Forderungen der IG Metall für die Stahl-Tarifrunde 2025: „Beschäftigung, Reallöhne und Fachkräfte sichern“

Tarifrunde Stahl 2014Die IG Metall hat ihre Forderungen für die Stahl-Tarifrunde beschlossen: Sie fordert eine Garantie für Arbeitsplätze und volle Kaufkraft. Die wirtschaftliche Lage ist äußerst schwierig. Die Tarifverhandlungen in der nordwestdeutschen und ostdeutschen Eisen- und Stahlindustrie starten am Dienstag. (…) Zudem ruft die IG Metall die Politik auf, endlich positive Rahmenbedingungen für eine zukunftsfähige Stahlindustrie zu setzen. Die Bundesregierung muss durch einen verbilligten Industriestrompreis entlasten. Das Investitions-Sondervermögen muss schnell in greifbare Projekte umgesetzt werden. Von Brüssel erwartet die IG Metall eine europäische Local-Content-Politik als Antwort auf Zollkrise und Billigstahl-Importe…“ Pressemitteilung vom 12. September 2025 externer Link und nun die Verhandlungen samt schnellem Abschluss:

  • Stahltarifrunde 2025: Nicht nur Krise der Branche. Vier Verhandlungen noch während der Friedenspflicht. Abschluss ohne Druckaufbau, aber mit Reallohnverlust New
    „Die Tarifrunde 2025 in der Eisen- und Stahlindustrie offenbart eine tiefe Krise – nicht nur in der Branche, sondern auch eine der gewerkschaftlichen Strategie. Unter dem Motto »Jetzt Einkommen, Beschäftigung und Fachkräfte sichern!« trat die IG Metall in die Verhandlungen mit dem Arbeitgeberverband Stahl (AGV Stahl). Doch statt klarer Forderungen und Arbeitskampfmaßnahmen blieb es bei Appellen, Allgemeinplätzen und Verhandlungsrunden ohne Druckaufbau. Nicht einmal eine bezifferte Entgeltforderung wurde erhoben, und auch sonst fehlte es an greifbaren Zielen. Die Folge: Ein Abschluss, der die Reallöhne nicht sichert und die Beschäftigten mit einem Gefühl der Ohnmacht zurücklässt. Die IG Metall drehte mit der Kapitalseite bereits innerhalb der Friedenspflicht vier Verhandlungsrunden, um noch vor deren Ende zu einem Ergebnis zu kommen. Während der Gespräche gab es viele Appelle an die Sozialpartnerschaft. Aber davon will die Kapitalseite immer nur dann etwas wissen, wenn durch Streiks ihre Profitziele bedroht sind. So auch diesmal: Der AGV Stahl schien schnell zu merken, dass keine ernsten Arbeitskampfmaßnahmen drohten und lehnte sich zurück. (…)
    In der ersten Runde betonte der Kapitalverband prompt, dass es aktuell nichts zu verteilen gäbe. In der zweiten Verhandlungsrunde bot er lediglich zwei Einmalzahlungen von je 250 Euro. In der vierten Verhandlung in der Nacht zum 1. Oktober – kurz bevor die Gewerkschaft legal zu Streiks hätte aufrufen können – wurde sich – wie immer »zähneknirschend« – auf ein Ergebnis geeinigt. (…)
    Für die knapp 70.000 Beschäftigten der Eisen- und Stahlindustrie im Tarifgebiet Nordwest und Ost bedeutet das Ergebnis letztendlich einen Reallohnverlust: Magere 1,75 Prozent mehr Lohn sowie 75 Euro monatlich mehr für Auszubildende bekommen die Stahlbeschäftigten, bei einer Laufzeit von 15 Monate bis Ende 2026. Ein Tropfen auf den heißen Stahl: Die Teuerungsrate wird vom Statistischen Bundesamt für September 2025 mit 2,4 Prozent angegeben. Was die Beschäftigungssicherung betrifft, blieb es bei der Verlängerung bestehender Regelungen. Diese erlauben weiterhin flexible Arbeitszeitkonten und die Absenkung der Wochenarbeitszeit bei teilweisem Lohnausgleich – Instrumente, die in kapitalistischen Krisenzeiten und bei unternehmerischem und staatlichem Missmanagement als Puffer dienen, um kurzfristig Entlassungen zu verhindern. Allerdings wird der Großteil der fremdverschuldeten Kosten dennoch auf die Beschäftigten abgewälzt. (…)
    Die Stahltarifrunde 2025 zeigt exemplarisch, wie sehr sich die gewerkschaftliche Auseinandersetzung in einem Spannungsfeld zwischen dem Glauben an die Sozialpartnerschaft, der Angst vor harten Arbeitskampfmaßnahmen, der Verwischung von Klasseninteressen und politischer Perspektivlosigkeit bewegt. (…)
    Was fehlt, ist eine offensive Strategie, die über das Ritual der Tarifverhandlungen hinausweist. Eine Strategie, die den Erhalt der Industrie mit einer Ausweitung der demokratischen Kontrolle verbindet und die die Profiteure der Krise – von Energiekonzernen bis zu Finanzinvestoren – und nicht die lohnabhängig Beschäftigten zur Kasse bittet…“
    Artikel von Emil Bunke in der jungen Welt vom 6. November 2025 externer Link
  • Tarifabschluss Nordwest in der Tarifrunde Eisen und Stahl 2025 bis 31. Dezember 2026 unter Inflation
    • Tarifrunde Eisen und Stahl 2025 Stahl Nordwest: 1,75 Prozent mehr und Beschäftigungssicherung
      Verhandlungsergebnis in der nordwestdeutschen Stahlindustrie: 1,75 Prozent mehr Geld ab Januar 2026, 75 Euro mehr im Monat für Auszubildende. Laufzeit bis 31. Dezember 2026. Zudem wurden die Tarifverträge zur Beschäftigungssicherung, Übernahme der Azubis und zur Altersteilzeit verlängert…“ Meldung vom 1. Oktober 2025 der IG Metall externer Link
    • Stahltarif unter Inflation: IG Metall und Kapitalverband einigen sich in vierter Gesprächsrunde. Einen Ausgleich der Teuerung erreicht der Abschluss nicht
      Nun steht ein Tarifabschluss in der Stahlindustrie, vorerst für den Nordwesten der BRD. Die IG Metall und der Kapitalverband Stahl einigten sich in der Nacht zum Mittwoch, nachdem die Friedenspflicht in der Branche gerade ausgelaufen war und Warnstreikaktionen der Gewerkschaft möglich geworden wären. So konnte IGM-Vorstandsmitglied Jürgen Kerner zur Gesprächsrunde im Bundesfinanzministerium eine befriedete Stahlbelegschaft melden. Die Runde von Gewerkschaft und Betriebsräten mit Finanzminister Lars Klingbeil, Arbeitsministerin Bärbel Bas (beide SPD) und Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) sollte als Vorbereitung für den »Stahlgipfel« von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) dienen.
      Mit dem nun getroffenen Verhandlungsergebnis erhalten die Stahlbeschäftigten ab Januar 2026 1,75 Prozent mehr Geld. Der Vertrag soll dann bis zum Jahresende, also 15 Monate, laufen.  Die IG Metall war nicht mit einer bezifferten Forderung in die Tarifrunde gegangen, sondern hatte an die »Verantwortung« der Unternehmen appelliert, zumindest die Inflation für die Beschäftigten auszugleichen. Damit war sie, angesichts einer aktuellen Inflation von 2,4 Prozent und drei Nullmonaten nicht erfolgreich. Die Stahlverbände hatten zunächst nur eine Einmalzahlung von 500 Euro angeboten, zuletzt dann 1,2 Prozent Erhöhung über 16 Monate Laufzeit. Das Angebot habe die »Kernforderung nach einer Reallohnsicherung« nicht erfüllt, hatte die IG Metall da noch erklärt…“ Artikel von David Maiwald in der jungen Welt vom 02.10.2025 externer Link
  • Nach Tarifverhandlung in der ostdeutschen Eisen- und Stahlindustrie mit 0,0% Lohnerhöhung fordert die IG Metall doch krasse 2% – nun „drohen“ Warnstreiks
    • [West] Trotz Lösungsvorschlag der IG Metall – kein Ergebnis
      Die Arbeitgeber legen bei der dritten Verhandlung der nordwestdeutschen Stahlindustrie Prozente auf den Tisch, wollen aber eine viel zu lange Laufzeit. Die Reallöhne sichert ihr Angebot auch nicht. Das Gegenangebot der IG Metall lehnen sie ab. Nun drohen Warnstreiks.
      Die Arbeitgeber lassen eine weitere Chance vergehen, noch vor der Firdenspflicht einen Tarifabschluss zu erzielen: Auch die dritteTarifverhandlung in der ostdeutschen Eisen- und Stahlindustrie ist am Mittwoch ohne Ergebnis geendet. Die Arbeitgeber haben nach Aufforderung der IG Metall eine prozentuale Erhöhung von 1,2 Prozent ab Anfang 2026 geboten. „Das ist viel zu wenig, um die Reallöhne zu sichern“, sagte Knut Giesler, Verhandlungsführer der IG Metall, „und die Laufzeit mit insgesamt 16 Monaten viel zu lang“. Die IG Metall hat daraufhin einen Lösungsvorschlag unterbreitet, den die Arbeitgeber abgelehnt haben.  Das Gegenangebot, das die Verhandlungskommssion der IG Metall auf den Tisch gelegt hat, sieht vor, dass die Entgelte ab dem 01. Januar 2026 bis September 2026 um 2 Prozent steigen. Noch 2025 soll es eine Pauschalzahlung von 300 Euro für die Beschäftigten geben, die je nach wirtschaftlicher Lage des Betriebs auf 0 Euro abgesenkt werden kann. IG Metall Mitglieder sollen nach dem Vorschlag der Gewerkschaft 150 Euro pauschal garantiert bekommen
      …“ IG Metall-Beitrag zur Tarifrunde Eisen und Stahl 2025 aktualisiert am 24. September 2025 externer Link
    • [Ost] IG Metall weist Arbeitgeber-Angebot zurück: Zwei mal 250 Euro Einmalzahlung für 12 Monate – aber keine dauerhafte Lohnerhöhung. Null Prozent.
      Das erste Angebot der Arbeitgeber in der Stahl-Tarifrunde ist enttäuschend. Die IG Metall erwartet ein deutlich verbessertes Angebot – sonst gibt es ab 1. Oktober Warnstreiks.
      Die zweite Tarifverhandlung in der ostdeutschen Eisen- und Stahlindustrie endete am Montag ohne Ergebnis. Wie bereits am Freitag, den 19. September, in der zweiten Verhandlungsrunde der nordwestdeutschen Eisen- und Stahlindustrie legten die Arbeitgeber ein Angebot vor, das die IG Metall als völlig unzureichend zurückgewiesen hat. Konkret sieht das Angebot zum 1. Januar 2026 und zum 1. Juni 2026 eine Einmalzahlung von 250 Euro vor, bei einer Laufzeit von 12 Monaten. Eine dauerhafte Erhöhung der Entgelte ist somit nicht Bestandteil des Angebots. (…)
      Am Dienstag nächste Verhandlung im Nordwesten
      Die Verhandlungen gehen am Dienstag mit der dritten Runde in der nordwestdeutschen Stahlindustrie weiter. Die Erwartungshaltung der IG Metall ist deutlich: „Falls es am Dienstag zu keinem deutlich verbesserten Angebot kommt, das auch eine prozentuale Erhöhung enthält, werden auch wir unsere ausgestreckte Hand zurückziehen. Dann gibt es ab 1. Oktober Warnstreiks“, so Knut Giesler, Verhandlungsführer und Bezirksleiter der IG Metall NRW.
      Die IG Metall verhandelt für rund 60 000 Beschäftigte in der nordwestdeutschen und 8 000 Beschäftigte in der ostdeutschen Stahlindustrie. Die Friedenspflicht endet am 30. September um 24 Uhr. In der saarländischen Stahlindustrie starten die Tarifverhandlungen erst im November
      .“ IG Metall-Beitrag zur Tarifrunde Eisen und Stahl 2025 aktualisiert am 22. September 2025 externer Link
  • Flüssig in die Tarifrunde: In der Stahlindustrie stehen Verhandlungen an. Die IG Metall stellt keine bezifferte Forderung auf, sondern appelliert an »Verantwortung« der Konzerne
    „Flüssig bleiben: In die Tarifrunde in der Stahlindustrie geht die IG Metall ohne bezifferte Forderung. Der Vorstand der mitgliederstärksten DGB-Gewerkschaft stimmte dem entsprechenden Beschluss der Tarifkommission am Freitag zu. Was diese zuvor präsentiert hatte, war sicher keine Kampfansage: Man übergebe den Stahlverbänden »ein Paket der Verantwortung«, das, so erklärte der IGM-Vorstand am Freitag, eine »Garantie der Reallöhne und Beschäftigung« enthalten müsse. Hoffentlich rinnt ihnen das, um beim Bild zu bleiben, nicht durch die Finger. Reallöhne zu sichern ist durch die drastischen Preissteigerungen seit 2022 besonders schwierig. Auch eine Lohnanhebung in Höhe der aktuellen Teuerung – keine »Nullrunde«, wie es IGM-Tarifvorständin Nadine Boguslawski am Freitag beschrieb – schafft wohl keinen realen Ausgleich. (…) Mit mehr als 550 Beschäftigten war der Gewerkschafter zuvor vor dem Stahlwerk von Arcelor-Mittal im Duisburger Innenhafen aufmarschiert. Denn das Werk des belgischen Konzerns mit insgesamt 850 Stahlarbeitern stehe wie die Branche da, so Kaus gegenüber jW. Die wiederum steht beispielhaft für die Krise der BRD-Wirtschaft. Die Herstellung von »grünem Stahl« hat Arcelor-Mittal vorerst abgeblasen, eigentlich die große Branchenhoffnung. »Unser Stahl geht baden« ist daher das Motto des Protests – was etwa 60 Kollegen am Freitag mit einem Sprung ins Wasser des Hafenbeckens zeigten. Das adressiere Politik und Unternehmen gleichermaßen: Damit sich Investitionen in Zukunftstechnologie auszahlen, seien bessere Rahmenbedingungen nötig, »vor allem bei den Energiepreisen«. Flüssig bleiben. Renditeschnitte für Investitionen zu fordern funktioniere nicht: »Keines der Unternehmen macht gute Geschäfte«, so Kaus im jW-Gespräch. Die erste Gesprächsrunde der Gewerkschaft mit dem Kapitalverband Stahl startet am Dienstag in Düsseldorf. Betroffen sind der IG Metall zufolge zunächst »Nordwest- und Ostdeutschland«, 68.000 der insgesamt 82.000 Stahlkocher bundesweit. Mit dem Stahl-Verband Saar sollen im November Verhandlungen folgen. Für Nordwest und Ost endet die Friedenspflicht mit dem 30. September. Sollte es in der kommenden Woche nicht zu einer Einigung kommen, sind ab dem 1. Oktober Warnstreiks möglich.“ Artikel von David Maiwald in der jungen Welt vom 13. September 2025 externer Link

Siehe zuletzt das Dossier zur Tarifrunde Eisen und Stahl 2023: Kommt die Vier-Tage-Woche bei vollem Lohnausgleich?

Kurzlink: https://www.labournet.de/?p=230550
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