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Kolumbien ist das tödlichste Land für Arbeiter*innen und Gewerkschafter*innen

Dossier

Kolumbien: Gewerkschafter in LebensgefahrAllein zwischen April ’20 und März ’21 wurden 22 Morde and Gewerkschafter*innen verübt. Seit den 70er Jahren wurden die Rechte auf Freiheit, Integrität und Leben von mehr als 15.000 Gewerkschafter*innen verletzt, mehr als 3.000 von ihnen wurden ermordet. Trotz des Friedensabkommens, das die Regierung vor fünf Jahren mit der FARC abschloss, weigert sich der kolumbische Staat, die notwendigen Ressourcen zur Verfügung zu stellen, um Drohungen gegen Gewerkschafter*innen nachzugehen und die Sicherheit von Gewerkschafter*innen zu gewährleisten. Die Gewalt geht meist von staatlichen Akteuren und paramilitärischen Gruppierung aus, wobei der Großteil der Täter*innen nie identifiziert wurde. „Es ist so alltäglich, dass wir es als Teil unserer Arbeit ansehen, bedroht zu werden, weil wir Gewerkschafter*innen sind.“ erzählt die Präsidentin der Erzieher*innen Gewerkschaft (Fecode) Marta Alfonso… So die wichtigsten Inhalte aus dem englischen Artikel von Juan David López Morales vom 25.10.2021 bei Equal Times externer Link (Colombia has signed a peace agreement, so why are trade unionists still being threatened and murdered?) – siehe einige Hintergründe:

  • Kolumbianische Gewerkschafter kritisieren Nestlé: Gewerkschaftsarbeit unter Lebensgefahr New
    Gewerkschafter leben in Kolumbien gefährlich. Doch die Gewerkschaft Sinaltrainal lässt sich nicht einschüchtern. Sie kämpft für die Arbeitsrechte und die Sicherheit der Nestlé-Mitarbeitenden. work hat mit Sinaltrainal-Chef Carlos Soto bei einem Besuch in der Schweiz gesprochen.
    Wilberto Quintero Medina (49) arbeitete während mehr als 20 Jahren für die Milchpulverfabrik von Nestlé in der kolumbianischen Stadt Valledupar. Und er war auch langjähriges Führungsmitglied der Gewerkschaft Sinaltrainal, die Arbeitnehmer in der kolumbianischen Getränke- und Lebensmittelbranche vertritt. Am Abend des 28. April 2025 trafen ihn sechs Kugeln in den Rücken, und er starb noch auf dem Weg ins Spital. Motive und Täterschaft des Mordes sind bis heute nicht geklärt. Doch für Carlos Soto, den Generalsekretär von Sinaltrainal, ist klar, dass der Mord im Zusammenhang mit den gewerkschaftlichen Aktivitäten von Medina steht. Soto sagt: „Die Ermordung von Medina erfolgte in der Woche nach einem nationalen Treffen unserer Gewerkschaft in der Stadt. 100 Gewerkschaftsmitglieder und auch der kolumbianische Arbeitsminister waren damals in Valledupar.“
    In der gleichen Woche seien auch Flugblätter mit Namen von Gewerkschaftsmitgliedern und Morddrohungen zirkuliert.
    Blutige Gewerkschaftsgeschichte
    Der Tod von Medina reiht sich ein in eine lange Liste von Verbrechen gegen Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter: Für sie ist Kolumbien eines der gefährlichsten Länder. Im neusten Report des Internationalen Gewerkschaftsbundes (IGB) wird neben den Todesopfern auch die systematische Nichteinhaltung der Arbeitsgesetze beklagt. Nach Angaben des kolumbianischen Arbeitsministeriums wurden zwischen 1971 und 2023 insgesamt 3323 Gewerkschaftsmitglieder ermordet, 39 von ihnen gehörten der Gewerkschaft Sinaltrainal an. Internationale Aufmerksamkeit erlangte der Fall des ehemaligen Nestlé-Arbeiters und Gewerkschaftsführers Luciano Romero. Er wurde 2005 entführt, gefoltert und ermordet, nachdem er zuvor mehrfach bedroht worden war. Der Fall führte wegen der Beteiligung von Nestlé-Managern auch zu einem juristischen Verfahren gegen Nestlé in der Schweiz. Die Klage gegen den damaligen Nestlé-Chef Peter Brabeck vor einem Zuger Gericht wurde jedoch aus formalen Gründen abgelehnt. Mit der Neuauflage der Konzernverantwortungsinitiative sollen die Haftungsregeln für Konzerne verschärft werden und damit auch Schadenersatzforderungen in der Schweiz möglich werden.
    Besuch bei Nestlé in Vevey
    Carlos Soto ist in diesen Tagen als Teil der kolumbianischen Delegation an der 114. ILO-Konferenz in der Schweiz. Er nutzt die Gelegenheit, um auch den Hauptsitz von Nestlé in Vevey zu besuchen und dort die Forderungen der Gewerkschaft zu plazieren. (…)
    Soto sagt, Nestlé schreibe Sinaltrainal vor, welche Personen für Gewerkschaftsarbeit freigestellt werden dürften, verweigere die Freistellung für die Teilnahme an nationalen Versammlungen und verhindere den Zugang der Gewerkschaft zu den Fabriken. Ausserdem werde die Arbeit am Sonntag zunehmend die Regel, obwohl der Sonntag nur in gegenseitigem Einverständnis und in Ausnahmefällen ein Arbeitstag sein sollte. Auch die im neuen Arbeitsgesetz festgelegte Senkung der wöchentlichen Arbeitszeit auf 42 Stunden werde ignoriert. Soto sagt: Wir wissen nicht, was diese Kampagne hier in Europa für unsere Sicherheit in Kolumbien bedeutet, aber wenn wir uns nicht gegen die Drohungen und die Repression wehren, wird es für Nestlé-Mitarbeitende weltweit nur noch schlimmer werden…“ Artikel von Iwan Schauwecker vom 22. Juni 2026 in der work externer Link mit Fotos, siehe dazu

  • Kolumbien: Das gefährlichste Land der Welt für Gewerkschafter*innen
    Nach Angaben des Arbeitsministeriums wurden in Kolumbien seit Anfang der 1970er Jahre weit über 3.000 Gewerkschafter ermordet.
    Im Juli letzten Jahres wurde Jesús Cometa beschossen, als er durch das Cauca-Tal im Südwesten Kolumbiens fuhr. Bewaffnete Männer auf Motorrädern fuhren neben seinem Auto her und besprühten es mit Kugeln. Cometa kam unverletzt davon, aber sein Leibwächter wurde getroffen. „Er hat immer noch eine Kugel in seiner Brust stecken“, sagt er. Herr Cometa ist einer von Tausenden von Gewerkschaftern, die in den letzten Jahren in Kolumbien angegriffen wurden, einem Land, das nach manchen Maßstäben der gefährlichste Ort der Welt für organisierte Arbeiter ist.
    Im Cauca-Tal befindet sich die Zuckerindustrie des Landes, und er ist ein lokaler Vertreter von Sintrainagro, der größten kolumbianischen Landwirtschaftsgewerkschaft. „Wenn man diese Aufgaben in der Gewerkschaft übernimmt, verliert man sein soziales Leben“, sagt Herr Cometa. „Man kann nicht einfach in eine überfüllte Bar oder an eine Straßenecke gehen, weil man nie weiß, wann man ins Visier geraten könnte. „Auch die Familie leidet darunter, weil sie weiß, dass auch sie zur Zielscheibe wird. Dies ist ein Problem mit einer langen Geschichte. (…)
    „Schon seit vielen Jahren ist Kolumbien leider das Land mit den meisten Toten für Gewerkschafter und Gewerkschaftsarbeit“, sagt Luc Triangle, Generalsekretär des Internationalen Gewerkschaftsbundes (IGB), einer globalen Dachorganisation mit Sitz in Brüssel. Der IGB veröffentlicht jedes Jahr eine Übersicht über die Gräueltaten, die gegen Gewerkschafter in der ganzen Welt verübt werden. Die jüngste Ausgabe bezieht sich auf das Jahr bis Ende März 2024. Demnach wurden in diesen 12 Monaten weltweit 22 Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter wegen ihrer aktiven Arbeit getötet. Elf von ihnen wurden in Kolumbien ermordet. „Im Allgemeinen handelt es sich um gezielte Morde“, sagt Herr Triangle. „Sie wissen, was sie tun. Sie wissen, wen sie ermorden wollen. (…)
    Es ist nicht klar, wer diese Tötungen durchführt und wer sie anordnet. Einige Gewerkschafter geben dem privaten Sektor die Schuld und behaupten, dass Unternehmen, die verzweifelt jeden Versuch der Arbeitnehmer, sich zu organisieren, unterdrücken wollen, bewaffnete Gruppen für diese Gräueltaten bezahlen. Sie verweisen auf die Tatsache, dass Drohungen und Angriffe in der Regel zu Zeiten zunehmen, in denen Unternehmen und Gewerkschaften Tarifverhandlungen führen. Da jedoch viele der Angriffe ungestraft bleiben, ist es schwierig zu sagen, wer genau die Schuld daran trägt
    …“ engl. Artikel von Gideon Long vom 20. Mai 2025 bei BBC externer Link (maschinenübersetzt)
  • Arbeiter und USO-Gewerkschaftsfunktionär Jhon Jarry Vargas Sarabia wurde am 9. Mai in Kolumbien ermordet – einer von zu vielen allein in 2024

Weitere Informationen zur Situation der Gewerkschafter*innen in Kolumbien:

Kurzlink: https://www.labournet.de/?p=194645
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