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Wenn Satire Beleidigung und Not zur Würde verwandelt: Die „Cockroach Janta Party“ der jungen Faulen und Erwerbslosen in Indien scheint ununterdrückbar

Dossier

„Cockroach Janata Party“ (CJP) in IndienIndiens „Kakerlaken-Partei“ begann als Scherz. Dann schlossen sich Millionen an. Der Aufstieg der Bewegung geht auf Äußerungen eines Richters am Obersten Gerichtshof zurück, der einige junge Menschen und Kritiker der Institutionen mit „Kakerlaken“ und „Parasiten“ verglich. Im Internet schließen sich Inder der „Cockroach Janata Party“ (CJP) an – einer parodistischen politischen Bewegung, die als Online-Satire begann, sich aber rasch zu einem Ventil für die Wut über Arbeitslosigkeit, Korruption und den Zustand der indischen Demokratie entwickelt hat. Die Bewegung, eine freche Anspielung auf den Namen der regierenden hindu-nationalistischen Bharatiya Janata Party (BJP) des indischen Premierministers Narendra Modi, hat die sozialen Medien mit Memes, parodistischen Wahlkampfbotschaften und Witzen überschwemmt, in denen sich die Frustration der Bevölkerung widerspiegelt…“ engl. Artikel von Jay Ganglani und AP vom 23. Mai 2026 auf NBC News externer Link (maschinenübersetzt) – siehe mehr Informationen, auch zur versuchten Unterdrückung:

  • Rücktritt des indischen Bildungsministers löst nicht die Bildungskrise, soll aber – mit Hilfe der CJP? – von Einschüchterungen und Festnahmen ablenken New
    • Indien: »Kakerlaken-Partei« mit zwiespältiger Rolle
      Nach dem Rücktritt des Bildungsministers erklärte die CJP die Studierendenproteste zum Erfolg. Doch Indiens Bildungskrise ist damit nicht gelöst
      In der europäischen Berichterstattung erschienen Indiens Jugend- und Studierendenproteste wie eine Geschichte in drei Akten: Auf die Beleidigung arbeitsloser junger Menschen durch einen Richter als »Kakerlaken« reagierten Aktivist*innen, indem sie die Gründung der satirischen »Kakerlaken-Partei« (Cockroach Janata Party, CJP) erklärten. Aus einem gleichnamigen Instagram-Account wurde dann eine große Generation-Z-Bewegung, und diese zwang schließlich Bildungsminister Dharmendra Pradhan von der regierenden Indischen Volkspartei BJP (Bharatiya Janata Party) zum Rücktritt. (…) Obwohl es keine Entschädigungszusagen für die betroffenen Familien gab, erklärte die CJP nach 36 Tagen Protest Pradhans Rücktritt zum Sieg und beendete die Proteste zur Überraschung vieler Protestierender und anderer tragender Organisationen, die weitergehende Forderungen erhoben hatten. Die »All India Students’ Association« verlangte beispielsweise die Abschaffung der National Testing Agency (NTA) und ihre Ersetzung durch eine transparente, unabhängige Institution. Nun verlässt der Minister zwar sein Amt – die Behörde aber bleibt. Ebenso bleibt die geringe Zahl an Studienplätzen, die wie ein überlaufender Trichter dafür sorgt, dass eine einzige Prüfung über die Zukunft junger Menschen entscheidet. Die international bekannte indische Schriftstellerin Arundhati Roy beispielsweise, weigert sich daher, über die Proteste in der Vergangenheitsform zu sprechen. Für sie ist der »große Umbruch« noch immer im Gange: Schließlich haben die Proteste das Bild der Unantastbarkeit von Premierminister Narendra Modi und seiner Regierung beschädigt. Trotzdem endete die von vielen Medien so berichtete Geschichte in drei Akten vorerst mit einer abschließenden Pressekonferenz: Am 25. Juli traten Vertreter*innen der CJP gemeinsam mit Minister*innen auf und erklärten den Protest für beendet. Dabei stellte Bildungsminister Pradhan seinen Rücktritt als Dienst am Land dar. Im Rücktrittsschreiben erklärte er, er trete zurück, um zu verhindern, dass »antinationale Kräfte« die Unruhen ausnutzen. Kein Wort zum institutionellen Versagen, keine Entschuldigung, kein Eingeständnis. Der Handschlag zwischen ihm und den CJP-Leuten zeigt Kritiker*innen vor allem eines: Die Bewegung wurde demobilisiert, bevor weitreichendere Forderungen durchgesetzt waren.“ Artikel von Anvita Das (Pseudonym) vom 7. August 2026 in Neues Deutschland online externer Link
    • Indische Aktivistin: Keine Zusagen der Regierung an Studierende
      „Nach Ende der Proteste zweifelt die unabhängige Autorin und politische Aktivistin aus Mumbai Shrishti Khanna“ im Interview von Anvita Das (Pseudonym) vom 7. August 2026 in Neues Deutschland online externer Link „an deren behauptetem Erfolg und kritisiert, dass die Satirepartei CJP im Namen der Bewegung verhandelte. (…) Die meisten, mit denen ich gesprochen habe, würden den Rücktritt des Bildungsministers wahrscheinlich als Sieg bezeichnen. Für viele bedeutete ein Sieg schlicht, dass der anhaltende öffentliche Druck die regierende BJP zu einem Zugeständnis gezwungen hat. Aber immer mehr Menschen beschreiben den Rücktritt mittlerweile eher als symbolischen Akt. Das ist keine strukturelle Veränderung. Dharmendra Pradhan wurde sofort durch einen anderen BJP-Minister ersetzt, der im Grunde für dieselbe politische Linie steht. Das Prüfungssystem selbst besteht weiter. (…) Die Führung der CJP rief zu den Protesten auf und organisierte das Camp am Jantar Mantar in Delhi. Sie gab den Protesten Namen und Gesicht. Das war wichtig. Aber sie wurden nicht allein von der CJP getragen.
      Auch linke Studierendenorganisationen wie die AISA (Gesamtindische Studierendenvereinigung) waren beteiligt. Deren Präsidentin Neha Bora befand sich zwei Wochen im Hungerstreik. Außerdem verrichteten ganz normale, nicht organisierte Protestierende ein enormes Maß an unsichtbarer Arbeit. Viele Teilnehmende aus der Arbeiterklasse reisten mit den billigsten Zügen, die sie finden konnten, nach Delhi und schliefen auf der Straße – obwohl sie sich keinen Tag ohne Arbeit leisten konnten. Menschen hielten den Ort sauber, verteilten Essen und organisierten das Weiterbestehen des Camps. Die Menschen, die in einer Bewegung am sichtbarsten sind, sind nicht unbedingt diejenigen, die am meisten geopfert haben, um dabei zu sein. (…)
      Sichtbarkeit bedeutet nicht, für eine Bewegung zu sprechen. Einer Bewegung Aufmerksamkeit zu verschaffen, ist nicht dasselbe wie sie zu vertreten. Und eine Bewegung zu vertreten bedeutet wiederum nicht automatisch, in ihrem Namen zu verhandeln. Die Einigung wurde auf einer Pressekonferenz gemeinsam mit BJP-Minister*innen verkündet. Es gab keine Abstimmung, keine Versammlung, keine Beratung mit den Protestierenden. Andere Organisationen oder die Hungerstreikenden waren nicht dort. Diejenigen, die den Protestort aufrechterhalten und Polizeigewalt erlebt hatten, erfuhren erst im Nachhinein von der Entscheidung. Die CJP versteht sich als Satirebewegung und handelte doch wie eine politische Partei, traf Entscheidungen im Namen einer größeren Bewegung… (…)
      Hunderte Menschen wurden festgenommen. Muslime und Menschen aus der Arbeiterklasse waren besonders stark von Einschüchterungen und Festnahmen betroffen. Große Sorge bereitet mir auch die Überwachung. Die Identitäten der Protestierenden wurden erfasst, und es gab Berichte, dass biometrische Daten gesammelt wurden, auch Iris-Scans. Diese Daten verschwinden nicht einfach, wenn der Protest vorbei ist. Wir wissen nicht, wie sie gespeichert oder verwendet werden. Es gab praktisch keinerlei Konsequenzen für die Polizeigewalt, keine öffentliche Entschuldigung. Selbst dort, wo Zugeständnisse angekündigt wurden, sorgen die daran geknüpften Bedingungen dafür, dass viele Protestierende weiterhin nicht wissen, was rechtlich auf sie zukommt.“

      https://www.nd-aktuell.de/artikel/1201654.nach-den-protesten-in-indien-indische-aktivistin-keine-zusagen-der-regierung-an-studierende.html
  • Jugendproteste in Indien (vorerst?) beendet: Die „Kakerlaken“-Bewegung erzwingt nach 36 Tagen den Rücktritt des Bildungsministers und die Erfüllung weiterer Forderungen
    • »Kakerlaken« siegen in Indien: Straßenproteste in Delhi erreichen nach 36 Tagen Ministerrücktritt und Erfüllung weiterer Forderungen – Ohrfeige für Premier Modi
      Jubel am Sonnabend in Delhi: Nach über einmonatigen Straßenprotesten der als Satireaktion gestarteten »Kakerlaken«-Volkspartei (Cockroach Janata Party, CJP) hat Bildungsminister Dharmendra Pradhan nun doch seinen Rücktritt erklärt. Das Kabinettsmitglied aus den Reihen der hindunationalistischen Bharatiya Janata Party (BJP) von Premier Narendra Modi reagierte damit auf ein 24-Stunden-Ultimatum der Protestierenden. Daraufhin erzielten Vertreter der CJP und der Regierung in einer dritten Verhandlungsrunde eine umfassende Einigung.
      Brutale Polizeigewalt
      »All unsere Forderungen wurden akzeptiert. Wir bitten die Protestierenden, sich friedlich zurückzuziehen«, verkündete Ashutosh Ranka, einer der Sprecher der CJP, in einem Post auf X. Nach der gemeinsamen Pressekonferenz beider Seiten und dem Bekanntwerden des Einlenkens räumten die vorwiegend jungen Aktivistinnen und Aktivisten ihr Protestcamp am Jantar Mantar, einer der Hauptstraßen im Herzen von Neu-Delhi. 36 Tage hielten sie dort durch.
      Es war einst der bis heute als »Vater der Nation« verehrte Mahatma Gandhi, der die Methode des Hungerstreiks erstmals eingesetzt hatte – insgesamt 18mal verweigerte er damals die Nahrungsaufnahme, um politische Forderungen im Unabhängigkeitskampf durchzusetzen. Im längsten Fall dauerte der Hungerstreik 21 Tage. Sogar noch etwas länger, insgesamt 25 Tage, griff jetzt der Umwelt- und Bildungsaktivist Sonam Wangchuk zu dem Mittel, um den Straßenprotest der »Kakerlaken« zu unterstützen. Die am Donnerstag in einem Krankenhaus beendete Aktion trug ebenso zum finalen Erfolg bei wie der stetig angewachsene innenpolitische Druck. (…)
      Nach dem Rücktritt Pradhans als Kernforderung der Demonstrierenden und weiteren Zugeständnissen sind sich die meisten indischen Medien jedoch einig, dass der sonst so fest im Sattel sitzende Modi eine empfindliche Niederlage hinnehmen musste. Alle Anzeigen der Polizei gegen Teilnehmende der Protestbewegung sollen fallengelassen werden, lautet eine weitere Forderung, die angenommen wurde. Kurz nach dem Ministerrücktritt waren bis zur finalen Einigung Protestierende und Polizisten nochmals aneinandergeraten
      …“ Artikel von Thomas Berger in der jungen Welt vom 27.07.2026 externer Link („Wut der Jugend“)
    • Jugendproteste in Indien beendet: „Kakerlaken“-Bewegung erzwingt Rücktritt des Bildungsministers
      Indiens Bildungsminister ist nach wochenlangen Protesten am Samstag zurückgetreten. Die Cockroach Janta Party hat damit ihre wichtigste Forderung durchgesetzt.
      Mit Bollywood-Musik, Fahnen, Plakaten und erhobenen Händen begrüßten Tausende junge Menschen am Samstag am Jantar Mantar in Indiens Hauptstadt Delhi den Rücktritt von Bildungsminister Dharmendra Pradhan. „Der Sieg der Gerechtigkeit ist erreicht“, teilte die Jugendbewegung Cockroach Janta Party (CJP) – die Kakerlaken-Bewegung – mit. „Das ist Demokratie“, sagte CJP-Gründer Abhijeet Dipke.(…)
      Am Montag eskalierte die Lage, nachdem An­hän­ge­r:in­nen der CJP versucht hatten, vom Protestplatz Jantar Mantar zum Parlament zu marschieren. Sicherheitskräfte stoppten den Demozug mit Tränengas, Schlagstöcken und Wasserwerfern. Zahlreiche Demonstrierende und Einsatzkräfte wurden dabei verletzt.
      Trotz des Polizeieinsatzes gingen die Proteste unter anderem in Delhi, Mumbai und Kolkata weiter. Am Donnerstag kündigte der indische Premierminister Narendra Modi (BJP) schließlich an, im Kabinett strengere Maßnahmen gegen Prüfungsleaks einschließlich der Einrichtung von Schnellgerichten zu beschließen.
      Protestierende: Rücktritt nur „ein Anfang“
      „Viele unserer Eltern haben die BJP gewählt“, sagt ein Protestierender in Delhi der taz. „Wir kämpfen dafür, dass die nächste Generation nicht mehr ins Ausland gehen muss, um eine gute Ausbildung zu bekommen. Irgendjemand muss endlich Verantwortung übernehmen – wenn nicht wir, wer dann?“ Den Rücktritt des Bildungsministers bezeichnet er als „einen Anfang“. „Ein neuer Minister allein löst die Probleme im Bildungssystem nicht. Aber endlich übernimmt jemand Verantwortung“, sagt er.
      D
      er Klimaaktivist Sonam Wangchuk, dessen 26-tägiger Hungerstreik der Bewegung zusätzliche Aufmerksamkeit verschafft hatte, begrüßte den Rücktritt ebenfalls. Nachdem er seinen Hungerstreik am Freitag beendet hatte, sprach er von einem „Sieg der Demokratie“, der durch „Beharrlichkeit“ erreicht wurde. Zugleich machte er deutlich, dass der Rücktritt eines Ministers nur ein erster Schritt sein könne. Die Studierendenvertreterin Neha Bora forderte zudem Rechenschaftspflicht für die Gewalt, die am 20. Juli stattfand. (…)
      Die Bewegung verlangte eine Entschädigung von jeweils rund 90.000 Euro für die Familien von Studierenden, die sich im Zusammenhang mit der NEET-Krise das Leben genommen haben, den Verzicht auf strafrechtliche Verfahren gegen Demonstrierende sowie eine öffentliche Entschuldigung der Spezialeinheit Rapid Action Force (RAF) und der Polizei von Delhi wegen ihres harten Vorgehens gegen friedliche Protestierende.
      Noch am Samstagabend (Ortszeit) einigten sich Ver­tre­te­r:in­nen der CJP mit Ministern der BJP-Regierung. Ergebnis: „Alle Forderungen der Kakerlaken-Janta-Partei wurden von der Regierung akzeptiert.“ Damit wurde der landesweite Widerstand für beendet erklärt.“ Artikel von Natalie Mayroth vom 25.7.2026 in der taz online externer Link
    • „Kakerlaken“-Proteste in Berlin
      Erstmals hat sich die Protestbewegung in Indien auf Deutschland ausgeweitet: Indische Studierende gingen vergangene Woche in Berlin auf die Straße, um gegen die Regierung Modi zu protestieren, mit der die Bundesregierung eng kooperiert
      Erstmals hat sich in der vergangenen Woche die breite Protestbewegung in Indien nach Deutschland ausgeweitet. In Berlin gingen zahlreiche indische Studierende auf die Straße, um ihre Solidarität mit der Protestbewegung in ihrem Herkunftsland zu zeigen und ihren Unmut über Indiens Regierung unter Premierminister Narendra Modi Ausdruck zu verleihen. In Indien waren Proteste gegen ernste Missstände im indischen Bildungswesen zu Massenprotesten angewachsen, die sich von der ursprünglichen Forderung nach einem Rücktritt des Bildungsministers – dieser ist inzwischen erfolgt – zu Protesten gegen Ministerpräsident Modi auszuweiten begannen. Sie wurden weitgehend von der Generation Z getragen, beruhen aber auf hoher Jugendarbeitslosigkeit und entsprechend desolaten Zukunftsaussichten für viele. Dass in Berlin indische Studierende auf die Straße gingen, von denen sich die Bundesregierung vor allem eine Deckung des deutschen Fachkräftebedarfs erhofft, zeigt, dass sie kein passives Arbeitskräftereservoir erhält, sondern aktive, selbstbewusste Menschen. Mit der Regierung Modi, gegen die sich ihre Proteste richteten, arbeitet Berlin immer enger zusammen. (…) Die Jugend in Indien – wie auch in vielen anderen Ländern – sieht sich derzeit mit düsteren Beschäftigungsaussichten und mit entsprechenden harten Abstiegsperspektiven konfrontiert. Laut der regelmäßigen Arbeitskräfteerhebung der Regierung für das Jahr 2025 war jeder vierte Inder zwischen 15 und 29 Jahren weder erwerbstätig noch in Ausbildung oder in Weiterbildung. Seit Pradhans Rücktritt wurden zwar die Proteste von der CJP eingestellt; der ursprüngliche Protestort am Jantar Mantar ist vollständig geräumt worden. Nicht verbessert hat sich allerdings die soziale Lage der Protestierenden. Ein Wiederaufleben der Proteste ist – früher oder später – nicht ausgeschlossen. (…) Dass nun auch indische Studierende in Deutschland gegen die Regierung in Delhi auf die Straße gehen, zeigt zudem: Menschen aus Indien, die in Deutschland gezielt angeworben werden, um den hiesigen Arbeitskräftebedarf nicht bloß in der Pflege, sondern auch in den sogenannten MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) zu decken, sind nicht das in Berlin gewünschte passive Arbeitskräftereservoir; sie haben eigene politische Vorstellungen, die sich mit denen der Bundesregierung nicht decken, und gehen für sie zunehmend auch auf die Straße.“ Bericht vom 28. Juli 2026 von und bei German-Foreign-Policy.com externer Link
  • Etwa 20.000 Menschen beim verbotenen Marsch der «Kakerlaken»-Bewegung in Indien zum Parlament setzen neuen Höhepunkt der Proteste, die Polizei mit 150 Verletzungen auch
    • Indische «Kakerlaken-Partei» will Proteste fortsetzen
      Die regierungskritische «Kakerlaken»-Bewegung in Indien will nach den schweren Zusammenstössen mit der Polizei ihre Proteste fortsetzen. Weitere Protestmärsche werde es jedoch nicht geben, erklärte zugleich der Gründer der «Kakerlaken-Volkspartei» (CJV), Abhijeet Dipke, vor Journalisten in Neu-Delhi mit Blick auf zahlreiche Verletzte während der Proteste am Montag. Am Dienstagabend (Ortszeit) kündigte die CJP an, Dipke und andere führende Köpfe der Bewegung würden vor dem Polizei-Hauptquartier an einer Sitzblockade teilnehmen. Hunderte von Anhängern der Bewegung hatten sich zuvor erneut am seit Wochen besetzten Protestort Jantar Mantar in der Hauptstadt versammelt.
      Mit einem Marsch zum Parlament wollten Tausende zumeist DJP-Anhänger am Montag ihren Forderungen nach einem Rücktritt von Bildungsminister Dharmendra Pradhan mehr Nachdruck verleihen. Pradhan soll nach ihrer Meinung die politische Verantwortung für einen Skandal um geleakte Dokumente einer Hochschul-Eingangsprüfung übernehmen. Der Protest vom Montag galt als eine der grössten Demonstrationen in Delhi seit Jahren.
      Zahlreiche Verletzte
      Laut Dipke befanden sich mehr als 150 Teilnehmer wegen ihrer Verletzungen noch im Krankenhaus. Die Polizei sprach in einer Mitteilung von 178 Verletzten, davon 118 Sicherheitskräfte und 60 Demonstranten. Die DJP warf der Polizei brutales Vorgehen bei dem Versuch vor, die Demonstrierenden am Marsch zu hindern. Die Sicherheitskräfte setzten nach Berichten indischer Sender unter anderem Tränengas und Schlagstöcke ein. Den Demonstranten warf die Polizei ihrerseits gewalttätiges Verhalten vor.
      In einer Reaktion auf die Vorfälle in Delhi äusserte Amnesty International «ernsthafte Sorgen» hinsichtlich der Menschenrechte. Die Bilder und Berichte vom Protestort zeigten demnach, «wie friedliche abweichende Meinung in Indien unterdrückt» werde…“ Meldung vom 21.07.2026 auf watson.ch externer Link
    • Massenprotest in Indien: „Kakerlakenbewegung“ fordert Regierung Modi heraus
      In Delhi demonstrieren Zehntausende gegen die mutmaßliche Korruption im Bildungswesen. Die Regierung hat die Versammlungen verboten.
      In den vergangenen Tagen sind immer mehr regierungskritische Menschen an den Jantar Mantar gezogen, den zentralen Protestplatz in Indiens Hauptstadt. Etwa 20.000 Demonstrierende wollten am Montag von dort aus friedlich zum Parlament marschieren, wo die Monsun-Sitzungsperiode begann. Doch Barrikaden und Einsatzkräfte versperrten ihnen den Weg, hinzu kam eine lokale Internetsperre.
      Nahe Metrostationen waren geschlossen worden, die Regierung hatte ein Versammlungsverbot erlassen. Das hielt aber viele Demonstrierende nicht davon ab, Richtung Parlament zu ziehen, zum Teil begleitet von Politiker:innen der Opposition. Sie wurden an Polizeibarrikaden mit Tränengas und Schlagstöcken zurückgedrängt und zum Teil verletzt. Am Mittag trafen Saurav Das und Ashutosh Ranka, Sprecher der „Kakerlaken-Volkspartei“ (CJP – Cockroach Janta Party), die zu dem Protest aufgerufen hatte, den Familien- und Gesundheitsminister Jagat Prakash Nadda. Damit nahm die Regierung erstmals offiziell Kontakt mit der CJP auf. Der Funktionär der regierenden hindunationalistischen Volkspartei (BJP) von Premierminister Narendra Modi forderte ein Ende der Proteste.
      Ranka wiederholte die Forderung der Bewegung, die seit Wochen die Entlassung des Bildungsministers verlangt, und sagte: „Die Polizei von Delhi soll unverzüglich aufhören, mit Gewalt gegen Demonstrierende vorzugehen.“
      Mit dem Hungerstreik des bekannten Klimaaktivisten Sonam Wangchuk hatte die Jugendprotestbewegung CJP neue Aufmerksamkeit erlangt und ihrer Forderung nach dem Rücktritt von Bildungsminister Dharmendra Pradhan Nachdruck verliehen. (…)
      Hungerstreik beflügelt Protestbewegung
      Seit Wangchuk am Samstag, dem 21. Tag seines Hungerstreiks, gegen seinen Willen ins Krankenhaus zwangseingeliefert wurde, ist die Protestbewegung weiter gewachsen. Solidaritätsbekundungen folgten in Städten wie Mumbai oder Jaipur. Zwei Tage zuvor hatte der Oberste Gerichtshof die Regierung aufgefordert, „alles zu tun“, um das Leben des 59-Jährigen zu retten. Nach Angaben des Safdarjung-Krankenhauses wurde Wangchuk „dehydriert und schwach“ eingeliefert und hatte bereits mehrere Kilo an Gewicht verloren. Eine intravenöse Behandlung sowie Medikamente lehnte er aber ab.(…)
      „Studierende wurden geschlagen. Der heutige Tag wird als schwarzer Tag für die Demokratie in unsere Geschichte eingehen“, kritisierte die nordindische Abgeordnete Dimple Yadav (SP) das Vorgehen der Behörden. Sie marschierte mit den Protestierenden und ist eine von vielen politischen Stimmen, die der Bewegung inzwischen ihre Unterstützung ausgesprochen haben.
      Die Meldung, dass Bildungsminister Pradhan vom Innenminister einbestellt wurde, sorgte am Abend kurzzeitig für Hoffnungen. Doch bis Redaktionsschluss blieb der von den Demonstrierenden verlangte Rücktritt jedoch aus…“ Artikel von Natalie Mayroth vom 20.7.2026 in der taz online externer Link
  • Die Jugend fordert ihre Zukunft: Studierende in Indien protestieren gegen mangelnde Perspektiven und fordern Rücktritt des Bildungsministers
    Die indische Jugend sieht sich heute mit einer beispiellosen Krise konfrontiert, die von drastisch hohen Lebenshaltungskosten und Erwerbslosigkeit geprägt ist. Laut der periodischen Arbeitskräfteerhebung der Regierung liegt die allgemeine Arbeitslosenquote landesweit bei etwa 3,1 Prozent. Unter jungen Hochschulabsolventen beträgt sie 11,2 Prozent, übersteigt in ländlichen Gebieten sogar 11,8 Prozent – ein Hinweis darauf, dass die Anzahl erwerbsloser Personen mit hohen Bildungsabschlüssen jene der allgemeinen Bevölkerung um das Dreifache übersteigt. Die Menge an Bewerbungen, die zwischen 2014 und 2022 für Stellen bei der Zentralregierung eingereicht wurden, veranschaulicht die Misere: Auf fast 220 Millionen Bewerbungen folgten letztlich nur rund 722.000 Anstellungen.
    Darüber hinaus zeigen Daten des Arbeitsamtes und des indischen Statistikamtes, dass die jährlichen Wachstumsraten der Reallöhne im informellen Sektor seit 2015 auf nahezu null Prozent gesunken sind. Der von der Azim Premji University veröffentlichte Bericht »State of Working India 2026« ermittelte einen Rückgang des durchschnittlichen Monatsgehalts eines indischen Hochschulabsolventen von etwa 30.000 Rupien im Jahr 2011 auf nur noch 28.000 Rupien (rund 255 Euro) in den vergangenen Jahren. Bereinigt um die erdrückende Inflation und die explodierenden Lebenshaltungskosten verdienen die jungen Menschen von heute effektiv weniger als die vorherige Generation. Die Folge sind andauernde, finanzielle Sorgen.
    Und Verzweiflungstaten: Sonam Wangchuk, ein prominenter indischer Aktivist, hat durch seinen seit dem 29. Juni andauernden unbefristeten Hungerstreik bereits mehr als acht Kilo an Körpergewicht verloren. Er verweigert die Nahrungsaufnahme aus Solidarität mit Studenten, die unter anderem den Rücktritt des indischen Bildungsministers Dharmendra Pradhan fordern. Anlass dazu gab eine wichtige Aufnahmeprüfung für angehende Ärzte Anfang Mai, die aufgrund einer Vorabveröffentlichung der Prüfungsfragen abgesagt worden war. Die Indiskretion deckte ein Netzwerk auf, durch welches in mehreren Bundesstaaten und unter dem Deckmantel von »Probeprüfungsunterlagen« und »Probetests« die tatsächlichen Prüfungsunterlagen für die Zulassung zum Medizinstudium verkauft worden sein sollen. Seit der Absage der Prüfung sollen sich verschiedenen Berichten zufolge mindestens zwölf Studierende das Leben genommen haben. (…)
    Mittlerweile erhält die CJP für ihren Protest breite Unterstützung aus weiten Teilen der Gesellschaft. Neben prominenten Persönlichkeiten wie der Schriftstellerin Arundhati Roy haben sich auch die kommunistischen Parteien, darunter die Kommunistische Partei Indiens (Marxisten) und die Kommunistische Partei Indiens (Marxisten-Leninisten) hinter die Studierenden und die neu gegründete Partei gestellt. Ob die CJP aber eine konsequente Alternative zur neoliberalen Politik bieten kann, ist bislang unklar. Die Partei definiert sich selbst als »säkular, sozialistisch, demokratisch und faul« und vertritt fünf zentrale Forderungen, darunter eine 50prozentige Frauenquote im Parlament sowie den Entzug von Medienlizenzen für Großkonzerne. Mangels einer ideologischen Grundlage besteht aber die Gefahr, dass rechte Kräfte die Bewegung kapern. Über eine strukturelle und ideologische Alternative zur vorherrschenden, neoliberal- und hindufaschistischen Ideologie bietet sie bislang nicht
    .“ Artikel von Satyajeet Malik in der jungen Welt vom 16.07.2026 externer Link
  • Die Kakerlaken-Partei in Indien entwickelt sich mit sich mit ersten Demos samt Festnahmen vom digitalen Phänomen zur realen politischen Bewegung
    • „Kakerlaken-Partei“ in Indien: Wenn ein Onlineprotest Realität wird
      Die im Netz entstandene indische Kakerlaken-Volkspartei CJP kommt zum Protest in Delhi zusammen. Dabei findet sie prominente Unterstützer:innen. (…)
      Mit seiner Rückkehr kam der Protest auf die Straße. Einige Un­ter­stüt­ze­r:in­nen trugen Kakerlaken-Masken, andere hatten Plakate mitgebracht. Auf einem stand „IPL“ – was eigentlich das Akronym für die indische Cricketliga ist. Doch auf einem Plakat stand die Anschuldigung „Indian Paper Leak“ mit dem Verweis auf die Politik. Die Forderung nach dem Rücktritt von Bildungsminister Dharmendra Pradhan (BJP) binnen sieben Tagen ist ein konkretes Anliegen, mit dem die Bewegung einen wunden Punkt trifft. Hintergrund sind Unregelmäßigkeiten bei der landesweiten Zulassungsprüfung NEET für medizinische Studiengänge, die nun rund zwei Millionen junge Menschen wiederholen müssen. (…)
      Am Wochenende kam es zu Festnahmen von Protestierenden, sonst blieb es weitgehend friedlich. Daher fragt die Journalistin Arfa Khanum Serwani: „Warum werden Wasserwerfer nur gegen Kongress-Protestierende eingesetzt?“. „Hat die Regierung Angst vor einer neuen Gen-Z-Bewegung (…) oder nimmt sie diese einfach nicht ernst?“. Dipke dagegen zeigt sich gestärkt: „Mit unserer friedlichen Demonstration haben wir der Regierung gezeigt, wozu wir fähig sind“. Die Kakerlaken-Partei steht vor der Herausforderung, sich von einem digitalen Phänomen in eine reale politische Bewegung zu verwandeln. Von außen betrachtet ist es Indiens erste größere neue politische Protestbewegung seit vielen Jahren. Die „Stimme der Faulen und Arbeitslosen“ kratzt dabei am Image der Hindunationalisten
      …“ Artikel aus Mumbai von Natalie Mayroth vom 7.6.2026 in der taz online externer Link
    • Kakerlaken-Partei: Warum sie der Regierung in Indien gefährlich werden könnte
      Riesiger Zulauf für die Cockroach Janta Party (CJP): Das indische Online-Projekt mit einer Kakerlake als Symbolfigur zieht Millionen junge Menschen an. Sie sind von schlechten Jobaussichten und steigenden Lebenshaltungskosten frustriert. Was hinter der CJP steckt und wer nun nervös wird. (…)
      CJP: Sarkasmus, aber mit Inhalt
      Auf ihrer Webseite beschreibt sich die Partei als „Stimme einer ausgebrannten Jugend“ und hebt die positiven Seiten der Schädlinge hervor: Sie sind ausdauernd, anpassungsfähig und überleben selbst unter extremen Bedingungen. Die CJP scherzt mit Aufnahmekriterien wie Arbeitslosigkeit, Faulheit und ständige Online-Präsenz und nennt ihre Mitglieder „überqualifiziert, politisch frustriert und finanziell verwirrt“.
      Doch in und neben Memes, KI-generierten Inhalten und Kurzvideos gibt auch handfeste politische Forderungen: So fordert die Bewegung beispielsweise eine Frauenquote von 50 Prozent im Parlament und Kabinett und will künftig verbieten, dass indische Oberste Richter nach ihrer Pensionierung politische Positionen etwa im indischen Oberhaus, der Rajya Sabha, erhalten können. Den Milliardären Mukesh Ambani und Gautam Adani, die einen Großteil der indischen Medienlandschaft dominieren, sollen Lizenzen entzogen werden, damit die Medien unabhängiger werden können. …
      Die Jugend in Indien fühlt sich von der Politik nicht gesehen, hat schlechte Jobaussichten bei steigenden Lebenshaltungskosten. Sie beklagt wachsende Ungleichheit, religiöse Polarisierung und Probleme im Bildungssystem. Offiziell liegt die Jugendarbeitslosigkeit bei über 15 Prozent, bei Hochschulabsolventen noch deutlich höher. (…)
      Bei Straßenprotesten waren bereits als Kakerlaken verkleidete Menschen zu sehen, sodass sich die Bewegung aus dem digitalen Raum auf die Straße verlagern könnte. Auf ihrer Webseite kündigt die CJP an, eine Partei, für eine Generation aufbauen zu wollen, die mit leeren Versprechen, ständigen Benachrichtigungen und Warnungen vor niedrigem Batteriestand aufgewachsen ist. Auch plant sie bereits Proteste gegen die Regierung
      …“ Analyse von Marie Illner am 07.06.2026 auf web.de externer Link
  • "We are back. You forgot what Cockroaches do best. Survive."Die korrupte indische Regierung unterdrückt die Stimme der Generation Z, indem sie die Seiten der Cockroach Janta Party auf Twitter, Facebook und Instagram sperrt. Folgt uns und erhebt eure Stimme
    #CorruptIndianGovernment #CockroachJantaParty“ engl. Post von Cockroach Janta Party vom 22.5.26 auf bsky externer Link zu:
  • Video: Abhijeet Dipke, Gründer der „Cockroach Janta Party“, behauptet, es gebe ein massives Vorgehen gegen alle Konten
    Abhijeet Dipke, Gründer der „Cockroach Janta Party“, gab an, Morddrohungen erhalten zu haben, nachdem die Online-Kampagne der Gruppe zum Durchsickern der NEET-UG-Prüfungsfragen 2026 und zu Bildungsfragen in den sozialen Medien große Aufmerksamkeit erregt hatte…“ engl. Video vom 23. Mai 2026 auf thehindu.com externer Link 
  •  Indien geht im Namen der „nationalen Sicherheit“ hart gegen die „Kakerlaken-Bewegung“ vor
    Nachdem der X-Account der „Cockroach Janta Party“ in Indien gesperrt wurde, droht Berichten zufolge nun auch die Sperrung ihres Instagram-Accounts…“ engl. Artikel von Mahima Kapoor mit AP, AFP und Reuters am 22. Mai 2026 auf dw.com externer Link

    • der Cockroach Janta Party’s Backup Instagram-Account externer Link soll ebenfalls gesperrt sein
    • auf X gibt es nun den ACC „Cockroach is Back“ und #CockroachesNeverDie
    • CJP schreibt daraufhin auf X: „You can hack and withhold the accounts but you cannot hack this movement. We are not going to stop and we will keep raising our voice against this autocracy. Every attack makes cockroaches stronger. We will fight back
    • Faktencheck gegen Unterstellungen: Verursachen Anhänger der „Cockroach Janta Party“ Gewalt? All diese Videos sind ALT
      Cockroaches Never Die auf X: „You can hack and withhold the accounts but you cannot hack this movement. We are not going to stop and we will keep raising our voice against this autocracy. Every attack makes cockroaches stronger. We will fight backIndia Today Fact Check“ stellte fest, dass alle fünf Videos alt sind und sich auf die Proteste von Fabrikarbeitern in Noida im April dieses Jahres beziehen. (…) Auf seiner Instagram-Seite veröffentlichte Dipke am 23. Mai eine Story, in der er erklärte, er habe zu keinen Protesten aufgerufen, und alle Anhänger aufforderte, „vorsichtig und friedlich“ zu bleiben. Inzwischen haben sich mehrere Videos von gewalttätigen Protesten, Vandalismus und Brandstiftung im Internet verbreitet. Angeblich zeigten diese Clips junge Anhänger der Cockroach Janta Party, die für Chaos sorgten. Ein X-Nutzer teilte die Videos und schrieb: „EILMELDUNG – ‚Cockroach Party‘. Demonstranten der Generation Z geraten in der Nähe von Armeebüros aneinander, während die Wut auf das Modi-Regime wächst.“ All diese Clips stammen aus der Zeit vor der Gründung der satirischen politischen Bewegung…“ engl. Beitrag von Md Mahfooz Alam vom 23.5.2026 auf indiatoday.in mit Videos externer Link (maschinenübersetzt)
  • Sonam Wangchuk bezeichnet sich selbst als „Ehren-Kakerlake“: „Ich bin sehr beeindruckt“
    „… Eine „Partei“, die eigentlich nur als „Satire“ gedacht war, hat mittlerweile Millionen von Anhängern und „Mitglieder“ in „Lakhs“! Inmitten dieses Online-Hypes hat die „Partei“ offenbar ihren ersten „Ehren-Kakerlak“ erhalten, da der vielgepriesene Umweltschützer und Pädagoge Sonam Wangchuk seine Unterstützung für die sensationelle „Cockroach Janata Party“ (CJP) bekundete. In einem Interview mit PTI am Samstag, dem 23. Mai, bezeichnete sich Wangchuk nicht nur selbst als „Ehrenkakerlake“, sondern forderte die Regierung auch auf, stattdessen auf die Anliegen der „Partei“ zu hören, die sich größtenteils aus jungen Indern zusammensetzt...“ engl. Artikel von Poorva Karki vom 24. Mai 2026 auf timesnownews.com externer Link (maschinenübersetzt)
  • Indiens Generation Z hat die verachtete Kakerlake zu einem Symbol des Widerstands gemacht
    One Piece - das Symbol der Proteste der GenZDie stachelige, langbeinige und oft verachtete Kakerlake ist zu einem unerwarteten Symbol des Widerstands unter Indiens Generation Z geworden – eine scharfe Zurechtweisung für das herrschende Establishment in der größten Demokratie der Welt.
    Die „Cockroach Janta Party“, deren Name eine satirische Anspielung auf die regierende Bharatiya Janata Party ist, hat in weniger als einer Woche mehr als 19 Millionen Instagram-Follower gewonnen – fast doppelt so viele wie die Regierung. Es verdankt seine Entstehung Äußerungen des Obersten Richters Surya Kant, die weithin so verstanden wurden, dass er die arbeitslosen Jugendlichen des Landes als „Kakerlaken“ bezeichnete. (…)
    Die Äußerungen lösten einen viralen Protest aus, und die Generation Z verwandelte die Beleidigung in ein Symbol des Stolzes. KI-generierte Bilder des virtuellen Kakerlaken-Maskottchens der Partei tauchen nun überall in den Social-Media-Feeds, Nachrichtensendern und Zeitungen des Landes mit 1,4 Milliarden Einwohnern auf. Auch wenn es sich nicht um eine offizielle politische Partei handelt, dient die Cockroach Janta Party als lautstarkes, jugendliches Forum, um Missstände wie die steigende Jugendarbeitslosigkeit sowie das, was sie als politische Dysfunktion und Korruption ansehen, anzusprechen. (…) Mit einem Durchschnittsalter von 29 Jahren hat Indien eine der jüngsten Bevölkerungen der Welt. Die jungen Menschen des Landes sind zunehmend besser ausgebildet und ehrgeizig, doch das Land ist noch nicht in der Lage, die potenziellen wirtschaftlichen Vorteile daraus zu nutzen…“ engl. Artikel von Rhea Mogul und Esha Mitra vom 22. Mai 2026 auf CNN externer Link (maschinenübersetzt)
  • Kakerlaken-Partei in Indien: Die Stimme der Faulen und Arbeitslosen
    Nachdem der Oberste Richter Indiens arbeitslose junge Menschen mit „Kakerlaken“ verglich, gründete sich im Netz eine Gegenbewegung. Wie Memes politisieren.
    Die „Cockroach Janta Party“ (CJP) geht viral in Indien. Der Name der satirischen Jugendbewegung, die auf Deutsch so viel wie „Kakerlaken-Volkspartei“ heißt, stößt auf: Sie wirbt damit, die „Stimme der Faulen und Arbeitslosen“ zu sein, denen vorgeworfen wird, ständig online zu sein. Dahinter steckt jedoch mehr als ein Generationenkonflikt in einem Land, in dem das Durchschnittsalter bei 29 Jahren liegt.
    Auslöser für die Gründung waren Aussagen von Surya Kant, dem Obersten Richter Indiens. Während einer Anhörung sprach der 64-Jährige über arbeitslose junge Menschen, Medienakteure und Personen, die über Transparenzgesetze staatliche Informationen anfragen, und bezeichnete sie als „Kakerlaken“ und „Parasiten“, die das System angreifen würden. Später erklärte Kant, er habe damit Menschen mit gefälschten Abschlüssen gemeint.
    Doch im Netz wurde die Beleidigung zum Kampfbegriff. So entstand die „Cockroach Janta Party“, die auch als ironische Anspielung auf die hindunationalistische Regierungspartei Bharatiya Janata Party (BJP) von Narendra Modi verstanden wird. Kurz darauf tauchten weitere Meme-Seiten auf, darunter eine Parodie auf die oppositionelle Partei Indian National Congress. Innerhalb weniger Tage überschritt der Instagram-Account der CJP die Marke von 19,3 Millionen Followern und übertraf damit weit die rund neun Millionen Anhänger der BJP.
    Nicht nur Satire
    In ihren Posts widmet sich die CJP jedoch auch ernsten Themen. So startete die Bewegung eine Petition, die den Rücktritt des indischen Bildungsministers fordert. Hintergrund sind geleakte Fragen für Aufnahmeprüfungen im Hochschulbereich, die immer wieder zu Verschiebungen führen und bei Teilnehmenden enormen Stress auslösen. Zudem verweist die Bewegung auf Suizidfälle im Zusammenhang mit dem hohen Leistungsdruck. (…) Hinter dem Humor verbirgt sich Frustration. Indien hat weltweit die größte Bevölkerung im Alter zwischen 15 und 29 Jahren. Doch der Weg ins Berufsleben ist schwierig: Die Arbeitslosenquote unter Ab­sol­ven­t:in­nen unter 29 Jahren liegt laut der renommierten Azim Premji-Universität bei fast 40 Prozent, bei den 25- bis 29-Jährigen bei rund 20 Prozent. (…)
    Auffällig ist, wie sich politischer Protest in Indien inzwischen in Form von Memes und digitalem Aktivismus äußert. Die Aussagen des Richters führten zudem dazu, dass im Netz Videos kursieren, in denen junge Menschen als Ungeziefer verkleidet etwa das Ufer des stark verschmutzten Yamuna-Flusses säubern…“ Artikel vom 22.5.2026 in der taz online externer Link
  • Was ist die „Cockroach Janta Party“? 5 Fakten über die „Stimme der Faulen und Arbeitslosen“
    Die „Cockroach Janta Party“ hat ein einfaches Fünf-Punkte-Programm, in dem dargelegt wird, was sie tun wird, sollte sie an die Macht kommen…“ engl. Artikel von Trisha Sengupta vom 21. Mai 2026 auf hindustantimes.com externer Link

Grundinfos:

  • Das Manifest enthält unter anderem folgende Forderungen:
    • Keine Sitze im Rajya Sabha für Oberste Richter nach deren Ausscheiden aus dem Amt
    • Strenge Maßnahmen gegen die Streichung gültiger Stimmen
    • Wahlverbote für Abgeordnete, die ihre Fraktion wechseln
    • Maßnahmen gegen Falschinformationen durch Medien
    • Stärkere Vertretung von Frauen in der Politik
  • „Cockroach Janta Party“ (CJP): Homepage externer Link und Petition externer Link – beide aktuell offline, aktuell: https://www.thecockroachjantaparty.org.in/ externer Link
  • official YouTube channel externer Link
  • Cockroach Janta Party
    • auf bluesky: ‪@cockroachjparty.bsky.social
    • auf Insta externer Link (angeblich auch gesperrt)
    • (auf X gibt es nun den ACC „Cockroach is Back“ und #CockroachesNeverDie)

Siehe auch unser internationales Überblicks-Dossier: Gen Z-Proteste: Das Echo des Vorjahrzehnts. Mit ihren Protesten tragen junge Menschen die globale Revolte weiter

Kurzlink: https://www.labournet.de/?p=235656
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