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Über 20 LKW-Fahrer aus Belarus für polnische Spedition MBC streikten bei Venlo erfolgreich für ausstehende Löhne der Warschauer Leihfirma „Super Job“

Litauen Girteka - Ein Rotbrauner gezeichneter LKW mit Gittern vor den Fenstern aus dem ein Fahrer herausschaut„Rund 25 Lkw-Gespanne des polnischen Transportunternehmens MBC Trans stehen im Zusammenhang mit einem Streit über mutmaßlich ausstehende Lohnzahlungen still. Die Forderungen der Fahrer belaufen sich nach deren Angaben auf rund 150.000 Euro. Die Protestaktion begann in Deutschland und verlagerte sich anschließend in die Niederlande, wo sich überwiegend belarussische Fahrer am Truckstop Venlo aufhalten. (…) Mit dem Konflikt befassen sich auch die niederländische Gewerkschaft FNV und nach Angaben aus dem Umfeld der Fahrer die Stiftung Road Transport Due Diligence (RTDD)...“ Artikel von Agnieszka Kulikowska-Wielgus vom 23.10.2026 in Trans.info externer Link („25 Lkw in den Niederlanden blockiert. Im Hintergrund: ein polnischer Frachtführer und ein Streit um 150.000 Euro“) – siehe mehr Informationen aus der Recherche von chefduzen.de zum nun erfolgreich abgeschlossenen Streik:

  • Informationen aus der Recherche von chefduzen.de
    Gerüchte über einen wilden Streik migrantischer LKW-Fahrer auf dem Rastplatz Venlose Heide in der Nähe der deutsch-niederländischen Grenze wurden von einem Gewerkschafter der niederländischen FNV bestätigt.
    Die Fahrer, die nun auf der niederländischen Seite stehen, sind für das polnische Transportunternehmen MBC unterwegs.
    Die Gewerkschaft FNV wurde am Montag, dem 12.10. von zwei Quellen informiert, einmal von Fahrern und auch von der polnischen Leiharbeitsfirma mit dem Namen SuperJobs, dass die Fahrer sich im Streik befinden und man bat die Gewerkschaft um Hilfe. Es sei ungewöhlich, dass ein Arbeitgeber die Gewerkschaft in einer solchen Sache anschreibt. Die Gewerkschaft hat mit den Streikenden gesprochen, 22 Fahrer aus Belarus, die bestätigt haben, dass das polnische Transportunternehmen die Löhne nicht zahlt. Da aber die Fahrer bei dem Unternehmen nicht direkt angestellt waren, sondern bei der Leiharbeitsfirma, sollte angeblich letztere die Löhne zahlen… (siehe zur rechtlichen Lage die entsprechenden Ausführungen im o.g. Trans.info-Artikel)
  • Richard Vervoorn von der FNV-Stichting VNB:
    „Es ist natürlich ziemlich bemerkenswert, dass eine polnische Zeitarbeitsfirma die FNV kontaktiert, um uns mitzuteilen, dass die Fahrer faktisch streiken. Mitarbeiter der FNV-VNB besuchten den Standort, während russischsprachige Mitarbeiter der RTDD telefonische Interviews mit den Fahrern führten, um die Situation zu untersuchen. Darüber hinaus wurde Kontakt mit der Zeitarbeitsfirma und dem Transportunternehmen in Polen aufgenommen. Alle beteiligten Parteien stellten Informationen zur Verfügung.“
    Die Untersuchung ergab, dass sämtliche Lkw Ladungen transportierten, die über LKW Walter organisiert worden waren, und dass die Fahrer Transporte für Unternehmen wie Heineken, Lidl, Hornbach, Volkswagen und Red Bull durchgeführt hatten. Anschließend informierte die RTDD mehrere Unternehmen über die Gründe, weshalb ihre Waren nicht zugestellt worden waren.
    Aus den Interviews mit den Fahrern ging hervor, dass sie bei der polnischen Zeitarbeitsfirma Super Jobs beschäftigt und an die polnischen Transportunternehmen MBC Trans und MBC Development überlassen worden waren. Die Fahrer erklärten, dass sie nahezu ausschließlich in Westeuropa arbeiteten, in ihren Lkw-Kabinen lebten, die vereinbarten Löhne nicht erhielten und ihnen Unterlagen wie Lohnabrechnungen nicht ausgehändigt wurden.
    Die vorgelegten Informationen zeigten, dass MBC die von Super Jobs ausgestellten Rechnungen bezahlt hatte, Super Job jedoch die Fahrer nicht entlohnt hatte. Darüber hinaus wurde deutlich, dass MBC und Super Jobs keine klaren Vereinbarungen hinsichtlich der Einhaltung der geltenden Gesetze und Vorschriften, einschließlich des europäischen Mobilitätspakets, getroffen hatten.
    Die RTDD hat kürzlich einen Leitfaden für multinationale Unternehmen veröffentlicht, der ihnen dabei helfen soll, ihre Transportdienstleister zur Einhaltung der geltenden Gesetze und Vorschriften zu verpflichten und deren Einhaltung zu überprüfen. Abschnitt 3.7 (Seite 27) dieses Leitfadens befasst sich ausdrücklich mit dem Einsatz von Fahrern, die über Zeitarbeitsfirmen zur Verfügung gestellt werden:  Road Transport Due Diligence Compass – https://www.rtdd.org/compass/ externer Link
    In diesem Fall ist offensichtlich, dass LKW Walter nicht überprüft hat, ob MBC die geltenden Gesetze und Vorschriften einhielt. MBC wiederum traf unklare Vereinbarungen mit einer Zeitarbeitsfirma und übte keine ausreichende Kontrolle aus, um die Rechte der Fahrer zu gewährleisten. Dies gilt unabhängig davon, ob MBC sämtliche ausstehenden Rechnungen bezahlt hatte.
    Der Lkw-Parkplatz in Venlo ist inzwischen wieder leer. Nach fast zwei Wochen Protest erhielten die Fahrer von MBC Zahlungen in Höhe von 100 Euro netto pro Tag, die ihnen direkt in ihren Lkw-Kabinen ausgezahlt wurden, während die Zeitarbeitsfirma Super Job spurlos verschwand.
    Während des gesamten Protests übernahm die FNV eine vermittelnde Rolle. Die RTDD setzte unterdessen ihre Sachverhaltsaufklärung fort und informierte Unternehmen, deren Waren sich auf dem Parkplatz befanden, über die Hintergründe des Falls sowie darüber, wie sie zur Wiedergutmachung und zur Vermeidung vergleichbarer Situationen in Zukunft beitragen könnten.
    Nach Kenntnis der FNV wurden inzwischen sämtliche Waren zugestellt. Keiner der betroffenen Fahrer wird seine Tätigkeit für eines der beteiligten Unternehmen fortsetzen.„
  • Siehe auch die Kurzinfo „Aktueller Wilder Streik“ bei chefduzen.de externer Link

Wir danken einem Leser des LabourNet, der uns auf den LKW-Streik auf dem Parkplatz Venlose Heide aufmerksam machte und allen Beteiligten für die tolle Zusammenarbeit!

Wir erinnern an:

Kurzlink: https://www.labournet.de/?p=238261
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