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Die Gewerkschaften Unia und Syna sowie der Baumeisterverband der Schweiz fordern mehr Schutz bei Hitze auf dem Bau
„Die Hitzeperioden im Sommer werden immer extremer. Dies hat Auswirkungen auf die Gesundheit der Bauarbeiter. Ab 33 Grad müssen die Arbeiten eingestellt und die Baufristen erstreckt werden. Dies fordern Gewerkschaften und Baumeisterverband gemeinsam. Schwere körperliche Arbeiten bei grosser Hitze und an der prallen Sonne sind nicht nur anstrengend, sie bringen auch ein erhöhtes Risiko von Unfällen, Hitzeschlägen und weiteren gesundheitlichen Beeinträchtigungen mit sich. Die Gewerkschaften Unia und Syna sowie der Baumeisterverband wollen gemeinsam klare Rahmenbedingungen schaffen: Solange der Gesundheitsschutz sichergestellt werden kann, soll weitergearbeitet werden. Ab einer Temperaturvorhersage von 33 Grad und höher sollen schwere Arbeiten im Freien an nicht dauerhaft beschatteten Stellen eingestellt werden. Die Baufristen müssen entsprechend erstreckt werden…“ Unia-Meldung vom 05.06.2024
und dazu:
- Nach Genf bald auch in Zürich? Breite Koalition für Baustops bei Extremhitze – Meister bekommen kalte Füsse
„Im Kanton Zürich fordern Parteien von AL bis GLP mehr Hitzeschutz für Bauleute. Darunter etwas, das die Sozialpartner schon 2024 vorgeschlagen hatten: Ab 33 Grad und ohne Beschattungsmöglichkeit muss der Bau ruhen. Doch jetzt, wo es ernst wird, krebsen die Baumeister zurück. (…)
Der Kanton Genf, notabene bürgerlich regiert, griff durch – und tat das, was die Unia schon lange von ihm gefordert hatte: Er verhängte an mehreren Hitzetagen (in Genf war es zuweilen fast 36 Grad heiss) Baustops ab 13 Uhr. Und nicht nur Bauarbeiten mussten unterbrochen werden, sondern «alle Arbeiten unter der Sonne». Ausnahmen galten nur für Tätigkeiten, die zur «Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung und Sicherheit» nötig waren. Aber auch dann galt ein äusserst striktes Regime: Auf 15 Minuten Arbeit musste jeweils eine dreiviertelstündige Pause folgen. Doch was Genf auf die Schnelle möglich machte (und laut den dortigen Gewerkschaften von den Belegschaften dankend angenommen und von den Firmen grossmehrheitlich befolgt wurde), ist für andere Regierungen ein Tabu. So antwortete das Amt für Wirtschaft des Kantons Zürich auf Anfrage des «Tages-Anzeigers», es gebe «keine gesetzliche Grundlage» für solche Arbeitsstops. Diese Argumentation hält Chris Kelley, Unia-Co-Leiter Bau, für vorgeschoben. Genf zeige, dass pragmatische Lösungen möglich seien. Will sich Zürich also bloss aus der Verantwortung stehlen? Jedenfalls dürfte das künftig nicht mehr so leichtfallen. (…)
Am Montag wurde im Zürcher Kantonsrat nämlich eine Motion eingereicht, die es in sich hat: (…) Konkret verlangen die Motionärinnen und Motionäre aus den Parteien AL, SP, Grüne, EVP und GLP im mindesten diese fünf Massnahmen:
1. Baustop ab 33 Grad (…)
2. Schluss mit hitzebedingten Konventionalstrafen (…)
3. Früherer Baustart (…)
4. Flexiblere Mittagsruhe (…)
5. Alarm-App (…)
Bei den Baumeistern wiederum rennt man mit den Forderungen nach einem früheren Baustart, verkürzter Mittagsruhe und einer Lösung des Konventionalstrafen-Problems ohnehin offene Türen ein. (…) Doch ausgerechnet nach der Rekordhitze Ende Juni und praktisch parallel zum Vorstoss im Zürcher Kantonsrat vollzog der SBV eine 180-Grad-Wende und warf seine einstige Überzeugung über Bord. SBV-Sprecherin Jacqueline Theiler bestätigt: «Eine generelle Einstellung von Arbeiten ab einer bestimmten Temperatur greift zu kurz.» Die Baumeisterspitze macht also einen Rückzieher, kaum werden politische Lösungen endlich konkreter. (…) Dass sie damit durchkommt, darf jedoch bezweifelt werden. Für die Gewerkschaften ist der Baustop bei schweren Arbeiten in der prallen Sonne ab 33 Grad jedenfalls nicht verhandelbar. (…) Im Gegenzug zur Einstellung der Arbeiten unterstütze die Unia den Vorschlag, an Tagen mit prognostizierter Hitze einen Arbeitsbeginn ab 6 Uhr zu ermöglichen. (…) Im Jahr 2025 registrierte die Stadt Zürich 14 Hitzetage mit Temperaturen über 30 Grad. Bis 2060 rechnet die Stadt mit einer Verdoppelung. Im laufenden Sommer zählte Zürich schon 17 Hitzetage – und die nächste Welle steht bereits vor der Tür.“ Artikel von Jonas Komposch vom 9. Juli 2026 in der Work, Zeitung der Unia
Siehe auch das internationale Dossier: Zahl seit 2008 in 2019 verdoppelt: Mehr Krankheitstage durch Hitze und Sonne – und Tote, weltweit