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Fruit Logistica in Berlin: Protest gegen die Ausbeutung im internationalen Obsthandel
David Keck von amerika21 am 6. Februar 2026
im „Gespräch mit zwei Aktivist:innen über Lieferketten, deutsche Pestizide in Brasilien und das Freihandelsabkommen zwischen EU und Mercosur: Die Fruit Logistica, das „führende internationale Branchentreffen der Fruchthandelswelt“ mit über 90.000 Teilnehmer:innen, f[and] vom 4. bis 6. Februar in Berlin statt. Nach eigener Darstellung „übernimmt die Fruit Logistica Verantwortung für Umwelt und Menschen“ und „fördert nachhaltige Lösungen“. Dem widerspricht ein breites Bündnis von Organisationen. (…) Die Fruit Logistica ist eine der größten Messen und quasi Sinnbild der Machtkonzentration der Agrar- und Großkonzerne, die für die ganze Ausbeutung der Beschäftigten verantwortlich sind. Deswegen haben wir diesen Protest organisiert, kritisieren aber im Prinzip das ganze Agrarsystem, das auf Ausbeutung beruht…“ Siehe mehr daraus:
Weiter aus dem Interview von David Keck am 6. Februar 2026 in amerika21
(„Berlin: Protest gegen die Ausbeutung im internationalen Obsthandel“): „… Es gibt viele deutsche Chemie-Konzerne wie BASF oder Bayer, die Pestizide herstellen, die in der EU verboten sind. Produzieren dürfen sie die aber und exportiert wird vor allem nach Brasilien und Argentinien. In Brasilien führt das dazu, dass es auf dem gesamten Markt fast kein Gemüse und Obst gibt, das nicht mit diesen Pestiziden verseucht ist. Ungefähr 90 Prozent der Gewässer in Brasilien sind durch Pestizide kontaminiert, weil es kaum Regularien gibt und Unmengen davon eingesetzt werden. (…)
Moritz: In Lateinamerika konnten [mit dem sogenannte Lieferkettengesetz] klare Erfolge erzielt werden. Das NGO-Bündnis Oxfam hat Beweise für die Ausbeutung und Repression auf zwei Bananenplantagen in Ecuador und Costa Rica gesammelt. Weil diese Plantagen deutsche Supermärkte beliefern, konnten die Verstöße in Deutschland angezeigt werden. Das hat dazu geführt, dass die Beschäftigten gerechte Löhne bekommen und sich gewerkschaftlich organisieren durften. (…) Viele Präsident:innen in Südamerika feiern das [Mercosur Freihandelsabkommen], allen voran der brasilianische Präsident Luiz Inácio Lula da Silva. (…) Bislang haben vergleichbare Freihandelsabkommen aber hauptsächlich den Ländern des Globalen Nordens genutzt, vor allem durch die Ausbeutung der natürlichen Ressourcen. Im Globalen Süden profitieren eigentlich nur Großunternehmen und auch die nur durch die Ausbeutung der Umwelt und der Beschäftigten. Durch die Freihandelsabkommen können sie billiger exportieren, und sobald ein entsprechender Preisdruck da ist, landet der fast ausschließlich bei ihren Beschäftigten, also ganz unten in der Lieferkette. Und das ist eine riesengroße Gefahr. (…)
Franca: Gleichzeitig steigen die Preise in den Supermärkten, gerade in den letzten vier bis fünf Jahren. Das Problem ist, dass die nicht steigen, weil mehr am Anfang der Lieferketten ankommt, sondern weil Großunternehmen wie die Schwarz-Gruppe, also unter anderem Lidl und Kaufland, davon profitieren. Das Vermögen von Dieter Schwarz, dem die Schwarz-Gruppe gehört, ist in den letzten Jahren von 30 Mrd. Euro auf 44 Mrd. Euro gestiegen. (…)
Franca: Wir fordern eine Preisobergrenze für Lebensmittel in den Supermärkten, den Stopp der Deregulierung der Umwelt- und Agrarpolitik durch die Europäische Kommission, volle Transparenz der Lieferketten, faire Arbeitsbedingungen und Entlohnung weltweit und die Legitimierung von gewerkschaftlichen Protesten. (…)
Am Tag nach dem Protest haben die Organisationen außerdem ein People’s Tribunal durchgeführt. Hier kommen Stimmen von Personen zu Wort, die unter den ausbeuterischen Bedingungen im Landwirtschafts- und Lebensmittelsektor arbeiten und/oder Widerstand dagegen leisten. (…) Durch das Tribunal wird das Bewusstsein für die Situation geschärft und eine Plattform für den Austausch geschaffen…“