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Zehntausende auf Australiens Straßen zum regierenden Klimawandel-Leugner: „Hau ab, Morrison!“

Die größten Brände in Australiens Geschichte sind ein Schlag ins Gesicht der Klimawandel-Leugner„… In Sydney und Melbourne brachten die Proteste zeitweise den Verkehr in den Städten zum Stehen. Ein Teilnehmer äußerte dem Sender ABC gegenüber seine Wut auf die Regierung, die ihn erstmals dazu gebracht habe, sich einem solchen Protest anzuschließen: „Ich bin absolut angewidert von 20 Jahren politischer Lähmung. Tatsächlich tue ich das jetzt hier für meine Tochter.“ Die Demonstranten forderten neben einem schnellen Handeln in Sachen Klimawandel konkrete Hilfe bei der Bekämpfung der Brände – etwa durch eine Entlohnung aller Freiwilligen Feuerwehrleute und Entschädigungszahlungen für die Brand-Betroffenen. Viele forderten auf Plakaten und Transparenten auch den Rücktritt von Premier Morrison. Der betrachtet den Klimawandel nur als eine von vielen Ursachen für die verheerenden Buschbrände in seinem Land. Die Regierung müsse in dieser Frage auch wirtschaftliche Abwägungen berücksichtigen. Die Vorstellung, klimapolitische Maßnahmen hätten direkten Einfluss auf die Feuer, sei „lächerlich“, sagte Morrison dem Radio-Sender 2GB Sydney...“ – aus dem (kontinuierlich ergänzten) Beitrag „Buschfeuer in Australien: Wut auf die Regierung wächst – Tausende gehen auf die Straße“ von Valentin Beige und Moritz Serif am 10. Januar 2020 in der FR online externer Link, worin die Demonstrationen vom Freitag eher kleiner berichtet werden, als sie es tatsächlich waren – und die ausgesprochen aggressive Stimmung gegen die rechten Klimawandel-Gegner nur andeutungsweise erfasst. Siehe dazu fünf weitere aktuelle Beiträge – auch zum Rückzugsgefecht der Rechten gegen die Kritik an ihrer Politik im Dienste der Konzerne:

„‘Scomo’s got to go’: Tens of thousands march for climate action“ am 10. Januar 2020 bei Red Flag externer Link ist ein Demonstrationsbericht vom Tage, in dem die Teilnahmezahlen erheblich höher berichtet werden (so sollen in Melbourne 30.000 und in Sydney 50.000 Menschen demonstriert haben) – und die wachsende Forderung nach einem Rücktritt der Regierung in den Mittelpunkt gestellt. Die Proteste waren von einem Zusammenschluss von Studierenden organisiert worden, der auch vorher bereits einmal mobilisiert hatte (siehe den Verweis auf unseren bisher letzten Beitrag am Ende)

„Der Flächenbrand“ am 11. Januar 2020 in der taz online externer Link ist eine (dpa) Meldung zur aktuellen Entwicklung der Feuer, worin es unter anderem heißt: „… In Australien sind die schlimmsten Befürchtungen wahr geworden: An den Grenzen der beiden Bundesstaaten New South Wales und Victoria vereinten sich in der Nacht zum Samstag drei Buschfeuer zu einem „Mega-Brand“ mit einer Fläche von 600.000 Hektar. Das entspricht etwa einem Drittel der Größe von Sachsen. In einigen betroffenen Gebieten hatten die Temperaturen am Freitagabend 44 Grad erreicht. Dazu wurden Windgeschwindigkeiten von 90 Stundenkilometern registriert. Bewohner der Stadt Wodonga in Victoria mussten wegen der Brände in Sicherheit gebracht werden. In New South Wales waren mehr als 3.500 Feuerwehrleute im Einsatz. Dort loderten am Samstagmorgen noch immer mehr als 140 Brände. Doch das Wetter kühlte etwas ab, an einigen Orten regnete es. Die ermatteten Feuerwehrleute hofften auf Erholung…“

„Ein Kontinent als Sinnbild“ von Daniel Stern am 09. Januar 2020 in der WoZ externer Link (Ausgabe 2/2020) zur Politik der australischen Rechten und der Mitwirkung europäischer Unternehmen unter anderem: „… Ausgerechnet Australien befindet sich aber auf einem genau entgegengesetzten Pfad. Das Land liegt beim Pro-Kopf-Ausstoss von CO2 weltweit an vierter Stelle, 2019 hat es Katar als grössten Exporteur von Flüssiggas abgelöst. Erdgas setzt bei der Verbrennung genau wie Kohle und Erdöl CO2 frei – doch es ist noch viel schädlicher für das Klima, wenn es etwa durch Lecks in Pipelines unverbrannt in die Atmosphäre gelangt. Weiterhin setzt Australien zudem auf den Abbau von Kohle, die zu einem grossen Teil nach Asien exportiert wird. Allein Glencore betreibt auf dem Kontinent sechzehn Kohleminen: 2018 förderte der Schweizer Konzern mit Sitz in Baar dort 104 Millionen Tonnen. Wird diese Kohle verbrannt, wird damit rund viermal mehr CO2 freigesetzt, als letztes Jahr in der ganzen Schweiz ausgestossen wurde. Und Glencore denkt nicht daran, mit dem Geschäft aufzuhören. Das Unternehmen verfolgt fünf Neu- beziehungsweise Ausbauprojekte. So existieren unter anderem Pläne für eine Tagebaumine in Wandoan im Bundesstaat Queensland: Dort sollen während 35 Jahren jährlich 22 Millionen Tonnen Kohle abgebaut werden. Wegen der aktuell tiefen Kohlepreise ist das Projekt bislang nicht realisiert worden. Ein noch grösseres Projekt plant der indische Konzern Adani im Norden des Landes: Im Galilee Basin soll ein neues Vorkommen erschlossen werden, um anfänglich 25 Millionen Tonnen Kohle pro Jahr zu fördern. Mit dem Bau von Bahnlinien und Strassen wird das Gebiet auch für weitere Projekte attraktiv...“

„Australien in Flammen: Sündenböcke“ von Wolfgang Pomrehn am 09. Januar 2020 bei telepolis externer Link zu den Versuchen der Rechten, ihre Politik im Dienste der Konzerne zu verteidigen: „… Rund 100.000 Quadratkilometer Wald und Buschland sind bereits verbrannt, was mehr als einem Viertel der Fläche Deutschlands entspricht. Am stärksten betroffen sind die benachbarten Bundesstaaten New South Wales und Victoria, aber auch andere Landesteile leiden unter Wald- und Buschbränden – während der äußerste Norden des Landes gerade von einem tropischen Wirbelsturm heimgesucht wurde.
Unterdessen schwappen durch die sozialen Medien des fünften Kontinents, erzeugt durch rechte Kommentatoren und verstärkt durch diverse Bots, Wellen von Falschmeldungen und verleumderischen Unterstellungen, deren Ausläufer auch hierzulande inzwischen angekommen sind. Die direkt vor Ort ihr Leben riskierenden Feuerwehrleute sind offensichtlich reichlich empört über die verbreiteten Geschichten. Die Platform news.com.au berichtet über einen Feuerwehrmann namens Drew, dessen Stellungnahme auf Facebook gerade die Runde mache. Er müsse jetzt etwas sagen, da er die “falsche Wissenschaft und regelrechten Lügen nicht mehr ertragen kann, die in den sozialen Medien als Nachrichten und Fakten verbreitet werden.” (…) Schon am 25. November hatte Greg McConnville, Vorsitzender der Australischen Feuerwehrgewerkschaft, auf einer Kundgebung in der Bundeshauptstadt Canberra erklärt, dass es am Ende eines Feuerwehrschlauches niemanden gebe, der Zweifel am Klimawandel habe…

„Statement on ongoing bushfire crisis“ am 07. Januar 2020 beim Gewerkschaftsbund ACTU externer Link ist eine Stellungnahme (und ein Aufruf zu praktischer Solidarität), die sich den politischen Bedingungen der Brände nicht widmet – aber dennoch von daher wichtig ist, weil sie deutlich macht, was „hinter den Kulissen“ so alles passiert – etwa, wenn unterstrichen wird, dass es sowohl nicht hingenommen werde, wenn Beschäftigte trotz widrigster Umstände gezwungen würden, zur Arbeit zu kommen oder gar solche, die flüchten mussten, keinen Lohn ausbezahlt…

Kurzlink: https://www.labournet.de/?p=160871
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