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Heute mehr denn je: Nie wieder Faschismus. Gedenken des Militärputsches in Argentinien unter Milei

Dossier

Heute mehr denn je: Nie wieder. Gedenken am 49. Jahrestag des Militärputsches in Argentinien unter dem Motto "Gegen den Faschismus und das geplante Elend"Argentinien gedenkt heute des 49. Jahrestages des Putsches von 1976, auf den eine jahrelange Militärdiktatur und schwere Menschenrechtsverletzungen folgten. Das Land begeht diesen besonderen Tag mit Kundgebungen und kulturellen Veranstaltungen im ganzen Land. Ein breites Bündnis von Gewerkschaften, Menschenrechtsorganisationen, akademischen Einrichtungen und weiteren gesellschaftlichen Akteuren hat unter dem Motto „Gegen den Faschismus und das geplante Elend“ zu Demonstrationen aufgerufen. (…) Neben den Demonstrationen finden in vielen Städten rund um den 24. März kulturelle Veranstaltungen wie Vorträge, Ausstellungen, Theater- und Filmvorführungen, Konzerte und Lesungen statt, um über die Diktatur und ihre Opfer aufzuklären und ihr Andenken zu bewahren…“ Artikel von Nerea de Lucó in der Übersetzung von Benjamin Grasse am 24.03.2025 in amerika21 externer Link („Jahrestag des Militärputsches in Argentinien: Kundgebungen und Kultur gegen das Vergessen“) auch zur „Erinnerungskultur“ unter Milei – siehe 3 Berichte zu 2025 und nun 2026:

  • Hunderttausende bei Märschen und Gedenkveranstaltungen: Proteste gegen das Vergessen in Argentinien anlässlich des 50. Jahrestags des Militärputsches New
    Landesweit nahmen Hunderttausende an Märschen und Gedenkveranstaltungen teil. Ein wachsender Anteil der Bevölkerung leugnet die Taten der Diktatur
    Buenos Aires/Córdoba. Anlässlich des 50. Jahrestages des Militärputsches ist es am Dienstag in Argentinien landesweit zu Gedenkmärschen und Protestveranstaltungen gekommen. Menschenrechtsorganisationen organisierten die Veranstaltungen unter dem Motto „Mehr denn je: Nie Wieder!“ (más que nunca, nunca más). Damit kritisierten sie die weit verbreitete Leugnung der Verbrechen der Diktatur, sowohl in sozialen Medien als auch in der ultrarechten Regierung unter Präsident Javier Milei. Allein in Buenos Aires gingen nach Angaben der Stadtverwaltung zwischen 150.000 und 200.000 Menschen auf die Straße. (…)
    In Córdoba, Argentiniens zweitgrößter Stadt, nahmen nach Medienangaben 200.000 Menschen an dem von lokalen Bürgerrechtsorganisationen veranstalteten Marsch teil, darunter auch Züge von Gewerkschaften, Studierendenbewegungen, LGBTQ-Organisationen und Delegationen aus umliegenden ländlichen Regionen. Viele der Teilnehmenden trugen Plakate mit den Fotos und Namen von Familienmitgliedern und Freunden, die von der Diktatur verschwinden gelassen wurden. Unter den zahlreichen Plakaten waren solche mit dem Text „Es sind/waren 30.000“ (son/fueron 30.000) zu lesen. Damit protestierten sie auch dagegen, dass ein wachsender Anteil der Bevölkerung die Taten der Diktatur leugnet. Eine Tendenz, die von rechten Influencern und der Regierung vorangetrieben wird
    …“ Beitrag von Bastian Greshake Tzovaras vom 26.03.2026 in amerika21 externer Link und dazu auch:

    • Diktatur in Argentinien: Für Wahrheit und Gerechtigkeit. Die Menschenrechtsbewegung arbeitet beharrlich an der Aufklärung der Diktaturverbrechen
      „50 Jahre ist es her, dass das Militär in Argentinien eine Diktatur errichtete. Doch noch immer kommen neue Details über die vom Staat begangenen Verbrechen ans Licht. Vergangene Woche erfuhren die Angehörigen von zwölf »Verschwundenen«, welches Schicksal diesen widerfahren war. Nach mehrmonatigen Ausgrabungen in einem Massengrab in La Perla in der zentralargentinischen Provinz Córdoba, konnten die Überreste von zwölf dort verscharrten Leichen sogenannten Verschwundenen zugeordnet werden. In La Perla war von Mitte 1976 bis Ende 1978 das größte Haft- und Folterzentrum Córdobas. Laut dem Provinzarchiv für Erinnerung (CPM) waren dort rund 2500 Oppositionelle eingekerkert. Die meisten von ihnen gelten bis heute als verschwunden. Identifiziert werden konnten die Überreste dank der Argentinischen Arbeitsgruppe forensischer Anthropologen (EAAF). Für einige Opferangehörige herrscht nun Gewissheit, während Tausende während der Diktatur Entführte weiter als verschwunden gelten. 30 000 Personen wurden zwischen 1976 und 1983 entführt, gefoltert und meist ermordet. Über das Land verteilt gab es Hunderte Haft- und Folterzentren. Menschenrechts- und Opferorganisationen sprechen auch von »Vernichtungszentren«, in denen die Gefangenen ermordet oder aus einem der berüchtigten »Todesflüge« betäubt über dem Río de la Plata oder dem offenen Atlantik abgeworfen wurden. So sollte verhindert werden, dass ihre Leichen identifiziert werden. Das erschwert zudem die juristische Aufarbeitung. (…) Trotz des revisionistischen Kurses der ultrarechten Regierung von Javier Milei, die seit Ende 2023 an der Regierung ist, gehen die Verfahren gegen mutmaßliche Diktaturverbrecher weiter. 2003 hatte der damalige Linksperonist Néstor Kirchner die Mitte der 80er Jahre beschlossenen »Schlussstrich-Gesetze« für nichtig erklärt, die eine Amnestie für die Täter vorsahen. Zwei Jahre später bestätigte das Verfassungsgericht die Entscheidung. Das machte es möglich, alte Gerichtsverfahren wieder aufzunehmen und neue zu eröffnen. Seitdem wurden mehr als 1000 Verantwortliche schuldig gesprochen. Jedoch sitzen gerade einmal 84 von ihnen im Gefängnis. In diesem Jahr beginnen unter anderem Prozesse zur Rolle des Geheimdienstes der Militärdiktatur (SIDE) und zur Verantwortlichkeit von Unternehmen. (…) Pablo Llonto, der eine der klagenden Familien vertritt, zeigte sich im Januar gegenüber dem Onlinemedium »La Retaguardia« optimistisch, dass 2026 auch ein Prozess gegen Mercedes-Benz beginnen könne. Das wäre »zumindest ein Dämpfer für jene Teile der Regierung, die die Verbrechen der Diktatur leugnen und rechtfertigen und eine arbeiterfeindliche Politik machen«. Ein Termin für die Verhandlung gegen den früheren Produktionschef des Mercedes-Werks, Juan Ronaldo Tasselkraut, steht noch nicht. Ihm wird vorgeworfen, aktiv an der Entführung von Gewerkschaftern im Werk beteiligt gewesen zu sein. Das Europäische Zentrum für Verfassungs- und Menschenrechte (ECCHR), das den Fall seit Jahren begleitet, nennt die mutmaßlichen Verbrechen »exemplarisch für die Kooperation von Unternehmen mit autoritären Regimen und Diktaturen«.“ Artikel von Frederic Schnatterer vom 23. März 2026 in Neues Deutschland online externer Link
  • Marsch der Einheit in Argentinien: Tausende gedenken am 49. Jahrestag des Putsches der Opfer der Diktatur – und protestieren gegen die Regierung Milei
    Die Plaza de Mayo im Herzen von Buenos Aires war Schauplatz einer der größten Mobilisierungen an einem 24. März in Argentinien: Am Montag haben Tausende Menschen am Jahrestag des Putsches der Opfer der Militärdiktatur gedacht und gegen ihre Leugnung und Verharmlosung durch die Regierung von Präsident Javier Milei protestiert. Auch in anderen Städten des Landes fanden Kundgebungen statt. Hauptthemen der Demonstrationen waren die Verteidigung der Menschenrechtspolitik, die Ablehnung von politischer Gewalt und Massenentlassungen von Staatsbediensteten sowie Forderungen nach Gerechtigkeit für Pablo Grillo. Der Fotograf war vor zwei Wochen während eines Protestes von Rentnern durch Polizisten schwer verletzt worden und kämpft weiter um sein Leben.
    Das Besondere des Protests am Montag: Erstmals seit 19 Jahren gab es einen Marsch mit allen Menschenrechtsorganisationen, von den »Müttern« bis zu den »Großmüttern der Plaza de Mayo«, mit politischen Gruppen und Gewerkschaften. Alle waren sie dabei, ob Familien, Studenten, Rentner. Es war ein Marsch der Einheit mit einer klaren Botschaft: Es gibt 30.000 Verschwundene infolge der Militärdiktatur. Die Regierung hingegen zweifelt an dieser Zahl und führt die sogenannte Theorie der zwei Dämonen an. Diese nach der Diktatur entstandene Lesart setzt die Gewalt des terroristischen Staates mit der Gewalt der Guerillagruppen gleich, um die Greueltaten der Junta zu rechtfertigen. (…)
    Die »Großmütter der Plaza de Mayo« forderten am gleichen Tag erneut nachdrücklich, die Suche nach ihren während der Diktatur entführten Enkeln fortzusetzen. Die Regierung hatte der Organisation im vergangenen Jahr die Mittel gestrichen. Justizminister Mariano Cúneo Libarona begründete dies damit, dass seine Regierung anders als die vorherige nicht das Geld der Argentinier »verschwende« und sie dem »Betrug« daher ein Ende setze. Die Nichtregierungsorganisation deckte zuvor 90 Prozent ihres Bedarfs mit der staatlichen Förderung ab. »Mit der Kettensäge« hat die Regierung auch Stellen und Ausgaben in den Bereichen der Verwaltung und Menschenrechtspolitik gestrichen.
    Von einer vor dem Präsidentensitz aufgebauten Bühne aus sprachen Vertreter der Organisationen, darunter Estela de Carlotto, Präsidentin der »Großmütter der Plaza de Mayo«: »Wir fordern weiterhin, dass sie uns sagen, wo sie sind. Wir kämpfen für die Feststellung der Identität von Hunderten von Babys, die von der Diktatur gestohlen wurden.« Die »Großmütter« konnten 139 Personen ausfindig machen, die als Kinder in den Jahren 1976 bis 1983 regierungskritischen Familien entrissen und in regimetreue gegeben worden waren. Ihren Schätzungen nach sind noch etwa 300 nicht identifiziert. Die Organisationen forderten auch den Rücktritt von Sicherheitsministerin Patricia Bullrich wegen der brutalen Unterdrückung von Protesten und stellten die Neuverschuldung beim Internationalen Währungsfonds in Frage
    …“ Artikel von Florencia Beloso, Buenos Aires, in der jungen Welt vom 26.03.2025 externer Link
  • HEUTE MEHR denn je, NIE WIEDER
    Eine Menschenmenge füllte die Innenstadt von Buenos Aires mit ihrer Feier für Erinnerung, Wahrheit und Gerechtigkeit und ihrer Ablehnung der repressiven und verleugnenden Politik der Regierung Milei.
    „Wir haben die Kraft der Geschichte unseres Volkes“ 49 Jahre nach dem Putsch erneuerte eine Menschenmenge ihr Engagement für Erinnerung, Wahrheit und Gerechtigkeit. Mit starker Kritik an der Verleugnung, Anpassung und Repression der Regierung führten Menschenrechtsorganisationen den zentralen Akt auf der Plaza de Mayo an. Die Provokation der Casa Rosada und die Botschaft des Kampfes der Mütter und Großmütter…“  span. Bericht von Luciana Bertoia vom 25.3.2025 in Página|12 externer Link (maschinenübersetzt)
  • 49 Jahre nach dem Putsch: Eine Menschenmenge lehnt die Regierung, ihre Anpassung, ihre Unterdrückung und ihre Verleugnung ab
    In CABA gab es einen gigantischen Einheitsmarsch mit zwei Dokumenten. Einerseits das der Menschenrechtsorganisationen, die mit dem Kirchnerismus und Peronismus verbunden sind. Auf der anderen Seite das Dokument des Encuentro Memoria, Verdad y Justicia (EMVJ), das die Repression und die Anpassung anprangerte, aber auch die Komplizen von Milei: die PRO, die UCR und einen bedeutenden Teil des Peronismus, einschließlich der bürokratischen Führung der CGT…“ span. Bericht vom 24.3.25 in La Izquierda Diario externer Link (maschinenübersetzt) mit Fotos und Videos
  • #MemoriaVerdadYJusticia #NuncaMás #Fueron30Mil

Siehe zum aktuellen politischen Hintergrund v.a. unser Dossier: Ultrarechter Javier Milei wird neuer Präsident von Argentinien – wenn Bolsonaro und Trump gratulieren…

Kurzlink: https://www.labournet.de/?p=227042
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