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55 Jahre nach der Verstaatlichung des chilenischen Kupfers ist die Zukunft des Staatskonzerns Codelco erneut Gegenstand einer politischen Auseinandersetzung

Arbeitskampf 2021 bei Codelco in Chile„Kritiker werfen der Regierung des ultrarechten Präsidenten José Antonio Kast vor, gezielt Zweifel an der Leistungsfähigkeit des Unternehmens zu säen, um langfristig eine stärkere Öffnung für privates Kapital vorzubereiten. (…) Nach Einschätzung mehrerer Bergbauexperten verfolgt die Regierung mit ihrer Kritik ein anderes Ziel: Sie will das Vertrauen in den Staatskonzern schwächen, um politische Zustimmung für eine stärkere Beteiligung privater Investoren zu schaffen. (…) Die Vorsitzende des Bergbauausschusses im Senat, Yasna Provoste, forderte von der neuen Unternehmensführung die ausdrückliche Zusicherung, dass die strategische Neuausrichtung nicht zu einer Privatisierung Codelcos führen werde. Zugleich sprach sie sich dafür aus, Chiles Rolle als führender Produzent strategischer Rohstoffe, insbesondere von Lithium, wieder auszubauen, ohne die Kontrolle über diese Ressourcen aus der Hand zu geben…“ Beitrag von Nerea de Lucó in der Übersetzung von Benjamin Grasse vom 17. Juli 2026 bei amerika21 externer Link („55 Jahre nach Allende: Neuer Angriff auf Chiles Kupfer?“) und einige Hintergründe:

  • Chile: Griff nach dem Kupfer. Hitzige Debatte um Teilprivatisierung des staatlichen Konzerns Codelco New
    „Die Corporación Nacional del Cobre (Codelco), der größte Kupferproduzent der Welt, steht im Zentrum einer heftigen Debatte um seine Zukunft. Das chilenische Staatsunternehmen steckt mit einer Schuldenlast von etwa 25 Milliarden US-Dollar in der Krise. Die Forderung von Arturo Squella, dem Vorsitzenden der Republikanischen Partei von Präsident José Antonio Kast, einen Teil des Staatskonzerns an private Investoren zu verkaufen, führte zu scharfer Kritik aus der Belegschaft und der breiteren politischen Öffentlichkeit. Dennoch droht die Teilprivatisierung. (…)
    Gegen den schleichenden Ausverkauf regt sich jedoch Widerstand. Die Föderation der Kupferarbeiter (FTC) hat den Vorschlag kategorisch zurückgewiesen und angekündigt, alle erforderlichen gewerkschaftlichen Maßnahmen zu ergreifen, um Codelco zu verteidigen. Eine Demonstration in der Hauptstadt Santiago unter dem Motto »Codelco gehört den Chilenen« kritisierte den Privatisierungsvorstoß Anfang der Woche ebenfalls. Der Vorsitzende der Gewerkschaft der Bergarbeiter von Chuquicamata, einer der größten Kupferminen der Welt, Hernán Guerrero Maluenda, erinnerte daran, dass Codelco seit seiner Gründung dem chilenischen Staat mehr als 170 Milliarden US-Dollar einbrachte und eine tragende Säule der Wirtschaft ist. Bei der Kundgebung vor der Codelco-Zentrale übergab die Gewerkschaft zudem einen Brief an Präsident Kast, in dem sie sich über »unklare« Aussagen der Regierung zum Thema beschwerte und eine gemeinsame Arbeitsgruppe zur Zukunft der Industrie forderte. Der Gouverneur der Bergbauregion Antofagasta, Ricardo Díaz, kritisierte zudem, dass Chile bislang vor allem unverarbeitete Kupferkonzentrate statt raffinierten Metalls exportiere und damit den wertvolleren Teil der Wertschöpfung aus der Hand gebe: »Wir brauchen Raffinerien, hören wir auf, den nationalen Reichtum zu verschenken.« (…)
    Der Staatskonzern ist Teil des Erbes des demokratisch gewählten sozialistischen Präsidenten Salvador Allende und seiner Verstaatlichung des chilenischen Kupfers 1971. Auch in der durch einen Putsch an die Macht gelangten Militärdiktatur Pinochets blieb das Kupfer in staatlicher Hand, allerdings mussten zehn Prozent des Umsatzes direkt an das Militär abgeführt werden. Viele andere lukrative Staatsunternehmen, wie der Lithium-Gigant SQM, wurden hingegen damals an private Investoren und Günstlinge des Regimes – darunter Pinochets Schwiegersohn Julio Ponce Lerou – verscherbelt. Die aktuelle Debatte über eine Privatisierung des chilenischen Kupfers wird in einer Zeit geführt, in der das Metall nicht nur durch die Frage der Energiewende rasant an strategischer Bedeutung gewinnt. Ein weiterer Preistreiber ist der weltweite Wettlauf um generative künstliche Intelligenz. Der Bau gigantischer Rechenzentren für die US-Techgiganten lässt die Nachfrage nach dem Leitmetall förmlich explodieren. Branchenanalysten warnen bereits vor einem globalen Angebotsengpass. Kritiker sehen in dem Vorstoß der chilenischen Rechten einen direkten Zusammenhang mit dem im März geschlossenen Kritische-Mineralien-Abkommen zwischen Chile und den USA.“
    Artikel von Robert Kohl Parra in der jungen Welt vom 14. August 2026 externer Link

Siehe zur Geschichte von Codelco im LabourNet:

Kurzlink: https://www.labournet.de/?p=236659
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