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[Die Anstalt] Sanifair: Bezahlen für Toilettenbenutzung?
Bezahlen für Toilettenbenutzung? Ein Thema für die Anstalt! Die beiden Kabarettisten Rainald Grebe und Matthias Egersdörfer mit einer Nummer über die Abzocke mit den Sanifair-Toiletten auf deutschen Autobahnraststätten – musikalisch begleitet von der Chemnitzer Band „Kraftklub“. Weltpremiere: MC Grebe feat. MC Egersdörfer & Kraftklub zum Thema Sanifair. Video des Auftritts in der Anstalt-Sendung vom 9.12.2014 in der ZDF-Mediathek
und nun auf youtube
. Der Kabarettist Rainald Grebe ist – leider erfolglos – gegen die Kostenpflicht juristisch vorgegangen, siehe Infos dazu:
- [Report Mainz] Ausgebeutet für Sanifair? Schmutzige Geschäfte mit sauberen Toiletten
„Es sind schwere Vorwürfe, die Reinigungskräfte bei Report Mainz erheben. Sie schildern, in Sanifair-Toilettenanlagen täglich zwölf Stunden arbeiten zu müssen. Sieben Tage die Woche. Dafür erhielten sie einen Stundenlohn von rund fünf Euro.
„Sie haben keine Ahnung, was wir jeden Tag durchmachen und wie wir gedemütigt werden. Wir werden wie Tiere behandelt. Am Ende werfen sie dich weg wie einen nutzlosen Gegenstand.“ Diesen Hilferuf hatte eine Reinigungskraft an Report Mainz geschickt. Wochenlang stand der Mann aus Bulgarien mit dem ARD-Politikmagazin in Kontakt. Er will nicht erkannt werden, aus Angst um seinen Job. Zu seinem Schutz nennen wir ihn Anton. Er reinigt nach eigenen Angaben seit mehr als einem Jahr Sanifair-Toiletten an einer Tank-&-Rast-Anlage. Jeden Tag zwölf Stunden. Trotz für ihn unzumutbarer Arbeitsbedingungen müsse er weitermachen. Denn er wohne in der Unterkunft seines Arbeitgebers und habe Angst, auf der Straße zu landen.
Um die Aussagen zu überprüfen, dokumentierte Report Mainz selbst an mehreren Raststätten bundesweit, wie lange Reinigungskräfte dort arbeiten. Diese Recherchen ergaben: Tatsächlich sind die Personen an den dokumentieren Raststätten täglich zwölf Stunden im Einsatz. Mehrere Reinigungskräfte berichten zudem von einem Stundenlohn von rund fünf Euro. Das liegt deutlich unter dem tariflichen Mindestlohn für Gebäudereiniger von 15 Euro pro Stunde.
Reinigung durch Subunternehmer
Wer an Raststätten der Tank-&-Rast-Gruppe die Toilette nutzt, zahlt einen Euro beim Tochterunternehmen Sanifair und erhält dafür einen Wertbon. Anton arbeitet jedoch nicht direkt für Sanifair, sondern für eine Firma aus Bulgarien. Das Subunternehmen reinigt für Raststättenpächter Sanifair-Toiletten. Laut Vertrag ist Anton als freiberuflicher Mitarbeiter tätig.
Report Mainz hat die Recherchen einem Arbeitsrechtler vorgelegt. Florian Rödl hält das Beschäftigungsverhältnis für eine abhängige Beschäftigung. „Das ist einfach strafbarer Betrug. Und da wir es hier nicht mit einem Einzelfall zu tun haben, ist es ein Betrug in großem Stil, der eigentlich auch hohe Strafdrohungen auf sich ziehen müsste“, so Rödl…“ Beitrag von Anna Stradinger und Aleksandra van de Pol, SWR, vom 18.08.2026 auf tagesschau.de
zum Beitrag in der Sendung Report Mainz am 18. August

- Sanifair nimmt viel ein mit der Notdurft: Das Ding mit den Wertebons
„Auf Autobahnraststätten kostet einmal aufs Klo gehen 70 Cent bei Sanifair. Dafür gibt es einen Wertbon von 50 Cent. Ein gutes Geschäft. Für Sanifair. (…)
Sanifair ist die Tochterfirma des Autobahn-Raststätten-Betreibers Tank & Rast. Der Konzern war einst staatlich und wurde dann für 1,3 Milliarden DM verkauft (nachdem er alle Einrichtungen der MITROPA übernommen hatte): an den Finanzinvestor Terra Firma und einen Fonds der Deutschen Bank. 2015 verkaufte Tank & Rast an ein Konsortium „um den Versicherungsriesen Allianz. Zu der Käufergruppe gehören daneben der kanadische Infrastruktur-Fonds Borealis, der Staatsfonds von Abu Dhabi, ADIA, und die Münchener-Rück-Tochter MEAG,“ meldete die „Tagesschau“. Der Kaufpreis für die 390 Raststätten, 350 Tankstellen und 50 Hotels betrug 3,5 Milliarden Euro. Jährlich muss Tank & Rast dem Staat Konzessionsgebühren um 17 Millionen Euro zahlen, dieser hält dafür die Anlagen für 110 Millionen Euro im Jahr instand.
Im Privatisierungsvertrag hieß es 2016: „Die Tank & Rast wird sich bemühen, die unentgeltliche Benutzung von sanitären Einrichtungen ganzjährig durchgehend sicherzustellen.“ Sie bemühte sich aber nicht. Gegen die Kostenpflicht bei Benutzung der Toilettenanlagen ist der Kabarettist Rainald Grebe juristisch vorgegangen – jedoch erfolglos. Unterdes hat sich der Abgeordnete Victor Perli (Linke) zu einem weiteren Sanifair-Gegner profiliert.
Benzin ist ausgenommen
Die Tochterfirma von Tank & Rast, Sanifair, verwendet statt Toilettenfrauen oder -männern, denen man 50 Cent für die Benutzung der Toiletten bezahlte, elektronisch gesteuerte Drehkreuze, die sich nur mit dem Einwurf von 70 Cent öffnen lassen. Dafür bekommt man einen „Wertbon“ in Höhe von 50 Cent wieder. Da man diesen nur an den Raststätten einlösen kann, es dort jedoch so gut wie keine Waren zu diesem Preis gibt, kauft man notgedrungen irgendetwas teureres aus ihrem Angebot und verrechnet den Sanifair-Bon damit beim Bezahlen (Benzin ist davon ausgenommen). „Branchenschätzungen zufolge generiert jeder Sanifair-Bon knapp dreieinhalb Euro Umsatz,“ schreibt der Berliner Schriftsteller Florian Werner. Auch auf den großen Bahnhöfen sowie in Österreich und in Ungarn gibt es seit einiger Zeit Sanifair-Toiletten. Ebenso in Ketten wie McDonald´s, WMF, Nordsee und Backwerk…“ Aus der Kolumne Wirtschaftsweisen von Helmut Höge vom 25.4.2021 in der taz online
- Teure Pinkelpause: Kabarettist Grebe scheitert mit Klage gegen WC-Gebühr
„70 Cent für einmal Pipi machen? Ein Verstoß gegen die Grundversorgung der Bürger, befand der Kabarettist Rainald Grebe – und zog vor Gericht. Leider vergeblich.
Erstaunlich: Auf Autobahnraststätten hört man immer mal wieder lautes Stöhnen oder Schimpfen angesichts einer mit 70 Cent nicht gerade günstigen Pinkel-Gebühr in den dortigen Toiletten. Vor Gericht allerdings ist bisher niemand dagegen vorgegangen. Außer dem Kabarettisten Rainald Grebe („Brandenburg“). Der verklagte das Land Rheinland-Pfalz und begründete seinen Vorstoß damit, dass die WC-Gebühr an Autobahnen gegen die Gaststättenverordnung Rheinland-Pfalz verstoße, die eine kostenlose Nutzung für Gäste vorschreibe. Auch sei die kostenpflichtige Nutzung von Toiletten gegen das Prinzip der Daseinsvorsorge, die eine Grundversorgung der Bürger vorsehe. Grebe musste dennoch eine Niederlage einstecken. „Die Klage blieb ohne Erfolg“, befand das Verwaltungsgericht Koblenz…“ Artikel vom 04.12.2017 im Spiegel online
, detaillierter auf LTO 