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Aufschwung der griechischen Tourismus-Industrie – und der Arbeitsbelastung. Dafür weniger Lohn – und ein erster Streik
„Der Tourismus wird Griechenland in diesem Jahr voraussichtlich 14 Milliarden Euro aus dem Ausland einbringen – eine überlebenswichtige Stütze für die krisengeschüttelte Wirtschaft des Landes. Doch den Preis zahlen viele der mehr als 340.000 Beschäftigten der Branche. Die Arbeitstage sind lang, die Gehälter gering. Viele Griechen werden illegal beschäftigt, haben keinen Versicherungsschutz und können leicht gefeuert werden. „Die Rekorde und Gewinne basieren auf überarbeiteten, ausgebeuteten Angestellten, von denen viele umfallen vor Erschöpfung“, sagt Kyriakos Tsaousis, Chef einer Touristik-Gewerkschaft im Norden Griechenlands“ – aus dem Artikel „Urlaub bis zum Umfallen“ von Giorgios Christides am 18. Juli 2017 im Spiegel Online
, worin für den 20. Juli der erste Streik in der Branche seit 2012 angekündigt wird – und die Arbeitsbedingungen konkret berichtet, wie sie – nicht zuletzt dank Brüsseler Diktaten gegen die Rechte der Beschäftigten – ein Urlaubsparadies zur Arbeitshölle machen. Siehe dazu auch einen Beitrag zum Thema aus bulgarischer Sicht der ArbeitsmigrantInnen – und einen ersten Bericht zum Streik:
- Streik am 24. Juni im Tourismus- und Gastgewerbe Griechenlands gegen die Schattenseite des Tourismus: Die Ausbeutung der Arbeitenden
- Schattenseite des Tourismus: die Ausbeutung der Arbeitenden
„Immer mehr Deutsche verbringen Urlaub in Griechenland. Letztes Jahr waren es 5,9 Millioneni. Das Land hat herrliche Landschaften, gastfreundliche Menschen, vielfältige Kulturen und noch viel mehr zu bieten. Nur leider hat der Tourismus in Griechenland eine Reihe von Schattenseiten. Eine ist die gnadenlose Ausbeutung der in diesem Bereich arbeitenden Menschen durch großes und mittleres Kapital und auch durch kleinere Selbständige.
Gestern, am 24.06.2026 streikte die Gewerkschaft der im Tourismus und Gastgewerbe Tätigen der Präfektur (περιφέρεια) Attika, um gegen die unzumutbaren Zustände zu protestieren. Der Streik forderte u.a.:
– einen Tarifvertrag
– Abschaffung des 13-Stundentages
– Gesundheits- und Sicherheitsmaßnahmen
– kein Gehalt unter 1200,- Euro netto
– ein Ende der ungesicherten Arbeitsverhältnisse
Besonders perfide erscheint uns, dass in den letzten Jahre folgende Praxis häufig vorkommt: Arbeitgeber überweisen ihren Arbeitnehmern Lohn, aber nur unter der Bedingung, dass die Arbeitnehmer einen Großteil dieses Betrages bar an die Arbeitgeber zahlen. D.h. die Arbeitnehmer werden gezwungen, bei einem Betrug zu ihren Ungunsten mitzumachen.“ Meldung vom 24. Juni 2026 auf griechenlandsolidarität
mit dem Streikplakat von Lantza - Streik im Tourismussektor. Sie werden sich nicht länger auf unsere Kosten bereichern.
„Am Mittwoch, dem 24. Juni, treten die Beschäftigten im Tourismus- und Gastgewerbe gemeinsam mit der Baubranche in den Streik.
Die großen Tourismusunternehmen erzielen riesige Gewinne, ebenso wie die gesamte Gastronomiebranche, die es sich zur Gewohnheit gemacht hat, ihre Beschäftigten „auszubeuten“. Diese Situation muss ein Ende haben. Sie werden sich nicht länger auf unsere Kosten bereichern.
Es ist nicht normal, dass wir nur für zwei Tage versichert sind und sieben Tage die Woche in unbezahlten 12-Stunden-Schichten arbeiten.
Es ist nicht normal, dass wir die Geschenke aus den Geldautomaten holen und sie den Chefs zurückgeben. Das ist Diebstahl, genauso wie es Diebstahl ist, wenn dir auf der Straße die Brieftasche gestohlen wird.
Es ist nicht normal, ohne freie Tage zu arbeiten, für lächerliche Tageslöhne und in Abhängigkeit von Trinkgeldern, was zu zerrütteten Nerven und wunden Händen führt.
Kellner, Zimmermädchen, Köche – alle Beschäftigten in der „Schwerindustrie“ des Landes haben etwas viel Besseres verdient. In dieser Branche werden riesige Gewinne erzielt, die in Villen und Yachten fließen, während diejenigen, die diese Gewinne erwirtschaften, in der Angst leben, ob sie den Winter überstehen werden. Die Regierung unternimmt nicht nur nichts, um die Situation zu verbessern, sondern hat auch die 7-Tage-Woche und die 13-Stunden-Schicht im Rahmen einer Arbeitszeitregelung beschlossen und damit unsere Überstundenvergütung gekürzt. Gegen die Regierung und die Arbeitgeber streiken wir!...“ griech. Streikankündigung der Gewerkschaft Anypakoi
(maschinenübersetzt) – ihre Untergruppierung Lantza gibt es leider offenbar nur auf Fratzebuch (https://www.facebook.com/protovoulia2014) - Protestwelle in Griechenland: Gewerkschaften und Bauern machen mobil Tagesthema
„… Die Angestellten im Gastronomiebereich beklagen, dass es durch ein neues Gesetz nun gesetzlich erlaubt ist, wenn sie sieben Tage in der Woche für jeweils bis zu 14 Stunden arbeiten. Außerdem würde sich eine marginale Gehaltserhöhung, die sie offiziell erhalten haben, durch erhöhte Steuern, die sie dadurch entrichten müssten, gegen Null bewegen. Kritisiert wird außerdem, dass an besonders touristischen Orten Menschen aus Drittländern arbeiten, ohne dass bekannt wäre, wie viele es seien, wie sie entlohnt würden und wo bzw. wie sie untergebracht seien.
Zudem erklären Vertreter beider Sparten, dass viele Arbeitsunfälle schlicht und einfach durch die Erschöpfung der Arbeitnehmer zu erklären seien…“ Artikel von Elisa Hübel vom 22. Juni 2026 in der Griechenland Zeitung online
- Schattenseite des Tourismus: die Ausbeutung der Arbeitenden
- „Tourism in Greece: Union strike looming at peak of summer season“ von Imanuel Marcus am 19. Juli 2017 bei SofiaGlobe
, der die Situation in der griechischen Tourismus-Industrie ebenfalls darstellt, wie auch die Streikvorbereitungen zweier Gewerkschaften – und dabei konkrete Vergleiche zieht, mit den Zuständen in Bulgarien, und warum es nicht so wenige Branchenbeschäftigte aus Bulgarien gibt, die dennoch in Griechenland arbeiten.
- „Hotel workers strike against labor reforms“ am 20. Juli 2017 bei ekathimerini
ist ein Reuters-Tagesbericht vom Streiktag gestern, in dem vor allem auf eine Streikdemonstration in Athen eingegangen wird, und einige Auswirkungen beschrieben, während der Streik, der für 24 Stunden beschlossen worden war, noch andauerte.