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On-Produktion in Indonesien: Teure Schuhe, billige Arbeitskräfte – und eine mutige Gewerkschaft

Inkota-Kampagne „Change Your Shoes“„In einer Schuhfabrik, die auch für die Schweizer Erfolgsmarke On produziert, hat eine indonesische Gewerkschaft einen grossen Sieg errungen – mit Unterstützung der von Public Eye mitgetragenen Clean Clothes Campaign (CCC). Ein Jahr nach der Entlassung aller Mitglieder der Gewerkschaft durch die Fabrik stellte diese sie wieder ein. Es ist ein einsamer Lichtblick in einem Umfeld, das geprägt ist von Verletzungen des Arbeitsrechts und Löhnen, die kaum zum Leben reichen. «Als ich hörte, dass die Kündigungen rückgängig gemacht werden, musste ich weinen.» Der 30-jährige Suryana, ist Schuharbeiter aus Cirebon auf der indonesischen Insel Java, Sekretär der lokalen Gewerkschaft SBDI-KASBI und Vater einer eineinhalbjährigen Tochter. Elf Monate ist er zu diesem Zeitpunkt schon ohne festen Lohn…“ Mehrsprachige Reportage von Florian Blumer vom Juni 2026 bei Public Eye externer Link mit Fotos und Videos – siehe mehr daraus und dazu:

  • Weiter aus der mehrsprachigen Reportage von Florian Blumer vom Juni 2026 bei Public Eye externer Link mit Fotos und Videos: „… Es ist Montag, der 6. April 2026, als Suryana – auf Java haben die Menschen in der Regel keine Familiennamen, sondern nur einen oder mehrere Vornamen – dies erzählt. Er sitzt auf einem Plastikstuhl vor dem Café neben dem Eingang der Fabrik Yihong. Es ist ein besonderer Moment: Nachdem die ersten 40 entlassenen Gewerkschafter*innen eineinhalb Monate zuvor wiedereingestellt wurden, kehren heute die letzten 24 an ihre Arbeitsplätze zurück (…)
    Alles begann Ende Januar 2025. Seit drei Jahren ist die Fabrik Yihong in Cirebon zu diesem Zeitpunkt in Betrieb, und die Unzufriedenheit unter den Arbeiter*innen wächst. Die Klagen reichen von Belästigungen durch Aufseher bis zu unbezahlten Überstunden. Über die Hälfte der Belegschaft arbeitet ohne schriftlichen Vertrag. Das Verweigern gesetzlich vorgesehener Kurzarbeitsentschädigungen ist der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt. Zusammen mit Kolleg*innen meldet Suryana die Verfehlungen dem Arbeitsinspektorat. Wenige Tage darauf gründen sie die SBDI als Ableger der nationalen Gewerkschaft KASBI. Das Fabrikmanagement reagiert umgehend, so, wie es in Indonesien oft geschieht: Angestellte werden gedrängt, sich einer eilig gegründeten firmengesteuerten Gewerkschaft anzuschliessen. In mehreren Wellen werden Arbeiter*innen entlassen, die sich weigern, ihre Mitgliedschaft bei SBDI-KASBI zu kündigen. Anfang März spitzt sich die Lage zu. Nachdem Suryana, dem Vorsitzenden Krisma und einem weiteren leitenden Mitglied von SBDI-KASBI gekündigt wurde, kommt es in der Fabrik zu spontanem Protest. Am Morgen des 10. März stehen die Arbeiter*innen vor einem verschlossenen Fabriktor. Daran angeschlagen finden sie eine Liste. Sie enthält die Namen aller 1126 Angestellten des Betriebs, alle sollen entlassen werden. Tags darauf erklären die Besitzer, dass sie die Fabrik schliessen mussten: Aufgrund eines «illegalen Streiks» seien Aufträge storniert worden. Übereinstimmenden Schilderungen von Arbeiter*innen zufolge lief die Produktion jedoch in reduziertem Umfang weiter, mit auswärtigen Arbeitskräften, die in Lastwagen zur Fabrik gebracht wurden. (…)
    Aufgrund einer von SBDI-KASBI beim Arbeitsinspektorat eingereichten Beschwerde gegen die Kündigungen kommt dieses im Rahmen einer Mediation zum Schluss, dass die Entlassungen unrechtmässig waren. Es fordert die Firma auf, die Betroffenen wiedereinzustellen. Doch Yihong ignoriert die Aufforderung und verklagt ihrerseits die Führungspersonen von SBDI-KASBI wegen illegalen Streiks. (…)
    Es wird eine Gruppe gebildet, die sich des Falls annimmt. Auch Public Eye ist Teil davon, ebenso Darja, der nationale Koordinator von KASBI. Die Gruppe beschliesst, sich an die Markenfirmen zu wenden, von denen KASBI dank Arbeiter*innen weiss, dass sie über die Fabrik Long Rich bei Yihong Schuhe bedrucken und färben lassen. (…)
    Kurz darauf bricht das Auftragsvolumen gemäss Firmenleitung von Yihong um 60 bis 70% ein. On sagt gegenüber der CCC, sie würde ihre Aufträge sistieren, bis der Fall gelöst ist. Am 7. Januar wird bekannt, dass Yihongs Klage wegen des «illegalen Streiks» vom Arbeitsgericht abgewiesen wurde. Nun vollzieht die Firmenleitung eine Kehrtwende: In einem Treffen mit der Gewerkschaft am 16. Januar entschuldigt sie sich bei den Betroffenen und verspricht, die entlassenen Gewerkschafter*innen wiedereinzustellen. (…)
    Zum Aufatmen ist es allerdings noch zu früh. Denn die Reaktion der Markenfirmen hat die Firma zwar offensichtlich zum Umdenken bewogen. Doch die Arbeiter*innen fürchten, dass Yihong den Betrieb aufgrund des Auftragseinbruchs ganz einstellen könnte und die gesamte Belegschaft wieder ohne Arbeit dastünde. Die Befürchtungen sollten sich dann glücklicherweise als unbegründet herausstellen…“
  • On-Näherinnen verdienen im Monat so viel, wie ein Paar Schuhe kostet
    130 Franken erhalten Näherinnen in Indonesien, die für einen Zulieferer des Schuhherstellers On arbeiten. Das zeigen Recherchen einer NGO. Auch sonst werden die Arbeitsbedingungen heftig kritisiert. Die Schuhfirma reagiert – erneut.
    Für die Schuhfirma On läuft es bestens: 2025 konnte erstmals ein Umsatz über 3 Milliarden Franken erzielt werden und auch 2026 läuft es erfreulich. Gute Nachrichten für die Verantwortlichen des Unternehmens. Doch am anderen Ende der Hierarchie sieht es anders aus. Die NGO Public Eye externer Link hat in Indonesien bei Zulieferern des Schuhherstellers recherchiert und Missstände aufgedeckt, wie der Tages-Anzeiger externer Link berichtet. Auch andere Marken wie New Balance oder Asics lassen hier Schuhe produzieren…“ Beitrag vom 18.06.2026 auf watson.ch externer Link

Bei SBDI-KASBI externer Link (Instagram) handelt es sich um eine lokale indonesische Gewerkschaft (SBDI), die unter dem Dach der nationalen Arbeitergewerkschaft KASBI externer Link (Kongres Aliansi Serikat Buruh Indonesia) organisiert ist

Kurzlink: https://www.labournet.de/?p=236196
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