Tarifrunde Metall- und Elektroindustrie 2020 startet mit Debatten über die Forderungen

Dossier

"Metall- und Elektro-Arbeitgeber: Sie wollen Profit. Wir wollen Wachstum" (IG Metall 2016). Foto: Wolfgang Schaumberg“Ab März 2020 stehen die nächsten Tarifverhandlungen für die Metall- und Elektroindustrie an. In den Betrieben und Tarifkommissionen starten jetzt die Diskussionen zu den Forderungen. Die endgültige Forderung an die Arbeitgeber beschließt der IG Metall-Vorstand Ende Februar. Zu Jahresbeginn haben die Debatten über die Forderungen für die anstehende Metall-Tarifrunde begonnen. Wie viel mehr soll es für die Beschäftigten sein und wie viel kann die Wirtschaft verkraften? Darüber diskutieren die Metallerinnen und Metaller in den Betrieben und regionalen Tarifkommissionen. Es gab bereits erste Sitzungen der Tarifkommissionen. Die Meinungen ergeben ein vielfältiges Bild. Viele Betriebsräte berichten, dass ihre Unternehmen die Transformation als Vorwand benutzen, um zu sparen, Stellen abzubauen und zu verlagern. Trotz der weltweit abgesch“wächten Autonachfrage beurteilt die IG Metall die konjunkturelle Lage grundsätzlich als nicht dramatisch. „Vieles spricht dafür, dass sich die Konjunktur bereits im zweiten Halbjahr 2020 wiederbelebt“, sagt der IG Metall-Vorsitzende Jörg Hofmann. Wegen der Unsicherheiten strebt die IG Metall bei den anstehenden Tarifverhandlungen für die Metall- und Elektroindustrie keinen Abschluss mit einer langen Laufzeit an. Jörg Hofmann: „Mit einer kurzen Laufzeit bleiben Korrekturen möglich.“ Die Laufzeit der geltenden Entgelt-Tarifverträge für die Metall- und Elektroindustrie endet am 31. März 2020. Bis dahin gilt die Friedenspflicht. Wie in den Vorjahren orientieren wir uns an einem klaren Zeitplan. Ab Mitte Januar nimmt die Metall-Tarifrunde Fahrt auf.” Mitteilung der IG Metall vom 8. Januar 2020 externer Link mit dem Fahrplan, siehe auch deren Sonderseite Tarifrunden – Metall und Elektro externer Link und hier zunächst das Arbeitgebergeschrei:

  • [“#weiterdenker”] Arbeitgeberverband Gesamtmetall mobilisiert für die Tarifrunde 2020 eine (genügsame?) Volksgemeinschaft gegen die internationale Konkurrenz New
    Im Vorfeld der Tarifrunde 2020 in der M+E-Industrie versucht der Arbeitgeberverband Gesamtmetall mit einer Aktionsseite “#weiterdenker” offenbar, die IG Metall und die Auto-/Metall-Belegschaften auf eine neue Stufe der Standortpolitik einzuschwören. So gibt z.B. der Gesamtmetall-Präsident Dr. Rainer Dulger in einem Interview am 15.01.2020 in der WELT, das dort verlinkt wird externer Link, das Motto für dei Tarifrunde vor: “Der Standort Deutschland muss für jedes Unternehmen die beste Wahl bleiben.” Auf Twitter werben die ME-Arbeitgeber externer Link für die Aktionsseite mit der Kampfansage “Die Arbeit wird sich verändern und die globale Konkurrenz ist stark. Aber wir können das Match gewinnen. Wenn wir zusammen weiterdenken“, unterstützt durch ein Video zur Tarifrunde externer Link , das anhand einer Tischtennisrunde von Team Deutschland vs Internationale Konkurrenz die Sozialpartnerschaft beschwört. Dass es bei der “Partnerschaft” natürlich um Verzicht gehen soll, belegen weitere Statements der diversen regionalen Arbeitgeberverbände – siehe 2 Kostproben aus der Aktionsseite:

    • [Nordmetall] Forderungsdebatte der Gewerkschaft: In der Krise Arbeitsplätze und Standorte erhalten
      Zum Auftakt der Forderungsdebatte für die neue Tarifrunde in der norddeutschen Metall- und Elektroindustrie hat der Arbeitgeberverband NORDMETALL der Gewerkschaft bescheinigt, zumindest teilweise richtige Signale zu setzen. „Mit der Konzentration auf Beschäftigungserhalt und Standortsicherung setzt die IG Metall die richtigen Prioritäten“, erklärt der Hauptgeschäftsführer von NORDMETALL, Dr. Nico Fickinger. (…)Zugleich gelte es, in einem instabilen internationalen Umfeld die Wettbewerbsposition der norddeutschen M+E-Industrie durch verkraftbare Kostenstrukturen zu verteidigen. „Unsere Arbeitskosten gehören zu den höchsten der Welt. Wer Investitionen fördern und Beschäftigung sichern möchte, darf die Betriebe nicht mit dauerhaften Kostensteigerungen belasten und muss zudem auf die zum Teil sehr unterschiedliche Lage der Firmen Rücksicht nehmen.“” Meldung von Nordmetall vom 16.01.20 auf der Gesamtmetall-Aktionsseite zur Tarifrunde “#weiterdenker” externer Link
    • [VME] Metall-Arbeitgeber mahnen Tarifrunde mit Augenmaß an. Amsinck: „Unternehmen stehen vor großen Herausforderungen. Das muss die IG Metall berücksichtigen“
      Die Metall-Arbeitgeber in Berlin und Brandenburg teilen die Einschätzung der IG Metall, dass die wirtschaftliche Lage in den Unternehmen schwieriger geworden ist. „Darauf müssen wir Antworten finden. Wir wollen zusammen mit der Gewerkschaft dafür sorgen, dass die Unternehmen und die Arbeitsplätze an unserem Standort eine gute Zukunft haben. Dazu müssen wir zusammen weiterdenken“, sagte Christian Amsinck, Hauptgeschäftsführer des Verbands der Metall- und Elektroindustrie in Berlin und Brandenburg (VME)…” Meldung der VME Berlin vom 16.01.20 auf der Gesamtmetall-Aktionsseite zur Tarifrunde “#weiterdenker” externer Link
  • IG Metall Tarifkommissionen tagen: Beschäftigte wollen höhere Entgelte und sichere Arbeitsplätze
    “… In den regionalen Tarifkommissionen der sieben IG Metall-Bezirke diskutieren gewählte Vertreterinnen und Vertreter aus den Betrieben. Sie berichten, dass den Beschäftigten neben der Entgeltentwicklung vor allem die Sicherung ihrer Arbeitsplätze wichtig ist. (…) Wichtigster Wachstumsmotor des Bruttoinlandsprodukts ist weiterhin der private Konsum, mit voraussichtlich plus 0,7 Prozent in diesem Jahr. Die Kauflaune der Menschen in Deutschland hat die Wirtschaft bislang vor der Rezession bewahrt. Eine Sicherung der Realeinkommen und die Stärkung der Kaufkraft der Beschäftigten ist daher aus Sicht der Tarifkommissionen mit Blick auf die Metall-Tarifrunde gesamtwirtschaftlich geboten. Zur aktuellen Konjunktur kommt die Transformation in den Betrieben durch Digitalisierung, Energiewende und den Umstieg aufs Elektroauto, die Arbeitsplätze gefährdet. Die Debatte in den Tarifkommissionen gestern zeigte: Die Sicherung der Beschäftigung im Strukturwandel wird in der Tarifrunde eine wichtige Rolle spielen. Dazu gehört auch die Qualifizierung und Weiterbildung für neue Arbeitsaufgaben. (…) Auch die Angleichung der Arbeitszeiten im Osten ist noch ungelöst. Dort wird über 30 Jahre nach dem Fall der Mauer immer noch tariflich 38 Stunden in der Woche gearbeitet, während im Westen tariflich die 35-Stunden-Woche gilt. Die IG Metall will das ändern. Am 4. Februar gibt der Vorstand der IG Metall seine Empfehlung für eine Forderung ab. Am 20. Februar beschließen die Tarifkommissionen das Forderungspaket. Am 26. Februar legt der Vorstand die endgültige Forderung fest. Die Tarifverhandlungen in der Metall- und Elektroindustrie starten im März.“ Meldung vom 17.01.2020 bei der IG Metall externer Link
  • Schurken in Chefetagen – Unternehmer machen vor Tarifrunde Stimmung gegen IG Metall / Sozialpartnerschaft in Gefahr? Arbeitgeber schlagen Alarm  
    • Schurken in Chefetagen – Unternehmer machen vor Tarifrunde Stimmung gegen IG Metall
      “Schlechte Aussichten für Spekulanten. Im neuen Jahr werden Kapitalisten weniger profitable Anlagemöglichkeiten zur Verfügung stehen. Die Weltbank hat ihre Prognose für das globale Wirtschaftswachstum für dieses und das kommende Jahr um 0,2 Prozent gesenkt. In ihrem am Donnerstag veröffentlichten Wirtschaftsausblick warnte sie vor zahlreichen Risiken, die die aus ihrer Sicht »fragile« Erholung der Weltwirtschaft gefährden könnten. »Das Produktivitätswachstum, eine Hauptquelle des Einkommenswachstums und Motor der Armutsbekämpfung, hat sich seit der globalen Finanzkrise breiter und steiler verlangsamt als jemals zuvor in vier Jahrzehnten«, berichtete die Weltbank. Deutsche Unternehmen bekommen diese Entwicklung besonders zu spüren. (…) Am Donnerstag gab das statistische Bundesamt in Wiesbaden bekannt, dass die Ausfuhren aus der Bundesrepublik im November 2019 um 2,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat gesunken seien. Dennoch setzt die Bundesregierung ihre wirtschaftspolitische Irrfahrt fort. Der US-Ökonom Paul Krugman meint: »In einer Weltwirtschaft, die unter einem Mangel an Nachfrage leidet, sind die Länder, die große Handelsüberschüsse erwirtschaften, die Bösewichte.« (…) Hiesige Konzernchefs werden nicht tatenlos zusehen, wenn ihnen ihre Profite davonschwimmen. Arndt Kirchhoff, Präsident des Verbandes der Metall- und Elektroindustrie Nordrhein-Westfalen, rief die im März anstehende Tarifauseinandersetzung in der Branche am Donnerstag kurzerhand zur »wichtigsten Tarifrunde der vergangenen zehn Jahre« aus. (…) Die IG Metall hat hingegen bereits angekündigt, wegen der schlechten Konjunkturaussichten eine kurze Laufzeit der Tarifverträge anzustreben. »Viele Betriebsräte berichten, dass ihre Unternehmen die Transformation als Vorwand benutzen, um zu sparen, Stellen abzubauen und zu verlagern«, teilte die Gewerkschaft am 8. Januar mit…” Artikel von Simon Zeise in der jungen Welt vom 10. Januar 2020 externer Link
    • Sozialpartnerschaft in Gefahr? Arbeitgeber schlagen Alarm
      “… Kurz vor der neuen Tarifrunde für bis zu 4 Millionen Beschäftigte der Metall- und Elektroindustrie wenden sich führende Arbeitgebervertreter mit drastischen Mahnungen an die Gewerkschaftsseite, teils aber auch an die Unternehmen: An der Schwelle zum neuen Jahrzehnt sehen sie die Sozialpartnerschaft in Deutschland an einem „Scheideweg“. Seit Gründung der Bundesrepublik sei diese eine tragende Säule der Gesellschaftsordnung gewesen – nun gehe es darum, einen Zerfall dieser Säule zu verhindern. Davon werde abhängen, „ob die Soziale Marktwirtschaft hier eine Zukunft hat“, warnte Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer vor Journalisten in Berlin. Der Präsident der nordrhein-westfälischen Metallarbeitgeber, der Familienunternehmer Arndt G. Kirchhoff, schlägt in einem Gastbeitrag für die F.A.Z. zur bevorstehenden Tarifrunde mit der IG Metall ähnliche Töne an (…) Zuletzt sei das Vertrauen vieler Unternehmen in die Arbeitgeberverbände durch mehrere schwierige Tarifabschlüsse stark belastet worden, kritisiert Kirchhoff. „Unter dem Strich hat die IG Metall mit ihren überbordenden Forderungen Tarifrunden überfrachtet und Abschlüsse erzwungen, aufgrund derer sich immer mehr Betriebe in ihrer wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit überfordert sehen.“ (…) Die Arbeitgeber-Appelle zielen jedoch auch über den Tag hinaus. Arbeitgeberpräsident Kramer hatte schon 2018 eine Reform hin zu einer „modularen Tarifpolitik“ vorgeschlagen: Betriebe, denen das Regelwerk eines Flächentarifs in seiner Gesamtheit zu kompliziert ist, könnten dann eine Bindung an einzelne „Tarifmodule“ eingehen – und hätten nicht mehr nur die Option, sich ganz abzuwenden. Entscheidend sei, ob es Gewerkschaften und Arbeitgeberverbänden gelinge, eine für Arbeitnehmer und Unternehmen gleichermaßen überzeugende Tarifpolitik zu gestalten, betonte Kramer. (…) „Wenn wir Sozialpartnerschaft aufrechterhalten wollen, müssen sich Gewerkschaften und Arbeitgeber bewegen“, mahnte er.” Artikel von Dietrich Creutzburg vom 9. Januar 2020 bei der FAZ online externer Link
  • Siehe zuletzt unser Dossier zur Tarifrunde Metall- und Elektroindustrie 2017/2018
Kurzlink: https://www.labournet.de/?p=160394
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