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Auch an diesem Wochenende kein Abkommen mit den Gewerkschaften der LehrerInnen (und weiterem Personal der öffentlichen Schulen): Der längste Streik seit Gründung Kroatiens geht in die sechste Woche

Eine der DEmonstrationen gegen die Flüchtlingsvertreibung EU - Türkei am Wochenende 20.3.2016 in Slowenien und KroatienIm Verlauf der letzten Novemberwoche 2019 gab es tägliche Meldungen verschiedener kroatischer Agenturen, der wochenlange Streik der Lehrerinnen und Lehrer des ganzen Landes werde mit größter Wahrscheinlichkeit an dem jeweiligen betreffenden Tag durch ein Abkommen der Gewerkschaften mit der Regierung beendet. Allein: Es geschah nicht und auch über die Sonderverhandlungen am Sonntag, 01. Dezember, wurde bis zum Montag Morgen nichts abschließendes berichtet. Auf jeden Fall wird der Streik an diesem Montag fortgesetzt – der 36. Streiktag im längsten Streik der Geschichte des unabhängigen Kroatien – der laut einer aktuellen Umfrage von 67% der Bevölkerung unterstützt wird. In dem Bericht „Croatian Teachers Strike: Negotiations Set To Continue Today“ von Lauren Simmonds am 01. Dezember 2019 bei Total Croatia News externer Link wird noch darauf verwiesen, dass bei den Gesprächen am Freitag keine Annäherung zu verzeichnen gewesen seien. Siehe dazu auch einen weiteren aktuellen Beitrag, einen Hintergrundbeitrag über die Gründe und Ziele des Streiks, sowie den Hinweis auf unseren Bericht zum Beginn der Bildungsstreiks in Kroatien vom Oktober 2019:

  • „Lehrer im Ausstand“ von Roland Zschächner am 26. November 2019 in der jungen welt externer Link berichtet von der landesweiten Demonstration in der Hauptstadt unter anderem: „… Der Lehrerstreik ist der größte Arbeitskampf seit der staatlichen Loslösung Kroatiens aus dem sozialistischen Jugoslawien. Die Gewerkschaften werfen der Regierung vor, die Lehrer nicht an der allgemeinen Lohnentwicklung im Öffentlichen Dienst teilhaben zu lassen und verlangen eine Anpassung. Knapp 90 Prozent der Beschäftigen sollen sich an dem Ausstand bislang beteiligt haben, erklärte Branimir Mihalinec von der Gewerkschaft der Oberschullehrer. Auch an Grundschulen wurde gestreikt. Die Taktik der Gewerkschaften bestand bisher darin, zunächst nur in bestimmten Regionen die Arbeit niederzulegen. Dadurch konnte der Kampf in das ganze Land getragen werden. Seit vergangener Woche wurde auch landesweit gestreikt – damit konnte der Druck auf die Regierung erhöht und sie letztlich zu Verhandlungen gezwungen werden. Die Forderungen der Lehrer beschränken sich jedoch nicht allein auf mehr Gehalt. Für viele Lehrer geht es vor allem um die Anerkennung ihrer Arbeit. So sagte laut Medienberichten ein Streikender am Montag auf der Kundgebung, dass er nach 13 Jahren im Schuldienst völlig ausgebrannt sei. Dies liege allerdings nicht an den Schülern, sondern daran, wie die Regierung mit ihm umgehe. Die Lehrkräfte genießen eine breite gesellschaftliche Unterstützung. Zu der Kundgebung haben Dutzende andere Gewerkschaften aufgerufen, darunter die der Journalisten und Polizisten. Auch viele Eltern haben sich bislang positiv zu dem Streik geäußert. Insgesamt sind in Kroatien 68.000 Menschen in der Schulbildung beschäftigt, im Öffentlichen Dienst gibt es rund 240.000 Angestellte. Der Durchschnittslohn für Lehrer beträgt umgerechnet um die 1.300 Euro. Gleichzeitig sind die Lebenshaltungskosten ähnlich hoch wie in der Bundesrepublik Deutschland...“
  • „Why Are Croatian Teachers Striking? Most Important Questions Answered“ ebenfalls von Lauren Simmonds am 22. November 2019 bei Total Croatia News externer Link ist ein Beitrag der knapp die Streikgründe und Streikziele zusammen fasst. Dabei ist neben der Bildungspolitik der kroatischen Regierungen in den letzten langen Jahren vor allem die Tatsache zentral, dass die Beschäftigten im Schulbereich (und es wird in dem Beitrag nachdrücklich unterstrichen, dass es keineswegs nur die Lehrerinnen und Lehrer sind, die sich im Streik befinden, sondern das gesamte jeweilige Schulpersonal) die Gruppe im öffentlichen Dienst ist, die am schlechtesten bezahlt wird. Die gemeinsamen Forderungen der verschiedenen Gewerkschaften was die Bezahlung betrifft, sind im praktischen Kern eine Gehaltserhöhung um 600 Kuna monatlich (aktueller Umrechnungskurs grob 7 Kuna für 1 Euro).
Kurzlink: https://www.labournet.de/?p=158157
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