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Streikwelle der LehrerInnen in den USA erreicht Arizona und Colorado – die Gewerkschaften überbieten sich. In Peinlichkeiten

Beim Lehrerstreik in Westvirginia im Februar 2018 gibt es starke Unterstützung durch SchülerDer Spruch trifft es und er ist eines der Kennzeichen der aktuellen Streikwelle in immer mehr US-Bundesstaaten: „Es gibt keinen illegalen Streik, wenn Du ihn gewinnst“. Jetzt sind die Lehrerinnen und Lehrer – und sonstigen Schulbeschäftigten – in Arizona (Streikverbot, aber selbstverständlich sind die USA eine Demokratie) und Colorado in den Streik getreten. In Arizona traten am 26. April 2018 rund 75.000 Schulbeschäftigte in den Streik – der erste Schulstreik in der Geschichte des Bundesstaates. In Colorado wurden am 27. April Dutzende Schulen bestreikt und weitere Streiks beschlossen. Und während Politiker der Republikanischen Partei in Arizona sich einmal mehr in der Phase ebenso plumper wie dummer Drohungen befinden – bisher jedes Mal gefolgt von schnell vorgebrachten Angeboten für Lohnerhöhungen, wenn es sogar bis zu ihnen durchdrang, wie massiv die Streikbewegung ist, und wie stark sie von SchülerInnen, Elternvereinigungen und breiter Teile der allgemeinen Öffentlichkeit unterstützt werden – kommen auch die Gewerkschaften und ihre Orientierung auf die Demokratische Partei in die Bredouille. Nicht zuletzt, weil Colorado eben einen Gouverneur dieser Vereinigung hat – und die Gehälter zu den niedrigsten der ganzen USA gehören, während „im Gegenzug“ die Kürzungen bei Schulausgaben ganz weit vorne liegen. Eine Stellungnahme der Vorsitzenden der LehrerInnengewerkschaft AFT von Anfang März macht dabei die immer breitere Runde – als sich Frau Weingarten nicht zurück halten konnte und von sich gab, nur wenn mit Gewerkschaften verhandelt werde, könne man solche Streiks wie in West Virginia verhindern. Zur aktuellen Entwicklung der Streikbewegung an den Schulen der USA vier aktuelle Beiträge, sowie zwei Hintergrundartikel und der Verweis auf den bisher letzten unserer zahlreichen Berichte:

„Bisher größter Streik der amerikanischen Lehrerrebellion“ von David Moore am 28. April 2018 bei wsws externer Link zur konkreten Entwicklung der Streikbewegung in Arizona, der es, wie anderswo auch, keineswegs nur um die eigenen Bezüge geht: „Es ist der bisher größte Streik der amerikanischen Lehrerrebellion zur Verteidigung des staatlichen Bildungssystems. In Arizona sind davon schätzungsweise 840.000 Schüler betroffen. Wie schon in West-Virginia und Oklahoma haben auch in Arizona die Lehrer an der Basis die Bewegung ins Rollen gebracht. Sie bedienen sich der sozialen Medien, aber nicht der Gewerkschaften National Education Association (NEA), American Federation of Teachers (AFT) oder deren Zweigstellen in den Bundesstaaten. Seit dem Verrat der Streiks in West-Virginia und Oklahoma haben die NEA und die AFT alles getan, um eine Ausweitung der Lehrerrevolte auf das ganze Land zu verhindern. In Arizona haben die Lehrer die schlimmsten Lohnkürzungen erlebt und sind mit den größten Finanzlöchern der gesamten USA konfrontiert. Nach der Wirtschaftskrise von 2008 wurden die Mittel pro Schüler stärker gekürzt als in jedem anderen Bundesstaat, nämlich um 36.6 Prozent. Die Löhne der Lehrer in Arizona sind seit 2000 inflationsbereinigt um mehr als 10 Prozent gefallen. Aktuell sind die Lehrerlöhne auf dem Stand von 1980, d.h. vor 40 Jahren. Gouverneur Doug Ducey versuchte, den Streik abzuwenden, indem er eine 20prozentige Lohnerhöhung anbot. Die Lehrer lehnten dieses leere Versprechen ab, weil kein Vorschlag für die Finanzierung der Lohnerhöhung vorlag. Es hätte bedeutet, dass die Löhne durch Kürzungen bei anderen wichtigen Dienstleistungen finanziert worden wären, und dass nichts gegen die chronische Unterfinanzierung der Schulen unternommen worden wäre“.

„Arizona teacher walkout: how 3 decades of tax cuts suffocated public schools“ von Alvin Chang am 26. April 2018 bei Vox externer Link ist ein Beitrag über die Auswirkungen von drei Jahrzehnten Kürzungspolitik bei Bildungsausgaben in Arizona und ihre heutigen Ergebnisse – und macht so sehr schnell deutlich, warum die Streikenden mehr Geld für den jeweiligen Bildungshaushalt wollen – und warum dies in der Bevölkerung in großer Mehrheit unterstützt wird. Zwischen 2008 und 2018 sind die Ausgaben für Bildungspolitik im Bundesstaat um 14% gesunken – gekürzt worden, wie in einem der sieben Schaubilder, um die herum dieser Beitrag verfasst wurde, deutlich gemacht wird. Was das in Arizona und auch anderswo im Alltag bedeutet, wird in dem Beitrag nur skizziert: Kunst- und Musikunterricht werden gestrichen (gehört ja nicht zu den Anforderungen der Personalabteilungen der Unternehmen, nach denen die Bildungspolitik zwischen Arizona und Bologna ausgerichtet wird). Oder aber auch: Lehrbücher dürfen nicht mit nach Hause genommen werden. Weil dies für die uralten Schwarten viel zu riskant wäre…

„’Backed Up Against a Wall,’ Arizona and Colorado Teachers Join Wave of Strikes to Demand Education Funding“ von Julia Conley am 26. April 2018 bei Common Dreams externer Link ist ein Beitrag, in dem viel über den Versuch der Republikaner berichtet wird, eine reaktionäre Gegenoffensive zu organisieren. In dem aber auch deutlich wird, dass in Colorado die Lehrerinnen und Lehrer so deutlich, wie sonst nirgends unter dem Durchschnittseinkommen im Bundesstaat liegen – 22%. Und jährlich rund 800 Millionen Dollar Bildungsausgaben fehlen…

„Here’s How Arizona Teachers Organized the First Statewide Teacher Strike in Arizona’s History“ von Chris Brooks am 27. April 2018 bei den Labornotes externer Link ist ein knapper Beitrag über die selbstständige Organisierung des Kampfes durch Basisnetzwerke der LehrerInnen in Arizona, die sowohl übertraditionelle Methoden, als auch über soziale Netzwerke mobilisierten.

„Rebellion in the Southwest: Interview with a Striking Arizona Teacher“ am 26. April 2018 bei Left Voice externer Link ist ein ausführliches Interview mit einer streikenden Musiklehrerin aus Phoenix, die darin sehr konkret sowohl die Situation an den Schulen nach Ewigkeiten abstruser Kürzungspolitik beschreibt, als auch die Situation den Lehrenden. Und berichtet, wleche Schritte der Organisation des Kampfes sie unternommen haben.

„Why the remarkable West Virginia teachers strike is not over after eight days“ von Valerie Strauss am 05. März 2018 in der Washington Post externer Link war ein Beitrag nach der Beendigung des ersten Streiks in West Virginia, worin die „befremdlichen“ Aussagen der AFT-Vorsitzenden Weingarten – unter anderem – Gegenstand sind, die Gewerkschaften als Streikverhinderungsorganisation anpreist…

Kurzlink: https://www.labournet.de/?p=131388
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