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80.000 fordern auf Seouls Straßen die Erfüllung der Versprechungen der südkoreanischen Regierung: Schluss mit prekärer Beschäftigung im Öffentlichen Dienst, für eine wirkliche Erhöhung des Mindestlohns

kctudemo_seoul_30.6.2018Nicht jede Gewerkschaft begeistert sich für eine lächerliche Erhöhung des Mindestlohns – der südkoreanische Gewerkschaftsbund KCTU jedenfalls rief zu einer zentralen Protestdemonstration in Seoul auf. Weil die begründete Befürchtung besteht, dass der Druck der Unternehmerverbände dazu führt, dass die Regierung Moon eine Erhöhung des Mindestlohns beschließt, die „diesen Namen nicht verdient“. Ein entsprechender Gesetzentwurf ist von der Regierungspartei auf den Weg gebracht worden.  Wegen dieser Entwicklung hatten die beiden Gewerkschaftsverbände Südkoreas im letzten Monat die Mindestlohn-Kommission verlassen. Der Gewerkschaftsbund FKTU hat nun, nach Verhandlungen mit der Regierung, seinen Wiedereintritt in die Kommission verkündet, während der KCTU dagegen mobilisiert, dass auch dieses Versprechen einer „spürbaren Erhöhung des Mindestlohns“ nicht eingehalten werden soll. Wie der kurze Bericht „The Moon Jae-in government is backtracking on its promises to workers“ am 30. Juni 2018 beim KCTU externer Link (Facebook) zeigt, mit Erfolg, beteiligten sich doch über 80.000 Menschen an dem Protest – der sich auch dagegen richtete, dass die ebenfalls zugesagte Abschaffung von Zeitarbeitsverträgen im öffentlichen Dienst in der Realität vor Ort bestenfalls „zögerlich“ umgesetzt werde. Siehe dazu zwei weitere aktuelle und einen Hintergrundbeitrag:

  • „June 30 KMWU Rally in front of Samsung Headquarters“ am 30. Juni 2018 bei Hyewon Chong externer Link (Facebook) ist ein Bericht von einer der zahlreichen „Vorbereitungsaktionen“ am Morgen des Samstags, hin zur landesweiten Demonstration am Nachmittag. Hier ging es um die ebenfalls bereits zugesagte Übernahme der ZeitarbeiterInnen bei Samsung Services – für die KCTU-Gewerkschaften ein zentrales Anliegen, bei denen die von der Regierung versprochene Beendigung des Zeitarbeits-Regimes eine Art Flagschiff darstellt, während das Ziel die Abschaffung von Zeit- und Leiharbeit bleibt.
  • „Where there’s a will there’s a way“ am 29. Juni 2018 beim Morning Star externer Link ist ein Interview von Navid Shomali mit Wol-san Liem von der Gewerkschaft im Öffentlichen Dienst Südkoreas (dem KCTU angeschlossen), die die stärkste Einzelgewerkschaft des Landes ist. Dabei ist ein zentrales Thema des Gesprächs, wie es zustande kommt, dass trotz relativ geringen Organisationsgrades in Südkorea (knapp um die 10% aller Arbeitenden sind organisiert, grob die Hälfte jeweils in FKTU und KCTU Gewerkschaften) die Gewerkschaften dennoch eine wichtige Rolle in der Gesellschaft innehaben. Wol-san Liem führt das zum einen auf die wichtige und positive Rolle zurück, die die Gewerkschaften beim Sturz der Park-Regierung eingenommen haben, zum anderen auf die schlichte Tatsache, dass prekäre Beschäftigung und Hunger-Mindestlohn nicht nur für die Gewerkschaftsmitglieder ein Existenzproblem ist, sondern für sehr viele Menschen darüber hinaus – und dass eine zunehmende Anzahl dieser Betroffenen sich aktiv widersetzt, auch wenn sie nicht Gewerkschaftsmitglied sind.
Kurzlink: https://www.labournet.de/?p=134029
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