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Wanderarbeiter und Flüchtlinge in der türkischen Landwirtschaft: Zustände wie anderswo…

So müssen Ernteheöfer in der Türkei wohnen...„… Saisonarbeiter*innen leben auch in der Türkei unter schweren Bedingungen. Nach Angaben von Asrın Keleş von der Ökologiekommission des Demokratischen Kongresses der Völker (HDK) stammen 45 Prozent der saisonalen Erntehelfer*innen aus Nordkurdistan. „Es handelt sich um Arbeitsmigration“, sagt Keleş und führt aus: „Die Arbeiterinnen und Arbeiter haben vor allem keine vernünftige Unterkunft. Sie leben in Zeltstädten unter unhygienischen und ungesunden Bedingungen. Das ist aber nur ein Problem von vielen. Beispielsweise treten gesundheitliche Probleme aufgrund der eingesetzten Chemikalien auf. Vor allem für Frauen und Kinder ist es schlimm. Erntehelfer ist der letzte Beruf, den sich Menschen in der Türkei wünschen. Sie müssen für einen sehr geringen Lohn unter menschenunwürdigen Bedingungen arbeiten, das Einkommen bleibt unter der Hungergrenze.“ Das größte Problem für die Feldarbeiter*innen ist das reine Überleben, sagt Keleş: „Die Politik kümmert sich nicht um die Erntehelfer. Niemand sagt etwas dazu, niemand will etwas von ihren Schwierigkeiten wissen. Selbst unter normalen Bedingungen leben sie in einem unhygienischen Umfeld, jetzt müssen sie auch noch gegen die Pandemie kämpfen. Dadurch ist ihr Leben noch schwieriger geworden. Zum Beispiel gab es in letzter Zeit viele Diarrhoe-Fälle. Wenn es keinen Strom und kein Wasser gibt, kann von Hygiene keine Rede sein. Es wird dazu aufgerufen, die Abstandsregeln zu beachten, aber in einem Zelt leben bis zu 17 Personen und die Toilette wird von mindestens 50 Personen genutzt. Hygiene ist nicht möglich.“...“ – aus dem Bericht „Menschenunwürdig und gefährlich: Saisonarbeit in der Türkei“ am 09. Juli 2020 bei der ANF externer Link zu einer Situation, über die wir auch schon aus mehreren anderen Ländern, inklusive der BRD, berichtet haben. Siehe dazu auch einen älteren Beitrag mit ausführlicheren Informationen über die nochmals „besondere„ Situation der Flüchtlinge in der Landwirtschaft der Türkei, insbesondere jener aus Syrien und Afghanistan:

  •  „Moderne Sklaverei: Saisonarbeit in der türkischen Landwirtschaft“ bereits am 15. August 2019 ebenfalls bei der ANF externer Link zur Situation von Menschen vor allem aus Kurdistan, Syrien und Afghanistan in der türkischen Landwirtschaft anhand eines persönlichen Berichtes: „… Yıldız berichtet weiter: „Uns wurde gesagt, man suche Arbeiter*innen zum Traubenpflücken. Als wir in Manisa ankamen, sagten sie uns, die Trauben seien einen Monat später dran, wir müssten Tomaten ernten. Sie gaben uns die Garantie, dass wir 50 bis 60 Tage arbeiten könnten. Wir hatten 15 Tage auf eine Arbeitsstelle gewartet und begannen dann mit der Tomatenernte. Es gibt verschiedene Techniken, um Tomaten zu ernten. Es wird nach Tonnen abgerechnet und egal wer gerade intensiv arbeitet und wer es gerade nicht tut, erhält am Ende den gleichen Lohn. Es wird in Kisten gesammelt. Für vierzig Kisten bekommen wir 75 TL (rund zwölf Euro). Wir arbeiten bis spät in den Abend hinein unter der prallen Sonne und schafft gerade so 50 bis 60 Kisten. Die Tomaten sind sehr klein. Von uns wird verlangt, dass wir die Tomaten nach Größe und Qualität wählen. Am Ende des Tages haben wir 50 bis 60 Kisten gesammelt, zehn davon gehen an den Vorarbeiter. Es gibt keine geregelten Arbeitszeiten. Wir wissen nie, wann wir zurückkehren. Wir steigen am Morgen spätestens um 4.30 Uhr auf den Traktor. Wann wir zurückkommen, ist unklar. Manchmal gehen wir früh, manchmal bleiben wir bis in die tiefe Nacht. Wir sind seit mehr als zwanzig Tagen hier.“…“
Kurzlink: https://www.labournet.de/?p=175325
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