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Armut als Mileis Erfolg: Argentinien hat die niedrigsten Löhne in Lateinamerika und einen Mindestlohn unter dem von 2001
Dossier
„Argentinische Arbeitnehmer erhalten die niedrigsten Löhne in Lateinamerika, und der Rückgang ist historisch, so ein Bericht des Lateinamerikanischen Strategiezentrums für Geopolitik (Celag). Im September 2025 lag der Realmindestlohn unter dem Niveau von 2001, vor dem Zusammenbruch der Konvertibilität. In der Casa Rosada gibt man zu, dass die Regierung von Javier Milei das Einkommen der Arbeiter als“Anker der Anpassung und der Verlangsamung der Inflation“ benutzt hat. Und die Zahlen belegen dies.Die Celag hat herausgefunden, dass der argentinische Mindestlohn (Stand November 2025) der niedrigste in der gesamten Region ist. Mit nur 225 Dollar rangiert er am unteren Ende der Tabelle, hinter Bolivien, Paraguay und weit hinter Costa Rica, das mit 729 Dollar an der Spitze liegt. (…) Ein Bericht der Facultad de Ciencias Económicas de la UBA weist zudem darauf hin, dass der Salario Mínimo, Vital y Móvil zwischen November 2023 und September 2025 34 % seiner Kaufkraft verlieren wird…“ span. Beitrag vom 17. November 2025 in Página|12
(maschinenübersetzt) und Beispiele wie Widerstand:
- Auf den „Marsch der Verschuldeten“ gegen Mileis System der Grausamkeit gegenüber den Ärmsten rufen Gewerkschaften und soziale Organisationen nun zum „Marsch der Wut“ am 19. September auf
- Immer mehr Argentinier brauchen Kredite für Essen und Kleidung

„Die ultraliberale Politik des argentinischen Präsidenten Javier Milei bringt immer mehr Argentinier wegen sinkender Reallöhne in Zahlungsnöte.
Argentiniens rechtslibertärer Präsident Javier Milei hat eine neue soziale Gruppe geschaffen. Seit Monaten steigt deren Angehörigenzahl. Inzwischen sind es mehr als 5,8 Millionen Argentinier*innen und damit rund 12,5 Prozent der Bevölkerung. Schnell hatte der Volksmund auch einen Namen für sie gefunden: »los Morosos«. Salopp übersetzt: die Zahlungsunfähigen. »Mora« oder »Morosidad« bezeichnet im Spanischen den Zahlungsverzug bei Kreditraten. Nach dem jüngsten Bericht der argentinischen Zentralbank lag die Ausfallquote bei Bankkrediten privater Haushalte im Juni 2026 bei knapp 13 Prozent. Im Juni des Vorjahres lag der Wert noch bei 5,2 Prozent. Besonders betroffen sind Konsumentenkredite und Kreditkarten. (…) Staatliche Hilfen in welcher Form auch immer hat der Präsident kategorisch ausgeschlossen. Für Milei ist das »eine Angelegenheit zwischen Privaten«. (…) Seit dem Amtsantritt von Milei sind die realen Löhne der registrierten Beschäftigten um 3,6 Prozent gesunken. (…) Die Zahlungsprobleme beschränken sich längst nicht mehr auf private Haushalte. Auch Unternehmen geraten zunehmend unter Druck. Laut einem Bericht des argentinischen Industrieverbandes (UIA) stieg die Ausfallquote bei Industrieunternehmen von 0,7 Prozent im Dezember 2024 auf 3,8 Prozent im Juni 2026. Was sich nach einem geringen Anstieg anhört, ist das Fünffache innerhalb von nur anderthalb Jahren. Und die Tendenz weist weiter nach oben. (…) Noch eine andere Entwicklung bereitet Sorgen. Wo der Staat sich zurückzieht, füllen meist illegale Gruppierungen das Vakuum. Das ist nicht neu und lässt sich in nahezu allen lateinamerikanischen Ländern beobachten. Doch seit Milei den Staat massiv abbaut, beschleunigt sich diese Entwicklung in Argentinien. Die Narcos in den Armenvierteln sind nicht mehr nur Verkäufer illegaler Drogen. Sie entwickeln sich zu informellen Kreditgebern und Glücksspielbetreibern. Dabei verleihen sie Geld nicht direkt. Sie bauen ein Netzwerk aus Nachbarn, Freunden, Verwandten und Bekannten auf, die als Vermittler fungieren. Die Einbringung eines Gesetzentwurfs zur Unterstützung verschuldeter und säumiger Familien im Abgeordnetenhaus wurde mit den Stimmen der die Regierung unterstützenden Abgeordneten Ende August verhindert. Dagegen beschloss das Abgeordnetenhaus in der gleichen Sitzung eine Reform der Statuten der Zentralbank. Sollte der Senat ebenfalls dafür stimmen, werden künftig deren Dollarreserven als Garantie für eine Refinanzierung staatlicher Auslandsschulden verwendet. Auf argentinischer Seite federführend sind zwei ehemalige Angestellte der US-Bank J.P. Morgan: der heutige Wirtschaftsminister Luis Caputo und der Zentralbankchef Santiago Bausili, die den Deal mit den internationalen Gläubigerbanken verhandeln. Vom Tisch ist die von Milei im Wahlkampf vollmundig angekündigte Abschaffung der Zentralbank.“ Artikel von Jürgen Vogt vom 2. September 2026 in Neues Deutschland online
, siehe auch: - Argentinien unter Milei: Immer mehr Zahlungsunfähige

„Unter Javier Milei steigt die Zahl der Argentinier*innen, die ihre Kredite nicht mehr bedienen können. Auch Unternehmen geraten zunehmend unter Druck.
Argentiniens libertärer Präsident Javier Milei hat eine neue soziale Gruppe geschaffen. Der Volksmund nennt sie „Los Morosos“. Salopp übersetzt: die Zahlungsunfähigen. Mehr als 5,8 Millionen Argentinier*innen und damit rund 12,5 Prozent der Bevölkerung können ihre Kreditraten nicht mehr bedienen.
Nach dem jüngsten Bericht der argentinischen Zentralbank lag die Ausfallquote bei Bankkrediten privater Haushalte im Juni 2026 bei knapp 13 Prozent. Im Juni des Vorjahres lag der Wert noch bei 5,2 Prozent. Besonders problematisch sind Konsumentenkredite und Kreditkarten. Viele sind heute mit ihren Kreditzahlungen nicht nur im Rückstand, sondern schlicht zahlungsunfähig. Neben den klassischen Banken spielen Fintechs, digitale Kreditplattformen, nicht bankengebundene Kreditkartenanbieter und Händlerfinanzierungen eine immer größere Rolle. Dort ist die Ausfallquote mit 27 Prozent sogar deutlich höher. Staatliche Hilfen in welcher Form auch immer hat der Präsident kategorisch ausgeschlossen. Für Milei ist das „eine Angelegenheit zwischen Privaten“. (…)
Die Zahlungsprobleme beschränken sich längst nicht mehr auf private Haushalte. Auch Unternehmen geraten zunehmend unter Druck. Laut einem Bericht des argentinischen Industrieverbandes (UIA) stieg die Ausfallquote bei Industrieunternehmen von 0,7 Prozent im Dezember 2024 auf 3,8 Prozent im Juni 2026. Was sich nach einem geringen Anstieg anhört, ist das Fünffache innerhalb von nur anderthalb Jahren. Und die Tendenz weist weiter nach oben.
Noch eine andere Entwicklung bereitet Sorgen. Wo der Staat sich zurückzieht, füllen meist illegale Gruppierungen das Vakuum. Das ist nicht neu und lässt sich in nahezu allen lateinamerikanischen Ländern beobachten. Doch seit Milei den Staat massiv abbaut, beschleunigt sich diese Entwicklung in Argentinien. Die Narcos in den Armenvierteln sind nicht mehr nur Verkäufer illegaler Drogen. Sie entwickeln sich zu informellen Kreditgebern und Glücksspielbetreibern. Dabei verleihen sie Geld nicht direkt. Sie bauen ein Netzwerk aus Nachbarn, Freunden, Verwandten und Bekannten auf, die als Vermittler fungieren.“ Artikel aus Buenos Aires von Jürgen Vogt vom 2.9.2026 in der taz online
- Bis zum Hals in der Kreide stehen. Mileis Klassenkampf von oben treibt immer mehr Arbeiter in einen Teufelskreis der Überschuldung
„… Der Aufruf erfolgte Wochen, nachdem Präsident Javier Milei klargestellt hatte, dass die Regierung angesichts der Schuldenkrise keine Maßnahmen ergreifen werde, da es sich um eine Angelegenheit »zwischen Privatpersonen« handele und »niemand ihnen eine Pistole an den Kopf gehalten hat, um einen Kredit aufzunehmen«. Der Zynismus des Präsidenten trifft auf eine alarmierende Situation und eine Rekordzahl: In dem 46-Millionen-Einwohner-Land gibt es 20,9 Millionen Schuldner, von denen sich 5,8 Millionen bereits in schwerwiegendem Zahlungsverzug befinden. In nur zwei Jahren hat sich die Ausfallquote bei Krediten mehr als verfünffacht und ist von 2,5 auf 12,7 Prozent gestiegen. Diese extrem hohe Verschuldung ist eine direkte Folge der Sparmaßnahmen, der verspäteten Lohnzahlungen, der Entlassungen, der Prekarisierung der Arbeitsverhältnisse und des allgemeinen Preisanstiegs bei Dienstleistungen und Lebensmitteln. Die Mehrheit der arbeitenden Familien ist dazu gezwungen, Kredite aufzunehmen, um über die Runden zu kommen. Es ist ein sich verschärfender Schuldenkreislauf entstanden – die Schlinge um den Hals der Arbeiter zieht sich immer weiter zu. (…)
Charly Kostiuk, Sprecher einer der Organisationen, die zu der Kundgebung vor dem Wirtschaftsministerium aufgerufen hatten – der »Frente de Organizaciones en Lucha« (Front der kämpfenden Organisationen) –, hat im Gespräch mit junge Welt geschildert, wie die Umstände in den Arbeitervierteln sind: »Die Verschuldung richtet in den Familien großen Schaden an. Das Hauptproblem sind die virtuellen Geldbörsen, da die meisten keinen Zugang zu Bankkrediten haben. Die Schulden dienen in der Regel dazu, Lebensmittel und Mieten zu bezahlen, aber auch dazu, Schulden in Onlinecasinos zu begleichen – eine weitere Plage, die die Jugend heimsucht«, so Kostiuk. Die meisten arbeiten demnach nur noch, um Zinsen zu zahlen. Oder sie wenden sich an Geldverleiher, die mit dem Drogenhandel in Verbindung stehen. »Sie geraten in einen dunklen Kreislauf der Wucherzinsen und müssen schließlich ihre Habseligkeiten verkaufen, um die Schulden zu begleichen.« Die Folgen: »Angst, Stress und Frustration«, konstatiert Kostiuk. Es sei kein Zufall, dass die Selbstmordrate in den vergangenen Jahren so stark gestiegen sei. Das stehe in direktem Zusammenhang mit der weit verbreiteten Verschuldungssituation. (…)
Verschuldung fungiert im Kapitalismus als strukturelles Steuerungsinstrument, das Arbeiter zur Selbstausbeutung zwingt; als Druckmittel, damit die Beschäftigten die miserablen Arbeitsbedingungen akzeptieren. Gleichzeitig wirkt sie auf die Psyche der Schuldner ein: Die Verschuldung demoralisiert sie und suggeriert, sie trügen wegen vermeintlich falscher Entscheidungen selbst die Schuld für ihre prekäre Lage. Fakt ist: Verschuldung ist kein individuelles Problem, sondern eines, das die Arbeiterklasse insgesamt betrifft. Es braucht kollektive Strategien, um diesen Teufelskreis zu durchbrechen. Die Mobilisierung am Donnerstag war ein erster Fingerzeig.“ Artikel von Santiago Stavale, Buenos Aires, in der jungen Welt vom 22.08.2026
- Wirtschaftsministerium. Gewerkschaften, soziale und politische Organisationen demonstrierten gegen die Verschuldung der Familien: Dieser Kampf muss fortgesetzt werden
„Der Marsch wurde von der CGT, der CTA und sozialen Bewegungen organisiert. Mit dabei waren unter anderem die Abgeordneten des Nationalkongresses Nicolás del Caño und Myriam Bregman (PTS) sowie weitere führende Persönlichkeiten der Linken Front. Die FITU legte einen Gesetzentwurf vor, der den Erlass von Familienschulden vorsieht und fordert, dass Banken und Wucherer wie Marcos Galperín dafür aufkommen. Dieser Kampf geht weiter. Es gilt, ihn zu verstärken, indem wir am kommenden 19. September einen großen „Marsch der Wut“ organisieren…“ span. Bericht vom 20. August 2026 in La Izquierda Diario
mit Fotos und Videos (maschinenübersetzt) - „Die Waffe am Kopf ist Mileis Wirtschaftsplan“: Tausende von Menschen, die Schulden bei Banken und Anbietern virtueller Geldbörsen haben, versammelten sich vor dem Wirtschaftsministerium
„Soziale Organisationen und Gewerkschaftsverbände nahmen daran teil. Die CGT überreichte eine Petition, in der sie dringende Maßnahmen forderte, um die Zahlungsrückstände von Millionen von Familien einzudämmen.
Es gibt verschuldete Menschen, und zwar fast 20 Millionen – die Hälfte der Bevölkerung. „Niemand hat ihnen eine Pistole an den Kopf gehalten“, wie der Präsident behauptet; so weit muss man aber auch nicht gehen. Eine brutale Sparpolitik reicht schon aus. Auch wenn Javier Milei dies bestreitet und argumentiert, es handele sich um ein Problem der Privatpersonen, sind die Folgen seiner Wirtschaftspolitik offensichtlich. Auch wenn er das Wirtschaftsministerium und die Casa Rosada mit Polizisten umzingelt und einen endlosen Zaun von der Avenida Colón bis zur Plaza de Mayo errichten lässt – die Verschuldeten sind da und haben sich gestern im Zentrum von Buenos Aires Gehör verschafft. Die CGT, die UTEP und die beiden CTA marschierten, um Minister Luis „Toto“ Caputo eine Petition zu überreichen und Maßnahmen gegen die zunehmende Zahlungsunfähigkeit zu fordern. Sie verlangten Antworten auf einen Wirtschaftsplan, der Arbeitnehmer im formellen und informellen Sektor so sehr belastet, dass sie sich weder Lebensmittel noch Fahrkarten mehr leisten können…“ span. Artikel von Ayelén Berdiñas und Celeste del Bianco vom 21. August 2026 in Página|12
mit Fotos (maschinenübersetzt) - Milei und das System der Grausamkeit gegenüber den Ärmsten
„Aus dem Dokument, das in La Plata vorgestellt wurde, geht hervor, dass soziale Proteste im Jahr 2025 von den Sicherheitskräften des Bundes hart niedergeschlagen wurden, was zu einem Anstieg der Zahl der Verletzten und Festgenommenen führte. Die Zahlen aus der Provinz Buenos Aires im Jahresbericht der Provinzkommission für die Erinnerung…“ span. Artikel von Adriana Meyer vom 20. August 2026 in Página|12
(maschinenübersetzt) - Aufruf zu einer Demonstration am 19.9. Wichtige Koordinierungssitzung: Der Aufbau eines „Großen Marsches der Wut“ beginnt
„An der Fakultät für Sozialwissenschaften (UBA) fand eine wichtige Koordinierungssitzung statt, an der mehr als 200 Delegierte, führende Persönlichkeiten und Aktivist*innen der kämpferischen Gewerkschaftsbewegung, von im Kampf engagierten Gruppierungen sowie von sozialen, studentischen, Umwelt- und feministischen Organisationen teilnahmen. Alle waren sich einig, mit der Organisation eines „Großen Marsches der Wut für den Generalstreik“ zu beginnen. Die ersten Organisatoren einigten sich darauf, als Termin den 19. September oder den Tag festzulegen, an dem die Abgeordnetenkammer den Gesetzentwurf zur Unantastbarkeit des Privateigentums behandelt. Zu den wichtigsten Beschlüssen gehörten außerdem der Aufruf zu einer virtuellen Sitzung am Samstag, dem 22. August, um den Marsch auf Bundesebene zu organisieren, sowie eine neue offene Versammlung im Parque Lezama am 5. September zur Vorbereitung des Marsches am 19. September…“ span. Bericht vom 13.8.25 in La Izquierda Diario
(maschinenübersetzt)
- Immer mehr Argentinier brauchen Kredite für Essen und Kleidung
- “No se banca más”: Woche der Proteste gegen den Verschuldungskurs in Argentinien mündet am Donnerstag im Marsch zum Wirtschaftsministerium in Buenos Aires
- Mileis Verelendungskurs trifft Millionen. Argentinien: Gewerkschaften und soziale Bewegungen protestieren gegen eine Regierung, die breite Bevölkerungsschichten in Armut stürzt
„Widerstand sichtbar machen – mit einem Protesttag am Donnerstag in der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires, als Demonstration gegen die Politik der sozialen Verelendung breiter Bevölkerungsschichten durch die Regierung von Javier Milei: Die Gewerkschaftsdachverbände CGT und CTA rufen gemeinsam mit der Unión de Trabajadores y Trabajadoras de la Economía Popular UTEP (Gewerkschaft marginalisierter Arbeiter und Arbeiterinnen), sozialen Bewegungen und Schuldnergruppen zu einem »Marsch der Verschuldeten« vor dem Wirtschaftsministerium auf. Die Mobilisierung ist Teil eines im Juli gestarteten Aktionsplans, der auf die ruinösen Folgen der rechtslibertären Wirtschaftspolitik aufmerksam machen soll. Bereits am Vormittag wollen Vertreter kleiner und mittlerer Unternehmen protestieren. Sie beklagen die Schließung von 26.000 Betrieben seit Mileis Amtsantritt.
Mit den Protesten weisen die Organisatoren auch auf ein zunehmendes Schuldenproblem hin, das nach offiziellen Zahlen der Zentralbank bereits 5,8 Millionen Menschen betrifft, die Kredite nicht mehr tilgen können. Die tatsächliche Zahl der Überschuldeten liegt deutlich höher, denn viele leihen sich Geld bei informellen Anbietern, Nachbarn oder kriminellen Verleihern. Immer mehr nehmen die Kredite nicht für größere Anschaffungen auf, sondern um Lebensmittel zu kaufen, ihre Mieten und Stromrechnungen zu bezahlen oder andere elementare Ausgaben zu decken. Die Verschuldung wird so zum Ersatz für ein Einkommen, das zum Leben nicht reicht.
Eine Ursache sehen Gewerkschaften vor allem im Auseinanderdriften von Lebenshaltungskosten und Einkommen. Der Mindestlohn liegt im August bei monatlich 376.600 Pesos (218 Euro), während eine vierköpfige Familie im Juli nach den Angaben des Statistikamtes INDEC bereits 1,56 Millionen Pesos benötigte, um nicht als arm zu gelten. Während die Reallöhne der Beschäftigten im privaten Sektor im Juni erneut sanken, stieg die Inflation im Juli auf 2,1 Prozent im Monatsvergleich und lag seit Jahresbeginn bei 19,3 Prozent. Wirtschaftsminister Luis Caputo weist jede Verantwortung der Politik zurück und erklärt die Überschuldung mit der souveränen Entscheidung der Betroffenen, Kredite zu hohen Zinsen aufgenommen zu haben. Milei selbst bezeichnete das Schuldenproblem als Angelegenheit zwischen Privatpersonen…“ Artikel von Volker Hermsdorf in der jungen Welt vom 18.08.2026
- Woche der Proteste gegen die libertären Sparmaßnahmen: Gewerkschaften, Schuldner, kleine und mittlere Unternehmen, Studenten und Rentner gehen auf die Straße.
„Verschiedene Protestaktionen werden verdeutlichen, welche Auswirkungen ein Modell hat, das alle Bevölkerungsgruppen betrifft – von Rentnern bis hin zu Erzeugern – und das eine neue soziale Gruppe hervorgebracht hat: die Verschuldeten.
„Es ist nicht mehr auszuhalten“. Dieser Satz taucht in den von Página/12 gesammelten Erfahrungsberichten in verschiedenen Varianten auf. Dazu kommt eine weitere Feststellung: „Es ist kein Geld mehr auf der Straße“. In dieser Woche werden verschiedene soziale Gruppen, die von den libertären Sparmaßnahmen betroffen sind, auf die Straße gehen, um diesen Forderungen Ausdruck zu verleihen. Zu den mittwochs stattfindenden Demonstrationen der Rentner gesellen sich die Studierenden, die mit verschiedenen Maßnahmen die Einhaltung ihres Finanzierungsgesetzes fordern (siehe separaten Artikel). Ebenso die Klein- und Mittelunternehmer, die einen „Industriemord“ anprangern. Und ein neuer sozialer Akteur, der aus der aktuellen Politik hervorgegangen ist, obwohl er vom Präsidenten und seinem Wirtschaftsminister als solcher geleugnet und auf ein „Problem zwischen Privatpersonen“ reduziert wird: die Schuldengeplagten. Dies ist die Gruppe, die im Rahmen des von der CGT gemeinsam mit den beiden CTA-Gewerkschaftsbünden und sozialen Bewegungen entworfenen Kampfplans vertreten sein wird.
Mit der Schlinge um den Hals
Am Donnerstag werden die Unzufriedenheit der Produktion und die Erstickung des privaten Konsums im Mittelpunkt stehen. Am Nachmittag, ab 14 Uhr, werden die CGT, die CTA und die UTEP zusammen mit sozialen Organisationen zum Wirtschaftsministerium marschieren. Sie prangern eine „alltägliche Bedrängnis“ an, von der 5,8 Millionen Menschen betroffen sind, die sich verschulden mussten, um die grundlegendsten Lebensmittel einzukaufen, die Miete zu bezahlen und die Nebenkosten zu begleichen.
Am Vormittag, ab 9 Uhr, werden sich Vertreter argentinischer kleiner und mittlerer Unternehmen vor der Casa Rosada versammeln. Am Nationalen Tag der Unternehmer werden sie sich als „vom Aussterben bedroht“ erklären. (…)
Diesmal wählte die CGT den sozialen Sektor aus, um im Rahmen einer geplanten Eskalation auf sich aufmerksam zu machen, die jedoch bislang noch nicht zu dem von verschiedenen Seiten geforderten Generalstreik geführt hat. Ein „französisches Modell“, das auf eine Abfolge gezielter, sektorspezifischer Machtdemonstrationen abzielt und durch die Bündelung der Kräfte der beiden CTAs und der UTEP, die den informellen Wirtschaftssektor vertreten, eigene Stärke demonstriert…“ span. Artikel von Karina Micheletto vom 18. August 2026 in Página|12
(maschinenübersetzt) - Die grausame Realität Tausender älterer Menschen im Argentinien unter Milei
„Vergessene Rentner: „Wenn wir nicht arbeiten, haben wir nichts zu essen“: Erzählungen aus erster Hand, die das soziale Drama Tausender älterer Menschen widerspiegeln, die heute arbeiten gehen oder Schulden machen müssen, um sich ernähren und Medikamente kaufen zu können…“ span. Artikel von Ayelén Berdiñas vom 17. August 2026 in Página|12
(maschinenübersetzt)
- Mileis Verelendungskurs trifft Millionen. Argentinien: Gewerkschaften und soziale Bewegungen protestieren gegen eine Regierung, die breite Bevölkerungsschichten in Armut stürzt
- Arbeit bei Apps wie Uber statt Arbeitslosigkeit: Wie sich zum Beispiel die Schliessung der Fate-Reifenfabrik in San Fernando nicht in der Bilanz von Milei niederschlägt
„Argentinien erlebt einen radikalen wirtschaftlichen Umbau. Eine Reifenfabrik zeigt, wer den Preis für Präsident Javier Mileis Reformen zahlt. (…)
Die Fate-Fabrik in San Fernando, etwa 30 Kilometer nördlich des Zentrums von Buenos Aires, gehört zu den traditionsreichsten Industriebetrieben Argentiniens. Ihre Ursprünge reichen bis in die frühen 1940er Jahre zurück, als das Land begann, eine eigene industrielle Basis aufzubauen. In den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg setzte Argentinien unter Präsident Juan Domingo Perón auf ökonomische Unabhängigkeit: Was zuvor aus Europa oder den USA eingeführt worden war, sollte künftig im eigenen Land produziert werden. Hohe Zölle und Importbeschränkungen schützten die heimische Industrie vor ausländischer Konkurrenz. In dieser Zeit entstanden Fabriken wie Fate, die über Generationen hinweg Tausenden Familien Arbeit gaben. (…)
Apps wie Uber seien auch der Grund dafür, dass die steigende Arbeitslosigkeit sich bisher nicht vollständig in den Statistiken ausdrückt. Wer für Uber fährt, gilt weiterhin als beschäftigt. „Wenn man einen ehemaligen Fate-Arbeiter für eine statistische Erhebung fragt, ob er Arbeit hat, antwortet er: Ja, ich fahre Uber“, erklärt Varela. In den offiziellen Erhebungen erscheint er deshalb nicht als arbeitslos.
Uber verhindere einen Aufstand
Tatsächlich hat die Plattformarbeit in Argentinien in den vergangenen Jahren stark zugenommen. Ein Bericht des Forschungsnetzwerks Citta der Universität Buenos Aires mit dem Titel „Uberisierung der Arbeit in Argentinien (2016–2025)“ verzeichnet ein explosives Wachstum von 286 Prozent bei Post- und Kurierdiensten. (…)
Die Gewerkschaft Sutna fordert die Wiedereröffnung der Fate-Reifenfabrik. Sie setzt sich für die Verabschiedung eines Gesetzes in der Provinz Buenos Aires ein, das es der oppositionellen Provinzregierung ermöglichen würde, die Fate-Fabrik vorübergehend zu übernehmen und die Produktion wieder aufzunehmen. Sie argumentieren, dass Lkw- und Busreifen ein strategisches Gut in Argentinien seien. Die Provinz wird von Axel Kicillof regiert, einem wichtigen politischen Gegner von Milei. Außerdem hat die Gewerkschaft gegen das Unternehmen geklagt, damit es den Arbeiter:innen die Gehälter bis zum 30. Juni bezahlt.
Der Eigentümer von Fate, Javier Madanes Quintanilla, erstattete Strafanzeige gegen die Arbeiter:innen, die auf dem Werksgelände geblieben waren, um gegen die Schließung zu protestieren. Er wirft ihnen Hausfriedensbruch beziehungsweise widerrechtliche Besetzung vor. 24 Arbeiter wurden zu Vernehmungen vorgeladen, darunter mehrere Gewerkschaftsvertreter des Reifenarbeiterverbands Sutna. Die Beschäftigten weisen die Vorwürfe zurück und sprechen von einem Einschüchterungsversuch. Ein erster Räumungsbeschluss wurde nach einer Berufung ausgesetzt; später entschied ein Berufungsgericht zugunsten der Beschäftigten und stoppte die Räumung. Dennoch läuft das Strafverfahren weiter…“ Lesenswerte Reportage von Sophia Boddenber (Buenos Aires) vom 1.8.2026 in der taz online
(„Arbeit im Anarchokapitalismus: Reifen pressen, das hieß Aufstieg“) und mehr dazu im Podcast

- Prekarisierung der Arbeitsverhältnisse in der Ära Milei schreitet voran: 4 von 10 Arbeitnehmern im Land sind im informellen Sektor tätig
„Bei den Arbeitnehmern ist die Schwarzarbeit wieder auf das Niveau von 2008 zurückgegangen. Die Schwarzarbeit trifft junge Menschen besonders hart. Die Branchen mit den meisten Schwarzarbeitern sind die Hauswirtschaft und das Baugewerbe. Unterdessen wollen die Arbeitgeberverbände die Arbeitsrechtsreform durchsetzen, durch die weitere Rechte abgeschafft werden.
Unter der Regierung von Milei gehen reguläre Arbeitsplätze verloren, und die Prekarisierung der Arbeitsverhältnisse schreitet voran. Ende 2025 waren 4 von 10 Arbeitnehmern im informellen Sektor beschäftigt.
Diese Zahl geht aus dem Bericht „Überblick über informelle Beschäftigung und Erwerbsarmut“
hervor, der vom Fachbereich für Beschäftigung, Verteilung und Arbeitsinstitutionen (EDIL) der Universität von Buenos Aires (UBA) auf der Grundlage von Daten des Indec erstellt wurde. Am vergangenen Mittwoch bestätigte die Behörde einen sprunghaften Anstieg der Arbeitslosigkeit im letzten Quartal des Jahres 2025.
Der Bericht stellt fest, dass „die Verbreitung der informellen Beschäftigung je nach Berufsgruppe unterschiedlich ist. Im vierten Quartal 2025 lag die Quote der informellen Beschäftigung bei den Arbeitnehmern bei 36,3 %, bei den Selbstständigen bei 63,4 % und bei den Arbeitgebern bei 28,7 %“…“ span. Beitrag von Laura Muñiz vom 20. März 2026 in in La Izquierda Diario
(maschinenübersetzt) - 328.000 Pesos. Die Regierung in Argentinien hat den neuen Mindestlohn festgelegt: Die Erhöhung entspricht 3 Empanadas (im Sonderangebot)
„Da es keine Einigung zwischen Gewerkschaften und Arbeitgebern gab, legte er die Erhöhung fest … in Höhe der von den Arbeitgebern vorgeschlagenen Zahlen. Das sind 6.000 Pesos im November und 376.000 Pesos im August 2026. Der Stundenlohn wird auf 1.642 Pesos festgelegt: eine Limonade. Immer mehr Arbeitnehmer leben unterhalb der Armutsgrenze.
Es ist ein sich wiederholender Film. Die Regierung ruft „die Parteien“ zusammen, Gewerkschaften und Arbeitgeber können sich nicht einigen, die Beamten legen den existenzsichernden und variablen Mindestlohn per Dekret auf einen Betrag fest, der dem Vorschlag der Arbeitgeber entspricht.
Es ist wieder passiert.
Am Mittwoch wurde die Resolution 9/2025 des Arbeitsministeriums veröffentlicht. Darin heißt es: „Da die Sitzungen ohne Einigung zu Ende gegangen sind, ist die Unterzeichnerin verpflichtet, eine entsprechende Entscheidung zu diesen Punkten zu treffen.“
Und wie lauteten die Positionen?
Die CGT schlug vor, den Mindestlohn ab November auf 512.000 Pesos anzuheben, mit einer Staffelung, die bis April 2026 eine Erhöhung auf 553.000 Pesos vorsieht.
Die Gewerkschaft CTA Autónoma erklärte, dass der Wert des SMVM heute bei 736.000 Pesos liegen sollte.
Die Unternehmensseite legte einen offensichtlich miserablen Vorschlag vor: 326.000 Dollar seit November.
Die Regierung sagte: „Sehr geehrte Unternehmer, Ihr Vorschlag ist zu niedrig, wir werden ihn erhöhen.“ Und sie erhöhte ihn um 2.400 Pesos.
Eine Provokation. Weniger als ein Sklave
Es stimmt, dass die Tarifverträge heute Löhne festlegen, die über dem SMVM liegen. Aber diese Zahl dient nach wie vor als Mindestlohn für Hunderttausende von prekär beschäftigten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern, unabhängig davon, ob sie angemeldet sind oder nicht. Außerdem hat er Einfluss auf die universelle Kinderbeihilfe (AUH), den Plan Hogar, die Progresar-Stipendien und hatte Einfluss auf die „PPT” und andere heute eingefrorene Arbeitsprogramme. Wenn wir noch die Rentner hinzurechnen, handelt es sich um einen bedeutenden Teil der Arbeiterklasse…“ span. Artikel von Lucho Aguilar vom 3. Dezember in La Izquierda Diario
(maschinenübersetzt) - Die Lebenshaltungskosten für ein Rappi-Gehalt: Ein Bericht zeigt, wie viele Aufträge ein Liefer-Kurier braucht, um die Rechnungen zu bezahlen
„Die Stiftung Encuentro hat errechnet, dass es 126 Aufträge braucht, um den Mindestlohn zu erreichen, 15 Aufträge, um den Monotributo zu zahlen, 190 Aufträge, um ein Kind aufzuziehen und 461 Aufträge, um einen typischen Haushalt zu unterstützen.
Eine private Arbeit befasste sich mit einem Thema, das ein perfektes Bild von den extremen Bedürfnissen und Anforderungen zeichnet, die die Mitarbeiter von Liefer-Apps wie Rappi oder Pedidos Ya haben. Und wie viele Kilometer sie strampeln oder mit dem Motorrad fahren müssen, um sich die Kosten für einen moderaten Lebensstil leisten zu können. Die auffälligste Tatsache ist, dass es 461 Bestellungen braucht, um einen typischen Familienhaushalt zu ernähren.
Die Stiftung Encuentro hat den Koeffizienten der Durchschnittsbestellung (APP) veröffentlicht, einen Indikator, der den Wert, den ein Zusteller für eine durchschnittliche Bestellung – ohne Trinkgeld – in den Zustellplattformen in Rechnung stellt, mit dem Grundwarenkorb eines typischen Haushalts (mit vier Mitgliedern) in Beziehung setzt, den ein Zusteller leisten muss, um verschiedene Niveaus des Lebensunterhalts und der Reproduktion des täglichen Lebens zu erreichen.
Laut der Stiftung der Frente Renovador will die APP „nicht alle Dimensionen der Plattformarbeit erfassen, sondern die materiellen Ungleichgewichte sichtbar machen, mit denen diejenigen konfrontiert sind, die in die Pedale treten oder Motorrad fahren, um ihr tägliches Leben zu bestreiten“. Nach diesen Erläuterungen heißt es in dem Bericht, dass ein Auslieferungsfahrer im September 2025 im Durchschnitt 461 Aufträge erledigen müsste, um einen typischen Haushalt (mit vier Mitgliedern) zu versorgen. Dies wurde errechnet, indem die durchschnittliche Bestellung mit einem Wert von 2.553,6 $ angenommen wurde, wobei der Durchschnitt zwischen Rappi (2.393,4 $) und Pedidos Ya (2.713,8 $) berücksichtigt wurde. (…)
„Die Plattformökonomie hat in Argentinien in den letzten Jahren ein stetiges Wachstum erfahren. Unter ihnen nehmen Sharing-Apps einen zentralen Platz ein: Sie konzentrieren immer mehr Arbeitnehmer, vor allem junge Menschen und Migranten, und sind Teil des alltäglichen Stadtbildes geworden. Dieses Phänomen ist Ausdruck eines tiefgreifenden Wandels in der Arbeits- und Einkommensorganisation“, erklärt Encuentro die Entstehung dieser Studie. Sie stellen klar, dass es im Gegensatz zu anderen Wirtschaftszweigen „keinen Maßstab für Löhne und Arbeitsbedingungen auf den Lieferplattformen gibt. Das Fehlen objektiver Parameter erschwert jede Art von Diagnose und Diskussion. Es handelt sich um eine neue Tätigkeit, und gerade wegen ihrer Neuartigkeit und Undurchsichtigkeit fehlt es an gemeinsamen Bezugspunkten, die es uns ermöglichen, über Rechte nachzudenken, Forderungen zu organisieren oder öffentliche Maßnahmen vorzustellen„…“ Span. Beitrag vom 18. November 2025 in Página|12
(maschinenübersetzt)
Siehe zuvor unser Dossier von 2020 bis 2023: Argentinien gegen den Währungsfonds: Diesmal in Zeiten der Epidemie und Inflation – und keineswegs „einig“ hinter einer fragwürdigen Regierungspolitik