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Präsentismus – auch in Österreich das unsichtbare Phänomen bei sichtbarem Arbeitsdruck

Dossier

Präsentismus: Arbeiten trotz Krankheit (IG Metall)Krank in die Arbeit zu gehen, schadet der Belegschaft und dem Unternehmen – der aktuelle Arbeitsklima Index zeigt: 53 Prozent der Beschäftigten arbeiten in der Corona-Krise, auch wenn sie krank sind. Geht es um das Coronavirus, sollte allen klar sein: Wer krank ist, bleibt zu Hause, um nicht auch noch die KollegInnen anzustecken. Im beruflichen Alltag scheint diese Devise allerdings nicht zu gelten: Die Krankenstandstage gehen zurück und die allermeisten Befragten geben an, immer mal wieder krank in die Arbeit zu gehen. Laut einer aktuellen Auswertung des Österreichischen Arbeitsklima Index der AK Oberösterreich externer Link ist der Anteil der Beschäftigten, die arbeiten, obwohl sie krank sind, so hoch wie nie zuvor. (…) Die Hauptgründe dafür sind Pflichtgefühl und Zeitstress, aber auch das Home-Office. (…) Und wer daheimbleibt, steht schnell unter Verdacht zu simulieren…“ Beitrag von Toumaj Faragheh vom 9. April 2021 beim ÖGB externer Link und dazu:

  • Weniger Krankenstände, mehr Überlastung: Österreichs Kapitalfraktion fordert strengere Kontrollen, ÖGB und Arbeiterkammer warnen vor Arbeitsdruck New
    „Die durchschnittliche Dauer von Krankenständen in Österreich geht kontinuierlich zurück und befindet sich auf einem neuen Tiefststand. Das geht aus den am Donnerstag von der Statistik Austria veröffentlichten Krankenstandsdaten für 2025 hervor. Konkret zum Zahlenwerk: 9,1 Tage dauerte der durchschnittliche Krankenstand im Vorjahr. 2024 waren es 9,2 Tage, 2023 9,4. Zum Vergleich: Im Jahr 1965, dem ersten hier erfassten Jahr, lag dieser Wert mit 18,6 Tagen mehr als doppelt so hoch. Politische Akteure reagierten unterschiedlich auf die Befunde. Der Österreichische Gewerkschaftsbund (ÖGB) begrüßte am Donnerstag in einer Stellungnahme zwar den Rückgang der durchschnittlichen Krankenstandsdauer, warnte aber vor einer »trügerischen Entspannung«. Die steigende Polarisierung zwischen sehr kurzen und sehr langen Krankenständen zeige, dass Prävention und betriebliche Gesundheitsprogramme weiter stark ausgebaut werden müssten. So wie der ÖGB verweist auch die Arbeiterkammer (AK) per Aussendung auf die Problematik, wonach viele Beschäftigte trotz Krankheit arbeiten. »Wer krank ist, muss die Möglichkeit haben, sich auszukurieren«, so Ines Stilling, AK-Bereichsleiterin Soziales, gleichentags in einer Pressemitteilung. Was den von der Statistik gemeldeten Rückgang bei den Krankenstandszahlen betrifft, sei jeder verhinderte Krankenstand »grundsätzlich eine gute Nachricht«. Gleichzeitig dürfe man die Ursachen von Erkrankungen nicht aus den Augen verlieren, so Stilling: »Arbeitsdruck, Personalmangel und steigende psychische Belastungen sind für viele Beschäftigte nach wie vor Alltag.« Notwendig seien deswegen auch Rahmenbedingungen, »damit Menschen gar nicht erst krank werden«. Die Wirtschaftskammer Österreich (WKO) hingegen betont die Kosten für Unternehmen. Jeder verlorene Arbeitstag verursache mindestens 300 Euro, meinte WKO-Sozialpolitiker Rolf Gleißner am Donnerstag gegenüber Pressevertretern. Die Kammer fordert daher strengere Kontrollen und eine konsequentere Bekämpfung von vermeintlichem Krankenstandsmissbrauch. (…)
    Unterstützung erhält die WKO dabei von Teilen der »Zuckerl«-Koalition aus konservativer ÖVP, SPÖ und neoliberalen Neos: Vertreter der Konservativen verweisen auf das Regierungsprogramm, das bereits schärfere Regeln vorsieht – etwa häufigere ärztliche Bestätigungen ab dem ersten Tag und eine bessere digitale Erfassung von Krankenständen. (…)
    Insgesamt zeigt sich: Die sinkende durchschnittliche Dauer von Krankenständen ist nur ein Teil der Realität. Die politischen Konfliktlinien verlaufen zwischen Prävention und Kontrolle, zwischen Arbeitsdruck und wirtschaftlichen Kosten – und damit zwischen Beschäftigten, die sich krank zur Arbeit schleppen, und Unternehmern, die diese Entwicklung als Erfolg verkaufen.“
    Artikel von Jens Walter in der jungen Welt vom 14. August 2026 externer Link
  • Mehr Leistung, mehr Stress: Wenn uns die Arbeit krank macht
    Neue Befragung unter Betriebsrät:innen: Betriebe steigern ihren Erfolg oft auf dem Rücken der Beschäftigten
    Viele Betriebe haben ihre Leistung weiter gesteigert – oft durch mehr Druck und Stress für Beschäftigte; Immer mehr Arbeit in weniger Zeit macht krank und belastet stark; Gleichzeitig fehlen Fachkräfte, weil viele keine Chance bekommen; Der ÖGB fordert bessere Arbeitsbedingungen und mehr Mitsprache
    Österreichs Betriebe stehen unter Druck. Viele haben in den vergangenen Jahren ihre Leistung gesteigert. Doch dieser Erfolg hat einen hohen Preis. Es gibt klare Gewinner und Verlierer.
    Das zeigt der aktuelle Strukturwandelbarometer im Auftrag der Arbeiterkammer (AK) Wien und des ÖGB. Dafür hat das Meinungsforschungsinstitut IFES knapp 1.500 Betriebsratsvorsitzende aus vielen Branchen in ganz Österreich befragt. Die Ergebnisse geben einen seltenen Einblick in den Arbeitsalltag.
    Erfolg auf Kosten der Beschäftigten
    Auf den ersten Blick wirkt vieles positiv. Über 54 Prozent der befragten Betriebsrät:innen sagen, dass die Produktivität in ihren Unternehmen gestiegen ist. Ein Drittel dieser Betriebe sieht sich sogar im Vorteil gegenüber der Konkurrenz. Produktivität bedeutet: Wie viel Arbeit in einer Stunde geschafft wird. In einer Fabrik sind das mehr produzierte Teile. In einer Bank bedeutet das weniger Zeit pro Kundenkontakt. In einem Pflegeheim sind es mehr betreute Patientinnen und Patienten. Das kann teilweise durch bessere Abläufe oder neue Technik passieren. Sehr oft steckt aber etwas anderes dahinter: mehr Druck und mehr Stress.
    Viele Betriebsrät:innen berichten genau das. Beschäftigte müssen immer mehr Aufgaben in immer kürzerer Zeit erledigen. Das wird zur großen Belastung. Der Arbeitsdruck ist deutlich gestiegen. Auch die Arbeitsverdichtung nimmt zu. Das heißt: In derselben Zeit muss immer mehr Arbeit geschafft werden. Beschäftigte arbeiten nicht nur länger, sondern auch intensiver
    …“ Beitrag von Peter Leinfellner vom 07. Juli 2026 beim ÖGB externer Link
  • [Gilt nicht nur für Österreich] Nicht Krankenstände sind das Problem, sondern krank zu arbeiten
    Die Konsequenzen der Entmachtung externer Link der Arbeitnehmer:innenvertretung in der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK) werden immer spürbarer. Beschäftigte werden von der Wirtschaftsvertretung öffentlich unter Generalverdacht gestellt, ihren Krankenstand zu missbrauchen, und es wird ihnen vorgeworfen, dass die Fehlzeiten „aus dem Ruder“ laufen. Damit einher geht die Forderung, die ersten Krankenstandstage als unbezahlten Urlaub zu deklarieren. Krankenstandstage haben nichts mit Missbrauch zu tun, sondern sie spiegeln die Arbeitsrealitäten wider: Steigende Belastungen, zunehmender Druck und eine älter werdende Erwerbsbevölkerung prägen die Situation in vielen Betrieben. Statt noch mehr Druck braucht es bessere Arbeitsbedingungen und eine passende betriebliche Gesundheitsförderung.
    Krankenstände leicht rückläufig
    Ein Blick auf die letzten Jahre zeigt, dass die Krankenstandstage langfristig und auch im Vergleich zum Vorjahr zurückgegangen sind. Laut Fehlzeitenreport 2025 externer Link (WIFO) waren unselbstständig Beschäftigte in Österreich im Jahr 2024 durchschnittlich 15,1 Tage im Krankenstand – ein leichter Rückgang gegenüber dem Jahr 2023. Das aktuelle Krankenstandsniveau liegt damit auf ähnlichem Niveau wie im Jahr 1990. Der Höchstwert wurde 1980 mit 17,4 Tagen erreicht, der niedrigste Wert 2006 mit 12 Tagen. Bis zum Jahr 2021 pendelten die Krankenstände um die 13 Tage pro Jahr, seit Corona hat sich das Niveau etwas erhöht. Die Krankenstandstage pro Kopf schwankten in den vergangenen Jahren leicht, ein langfristiger Anstieg der Fehlzeiten lässt sich aber nicht erkennen. (…)
    Das wahre Problem heißt „Präsentismus“
    Wenn etwas Anlass zu Sorge gibt, dann nicht vermuteter Missbrauch von Krankenständen oder die Krankenstandszahlen – sondern das Gegenteil: Immer mehr Beschäftigte arbeiten, obwohl sie krank externer Link sind. Dieses Phänomen wird als Präsentismus externer Link bezeichnet.
    Eine Analyse des AK-Arbeitsklima-Index externer Link macht deutlich, dass fast 6 von 10 Beschäftigte in Österreich (59,1 Prozent) in den letzten sechs Monaten krank in die Arbeit gegangen sind. Ein alarmierender Trend, der in den letzten Jahren externer Link stark zugenommen hat. Im Jahr 2015 lag der Anteil noch bei rund 30 Prozent und hat sich damit innerhalb von zehn Jahren nahezu verdoppelt. Diese Entwicklung steht sinnbildlich für eine Arbeitswelt, die zunehmend von Effizienzsteigerung, Gewinnmaximierung und steigendem Leistungsdruck geprägt ist.
    Angst vor Konsequenzen
    Die Gründe für Präsentismus sind vielfältig. Die Mehrheit der Beschäftigten (55 Prozent) gibt an, aus Pflichtgefühl gegenüber den Kolleg:innen krank zur Arbeit zu gehen. Fast 41 Prozent tun es, weil die Arbeit sonst liegen bliebe, und rund ein Drittel berichtet, keine Vertretung zu haben. Hinzu kommt ein weiterer besorgniserregender Faktor: die Angst vor negativen Konsequenzen. Viele Beschäftigte befürchten durch Fehlzeiten ein schlechtes Betriebsklima, Ermahnungen durch Vorgesetzte oder sogar drohende Kündigung. Daran zeigt sich, dass Präsentismus selten eine freiwillige Entscheidung ist. Vielmehr ist er das Ergebnis von Existenzängsten, struktureller Überlastung, Personalmangel, organisatorischen Versäumnissen oder der Sorge, Kolleg:innen und Vorgesetzte zu enttäuschen…“ Artikel von Katharina Bader vom 16. Dezember 2025 im Blog von A&W externer Link
  • Kranke gehören ins Bett – nicht unter Verdacht oder an den Arbeitsplatz: Die Wirtschaftskammer in Österreich fordert strengere Kontrollen von Krankenständen
    • Kranke gehören ins Bett – nicht unter Verdacht. ÖGB weist WKÖ-Forderung nach strengeren Krankenstandskontrollen entschieden zurück
      Husten, Fieber, Gliederschmerzen – eigentlich klar: Wer krank ist, gehört ins Bett. Doch die Wirtschaftskammer (WKÖ) sieht das anders. Sie fordert strengere Kontrollen von Krankenständen und stellt damit Millionen Beschäftigte unter Generalverdacht. Für den ÖGB ist klar: Statt Misstrauen und zusätzlichem Druck brauchen die Menschen im Krankheitsfall vor allem eines – Zeit, sich zu erholen. „Kranke gehören ins Bett – nicht unter Verdacht!“, betont Claudia Neumayer-Stickler, Leiterin des gesundheitspolitischen Referats im ÖGB.
      Krankenstände werden bereits kontrolliert
      Schon heute müssen Beschäftigte ihren Krankenstand penibel nachweisen. Ärztliche Bestätigungen und Meldungen an die Arbeitgeber sind Standard. Noch strengere Regeln würden nicht mehr Klarheit bringen, sondern nur zusätzliche Belastung für kranke Menschen schaffen. „Mit pauschalem Misstrauen erreicht man nichts, außer dass Menschen noch häufiger krank in die Arbeit gehen“, so Neumayer-Stickler.
      Präsentismus: Das eigentliche Problem
      Das wahre Risiko heißt Präsentismus – also krank zur Arbeit zu gehen. In Österreich geben rund 60 Prozent der Beschäftigten an, auch im Krankheitsfall weiterzuarbeiten. Neumayer-Stickler warnt: „Das ist brandgefährlich und kann volkswirtschaftlich teurer kommen als Krankenstände.“ Krankheiten werden verschleppt, Kolleg:innen angesteckt und langfristige Schäden riskiert
      …“ ÖGB-Meldung von Toumaj Faragheh vom 29. September 2025 externer Link, siehe auch:
    • Teilkrankenstand gibt es nicht – aus gutem Grund! Diese Rechte und Pflichten haben Beschäftigte, wenn sie krank sind
      Die Krankenstände sind in Österreich seit Jahren auf einem annähernd gleichen Niveau– was auf den ersten Blick positiv scheint, entpuppt sich bei näherem Hinsehen als großes Problem: Immer mehr Menschen schleppen sich nämlich krank in die Arbeit. Gerade in Krisenzeiten haben viele Angst davor, ihren Arbeitsplatz zu verlieren und setzen damit ihre Gesundheit aufs Spiel. Immer wieder gibt es Rufe aus der Wirtschaft, dass es in Österreich einen „Teilkrankenstand“ geben soll: Nicht jede Erkrankung soll demnach automatisch zum Krankenstand und Arbeitsausfall führen. „Das ist ein Anschlag auf die Gesundheit der Beschäftigten. Wer Teilkrankenstände fordert, nutzt die Arbeitsplatzsorgen der Betroffen aus und will sie unter Druck setzen“, so ÖGB-Arbeitsrechtsexperte Martin Müller. Für oegb.at erklärt der Arbeitsrechtsexperte, welche Rechte ArbeitnehmerInnen haben, wenn sie krank sind…“ Beitrag von Peter Leinfellner beim ÖGB externer Link (aktuell doch ohne Datum)
  • [Präsentismus] Sick Guilt: Wenn das Pflichtgefühl zum Problem wird. Immer mehr Arbeitnehmer:innen arbeiten trotz Krankheit, weil sie sich in der Pflicht sehen
    Viele haben das schon erlebt: Man fühlt sich in der Früh krank, hadert mit sich, ob man nicht doch in die Arbeit gehen sollte und entscheidet sich aber dafür, zuhause zu bleiben – doch wenig später meldet sich das schlechte Gewissen. Man fühlt sich schuldig, nicht in der Arbeit zu sein und deswegen seine Kolleginnen und Kollegen mutmaßlich im Stich zu lassen. Dieses Phänomen wurde als „Sick Guilt”, also das „Sich-im-Krankenstand-schuldig-fühlen”, bekannt, und ist eine Vorstufe des altbekannten Problems namens „Präsentismus”.
    60 Prozent gehen krank zur Arbeit
    6 von 10 Arbeitnehmer:innen in Österreich gehen trotz Krankheit zur Arbeit, das geht aus einer aktuellen AK-Klimaindex-Studie hervor. Dieser Wert ist ein Höchststand seit dem Erhebungsbeginn im Jahr 2008. Viele Betroffene haben Angst vor Kündigung und unangenehmen Fragen.
    „Sick Guilt” führt zu Präsentismus
    Unter Präsentismus versteht man, dass Arbeitnehmer:innen trotz Krankheit oder anderer gesundheitlicher Probleme in der Arbeit erscheinen. „Sick Guilt” ist also die Vorstufe zu Präsentismus und dieser betrifft eine erschreckend hohe Anzahl von Arbeitnehmer:innen in nahezu allen Branchen. Vor allem Frauen und jüngere Menschen haben das Gefühl, in die Arbeit gehen zu müssen, obwohl sie krank sind…“ Beitrag von Toumaj Faragheh vom 17. Oktober 2024 beim ÖGB externer Link – siehe auch:
  • Präsentismus – das unsichtbare Phänomen
    Krank in die Arbeit zu gehen, schadet der Belegschaft und dem Unternehmen – die neue AK-Umfrage zeigt: 60 Prozent der Befragten gehen arbeiten, auch wenn sie krank sind
    Wer krank ist, bleibt zu Hause, um nicht auch noch die Kolleg:innen zu gefährden. Im beruflichen Alltag scheint diese Devise allerdings nicht zu gelten: Die Krankenstandstage gehen zurück und die allermeisten Befragten geben an, immer mal wieder krank in die Arbeit zu gehen. Laut einer aktuellen Auswertung der Arbeiterkammer sind die Ergebnisse alarmierend. 60 Prozent der Befragten gehen krank in die Arbeit.  Präsentismus ist im Einzelhandel und im Bereich Gesundheit- und Soziales besonders ausgeprägt – also in jenen Branchen, in denen es oft Probleme mit den Arbeitsbedingungen gibt. Die Gründe sind vielfältig: Sie reichen von einem tiefen Pflichtgefühl gegenüber Kolleg:innen bis hin zu Ängsten vor Kündigung und Arbeitsplatzverlust. Parallel dazu sind diese Beschäftigten signifikant stärker durch Zeitdruck belastet: 37 Prozent der Krank-Arbeitenden geben an, (sehr) stark unter Zeitdruck zu leiden, während es bei den anderen lediglich ein Fünftel ist.
    Krankenstände seit 1980 rückläufig
    Bevor das Coronavirus nach Österreich kam, galt hierzulande vielerorts: Krank zur Arbeit gehen, ist durchaus erwünscht. Und wer daheimbleibt, steht schnell unter Verdacht zu simulieren. Mitte Dezember sorgte die Forderung der Wirtschaft nach strengeren Kontrollen im Krankenstand für Schlagzeilen. Berufsdetektive witterten gleich das große Geschäft und boten unter dem Motto „Ihre Mitarbeiter feiern krank?“ sogenannte Krankenstandsobservationen an.
    Dabei geht die durchschnittliche Anzahl der Krankenstandstage langfristig immer weiter zurück. Laut Fehlzeitenreport erreichten die krankheitsbedingten Fehlzeiten mit 17,4 Krankenstandstagen pro Jahr im Jahr 1980 ihren Höchstwert. Von da an ging es sukzessive nach unten. 1990 waren es durchschnittlich 15,2 Tage, zehn Jahre später waren die Beschäftigten nur mehr rund 14,4 Tage krank, im Jahr 2018 sank der Wert auf 13,1 Kalendertage. Dazu belegen Umfragen der vergangenen Jahre, dass immer mehr Menschen krank zur Arbeit gehen. Die aktuellste ÖGB-Umfrage bestätigt dieses Ergebnis.
    92 Prozent aller Befragten geben in einer Facebook-Umfrage an, schon einmal krank zur Arbeit gegangen zu sein. Viele davon unfreiwillig, weil sie von ihren Vorgesetzten unter Druck gesetzt wurden. Nur 8 Prozent der Facebook-User bleiben bei Krankheit konsequent zu Hause, um sich auszukurieren – auf Instagram sind es 11 Prozent der Befragten, auf Twitter 3 Prozent.
    „Sich krank in die Arbeit zu schleppen, war praktisch Pflicht“
    Der Metallarbeiter Franz*, Anfang 50, kann vom (erzwungenen) Präsentismus ein Lied singen. Sein Chef ist vor einigen Jahren auf die Idee gekommen, „dem Krankenstand“ den Kampf anzusagen. Nicht Gesundheitsförderung war da angesagt, sondern „das Ausspielen der Kollegen gegeneinander“ stand auf der Tagesordnung, erzählt Franz: „Eine Schicht gegen die andere, ein Kollege gegen den anderen. Sich krank in die Arbeit zu schleppen, war praktisch Pflicht“, so Franz. In der Tat, die Krankenstände sanken. Für ihn mit fatalen Folgen. Franz hat Burn-out. Anfang des Jahres begann er eine sechswöchige Rehabilitation. Wann er wieder arbeitsfähig ist, steht derzeit in den Sternen. Auch Alex* hat so seine Erfahrung gemacht. Er steht wenige Monate vor seinem 65. Geburtstag und tritt bald den Gang in die Pension an. Er ist Buchhalter und blickt auf jahrzehntelange Erfahrung zurück. Aktuell ist er im Krankenstand und ärgert sich, weil ihn vor Kurzem sein Chef angerufen und ihn unverhohlen aufgefordert hat, doch endlich wieder in die Arbeit zu kommen. „So lange wie bei Ihnen kann doch keine Grippe dauern“, habe der Chef zu Alex gesagt…“ Beitrag von Toumaj Faragheh vom 11. Oktober 2024 beim ÖGB externer Link
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