Wie die Digitalisierung der Medien den Beruf der Journalist_innen verändert

Dossier

Mäuse (Foto: Mag Wompel)Der „typische Journalist“ in Deutschland ist weiterhin Zeitungsredakteur, doch in seinem Berufsalltag und im Kollegenkreis hat sich in den vergangenen zehn Jahren durch die Digitalisierung der Medien und gesellschaftliche Umbrüche vieles verändert. Das sind Ergebnisse der aktuellen Studie “Journalismus in Deutschland“ externer Link die jüngst veröffentlicht wurde. (…) Orientiert an den beiden repräsentativen Untersuchungen „Journalismus in Deutschland“ externer Link von 1993 und 2005 erforschten die Münchner Kommunikationswissenschaftler_innen Nina Steindl, Corinna Lauerer und Thomas Hanitzsch die Berufssituation von bundesweit 775 Journalist_innen, die hauptberuflich für Rundfunk, Print- und Online-Medien arbeiten. Diese wurden zwischen November 2014 und August 2015 entweder per Online-Fragebogen oder am Telefon interviewt…“Artikel von Bärbel Röben vom 9. Januar 2018 bei ver.di Menschen machen Medien externer Link („Typischer Journalist“ ist Zeitungsredakteur“) und mehr daraus zu den Ergebnissen:

  • Schreiben und schreiben lassen. KI im Journalismus: Berufsverbände sind wegen einiger Skandale besorgt um Glaubwürdigkeit und ­fordern Kennzeichnungspflicht; Presserat sieht das anders New
    „… Zur Rettung der Journalistenehre soll nach dem Willen von Berufsverbänden nun eine Kennzeichnungspflicht für KI-Texte her. »Die aktuelle Diskussion um künstliche Intelligenz in journalistischen Texten zeigt, dass die Glaubwürdigkeit des Journalismus auf dem Spiel steht«, sagte etwa der Bundesvorsitzende des Deutschen Journalistenverbands (DJV), Mika Beuster. Sein Verband werde im Presserat um Zustimmung für den Vorschlag werben. Unterstützung kommt von der Deutschen Journalistinnen- und Journalistenunion bei Verdi (DJU): »KI-generierte Inhalte müssen gekennzeichnet werden«, heißt es da. Solange es keine gesetzliche Regelung gebe, solle eine Selbstverpflichtung her.
    Die Führung des Presserats sieht es anders: Redaktionen müssten die Einhaltung des Pressekodex immer sicherstellen, insbesondere in Sachen Sorgfalt, betonte der Sprecher der Organisation, Moritz Döbler, gegenüber KNA. Dabei sei es »zunächst mal unerheblich, wieviel Anteil die KI an der Erstellung eines Textes hatte.« Der Pressekodex verlange keine Kennzeichnung und es sei »sehr schwer zu definieren, ab wann ein Text ganz oder überwiegend KI-generiert ist«. Ohnehin habe der Presserat nicht darüber zu befinden, welche Technologien in den Redaktionen eingesetzt werden.
    Aus Sicht des Herausgebers der New York Times, Arthur Gregg Sulzberger, geht die größte Gefahr für den Journalismus nicht von der KI-Nutzung in Redaktionen aus, sondern von den Konzernen, die die Tools entwickeln. Diese Firmen »stehlen dreist geistiges Eigentum« und gefährden so den Journalismus, monierte er vergangene Woche bei einem Kongress in Marseille. Die Branche »war zu still, zu passiv und zu zersplittert angesichts der Missbräuche, die von jenen Unternehmen begangen werden, die die KI-Revolution vorantreiben«. Nachrichtenseiten würden »ohne Genehmigung und Vergütung« geplündert. Deshalb werde es künftig »immer weniger Journalisten geben, die die kostspielige und mühsame Arbeit der investigativen Berichterstattung leisten«.
    Artikel von Sebastian Edinger in der jungen Welt vom 26.06.2026 externer Link, siehe dazu:

    • Künstliche Intelligenz kennzeichnen
      Der Deutsche Journalisten-Verband fordert die Erweiterung des Pressekodex um eine Kennzeichnungspflicht von journalistischen Beiträgen, die mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz entstanden sind…“ djv-PM vom 17.06.2026 externer Link
  • „Objection“: Journalismus vor dem KI-Gericht. Tech-Milliardär Peter Thiel hat in „Objection“ investiert, ein Start-up, das kritische Journalist:innen an den Pranger stellt
    „Objection (Einspruch) heißt eine neue Online-Plattform, die von ein paar superreichen Techbros ins Leben gerufen wurde. Die Idee: Gegen eine Gebühr ab 2.000 Dollar kann jede und jeder Beschwerde gegen Artikel einreichen und von einer KI überprüfen lassen. Geleitet wird das Projekt von Aron D’Souza – der Unternehmer machte zuletzt vor allem als Gründer der umstrittenen Dopingspiele “Enhanced Games” Schlagzeilen. Er gilt zudem als enger Vertrauter des Tech-Milliardärs Peter Thiel. Und der hat eine ganze Menge Geld in Objection investiert. Was bisher Gerichten vorbehalten war – nämlich zu entscheiden, ob ein Medienbericht gegen Gesetze oder Persönlichkeitsrechte verstößt – soll nun ein KI-Tribunal erledigen. Das ist zumindest die Absicht der Plattform-Betreiber. Denn rechtlich bindend sind die Entscheidungen von Objection nicht. Doch die Gefahr liegt woanders: Kritische Journalist:innen können so breitenwirksam an den öffentlichen Pranger gestellt werden. Wem eine Recherche nicht gefällt, kann Gebrauch von dem KI-Gericht machen und damit Medien unter Druck setzen. (…) Der gesamte Prozess hat auch zur Folge, dass das Vertrauen in anerkannte Gerichte untergraben wird. Es wird vermittelt, dass diese ihre Arbeit nicht richtig machen würden oder nicht fähig seien, zu angemessenen Urteilen zu kommen. Es wird außerdem ignoriert, dass KI-Programme oft falsch liegen und fehlerhafte Ergebnisse ausspucken. Das nennt man dann “Halluzinationen”, weil die Künstliche Intelligenz irgendwelche Informationen zusammenfügt, die gar nicht zusammen gehören. Doch D’Souza und seine Geldgeber zeigen sich davon unbeeindruckt. Echte Richter:innen würden ja auch in ihrer Wahrnehmung manchmal falsch liegen, so die Rechtfertigung. Solche Aussagen erhärten den Verdacht, dass hier die Glaubwürdigkeit der Justiz bewusst ausgehöhlt wird. (…) Am Ende ist das KI-Gericht nichts anderes als ein weiterer Schritt zur Schwächung westlicher Demokratien. Dieses Ziel verfolgen im US-Gründerparadies Silicon Valley inzwischen auffallend viele. Ihren Einflussbereich wollen sie dabei längst nicht mehr auf eine nationale Ebene beschränken. Die bis in den Faschismus hinein reichenden Ideen und Vorstellungen mancher Techbros reichen inzwischen bis nach Europa. Auch hier stößt man in der Techszene immer öfter auf bedenkliche Aussagen und enge Verbindungen zu den Tech-Milliardären in den USA. Daher sei vor Plattformen wie Objection gewarnt. Sie versprechen uns “Wahrheit” und nehmen uns am Ende genau diese weg.“ Beitrag Artikel von Claudia Zettel vom 22. Juni 2026 in Moment.at externer Link („“Objection“: Journalismus vor dem KI-Gericht“)
  • Zwischen Werkzeug und Verantwortung: Künstliche Intelligenz im Journalismus
    Künstliche Intelligenz verändert journalistische Arbeitsweisen grundlegend. Workshops und Debatten zeigen, wo Chancen liegen – und wo Vorsicht geboten ist.
    Künstliche Intelligenz ist längst im journalistischen Alltag angekommen – von Recherche und Transkription bis hin zur Text- und Bilderstellung. Doch wie funktioniert KI eigentlich, und wie lässt sie sich verantwortungsvoll einsetzen?...“ Beitrag von Benjamin Roth vom 14. Februar 2026 in Telepolis externer Link
  • Journalismus und KI
    Der Einsatz Künstlicher Intelligenz im Bereich des Journalismus hat das Potenzial, sich auf die Meinungs- und Willensbildung und damit auf Staat und Gesellschaft auszuwirken. Er wird zudem tiefgreifende Folgen für die Arbeit von Journalist:innen haben. Aus diesem Grund bedarf der Einsatz Künstlicher Intelligenz im Journalismus unbedingt Leitplanken, damit er die freiheitliche Demokratie sowie den journalistischen Berufsstand nicht gefährdet. So wie Menschen im Straßenverkehr vor selbstfahrenden Autos geschützt werden müssen, muss auch im Bereich des Journalismus der unkontrollierte Einsatz Künstlicher Intelligenz verhindert werden.
    KI-Anwendungen agieren fernab von Ethik und einem Wertesystem und sind daher nicht in der Lage, die Wächterfunktion, die Journalist:innen seit jeher zukommt, zu übernehmen. Die redaktionelle Verantwortung über die Inhalte besteht auch für mithilfe einer technologischen Lösung wie der KI generierte Texte. Medienhäuser können sich nicht aus dieser Verantwortung stehlen. Das gilt auch im Hinblick auf ihre soziale Verantwortung als Arbeitgeber:innen. Keinesfalls darf es dazu kommen, dass „Kollege KI“ Redakteur:innen ersetzt. Es steht jedoch zu befürchten, dass ausschließlich gewinnorientierte Medienunternehmen das wirtschaftliche Potenzial von KI höher bewerten als die publizistische Qualität ihrer redaktionellen Einheiten. Dem muss ein Riegel vorgeschoben werden. Ferner müssen Journalist:innen vor der unkontrollierten Ausnutzung ihrer Arbeit durch KI-Anwendungen geschützt werden. Journalistische Inhalte, seien es Texte, Bilder oder Videos, bilden zum großen Teil die Datengrundlage für KI-Anwendungen. Bislang werden Journalist:innen aber nur in den seltensten Fällen nach ihrem Einverständnis gefragt oder finanziell beteiligt. Dies muss sich schnellstens ändern. Schließlich muss der Einsatz Künstlicher Intelligenz stets gekennzeichnet werden, damit Bürger:innen die Quelle erkennen und den Nutzen des Inhalts für ihre Meinungsbildung einordnen können…“ DJV-Positionen externer Link in deren Dossier
  • 30 Jahre online: Wie das Internet den Journalismus verändert hat 
    „Derzeit häufen sich die 30. Geburtstage von Online-Auftritten überregionaler Traditionsmedien. Mit amüsierten Rückblicken auf steinzeitlich anmutende Technik, auf das kleine und eher kuriose Publikum oder die Frage, wer zuerst da war, feiern sie ihr Jubiläum in zahlreichen Texten. Was bei den Erzählungen außen vor bleibt: wie das Internet die Funktionsweise der Massenmedien selbst verändert hat. (…) Als sich das Internet mit Beginn der 1990er Jahre zunehmend kommerzialisiert, ist der Zeitgeist geprägt von Visionen der Entstaatlichung, die sich auch in die Konstruktion des digitalen Raumes einschreiben. Ohne Staat aber, das übersehen die Pionier*innen damals, kann niemand verhindern, dass Großunternehmen den Cyberspace kolonisieren. Das Internet ist schnell nicht mehr Versammlungsort einer Gegenkultur, sondern wird zur Geschäftsgelegenheit. (…) Die Geschäftsgelegenheit Internet nimmt als Dotcom-Boom schnell Fahrt auf. In den späten 90ern provozierten bis dato oft unbekannte Unternehmen mit neuartigen Geschäftsideen immer höhere Gewinnerwartungen bei Anlegern und nährten teilweise mit kriminellen Konzepten eine Börsenblase. Ohne diese Phase lässt sich die Geschichte des Online-Journalismus nicht erzählen. (…) 2009 sagt der damalige CEO Eric Schmidt in bemerkenswert selbstbewussten Worten: „Wir haben entschieden, dass Reichweite der Wert ist, den wir unseren Partnern zur Verfügung stellen.“ Eine folgenschwere Entscheidung für den Journalismus. Neben dem Werbemarkt funktioniert nun also auch die Distribution der Inhalte nach dem Muster „Hauptsache mehr!“. (…) Lässt sich Erfolg in Zahlen ausdrücken, rücken qualitative Kriterien im hektischen Tagesgeschäft schnell in den Hintergrund – deren Analyse ist schließlich ungleich aufwendiger. Man könnte wohl von einer metrischen Deformation des kritischen Geistes sprechen, die sich seither in der Arbeitsweise von Journalist*innen vollzieht. Denn diese Rationalität folgt keiner journalistischen Maxime, sondern dem Geschäftsmodell der Suchmaschine. (…) Diese Logik setzt sich auch im zweiten, dem sogenannten Social Web fort. (…) Reichweite hat sich da längst plattformübergreifend als zentrale Erfolgsgröße durchgesetzt. (…) Wenig überraschend kommt Google zu dem vorteilhaften Ergebnis, dass sich für die Suchmaschine wenig bis nichts ändere, wenn man keine Nachrichteninhalte mehr findet. Die Botschaft ist klar: Es gibt nichts zu verteilen, wenn Google selbst nichts mit journalistischen Inhalten verdient. (…) Währenddessen vollzieht sich gerade ein Paradigmenwechsel, der das Ende vom Wert der Reichweite einläutet: KI-Zusammenfassungen ersetzen Suchergebnisse. Damit schwindet der Anlass, die Suchmaschine überhaupt noch zu verlassen. (…) Vor allem Google hat viel Geld damit verdient, in der Nachrichtensuche journalistische Inhalte zu verteilen. Die KI-Anbieter versuchen das nun, indem sie ihre Modelle damit trainieren. In der analogen Welt würde man wohl von Hehlerei sprechen. Zwar haben die Verlage mit Bezahlschranken ein weiteres Standbein entwickelt, das sie ein wenig vor diesen Entwicklungen schützt. Es reicht aber nicht, um auf die Plattformen verzichten zu können. Das gilt insbesondere für Regional- und Lokaltitel. (…) Schon 1982 schrieb Medienwissenschaftler Siegfried Weischenberg: „Für den Journalismus ist die Technik konstituierend. Der Beruf entstand auf der Grundlage von technisch-ökonomischen Umwälzungen.“ Solche Umwälzungen bringen schließlich herausragende Informationsbedürfnisse hervor, die Gesellschaften als ganze betreffen. Daraus ergibt sich aber ein Spannungsfeld für den Journalismus. Weil er selbst betroffen ist, fehlt ihm bisweilen die kritische Distanz in der Bewertung neuer Technologien. Und während er sie mit Hypes groß macht, fällt er ihnen zum Opfer.“ Gastbeitrag von Jann-Luca Künßberg vom 26. Juni 2025 bei Netzpolitik.org externer Link
  • Wie Facebook linken Online-Journalismus verändert
  • „Typischer Journalist“ ist Zeitungsredakteur“
    Weiter aus dem Artikel von Bärbel Röben vom 9. Januar 2018 bei ver.di Menschen machen Medien externer Link: „… Die Studie ist Teil des international vergleichenden Forschungsprojekts „The Worlds of Journalism Study“ externer Link, das aus München von Professor Thomas Hanitzsch und seiner Mitarbeiterin Corinna Lauerer koordiniert und von verschiedenen Universitäten und Stiftungen finanziert wird. Forscher_innen aus über 60 Ländern beteiligen sich an den Datenerhebungen zur Berufssituation von  Journalist_innen weltweit. In dem Länderbericht über Deutschland externer Link finden sich weitere Details zur „massiven Verschlechterung der Arbeitsbedingungen“.
    Mehr Profitdruck, weniger Ethik
    So berichtet eine Mehrzahl der befragten Journalist_innen, dass ihre durchschnittliche Arbeitszeit zunimmt, sie aber weniger Zeit für Recherchen haben und ihr professioneller Freiraum eingeschränkt sei. Massiv gestiegen seien technische Anforderungen und Fertigkeiten im Umgang mit Suchmaschinen. Durch Social Media, User generierte Inhalte und verstärkten Wettbewerb hätten Markteinflüsse zugenommen: Es gebe mehr Profitdruck, mehr Rücksicht auf Werbung und Publikumsforschung. Außerdem würden sie gedrängt, mehr Sensationsnachrichten zu verfassen und stärker auf Publikumsfeedback zu reagieren. Ethische Standards seien dagegen die einzigen Einflüsse, die in den vergangen fünf Jahren abgenommen hätten. Viele Journalist_innen zeigten sich besorgt über die schwindende Glaubwürdigkeit der Medien und ihrem damit verbundenen Bedeutungsverlust in der Öffentlichkeit.“
  • Generative KI im Journalismus – Sorgfalt, Transparenz und Qualität gewährleisten
    KI-Systeme kommen im Journalismus seit Jahren zur Anwendung. Mit jeder nächsten Stufe der Entwicklung stellt sich die Frage nach der Art ihrer Einbindung im redaktionellen Prozess neu, aktuell angesichts von generativer KI in Wort-, Bild- und Video-Ausgabe. Das macht eine Grundsatz-Diskussion über den Einsatz von mehr als rein assistierender KI in den Produktionsprozessen der Medienhäuser nötig. Die Entwicklung und der Gebrauch von KI-Tools sind dynamisch und ihrer Regulierung weit voraus. Journalistische Standards und redaktionelle Verantwortung müssen in gesellschaftlich sensiblen Bereichen wie der öffentlichen Information weiterhin durch Menschen gewährleistet werden. Für die Selbstkontrolle der Branche stellt sich die Aufgabe, einheitliche Standards zur Gewährleistung journalistischer Qualität zu entwickeln, nicht zuletzt um das Vertrauen der Nutzer*innen in seriöse Medien auch bei einem durch generative KI umso leichter zu manipulierenden öffentlichen Diskurs zu erhalten und zu festigen. Und auch der Gesetzgeber muss den rechtlichen Rahmen der technischen Entwicklung anpassen. Die dynamischen Entwicklungen machen eine kontinuierliche Auseinandersetzung notwendig…“ Diskussionspapier vom 15. September 2023 externer Link der Bundesfachgruppe Medien, Journalismus und Film in ver.di zum Einsatz von Künstlicher Intelligenz

Siehe auch:

Kurzlink: https://www.labournet.de/?p=126450
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