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Milei gegen Pressefreiheit: Nach der Nachrichtenagentur Télam sind der öffentliche Rundfunk und alle Journalistinnen dran…

Dossier

Argentinien: "Autoritäre Präsidenten disqualifizieren, um zu schweigen" (Journalistenverband FOPEA)Die Regierung in Argentinien dampft den öffentlichen Rundfunk ein. Viele fürchten um die Pressefreiheit – auch, weil Präsident Milei regelmäßig Journalisten online angreift. (…) Mitte Mai schloss die Regierung alle Websites und Social-Media-Kanäle des öffentlichen Rundfunks. Zahlreiche Livesendungen und alle TV-Nachrichten am Wochenende wurden ausgesetzt. (…) Für Milei sind die meisten Journalistinnen und Journalisten Lügner. Auf X beleidigt er einzelne namentlich. Allein in diesem Jahr wurden in Argentinien schon 60 Journalistinnen und Journalisten körperlich oder verbal angegriffen. Knapp 20 davon wurden direkt vom Präsidenten beleidigt, hat der Journalistenverband FOPEA gezählt. Die Organisation befürchtet in Folge die Selbstzensur jüngerer Kolleginnen und Kollegen, also dass sie sich bei der Berichterstattung zurückhalten – aus Angst…“ Beitrag von Atash Aghamoradi vom 02.06.2024 in ZDF externer Link („Argentinien: Wie die Pressefreiheit schrumpft“) und mehr Informationen:

  • Die schlimmsten Repressionen gegen die Medien seit dem Ende der Militärdiktatur in Argentinien: »Milei will weder Presse noch Opposition« New
    Journalistin Paula Sabatés, im Interview von Ute Löhning am 9. Juli 2026 in Neues Deutschland online externer Link, über die schlimmsten Repressionen gegen die Medien seit dem Ende der Militärdiktatur: „Es stimmt, dass Milei durch die Stimmen der Bevölkerung bei einer Wahl gewonnen hat. Das macht seine Regierung im Sinne einer repräsentativen Wahl zu einer demokratischen Regierung. Aber Milei hält sich nicht an Gesetze, die das Parlament beschließt, zum Beispiel das Gesetz zur Hochschulfinanzierung. Er greift Journalist*innen und auch die Medieninhaber*innen an, weil sie ihre Arbeit tun. Er geht repressiv gegen Menschen vor, die auf der Straße demonstrieren. Andere soziale Akteure, die Teil der Gesellschaft sind, schaltet er durch Kürzungen von Geldern, durch Repression und durch juristische Angriffe aus und regiert allein, als existierten die anderen Akteure nicht. Das erscheint mir sehr undemokratisch. (…) Er prangert Journalist*innen öffentlich an, er beleidigt, verunglimpft und verspottet sie in seinen sozialen Netzwerken. Er nennt ihre vollständigen Namen, spricht über sie in sehr gewalttätiger und sarkastischer Weise und stachelt damit Trolle und Menschen in den sozialen Netzwerken zum Hass an. Er wiederholt immer wieder den Satz: »Wir hassen die Journalisten nicht genug.« Damit fordert er die Gesellschaft insgesamt dazu auf, Journalist*innen zu hassen. Außerdem verklagt er einzelne Journalist*innen wegen angeblicher Lügen und Verleumdung strafrechtlich. Diese Journalist*innen müssen ein Gerichtsverfahren durchlaufen, Anwaltskosten tragen und eine schwierige emotionale Situation ertragen. Die meisten dieser Verfahren werden vom Gericht abgewiesen, weil sie jeder Grundlage entbehren. (…) Viele Kolleg*innen sind der Meinung, dass dies der schlimmste Moment für die Meinungsfreiheit in Argentinien seit der Rückkehr zur Demokratie ist. Die wichtige nationale Nachrichtenagentur Telam wurde geschlossen. Auch die öffentlich-rechtlichen Medien, Fernsehen und Rundfunk wurden durch Mittelkürzungen und Entlassungen ausgehöhlt. Sie spielen für die kritische Berichterstattung keine Rolle mehr. (…) Die polizeiliche Repression bei Demonstrationen richtet sich stets am stärksten und gezielt gegen die Presse. Im Jahr 2025 wurde der Fotograf Pablo Grillo von der Polizei angegriffen. Er erlitt eine Schussverletzung am Kopf, war schwer verletzt und schwebte in Lebensgefahr; er überlebte, trug jedoch schwere Folgeschäden davon. (…) Wir tragen Westen mit der Aufschrift »Presse«, oft schlägt die Polizei direkt auf diejenigen ein, die diese Berufskleidung tragen. Wir schützen uns inzwischen mit zusätzlicher Ausrüstung, die wir zuvor noch nie benutzt haben. Vor allem für Fotograf*innen sind das Motorradhelme und Gasmasken, da die Polizei ihnen Tränengas direkt ins Gesicht spritzt. (…) Es ist eine Zeit der Selbstzensur, denn als Journalist*in überlegt man sich zweimal, was man sagt. (…) Als Gewerkschafterin kann ich sagen, dass die Pressegewerkschaft von Buenos Aires (SiPreBA) sehr aktiv ist. (…) [Medienschaffende] wenden sich vor den Demonstrationen an uns und bitten um Schutz, und sie wenden sich auch danach an uns. Sie wenden sich an uns, wenn sie entlassen werden, wenn sie Opfer von Gewalt, Anzeigen oder Übergriffen werden. Sie suchen bei der Gewerkschaft Unterstützung und Vertretung, und die Gewerkschaft geht auch auf sie zu. Ich finde es sogar wichtiger, dass die Organisation auf diese Arbeitnehmer*innen zugeht und ihnen sagt: Diese Gewerkschaft ist für alle da, und es ist wichtig, dass ihr wisst, dass ihr auf unsere Hilfe zählen könnt.“
  • Pablo Grillos Überlebenskampf ist zum Symbol für Pressefreiheit in Argentinien geworden: Der Polizist, der den Fotografen fast tötete, steht nun dank Aktivist*innen vor Gericht
    „Vor guten einem Jahr bohrte sich eine Tränengaspatrone in den Schädel des Fotografen Pablo Grillo. Der Polizist, der die Waffe abgefeuert hat, steht heute vor Gericht. Möglich war das nur, weil sich Freiwillige tagelang durch Videos gewühlt haben.
    In Argentinien ist Pablo Grillos Überlebenskampf zu einem landesweiten Symbol für Pressefreiheit geworden. Am 12. März 2025 schoss ihm ein Polizist während einer Demonstration mit einer Tränengaspatrone in den Kopf. Grillo rang tagelang um sein Leben. Der Polizist, der den 36-jährigen Fotografen fast tötete, steht nun vor Gericht. Das ist allerdings nicht den Sicherheitsbehörden oder der Regierung zu verdanken. Zur Anklage kam es nur, weil das Kollektiv „Mapa de la Policia“ Aufnahmen der Demonstration mit Mitteln der digitalen Forensik auswertete, den Täter eindeutig identifizierte und ihm strafrechtlich relevantes Fehlverhalten nachwies. (…) Bereits seit längerem demonstrieren Renter*innen jeden Mittwoch in Buenos Aires für bessere Lebensbedingungen und bezahlbare Medikamente. Am 12. März 2025 ist jedoch eines anders als sonst: Zum ersten Mal beteiligen sich Fans der lokalen Fußball-Klubs an ihrem Protest, um ihm zusätzliche Aufmerksamkeit zu verschaffen. Die damalige Sicherheitsministerin Patricia Bullrich hatte im Vorfeld gedroht, dass die Polizei streng durchgreifen werde, sollten die Demonstrierenden das Recht verletzen. Mitglieder des Kollektivs „Mapa de la Policia“ und der Fotograf Pablo Grillo sind vor Ort, um zu beobachten und zu berichten. Als sich auf der Demonstration herumspricht, dass Grillo schwer verletzt ist, reagiert das Kollektiv sofort. Die Chronik der Aufklärung liest sich wie ein Krimi. Umgehend beginnt das Kollektiv Foto- und Videobeweise zu sammeln, was sich alsbald als hilfreich erweisen wird. Denn Ministerin Bullrich wird später behaupten, die Polizeibeamten träfe keine Schuld. Die Patrone müsse an einer Barrikade abgeprallt sein, die die Demonstrierenden selbst errichtet hatten. Doch schon wenig später kann das „Mapa“-Kollektiv erste Ergebnisse ihrer Analysen liefern: Sie nennen Uhrzeit, Art des Projektils sowie den Ort der Schussabgabe. Und sie können nachweisen, dass die Polizei an dem Tag wiederholt direkt auf Demonstrierende geschossen hat. (…) Innerhalb von Stunden wächst der Fall Grillo zu einem nationalen Skandal heran. Immer mehr Menschen schicken ihre Aufnahmen an das Kollektiv. (…) Nach vier Tagen präsentiert das Kollektiv das Gesamtbild. Die identifizierte Gaspatrone darf laut gesetzlichen Vorgaben aufgrund ihres Tötungsrisikos niemals direkt auf Körper gerichtet werden. Das Kollektiv kann jedoch beweisen, dass die Nationalgendarmerie (GNA) mehrfach direkt auf Demonstrierende gefeuert hat. Auch den Täter, der auf Grillo schoss, können sie eindeutig identifizieren: Héctor Guerrero. Und damit waren auch die Befehlsführer der Polizei-Operation bekannt, die die Verantwortung für den Polizeieinsatz tragen – und die Operation nach den ersten Schüssen auf die Demonstrierenden nicht stoppten. (…) Das ganze Land nahm monatelang Anteil an der gesundheitlichen Rehabilitation von Pablo Grillo, der mehrfach operiert wurde. Erst nach mehr als einem Jahr, im April 2026, kehrte er nach Hause zurück. Grillo hat durch den Schuss Gehirnmasse verloren, bleibende Folgeschäden können derzeit nicht ausgeschlossen werden. (…) Alex (…) produziert eine Dokumentation über die „Mapa de la Policia“, eine Co-Produktion mit dem argentinischen Verband der Dokumentarfilmer*innen „Documentalistas de Argentina“ (DOCA). Die Produktion wird zumindest teilweise gefördert von der Rosa-Luxemburg-Stiftung in Buenos Aires und der Omega Research Foundation. Im Juni 2026 werden Mitglieder des Kollektivs in Berlin sein.“ Gastbeitrag von Nina Galla vom 21. Mai 2026 bei Netzpolitik.org externer Link („Nach Schuss in den Kopf: Wie argentinische Aktivist*innen einen Polizisten vor Gericht brachten“), siehe die früheren Meldungen zu Pablo Grillo hier weiter unten
  • Regierung von Milei in Argentinien greift Pressefreiheit an und entzieht Zugang zum Präsidentenpalast mit Verweis auf „Spionage“
    „… Am 23. April hat die argentinische Regierung unter Präsident Javier Milei eine Zugangssperre zum Präsidentenpalast Casa Rosada für alle bislang akkreditierten Journalisten verhängt, deren Zugangsberechtigungen via Fingerabdruck zeitgleich aus dem Zugangssystem entfernt wurden. Die Regierung begründet die Maßnahme mit der angeblichen russischen Unterwanderung der Presse, die im Zentrum von Ermittlungen steht, sowie mit einem Spionagevorwurf gegen zwei Journalisten des Privatfernsehsenders Todos Noticias (TN). Journalistenverbände sehen in der Zugangssperre eine Fortführung des Krieges der Regierung gegen die Medien. (…)
    Pressevertreter vom argentinischen Journalistenforum (Fopea) und dem Journalistenverband der argentinischen Republik verurteilten die Maßnahme und forderten die Regierung zur sofortigen Aufhebung auf. In seiner Stellungnahme spricht das Fopea von einem unverhältnismäßigen und ungerechtfertigten Schritt, der den Zugang zu Informationen massiv einschränkt und nicht den Grundsätzen entspricht, die ein demokratisches System bestimmen.
    In der lokalen Presse wird das Zugangsverbot dabei als eine weitere Eskalation im Konflikt des Präsidenten gegen Presse und Medienvertreter gewertet. Unter dem Slogan „Wir hassen Journalisten nicht genug“ wettert Milei seit 2024 gegen die Medien. In einem Beitrag auf dem Netzwerk X (ehemals Twitter) nannte Milei die beiden involvierten Journalisten „widerlichen Abschaum“ und „95 Prozent aller akkreditierten Journalisten“ als „dreckige Müllstücke.““ Beitrag von Bastian Greshake Tzovaras, Córdoba, vom 28.04.2026 in amerika21 externer Link
  • Bericht der Comisión Provincial por la Memoria zu 2024 und 2025: Mehr Repression gegen Proteste unter Milei in Argentinien 
    37 Prozent der Demonstrationen endeten mit Polizeieinsätzen. 2.585 Verletzte, 77 Prozent mehr Festnahmen. 184 Journalistinnen und Journalisten betroffen
    Buenos Aires. Menschenrechtsorganisationen haben einen anhaltenden Anstieg staatlicher Repression in Argentinien während der Regierung von Präsident Javier Milei angeprangert, insbesondere im Zusammenhang mit sozialen Protesten in den Jahren 2024 und 2025. Dies geht aus dem Monitoring-Bericht zur Repression gegen Proteste hervor, der von der Comisión Provincial por la Memoria (CPM) erstellt wurde und das Vorgehen der föderalen Sicherheitskräfte sowie der Polizei der Stadt Buenos Aires bei sozialen Mobilisierungen analysiert.
    Der Bericht externer Link stellt fest, dass die Repression „systematisch, aber selektiv“ erfolgt und Teil einer Politik ist, die darauf abzielt, die Ausübung des Rechts auf sozialen Protest einzuschränken. Den erhobenen Daten zufolge wurden 139 Mobilisierungen zwischen 2024 und 2025 beobachtet, von denen 51 mit repressiven Maßnahmen einhergingen, was 37 Prozent entspricht. Im Jahr 2024 wurden 17 Proteste gewaltsam aufgelöst, während die Zahl 2025 auf 34 anstieg, was einen Zuwachs sowohl bei der Häufigkeit als auch bei der Intensität polizeilicher Interventionen zeigt.
    Nach Angaben der CPM erreichte die Zahl der Verletzten im untersuchten Zeitraum insgesamt 2.585 Personen, davon 1.216 im Jahr 2024 und 1.369 im Jahr 2025, was einem jährlichen Anstieg von 13 Prozent entspricht. Besonders betroffen waren Rentner:innen, deren Zahl der Verletzten von 42 im Jahr 2024 auf 155 im Jahr 2025 anstieg, sowie Kinder und Jugendliche, die bei Polizeieinsätzen Tränengas ausgesetzt waren.
    Der Bericht weist zudem auf einen Anstieg der Übergriffe gegen Medienschaffende hin. Im Jahr 2025 wurden 184 Journalist:innen und Fotojournalist:innen verletzt, gegenüber 98 dokumentierten Fällen im Jahr 2024. Am 12. März 2025 erlitt der Fotograf Pablo Grillo ein schweres Schädel-Hirn-Trauma, nachdem er von einer von Sicherheitskräften abgefeuerten Tränengasgranate getroffen worden war. Am selben Tag wurden 672 Personen verletzt. Es war der Einsatz mit den meisten Verletzten im analysierten Zeitraum
    …“ Beitrag von Sven Hanfstängl Reuss vom 15.01.2026 in amerika21 externer Link
  • Anstieg von 66 % bei Übergriffen der Sicherheitskräfte: Jahresbericht zur Meinungsfreiheit in Argentinien warnt vor zunehmender Unterdrückung und Gewalt gegen die Presse 
    • Argentinien: Der Jahresbericht 2025 zur Meinungsfreiheit warnt vor zunehmender Unterdrückung und Gewalt gegen die Presse
      Der Bericht über die Meinungsfreiheit 2025, der gemeinsam von der Gewerkschaft der Pressevertreter von Buenos Aires (SiPreBA), der Argentinischen Föderation der Pressearbeiter (FATPREN), dem Studiengang Sozialkommunikation der Universität Buenos Aires (Comu-UBA) und der Internationalen Journalisten-Föderation (IFJ) erstellt wurde, warnt vor einer gravierenden Verschlechterung der Bedingungen für die Ausübung des Journalismus im Land. (…)
      An der Präsentation nahmen Carla Gaudensi, Generalsekretärin der FATPREN, Diego de Charras, Vizedekan der Fakultät für Sozialwissenschaften der UBA, Zuliana Lainez, Vizepräsidentin der FIP, und die nationale Senatorin Carolina Moisés teil, die den Vorsitz der Senatsausschuss für Systeme, Medien und Meinungsfreiheit innehat, in dessen Rahmen die Veranstaltung stattfand. Julia Mengolini, Journalistin und Gründerin des Radiosenders Futurock, die kürzlich Opfer einer koordinierten Attacke in den sozialen Netzwerken durch regierungsnahe Profile wurde und zudem von Präsident Javier Milei strafrechtlich angezeigt wurde, brachte ebenfalls ihre Erfahrungen ein. In diesem Punkt stimmte ihr der Journalist Ari Lijalad zu, der ebenfalls gerichtliche Schikanen durch den Präsidenten erlitten hatte.
      Der Bericht (der hier heruntergeladen werden kann hier klicken) dokumentiert eine beispiellose Verschärfung der institutionellen Gewalt: Laut der Erhebung wurden 83 Journalisten während der Berichterstattung über Proteste im Laufe des Jahres angegriffen, 66 % mehr als im Jahr 2024. Die Erhebung deckt systematische Repressionen bei Demonstrationen auf – insbesondere bei den wöchentlichen Märschen von Rentnern vor dem Nationalkongress –, den unrechtmäßigen Einsatz weniger tödlicher Waffen, willkürliche Verhaftungen, digitale Belästigung und eine zunehmende Strafverfolgung von Journalisten, die gegen die nationale Regierung recherchieren oder sie kritisieren.
      Das Dokument warnt auch vor einem strukturellen Prozess der Aushöhlung der öffentlichen Kommunikationspolitik und der Förderung gemeinschaftlicher und unabhängiger Medien, der Intervention und Lähmung wichtiger Institutionen wie der Nationalen Kommunikationsbehörde und der Ombudsstelle für öffentliche Medien sowie vor dem Abbau der nationalen öffentlichen Medien, der zunehmenden Medienkonzentration und der gerichtlichen Zensur in Fällen von hohem öffentlichem Interesse
      …“ span. Pressemitteilung vom 3. Dezember 2025 von FIP – América Latina y El Caribe externer Link (maschinenübersetzt) zum Bericht externer Link , siehe auch:

      • Argentinien: Maulkorb für Presse. Regierung bewirkt vor Gericht Eingriff in journalistische Freiheit. Hinter Korruptionsvorwürfen sieht sie »ausländische Dienste«
        „Zwei Wochen war es still, nun folgt der Gegenschlag: Am Montag (Ortszeit) hat ein Richter in Argentinien die Verbreitung von Audiomitschnitten untersagt, die korrupte Machenschaften hochrangiger Regierungsmitglieder nahelegen. Obwohl der Richter keinen Zugriff auf die Mitschnitte hatte, befand er, diese könnten die »Privatsphäre und Ehre« von Karina Milei verletzen und »die Sicherheit der Institutionen« des Landes beeinträchtigen. Karina ist die Schwester von Präsident Javier Milei, der sie zu seiner »Generalsekretärin« gemacht hat. Sie gilt als besonders mächtig in der ultrarechten Regierung und steht seit Tagen im Zentrum der Korruptionsvorwürfe. In der Urteilsbegründung heißt es: »Es gibt begründete Vermutungen, dass die Audioaufnahme, falls sie echt sein sollte, auf illegale Weise im Regierungspalast beschafft wurde.« Das stelle »ein beispielloses Ereignis in der Geschichte der Nation« dar, weswegen es »notwendig« sei, das Gebot der Pressefreiheit gegen die »schwerwiegenden Folgen abzuwägen, die die Verbreitung von Informationen auf jeglichem Wege für mögliche laufende Ermittlungen haben könnte«, argumentiert der Richter. Das Verbot, die mutmaßlich existierenden Mitschnitte zu verbreiten, richtet sich sowohl gegen Medien und Journalisten als auch gegen Privatpersonen. (…) Am Montag schwadronierte Präsidentensprecher Manuel Adorni nun von einem »Spionagenetz«, das hinter den Aufnahmen stecke. Demnach wurden die »privaten« Gespräche »aufgezeichnet, manipuliert und verbreitet, um die Exekutive zu beeinflussen. Es handelt sich nicht um ein Leck, sondern um einen illegalen, geplanten und gezielten Angriff.« Sicherheitsministerin Patricia Bullrich spann die Verschwörung weiter und behauptete, »parallel operierende Geheimdienste setzen im Wahlkampf auf Desinformation und Destabilisierung«. Ihr Ziel bestehe darin, die Regierung zu stürzen. Zurückzuführen sei die Kampagne auf »ausländische Einflüsse«, dabei folge sie »ähnlichen Mustern wie jene Operationen, die russischen und chavistischen Interessen zugeschrieben werden«. Ebenfalls am Montag forderte Bullrich, die Staatsanwaltschaft möge Hausdurchsuchungen bei den für die Veröffentlichung der Audiomitschnitte verantwortlichen Journalisten sowie dem Besitzer des Kanals Carnaval veranlassen. Journalistenverbände kritisierten noch am Montag das Urteil. Das argentinische Journalistenforum (Fopea) bezeichnete die Entscheidung in einer Erklärung als »Vorzensur« und die Drohungen aus Regierungskreisen als »Schikane«. »Journalisten müssen in absoluter Freiheit arbeiten können, um das Recht der Gesellschaft auf Informationen über Angelegenheiten von öffentlichem Interesse zu gewährleisten«, forderte Fopea weiter. Die Gewerkschaft von Presseschaffenden in Buenos Aires (Sipreba) sprach den betroffenen Journalisten ihre Solidarität aus und forderte, journalistische Quellen müssten geschützt werden…“ Artikel von Frederic Schnatterer in der jungen Welt vom 3. September 2025 externer Link
  • Der Fotojournalist Pablo Grillo muss erneut operiert werden, während neue Bilder den gezielten Polizeiangriff auf ihn belegen – und am 21. Mai erneut JournalistInnen verletzt und verhaftet wurden
    • Argentinien: Journalisten und Fotojournalisten bei der Berichterstattung über eine Demonstration verletzt und verhaftet
      Bei einer erneuten Polizeirazzia gegen eine Demonstration in Buenos Aires wurden mehr als 80 Menschen verletzt und vier festgenommen, darunter auch Journalisten und Fotojournalisten, die geschlagen und gewaltsam festgenommen wurden. Die Internationale Journalisten-Föderation verurteilt die systematischen Übergriffe der Polizei auf Pressevertreter in Argentinien und fordert die Behörden auf, diesen Aktionen ein Ende zu setzen.
      Die Pressevertreter Pablo Corso, Diego Pérez Mendoza und Lula González wurden von Sicherheitskräften mit Pfefferspray angegriffen und direkt geschlagen, als sie am Mittwoch, dem
      21. Mai, über eine Demonstration von Rentnern vor dem Nationalkongress berichteten. Darüber hinaus wurden die Fotojournalisten Javier Iglesias und Tomás Cuesta verhaftet. Cuesta wurde noch in der Nacht wieder freigelassen, während Iglesias am Donnerstag, den 22. Mai, seine Freiheit wiedererlangte…“ span. Meldung von FIP (IFJ  América Latina y El Caribe) vom 22.5.2025 externer Link (maschinenübersetzt)

    • Staatliche Repression. Neue Bilder zeigen, wie ein Gendarm direkt auf den Kopf von Pablo Grillo schießt.
      Das Justizministerium verfügt über aussagekräftige Bilder des Angriffs auf den Fotojournalisten Pablo Grillo, auf denen Gendarmen zu sehen sind, die sich während der Repression gegenseitig ermutigen. Die Aufnahmen zeigen deutlich den genauen Moment, in dem der Unteroffizier Héctor Guerrero direkt auf das Gesicht des Fotojournalisten schoss. Trotz der Schwere der Beweise kommt der Fall vor dem Gericht von María Servini nur langsam voran, und der Täter des Angriffs wurde noch nicht als Zeuge vorgeladen.
      Das Gerichtsverfahren über den schweren Angriff auf den Fotojournalisten Pablo Grillo – der bei der Niederschlagung einer Rentnerdemonstration am 12. März mit Tränengas am Kopf getroffen wurde – verfügt über wichtige Beweise, die Mitglieder der Nationalen Gendarmerie und hohe Regierungsbeamte belasten. Zu den Beweisen, die die Gendarmerie der Richterin María Servini auf wiederholte Anfrage hin übergeben hat, gehören Bilder, die genau den Moment festhalten, in dem der Obergefreite Héctor Guerrero waagerecht schoss, obwohl die Vorschriften den Einsatz von Tränengaswaffen gegen Personen wegen der Todesgefahr verbieten. Das Filmmaterial zeigt nicht nur die Körperhaltung des Offiziers während der Tat, sondern auch die Komplizenschaft anderer Polizeibeamter, darunter einer, der eine GoPro-Kamera trug und Guerreros Aktion durch Klopfen auf die Schulter billigte. Die Tonaufnahmen zeigen auch die gewalttätige Sprache der uniformierten Beamten: Sätze wie „No le perdonen“, „Hijos de puta“ und sogar Jubelrufe wie „Estamos excelentes, más que bien“, nachdem Grillo schwer verletzt zurückgelassen wurde. Die Bilder zeigen auch die Anzahl der wahllosen Schüsse auf die Demonstranten, den unverhältnismäßigen Einsatz von Gas – von dem sogar die Polizei selbst betroffen war – und das Fehlen einer sofortigen medizinischen Versorgung. Pablo Grillo wurde schließlich von Demonstranten geholfen. (…)
      Pablo Grillo muss wegen Hydrocephalus erneut operiert werden
      Der Fotojournalist Pablo Grillo, der bei der Niederschlagung eines Marsches von Rentnern vor dem Kongress am 12. März schwer verletzt wurde, wird sich einer neuen Operation unterziehen müssen, um einen Fall von Hydrocephalus zu behandeln, der auf den Einschlag einer von der Gendarmerie abgefeuerten Tränengasgranate zurückzuführen ist. Wie seine Familie in einer Erklärung auf X (Twitter) mitteilte, wurde Pablo bereits letzte Woche operiert, um die Ursache eines Flüssigkeitsaustritts zu ermitteln. Obwohl es gelang, die Fisteln unter Kontrolle zu bringen, stellten die Ärzte fest, dass das Trauma einen Hydrocephalus verursacht hatte. Ursprünglich sollte er am 13. Mai nach einem zweimonatigen Krankenhausaufenthalt im Ramos Mejía Krankenhaus entlassen werden, doch drei Tage zuvor begann er erneut Flüssigkeit zu verlieren, so dass die Operation verschoben werden musste…“ span. Artikel von Rosa D’Alesio Martes vom 20.5.2025 in La Izquierda diario externer Link (maschinenübersetzt), siehe die früheren Meldungen zu Pablo Grillo hier weiter unten
  • Pablo Grillo: Fotograf angeschossen: Crowdvideos entlarven Falschdarstellung der Regierung
    Marcela Perelman, die Leiterin des Recherchebereichs bei der argentinischen Menschenrechtsorganisation CELS, spricht im Interview mit Ute Löhning über die Polizeigewalt am 12. März 2025 und die gemeinschaftliche Recherchearbeit zur Rekonstruktion der Ereignisse.
    Am 12. März ging die Polizei in Buenos Aires gewaltsam gegen eine Demonstration von Rentner*innen vor. Dabei wurde der Fotograf Pablo Grillo lebensgefährlich verletzt. Bevor wir über die Recherchen deiner Organisation CELS zu den dafür Verantwortlichen sprechen, beschreibe bitte, was an diesem Tag geschah…“ Beitrag vom 8. April 2025 beim Nachrichtenpool Lateinamerika externer Link mit den Videos und weiteren Hintergründen
  • Auf der Plaza de Remedios de Escalada versammelte sich eine Menschenmenge, um Pablo Grillo zu unterstützen – „Am Mittwoch 19.3. werden wir alle für die Rentner und für Pablo Grillo demonstrieren“
    Die Forderung nach der politischen Verantwortung von Patricia Bullrich für das, was mit dem jungen Aktivisten geschehen war, wurde im lauten Ruf „Fuera, fuera, fuera Bullrich, fuera“ (Bullrich raus, raus, raus) laut. Autos fuhren hupend die Allee entlang, um ihre Unterstützung zu zeigen. Die Ablehnung und Forderung #fuerabullrich ist massiv. Pablos Freunde und Nachbarn waren anwesend, zusammen mit der Unterstützung sozialer und politischer Organisationen wie UTEP, Movimiento la Dignidad, PTS in FITU, Asamblea Discas en Lucha, Asamblea Autoconvocada de Lanús, den Clubs Club Independiente und Talleres sowie den Studentenzentren der Universität von Lanús, CESACO (Centro de Estudiantes de Salud Comunitaria) und Cedha (Centro de Estudiantes de Humanidades y Artes), der Universität, an der Pablo studiert hat und die in diesen Tagen ihre tiefe Solidarität zum Ausdruck gebracht hat…“ Meldung vom 14.3.25 in La Izquierda Diario externer Link (maschinenübersetzt) – siehe ebd. das Dossier zu ihm externer Link und: Der argentinische Fotojournalist Pablo Grillo zeigt Besserung und ist nicht mehr auf ein Beatmungsgerät angewiesen – Meldung vom 19.3.25 auf teleSur externer Link
  • Nach den Repressionen, bei denen der Fotograf  Pablo Grillo schwer verletzt wurde, fordert die aRGra den Rücktritt des Ministers.
    Die Asociación de Reporterxs Gráficos de la República Argentina fordert den Rücktritt des Beamten, der für die grausame Repression vom Mittwoch verantwortlich ist. Gestern gingen die Bundes- und CABA-Kräfte brutal vor und setzten Tränengas und Hydrantenwagen ein. Der Fotograf Pablo Grillo befindet sich aufgrund der Repressionen in einem ernsten Zustand. Dennoch mobilisierten sich Tausende von Menschen und leisteten den ganzen Tag über Widerstand gegen die Gewalt der Repressionskräfte. Nach Mitternacht ordnete Richterin Karina Andrade die Freilassung der 114 Inhaftierten an…“ span. Beitrag vom 13. März in La Izquierda Diario externer Link (maschinenübersetzt) mit Fotos und Videos

  • Argentinien: Bericht über die Meinungsfreiheit 2024 zeigt nie dagewesene Verschlechterung der Bedingungen für Journalismus und den Zugang zu Informationen
    „Das Dokument zeigt eine noch nie dagewesene Verschlechterung der Bedingungen für die Ausübung des Journalismus und den Zugang zu Informationen im Land, wie z.B. eine deutliche Zunahme der Angriffe auf Journalisten, die Entleerung der staatlichen und Bildungsmedien und die Begünstigung der Konzentration von Medienunternehmen. Die Studie wurde gemeinsam von der Abteilung für Kommunikationswissenschaften der Universität Buenos Aires (UBA), dem argentinischen Pressearbeiterverband (FATPREN) und der Pressegewerkschaft von Buenos Aires (SiPreBA) im Rahmen des Projekts „Gewerkschaftsstärkung und Sicherheit in herausfordernden Zeiten für Pressearbeiter in Argentinien“ der Internationalen Journalisten-Föderation mit Unterstützung des Fonds für Demokratie und Arbeit (Fundo para la Democracia y el Trabajo) erstellt.
    Am Vorabend des ersten Jahrestages der Amtseinführung von Präsident Javier Milei in Argentinien und des Internationalen Tages der Menschenrechte wurde die gemeinsame Arbeit zur Analyse der Entwicklung der Meinungsfreiheit zwischen Dezember 2023 und Dezember 2024 vorgestellt. Die Präsentation wurde von der Leiterin der Kommunikationsabteilung des UBA, Larisa Kejval, der Generalsekretärin von FATPREN, Carla Gaudensi, dem Generalsekretär von SiPreBA, Agustín Lecchi, und dem Prodekan des UBA, Diego de Charras, geleitet. Außerdem gab es eine Podiumsdiskussion mit Journalisten, die Opfer von Übergriffen wurden, und Vertretern des Kollektivs Periodistas Argentinas, um nur einige zu nennen.
    Der Bericht zeigt auf, dass sich seit dem Amtsantritt von Präsident Javier Milei im Dezember 2023 ein Szenario verfestigt hat, in dem die Regierung eine Politik fördert, die die Kommunikations- und Arbeitsrechte der Pressemitarbeiter verletzt, wesentliche staatliche Strukturen abbaut und die Medienkonzentration begünstigt (…)
    Die Generalsekretärin von FATPREN, Carla Gaudensi, sagte: „Die Aufzeichnung dessen, was wir im letzten Jahr in der Presse und der Kommunikation in unserem Land erlebt haben, ist für die Gegenwart und die Zukunft von grundlegender Bedeutung. Sie ermöglicht es uns, staatliche und halbstaatliche Verantwortlichkeiten aufzuzeigen und anzuprangern. Gleichzeitig zeigt es uns die Dringlichkeit, mit der wir uns weiter organisieren müssen, mit Einheit zwischen den Sektoren, um diesen sehr ernsten Situationen ein Ende zu setzen
    „…“ span. IFJ-Meldung vom 10. Dezember 2024 externer Link (maschinenübersetzt) zum Bericht externer Link bei FIP – América Latina y El Caribe
  • Wir schauen besorgt auf #Argentinien. Der rechtspopulistische Präsident Milei beleidigt immer wieder Journalist*innen. Jetzt spitzt sich die Lage weiter zu: Die Regierung schloss alle Websites und Social-Media-Kanäle des öffentlichen Rundfunks.“ Tweet von  @ReporterOG vom 3. Juni 2024 externer Link
  • Siehe beim Journalistenverband FOPEA die (span.) Sonderseite zu den Angriffen auf die Meinungs-/Pressefreiheit externer Link
  • Autoritäre Präsidenten disqualifizieren, um zu schweigen
    Mit großer Sorge sehen wir uns gezwungen, zum Tenor der Äußerungen des Präsidenten der Nation gegen den Journalismus Stellung zu nehmen.
    Einmal mehr sieht sich die FOPEA gezwungen, zum Tenor der Äußerungen des Präsidenten der Nation gegen den Journalismus Stellung zu nehmen. Wir müssen betonen, dass die Verallgemeinerung und die systematische Disqualifizierung, die in den Äußerungen des Präsidenten, insbesondere aber in seinem letzten Beitrag zu X, deutlich werden, eine autoritäre Methodik darstellen, die die elementarsten Grundsätze einer demokratischen Gesellschaft missachtet. Die Beschreibung des Verhaltens des Präsidenten ist eine grundlose und ungerechtfertigte Beleidigung für die Mehrheit der Journalisten, die ihre Arbeit mit Strenge und Berufsethik ausüben…“ span. Pressemitteilung vom 10.4.2024 von FOPEA externer Link (maschinenübersetzt)
  • Siehe auch #LibertadDeExpresión

Siehe auch unser Dossier: Proteste über Argentinien hinaus gegen Schließung von Télam und Sperrung der Website der Nachrichtenagentur – angeordnet durch Milei als „Sparmaßnahme“

Kurzlink: https://www.labournet.de/?p=220937
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