zur Rechenschaft zu ziehen. (…) Über die zehn Menschen, die bei dem Brand starben, heißt es auf der Homepage der Initiative Hafenstraße ’96, die zum 25. Jahrestag des Anschlags eine Erinnerungswoche organisierte, sie seien nach Deutschland gekommen, „um ein sicheres Zuhause zu finden“ – und weiter: „Sie kamen als Geflüchtete nach Deutschland und wurden von deutschen Täter*innen ermordet.“ Tatsächlich gibt es wenig Zweifel an der Täterschaft der drei Neonazis Maik W., Dirk T. und René B., die am Morgen nach dem Anschlag in Grevesmühlen festgenommen wurden. (…)Bisher hat die Justiz alle Versuche, das Verfahren neu aufzurollen, zunichte gemacht. Darum setzt die Initiative Hafenstraße ’96 ihre Hoffnungen auf eine Online-Petition, die zu Beginn der Erinnerungswoche gestartet wurde (hafenstrasse96.org). Mit dieser Petition soll versucht werden, einen Untersuchungsausschuss im schleswig-holsteinischen Landtag zur Aufklärung des Lübecker Brandanschlags zu erwirken. Die Petition wird von der Hamburger Anwältin Gabriele Heinecke unterstützt, die Verteidigerin von Safwan Eid war. Gegenüber junge Welt sagte sie, die überlebenden Hausbewohner und die Öffentlichkeit hätten „einen Anspruch auf Verfolgung der wirklich Tatverdächtigen“. Die Vorgänge, die zur „Vertuschung zugunsten der rechtsradikalen Beschuldigten“ geführt hätten, müssten offengelegt werden. Die Staatsanwaltschaft Lübeck habe bewiesen, dass von ihrer Seite ein Bemühen um Aufklärung nicht zu erwarten sei. Nur ein „mit allen prozessualen Rechten ausgestatteter Untersuchungsausschuss“ könne Licht ins Dunkel bringen. Mord verjährt bekanntlich nicht.“ Artikel von Kristian Stemmler vom 18. Januar 2021 im Lower Class Magazin externer Link
    • Aufarbeitung des Justizskandals gefordert: Lübecker Initiative verlangt Einrichtung eines Parlamentarischen Untersuchungsausschusses
      Die Parallelen zu den einseitigen Ermittlungen nach den Morden des rechtsterroristischen NSU, die sich ausschließlich auf das familiäre Umfeld der Opfer konzentrierten, sind frappierend: Nach dem Brandanschlag auf eine Unterkunft für Geflüchtete in Lübeck vor 25 Jahren trachtete die Staatsanwaltschaft danach, einem Bewohner des Brandhauses, dem jungen Libanesen Safwan E., das Verbrechen anzuhängen. Dabei waren die Hinweise auf die vier Neonazis Maik W., Dirk T., René B. und Heiko P. aus dem mecklenburgischen Grevesmühlen offensichtlich, zwei von ihnen bezichtigten sich selbst der Tat. Doch zu einem Prozess gegen sie kam es nie. Die Lübecker Initiative »Hafenstraße ’96« veranstaltet auch zu diesem 25. Jahrestag des rassistischen Anschlags eine Gedenkwoche – und fordert in einer vergangenen Montag gestarteten Onlinepetition an den Landtag von Schleswig-Holstein die Einrichtung eines Untersuchungsausschusses, der das dubiose Vorgehen der Ermittlungsbehörden damals aufklären soll. Er solle dazu beitragen, dass die Opfer ebensowenig in Vergessenheit geraten wie der Justizskandal. Die Ermittlungen von Polizei und Staatsanwaltschaft hätten »viele Fragen« aufgeworfen, heißt es in der Petition: »Beweismittel verschwanden, Aussagen wurden verfälscht, eine Leiche wurde zur Einäscherung freigegeben, obwohl noch keine Todesursache ermittelt war. Auffällig ist die Einseitigkeit der ›Pannen‹: Polizei und Staatsanwaltschaft ignorierten Spuren, die in Richtung Nazis deuteten.« Zu den Erstunterzeichnern der Eingabe gehören neben der Hamburger Rechtsanwältin Gabriele Heinecke, die Safwan E. in den beiden Prozessen verteidigt hatte, der ehemalige Lübecker Michael Bouteiller und die Journalistin Beate Klarsfeld und mehrere Wissenschaftler…“ Artikel von Jana Frielinghaus vom 17.01.2021 im ND online externer Link
  • 25 Jahre – Erinnerungswoche 11. bis zum 18. Januar 2021: Hafenstraße’96 – Gedenken & Anklagen
    Vor 25 Jahren brannte in den frühen Morgenstunden des 18. Januar 1996 das Asylbewerber*innenheim in der Hafenstraße 52 in Lübeck
    Sieben Kinder und drei Erwachsene kommen hierbei ums Leben. 38 Menschen wurden verletzt. Die Ursache war ein rassistischer Brandanschlag – ein trauriger Anlass, der es verdient auf eine besondere Art und Weise erinnert zu werden.
    Seit 25 Jahren gilt der Brand als unaufgeklärter Brandanschlag mit der bisher höchsten Opferzahl in Deutschland – alles deutet darauf hin, dass die Täter*innen vier Neonazis waren, die in der Nacht durch Lübeck fuhren und das Haus in Brand setzten. Die Gruppe männlicher Neonazis aus Grevesmühlen wurde am Tatort kontrolliert und zunächst auch vernommen. Einer dieser Männer gestand später u.a. gegenüber einem Journalisten. Es ist keiner der Neonazis angeklagt und verurteilt worden. Zuletzt wurde im Jahr 2000 versucht die vier Neonazis anzuklagen – ohne Erfolg. Bis heute ist das rassistische Tatmotiv nicht von der Lübecker Staatsanwaltschaft in Erwägung gezogen und zur Anklage zugelassen worden. Die Tat sowie die Brandursache bleiben bis heute unaufgeklärt.
    25 Jahre ist es her, dass ein Bewohner beschuldigt und angeklagt wurde
    Am 19. Januar wird der Bewohner des Hauses Safwan Eid, zusammen mit seinem Bruder verhaftet. Der aus dem Libanon stammende Mann wird, aufgrund einer ominösen Zeugenaussage beschuldigt, dass Asylbeweber*innenheim, in dem er seit Jahren mit seiner Familie lebte, angezündet zu haben. Nach einem langen Prozess wird er durch einen Freispruch aufgrund von Mangeln an Beweisen freigesprochen. Insgesamt wurde er zweimal unschuldig angeklagt und inhaftiert. Das Anklagen von Familienangehörigen und Betroffenen, die selbst rassistischer Taten zum Opfer fielen, findet hier einen Anfang. Eine Täter-Opfer-Umkehr, die sich z.Bsp. auch bei den Taten des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) zeigte und als falsch erwies.25 Jahre rechte Gewalt und ein Klima voll Hass…“ Aufruf auf der Aktionsseite hafenstrasse96.org externer Link

    • Erinnerungswoche 11. bis zum 18. Januar 2021:
      Vor 25 Jahren brannte in den frühen Morgenstunden des 18. Januar 1996 die Geflüchtetenunterkunft in der Hafenstraße 52 in Lübeck. Sieben Kinder und drei Erwachsene kommen hierbei ums Leben. 38 Menschen wurden verletzt. Die Ursache war ein rassistischer Brandanschlag – ein trauriger Anlass, der es verdient auf eine besondere Art und Weise erinnert zu werden…“ Siehe Termine auf der Aktionsseite externer Link
  • „Nicht erst seit den NSU-Morden: Staat und Nazis Hand in Hand–Der Brandanschlag der Nazis in Lübeck 1996″
    Flugblatt Nr.30 der GewerkschafterInnen und Antifa gemeinsam gegen Dummheit und Reaktion im Vorfeld des NSU-Prozesses in München

Grundinfos:

Kurzlink: https://www.labournet.de/?p=91881
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